mini|Sogenannte Dionysos-Schale mit Weinreben: Dionysos fährt über das Meer, Augenschale im korallenrot-schwarzfigurigen Stil aus Athen des Malers Exekias, geschaffen um 550–530 v. Chr. Die Geschichte des Weinbaus ist eng mit der Entwicklung früherer Kulturen verbunden. Das Produkt der Rebe, der Wein, wurde als Getränk der Götter angesehen. Der griechische Gott Dionysos beziehungsweise sein römisches Pendant Bacchus waren in der Mythologie dem Wein gewidmet. In anderen Kulturen war der Wein ein Symbol vergossenen Bluts im Kampf gegen die Götter. Er wurde häufig als Grabbeigabe verwendet.

Aus der Familie der Weinrebengewächse hat die Gattung der Weinreben die größte Bedeutung für den Anbau. Der Schwerpunkt der natürlichen Verbreitung liegt in den klimatisch gemäßigten Regionen der nördlichen Hemisphäre. Von den rund 60 bekannten Spezies dieser Gattung wird nahezu ausschließlich die Edle Weinrebe (Vitis vinifera) für den Weinbau kultiviert. Eine untergeordnete Rolle spielen die Erzeugnisse von Vitis riparia und Vitis labrusca.

Vorbedingungen Wildreben lassen sich durch Fossilienfunde bis auf eine Zeit vor 80 Millionen Jahre zurückdatieren. Kerne von durch Menschenhand angebauten Reben konnten auf eine Periode von 8000 Jahren v. Chr. datiert werden. Solche Funde wurden in Georgien und im angrenzenden Teil der Türkei gemacht. Aus der frühen Jungsteinzeit liegen jedoch bereits Belege vor, dass die noch nicht sesshaften Völker die Beeren weiterverarbeiteten.

Erst mit der Sesshaftigkeit wurde mit dem eigentlichen Weinbau begonnen. Nur dadurch konnten die Menschen den optimalen Lesezeitpunkt der Beeren abwarten. Die bislang älteste Kelteranlage wurde in Hadschi Firuz Tepe im Zagros-Gebirge im Iran gefunden. Die Anlage ist nach heutigem Kenntnisstand 7000–7400 Jahre alt.

Ursprünge mini|Stammbaum der Reben

Nach 2003 in Science veröffentlichten Untersuchungen der chinesischen Agricultural University datieren die Ursprünge des Weinbaus 11.000 Jahre v. Chr. im Südkaukasus.Wie und wo die Weinkultur in Europa begann: Ein Forschungsteam hat nun neue Erkenntnisse, Die Welt vom 6. Juni 2023. Weinbau in Georgien lässt sich 5800 Jahre v. Chr. nachweisen, im 5. Jahrtausend v. Chr. auch in der vorderasiatischen Landschaft Sumer (heute südlicher Irak). Der Weinbau breitete sich im gesamten Nahen Osten aus, im 4. Jahrtausend v. Chr. bauten die Alten Ägypter Wein an. Etwa um 1700 v. Chr. kultivierten auf Kreta die Minoer erste Edelreben. In der sumerischen Mythologie repräsentierte Gilgamesch den Wein und seinen Konsum.

Griechische Kolonisten dürften im 7./6. Jahrhundert v. Chr. erstmals Rebstöcke nach Gallien (Massalia → Marseille) gebracht haben. Sicher nachgewiesen ist Weinherstellung im heutigen Frankreich um 400 v. Chr. Im heutigen Schweizer Kanton Wallis konnte nachgewiesen werden, dass bereits zwischen 800 und 600 v. Chr. Reben kultiviert wurden.Informationen zur Weinregion „Wallis/Valais“ im Wein‑Plus Weinführer, gesehen am 6. März 2017 In Italien prägten sich verschiedene Erziehungsmethoden aus: an Bäumen, als Dachspalier am Kurzstamm oder kriechend auf dem Boden. Mit den Römern breitete sich der Weinbau in Spanien, Gallien und Nordafrika, etwas später auch an Donau, Rhein und Mosel (Germanien), aus.

Persien Das Perserreich wird als Ursprungsland des Weines bezeichnet. Schiraz, irrtümlich als der Ursprungsort der gleichnamigen Rebsorte genannt, nahe der Hauptstadt Persepolis (altpers. Parsa), auch bekannt als „Thron des Dschamschids“, war berühmt für seine Weine und hatte den Ruf, die besten des Mittleren Ostens zu produzieren.

