McCords SchlangenhalsschildkröteWWF: Hintergrundinformationen McCords Schlangenhalsschildkröte, März 2007, abgerufen am 7. Januar 2015. (Chelodina mccordi) ist eine extrem gefährdete Schildkrötenart, die in zwei Unterarten auf der Insel Roti () und mit einer Unterart auf dem benachbarten Timor vorkommt. Sie gehört zur Gattung der Australischen Schlangenhalsschildkröten (Chelodina) in der Familie der Schlangenhalsschildkröten (Chelidae). Die beiden Unterarten auf Roti sind aufgrund der Bejagung für den internationalen illegalen Tierhandel und des kleiner werdenden Lebensraums akut vom Aussterben bedroht. McCords Schlangenhalsschildkröten auf Timor leben zum größten Teil im einzigen Nationalpark Osttimors.
Lebensraum
Der ursprünglich bekannte Lebensraum von McCords Schlangenhalsschildkröte dehnte sich auf Roti auf drei voneinander getrennte Regionen mit insgesamt 200 km² aus,Rhodin et al. 2008, S. 008.3. zuvor möglicherweise sogar über alle Seen und Sümpfe der Insel, sodass östliche und westliche Populationen auch aufeinander trafen.McCord et al. 2007, S. 58. Das flächenmäßig größte Areal befand sich im südwestlichen und zentralen Hochlandplateau der Insel. Die Feuchtigkeit ist hier gemäßigt. Spärlich fand man die Schildkröte noch etwas weiter südwestlich auch in den niedrigeren Ebenen. Ein weiteres Vorkommen gab es im Nordosten Rotis, im Inneren der Halbinsel Tapuafu, um den Danau Oendui (Lake Enduy) und nah der Halbinsel am südlichen Ufer der Bucht von Korobafo. Zeitweise wurde darüber spekuliert, dass es sich jeweils um getrennte Populationen handle. Inzwischen geht man aber davon aus, dass die Tiere in den beiden nordöstlichen Gebieten zur selben Population gehören. Im Brackwasser der Küsten und in den Mangrovenwäldern der Insel konnte die Art bisher nicht nachgewiesen werden. Keines der Gebiete auf Roti steht unter einem besonderen Schutz. Inzwischen ist die Schildkröte an vielen Orten ausgerottet, andernorts kommt sie nur noch marginal vor und durchwandert bestimmte Gebiete nur. Die Gesamtfläche der von intakten Populationen bewohnten Gebiete auf Roti dürfte kleiner als 20 km² sein.Rhodin et al. 2008, S. 008.4.Eisemberg et al. 2014, S. 4.
mini|Überflutete Lagunen am Ira Lalaro. Lebensraum vonMcCords Schlangenhalsschildkröte
2008 konnte man nur noch an vier Orten auf Roti überlebensfähige Populationen von McCords Schlangenhalsschildkröten finden. Im Südwesten leben sie nahe dem Danau Peto, um die Seen Danau Toea und Danau Anak und in einigen der kleinen Seen um Busalangga. Im Nordosten finden sich die Schildkröten nur noch um den Danau Oendui, doch stehen sie auch hier kurz vor der Ausrottung. Einen weiteren Bestand gibt es am Danau Undun, nah dem großen Salzsee Usipoka. An anderen Orten der Insel finden sich bestenfalls nicht mehr überlebensfähige Restpopulationen und einzelne Tiere.Rhodin et al. 2008, S. 008.5–008.6.
Auf Timor kommt die Schlangenhalsschildkröte im osttimoresischen See Ira Lalaro im äußersten Osten der Insel, in den umliegenden Flüssen und Feuchtgebieten, um den Ort Lospalos und im etwas südwestlich gelegenen Flachland des Flusses Irebere im Verwaltungsamt Iliomar vor.Eisemberg et al. 2016, S. 70 und 73.
In der Regenzeit lebt die Schildkröte in flachen, permanenten und semi-permanenten, eutrophen Seen, Sümpfen und angrenzenden Reisfeldern. Auf Timor konnte sie auch in Flüssen und Bächen beobachtet werden. In den kurzlebigen fließenden Gewässern der Regenzeit auf Roti wurden bisher keine Individuen gefunden. Regelmäßig kann man die Schildkröte auch auf Straßen und im offenen Gelände beobachten, sofern es am Vortag stark geregnet hat. Die Trockenzeit überdauert sie nicht im Schlamm, sondern zieht sich in hohes Gras oder unter Blätter und Felsen zurück, wenn ihr Gewässer austrocknet. Ansonsten ruht sie in den zusammenschrumpfenden Seen.Eisemberg et al. 2014, S. 18.Eisemberg et al. 2014, S. 21.Rhodin et al. 2008, S. 008.5.
Beschreibung mini|Teile des Panzers bei einem Individuum der Nominatform C. m. mccordi
Der Carapax (Rückenpanzer) ist oval, breit und leicht geriffelt. In der Regel hat er eine Länge von 150 bis 214 mm, der Hals ist etwa genauso lang.Kuchling et al. 2007, S. 214. Axillare und inguinale Schildplatten fehlen bei McCords Schlangenhalsschildkröte.Kuchling et al. 2007, S. 216. Die erste Marginalplatte ist immer kleiner als die zweite.McCord et al. 2007, S. 59. Die Weibchen sind in der Regel größer als die Männchen, um 11 % bei der Unterart C. m. mccordi, bis zu 15 % bei C. m. roteensis.McCord et al. 2007, S. 61. Das bisher größte vermessene Weibchen, das man in Zentralroti fing, erreichte eine Panzerlänge von 241 mm. Dafür sind die Köpfe der Männchen verhältnismäßig etwas breiter, der Schwanzansatz verbreitertEisemberg et al. 2016, S. 70. und ihre Schwänze sind etwas länger.Kuchling et al. 2007, S. 217. Weitere besondere äußerliche Unterschiede zwischen gleich großen Männchen und Weibchen gibt es aber nicht. Ein auf Timor 2014 gefangenes Weibchen wog 2340 g, dort vermessene als Haustier gehaltene Exemplare wogen 498 bis 1660 g.Eisemberg et al. 2016, S. 72.
Die Färbung des Carapax ist hell graubraun bis olivgrün. Manche Exemplare haben aber auch rostfarbene Flecken. Der Plastron (Bauchschale) ist blass gelbweiß. Bei der Unterart auf Timor gibt es weißgelbliche und braunrot/weiß gefleckte Farbvarianten des Plastrons.Eisemberg et al. 2014, S. 17. Die Weichteile sind an der Oberseite hell- bis dunkelgrau, die Unterseite ist gelblichweiß. Die Oberseite des Kopfes der östlichen Unterart auf Roti ist braun, gelegentlich schwarz. Ihre Kopfseite, Unterkiefer und Kopfunterseite sind cremiggelb, der Hals und anderen Weichteile oben grauschwarz, unten wie gewohnt gelblichweiß. Der Carapax ist deutlich dunkler, von schokoladenbraun bis schwarz, mit einer rötlichen Verfärbung an den sechsten bis achten Marginalplatten. Der Plastron der Unterart ist gelblich mit schwarzen Verfärbungen entlang der Rillen in verschieden starker Ausprägung.McCord et al. 2007, S. 60. Der Hals ist mit runden Tuberkeln übersät. Die Iris der westlichen Unterarten auf Roti ist schwarz und von einem weißen Ring umgeben. Jene der Unterart auf Timor ist hell- bis dunkelbraun, mit einem gelben Ring und die Iris der östlichen Unterart auf Roti ist gelb mit einem grauen Ring. Vorder- und Hinterbeine haben jeweils vier Klauen.
Taxonomie und Systematik Erstbeschreibung Erste Exemplare wurden vom Niederländer Herman Frederik Carel ten Kate 1891 auf Roti gefangen und 1895 vom Zoologen Theodoor Gerard van Lidth de Jeude als isolierte Population der Neuguinea-Schlangenhalsschildkröte (Chelodina novaeguineae) angesehen. Einige von ten Kates Originalfängen und weitere Exemplare, die in den 1970er und 1980er Jahren in den internationalen Tierhandel gelangten, wurden 1994 von Anders G. J. Rhodin, dem Direktor der Chelonian Research Foundation in Lunenburg (Massachusetts) untersucht und als eigene Art neu beschrieben. Benannt wurde McCords Schlangenhalsschildkröte nach William Patrick McCord, einem Tierarzt und Schildkrötenexperten aus Hopewell Junction, New York. 2007 folgte die Beschreibung von zwei Unterarten von Roti und dem Osten Timors.Rhodin et al. 2008, S. 008.2.