Über „die Erfindung des Weines“ gibt es eine Sage aus der Zeit des mythischen persischen Königs Dschamschid, der etwa 2500 v. Chr. gelebt haben soll: „Es steht geschrieben, dass ein König seine Trauben im Keller lagerte. Diese gärten nach einiger Zeit und somit begann die Weinkultur. Man dachte zuerst, die Trauben seien von bösen Geistern besessen und vergiftet. Als die Königin von diesem wohlschmeckenden Getränk nahm, um vor ihrer Migräne in den Selbstmord zu fliehen, wurde sie nicht nur von ihren Kopfschmerzen befreit, sondern sie wurde in fröhliche Stimmung versetzt. Aus diesem Grund wurde der Wein zum offiziellen Getränk.“

Auch nach Angaben des griechischen Historikers Herodot (482–425 v. Chr.), was später der Autor Strabon (63–23 v. Chr.) bestätigte, wurde unter der Achaimeniden-Dynastie (559–331 v. Chr.) der Rausch bewusst eingesetzt, um über wichtige Fragen zu urteilen. Jedoch mussten die gefassten Beschlüsse noch einmal im nüchternen Zustand bestätigt werden.

Trotz der moslemischen Machtübernahme (641) und dem damit verbundenen Weinverbot wurde Wein dort weiterhin produziert und genossen. Auch in den alten Werken des berühmten Lyrikers Hafez (1324–1388) und des Gelehrten und Dichters Omar Chayyām (1045–1122) spielt der Wein eine wichtige Rolle.

Spülte nicht der Wein den Kummer aus der Seele uns heraus, machte bald der Zorn des Schicksals unserm Leibe den Garaus. Könnte nicht im Rausch mitunter unser Geist vor Anker gehn, würde all die Leidensstürme unser Schifflein nicht bestehn. Ach, noch jeden nahm der Himmel unbedenklich sich zum Ziel. Keiner war, der je gewinnen konnte dieses arge Spiel. Finster ist’s, wo bleibt der Chisr, der den rechten Weg uns lehrt, eh das Feuer der Entbehrung gar den ganzen Leib verzehrt? Meine schwache Seele zog es sehnsuchtsvoll zur Wiese hin, wo, vom flauen Wind umfächelt, ich dem Tode wollt entfliehn. ‚Schenke‘, rief ich, ‚Arzt der Liebe, gib mir Wein!‘ Nur Wein allein kann mich retten, kann vertreiben alle Angst und Herzenspein! Doch, was half’s? Hafis verbrannte! Und der Freundin blieb’s verhehlt. Gebe Gott, daß es mit sanftem Flüstern ihr der Wind erzählt! – Klage (von Hafez, übersetzt von Johann Wolfgang von Goethe)

Ab dem 17. Jahrhundert wurde Wein in Flaschen abgefüllt und zum Beispiel nach Indien exportiert. Vom 17. bis 19. Jahrhundert wurde der Wein aus Schiraz von englischen und französischen Reisenden immer wieder erwähnt: Der staatliche Weinbau im Iran kam erst nach dem Regimewechsel 1979 zum Erliegen. Auf den heute rund 220.000 ha Rebfläche werden fast ausschließlich Tafeltrauben und Rosinen produziert.

mini|Weinbau im Alten Ägypten: dargestellt in einer Grabmalerei des Neuen Reiches (ca. 1400 v. Chr.)

Ägypten

Im Jahre 1988 entdeckten deutsche Archäologen das Grab von Skorpion I., eines altägyptischen Königs (Pharao) aus der vordynastischen Zeit, der um 3200 v. Chr. regierte.Gabriele Höber-Kamel: Abydos – Religiöses Zentrum der Auferstehung, In: Kemet, Heft 2, Berlin 2000, S. 4–9 In den Grabkammern wurde eine Grabbeigabe von 400 Weinkrügen mit einem Gesamtfassungsvermögen von 4000 Litern entdeckt. Dieser Wein wurde vermutlich aus der südlichen Levante importiert, die zu dieser Zeit eine der bedeutendsten Anbauregionen für Wein war.Hermann Alexander Schlögl: Das alte Ägypten. Beck, München 2008, ISBN 3-406-48005-5, S. 59. Eine ägyptische Weinproduktion, die allerdings nur einen begrenzten Umfang hatte, ist ab 3000 v. Chr. nachweisbar. In altägyptischen Grabmalereien finden sich häufig Darstellungen, die sich auf die Produktion von Wein beziehen.Tom Standage: Sechs Getränke, die die Welt bewegten, Patmos Verlag, Düsseldorf/Zürich 2006, ISBN 3-538-07234-5, S. 48

Syrien In der Spätbronzezeit war Wein im mediterranen Raum ein Handelsgut, das u. a. vom nordsyrischen Kleinstaat Ugarit, im 14. und 13. Jahrhundert v. Chr. ein bedeutendes Handelszentrum, in großem Umfang angebaut und exportiert wurde. Keilschrifttafeln aus Ugarit geben darüber Aufschluss, dass schon damals streng nach Güteklassen unterschieden wurde und auch die Herkunft des Weins relevant war. In einem Text heißt es:

Griechenland

mini|Griechisches Symposion (ca. 500 v. Chr.) mini|Altgriechisches Weinmischgefäß („kratér“)

In der griechischen Antike wurden drei Sorten von Wein unterschieden: weißer, schwarzer und bernsteinfarbener. Diese konnten trocken (austeros), halbtrocken (autokratos) oder süß (glykazon) sein. Alter Wein wurde mehr geschätzt als junger. Der Wein besaß vermutlich einen relativ hohen Gehalt an Alkohol (Davidson geht von 15 bis 16 % aus) und wurde in versiegelten Tonkrügen oder Schläuchen aus Ziegenhaut gelagert.