Äußere Systematik McCords Schlangenhalsschildkröte gehört zur Untergattung Chelodina der Australischen Schlangenhalsschildkröten,Turtles of the World, 2012 Update: Annotated Checklist of Taxonomy, Synonymy, Distribution, and Conservation Status, abgerufen am 3. Januar 2015. zusammen mit Pritchards Schlangenhalsschildkröte (C. pritchardi), die ihr ähnelt, der Glattrücken-Schlangenhalsschildkröte (C. longicollis) und der sich etwas mehr unterscheidenden Neuguinea-Schlangenhalsschildkröte sowie Reimanns Schlangenhalsschildkröte (C. reimanni). Elektrophoretische Untersuchungen lassen Neuguinea-Schlangenhalsschildkröte und Reimanns Schlangenhalsschildkröte jedoch als nächste Verwandte von McCords Schlangenhalsschildkröte erscheinen. Aufgrund der Osteologie wird auch C. canni zu dieser Gruppe gezählt. Die Untergattung Chelodina zeichnet sich im Vergleich zur Untergattung Macrochelodina durch relativ schmale Köpfe, kürzere Hälse und breitere Brustpanzer aus.
Der Schädel von McCords Schlangenhalsschildkröte ist im Vergleich zu den nahe verwandten Arten relativ breit und robust, ähnlich dem von Pritchards Schlangenhalsschildkröte. Nur die Neuguinea-Schlangenhalsschildkröte und Reimanns Schlangenhalsschildkröte haben durchschnittlich noch kräftigere Schädel und auch die Köpfe der Arten der Untergattung Macrochelodina sind breiter. Diese unterscheiden sich aber in der Schädelform deutlich von McCords Schlangenhalsschildkröte. Insgesamt ist diese größer als die Neuguinea-Schlangenhalsschildkröte, etwas kleiner als Pritchards Schlangenhalsschildkröte und deutlich kleiner als C. canni. Auffällig bei McCords Schlangenhalsschildkröte ist der Längenunterschied der Innenkante zwischen dem ersten und dem zweiten Marginalschild. Der erste Schild ist im Verhältnis weitaus kleiner als der zweite. Bei C. canni hat der erste Marginalschild eine Größe von 71 % des zweiten Schilds, bei der Westaustralischen Schlangenhalsschildkröte (Chelodina steindachneri) sind es 77 %, bei der Neuguinea-Schlangenhalsschildkröte 80 %, bei Reimanns Schlangenhalsschildkröte 90 %, bei der Glattrückigen Schlangenhalsschildkröte 103 % und bei Pritchards Schlangenhalsschildkröte 109 %. Bei McCords Schlangenhalsschildkröte sind es je nach Unterart nur zwischen 47 und 62,5 %. Sortiert man die Brustplatten des Plastrons ihrer Länge nach, ergibt sich bei McCords Schlangenhalsschildkröte: Intergular > Abdominal > Anal > Femoral > Pectoral > Gular. Bei Pritchards Schlangenhalsschildkröte gilt Pectoral ≥ Femoral, Neuguinea-Schlangenhalsschildkröten haben sowohl Pectoral > Femoral als auch Femoral > Pectoral und bei C. canni gilt Anal > Abdominal.
Innere Systematik
mini|links|Die „Timorschildkröte“: Im unteren Bild sieht man, wie sie bei Gefahr den Hals einzieht.
Unterschiede zwischen C. m. mccordi und C. m. timorensis Unterschiede C. m. mccordi C. m. roteensisNach Daten der Tabelle und Fotos vom Holotypus in: McCord et al. 2007, S. 60 f. C. m. timorensis Breite des Carapax in % der Länge 79 % 78,2 % 72,6 % Durchschnittliche Breite des ersten Marginalschildsin % der durchschnittlichen Breite des zweiten Marginalschilds 47 % 76,9 % 62,5 % Furchen auf den Vertebralschilden 2–4 Nein Ja Ja Vom Panzer vorstehende Nackenplatte (Nuchal) Nein Nein Ja Flache Furche in der Mitte des Panzers bei großen Exemplaren nur bei Weibchen – Männchen und Weibchen Pectoralplatte endet meistens an Marginalschild … … Nr. 5, selten an der Grenze zwischen 5 und 6 … Nr. 5 … Nr. 6, selten an der Grenze zwischen 5 und 6