Der meiste Wein stammte aus lokalem Anbau und kostete einen Obolus für drei Kotylen. Der beste Wein, der weit gehandelt wurde, stammte aus Chios (Gebiet von Arios), Thasos, Lesbos und Mende auf der Halbinsel Chalkidike. Die Transportamphoren unterschieden sich in der Form oder trugen Abbildungen, wodurch sich der Herkunftsort erkennen ließ.

Wein wurde grundsätzlich mit Wasser gemischt, der Genuss von unverdünntem Wein galt als Merkmal der Barbaren. Nur bei dem Trankopfer (Libation) zu Beginn eines Symposions (gemeinsames Trinkgelage) wurde unvermischter Wein verwendet. Das Wasser wurde stets in den Wein gegeben, der Gott Dionysos repräsentierte, nie andersherum. Die übliche Mischung waren fünf Teile Wasser auf zwei Teile Wein, eine Mischung aus gleichen Teilen galt bereits als unmäßig und wurde akratos (unvermischt) genannt. Wein und Wasser wurden in dem kratér gemischt, manchmal wurde der Wein auch in einem Psyktér gekühlt oder Schnee direkt in die Trinkschalen getan. Den Wein trank man aus flachen Schalen auf hohem Fuß, die seitlich zwei kleine Henkel aufwiesen. Für ein normales Gelage, an dem 14 Gäste teilnahmen, galten drei kratér Wein als angemessen.

Darüber hinaus war der Wein im antiken Griechenland ein Gegenstand religiöser Verehrung und Sinnbild der Kultur. Da der Gott Dionysos nicht nur für Fruchtbarkeit und Ekstase, sondern auch explizit für die Trauben und den Wein zuständig war, spielte dieser in zahlreichen Kulten und Mysterien sowie den Festen zu seinen Ehren eine Rolle. Zu letzteren gehören die im Dezember liegenden Lenäen, das Fest der Weinpresse, bei denen Dionysos der neue Wein geopfert wurde. Im Februar folgten die Anthesterien, wo der Wein der letzten Ernte gekostet wurde. Wein war zudem wichtiger Teil des griechischen und römischen Libationsopfers, bei dem der Wein direkt auf die darzubringenden Opfer, auf die Erde oder ins Feuer verspritzt wurde.

mini|Römischer Wein, Speyer um 325, Bodenfund 1867, gilt als ältester erhaltener Traubenwein der Welt, Historisches Museum der Pfalz, Speyer mini|Das Neumagener Weinschiff gilt als Beleg für die Ausbreitung des Weinbaus in die Moselregion unter römischer Herrschaft.

Römisches Reich In der römischen Mythologie war Bacchus als Pendant zum griechischen Dionysos der Gott des Weines. Dessen Herstellung war von religiösen Normen bestimmt, zum Beispiel von der Festlegung des Erntetermins durch die Priester und dem Stutzen der Rebstöcke in Form einer religiösen Pflicht. Der Wein war auch ein wichtiger Bestandteil religiöser Feste im Alten Rom, so zum Beispiel beim Frauenfest der Bona Dea, Göttin der weiblichen Fruchtbarkeit.

Im Römischen Reich breitete sich der Weinbau mit den erobernden Legionen über weite Teile Europas aus. Auch im nördlichen Afrika war der Weinbau bis zur islamischen Eroberung weit verbreitet. Obwohl auch die Kelten Weinreben pflanzten und mit dem Keltern vertraut waren, intensivierten die Römer den Weinbau in der Wachau, dem Rheintal, Gallien und brachten ihn sogar bis nach England. Die Römer tranken den Wein oft gemischt mit Wasser. Er stellte zur damaligen Zeit nicht das Genussmittel von heute dar, sondern war ein Getränk, dem man stärkende und heilende Wirkung zusprach.

Aus Gründen einer sicheren Versorgung mit Getreide war bereits in republikanischer Zeit die Ausdehnung des Weinbaus in den außeritalienischen Gebieten untersagt worden. Obwohl es kaum kontrolliert wurde, erneuerte Kaiser Domitian dieses Verbot im Jahr 91 n. Chr. Kaiser Probus hob dieses Verbot im Jahr 280 wieder auf.Weinbauverbot im Römischen Reich

Jüdische und christliche Religion