mini|Großes Torpedoboot der Kaiserlichen Marine, Wilhelmshaven. Ungestempelte Feldpostkarte vom 26. Juni 1915 von Georg Cording an Fräulein Mariechen Westerholt, Osternburg, Stedingerstraße 2.
Die Großen Torpedoboote der deutschen Kaiserlichen Marine, auch als Hochsee-Torpedoboote bezeichnet, waren das Äquivalent zu den Torpedobootszerstörern ausländischer Marinen ähnlicher Größenordnung. Offiziell galt die Bezeichnung Großes Torpedoboot ab 1903 für alle ab S 90 gebauten Torpedoboote.Harld Fock: Schwarze Gesellen. Bd. 2 S. 138 Primär sollten diese Fahrzeuge, wie der Name besagt, als offensive und hochseeverwendungsfähige Torpedoträger dienen. Im Gegensatz zu den Zerstörern kam der Artilleriebewaffnung dabei nur eine Defensivrolle zu.
Die Boote wurden mit einem die Bauwerft bezeichnenden Kennbuchstaben und einer durchlaufenden Nummer bezeichnet. Dabei stand B für Blohm & Voß in Hamburg, G für die Germaniawerft in Kiel, H für die Howaldtswerke in Kiel, S für die Schichau-Werft in Elbing und Danzig, V für die Vulcan-Werft in Stettin und später auch in Hamburg und Ww für die Kaiserliche Werft Wilhelmshaven.
Nach dem 1911 vom Stapel gelaufenen Boot G 197 begann die Nummerierung mit V 1 wieder von vorn. 1917 wurden der Kennbuchstabe aller Boote bis G 197 unabhängig von der Bauwerft auf T geändert.
Die Baupolitik des Reichsmarineamts setzte den ausführenden Werften nur grobe Richtlinien über die Dimensionierung des Schiffskörpers. Die Vorgaben bezüglich Bewaffnung, Antriebsanlage (insbesondere die Kesselanlage), Marschbereich und Besatzungsstärke waren dagegen strikt einzuhalten. Aufgrund dieses Prozederes und der stetigen Detailverbesserung kann bei den deutschen Torpedobooten auch nicht von Schiffsklassen im eigentlichen Sinn gesprochen werden, sondern nur von Schiffsserien der einzelnen Werften. Um trotzdem einen gewissen Überblick zu behalten, werden die Boote grob in Klassen, beginnend ab einem bestimmten Baujahr, eingeordnet.
Divisionsboote Divisionstorpedoboote In Größe und Wasserverdrängung entsprachen die Divisionstorpedoboote, kurz: Divisionsboote, den Hochsee-Torpedobooten der Klasse 1898; sie können daher als Vorläufer der Großen Torpedoboote gelten.
Einheiten D 1 – D 2, Schichau, Stapellauf 1886 D 3 – D 4, Schichau, Stapellauf 1887 D 5 – D 6, Schichau, Stapellauf 1888–1889 D 7 – D 8, Schichau, Stapellauf 1891 D 9, Schichau, Stapellauf 1894 D 10, Thornycroft, Stapellauf 1898
Kleine Torpedoboote Die Nummern S 1 bis G 89 trugen die Kleinen Torpedoboote der Kaiserlichen Marine. Sie gehören hier nicht zum Thema.
Einheiten S 1 – S 6 (T 2), Stapellauf 1884 V 1 – V 10 (V 11), Stapellauf 1884 W 1 – W 6, Stapellauf 1884 S 7 – S 41 (T 11-T 41), Stapellauf 1885–1887 S 42 – S 65 (T 42-T 65), Stapellauf 1884–1892 S 66 – G 89 (T 66-T 89), Stapellauf 1893–1898
Große Torpedoboote: Serien Großes Torpedoboot 1898 Die Boote der Baureihe Großes Torpedoboot 1898 wurden auch als Hochsee-Torpedoboot bezeichnet. Die Boote der Serien S 90 bis G 137 liefen zwischen 1898 und 1907 vom Stapel. Größenmäßig schlossen sie an die zuvor gebauten Divisionsboote D 7 und D 8 an. Gegenüber der letzten Serie der kleinen Boote wurde das Deplacement mehr als verdoppelt und die Geschwindigkeit auf 27 kn gebracht. Zugleich stieg die Seefähigkeit, das heißt das Fahren bei schwerem Seegang, und die Seeausdauer. Diese Klassen hatten eine etwas schwächere Geschützbewaffnung als gleichaltrige britische Torpedobootszerstörer, trugen jedoch ein Torpedorohr mehr. Größenmäßig waren sie den gleichaltrigen französischen Torpedobootszerstören überlegen.
G 137 war ein etwas größeres Experimentalboot mit Turbinenantrieb (580 Tonnen, 68,50 m Länge, 10.800 PS). Es galt bei seiner Indienststellung als das schnellste Torpedoboot der Welt. Bei Probefahrten erreichte es 33,08 Knoten, was die Admiralität von der Überlegenheit des Turbinenantriebs gegenüber der Kolbendampfmaschine überzeugte.Oswald Flamm: Der gesamte deutsche Schiffbau. 1908, Reprint (BoD) Bremen 2011, S. 48. Vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs war geplant, es nach Umbauten als kaiserliches Depeschenboot zu verwenden. Im Krieg wurde es jedoch seit 1915 als Führerboot einer U-Boot-Halbflottille in der südlichen Nordsee eingesetzt und führte u. a. Experimente mit Unterwassertelegraphie durch.U-boats and T-boats, 1914–1918. United States National Archives and Records Service, U.S. General Services Administration, 1985, S. 132. 1921 wurde es verkauft.
S 91 bis G 113 erhielten am 4. September 1914 die Nummern T 91 bis T 113, am 27. September 1916 erhielten S 114 bis G 137 die Nummern T 114 bis T 137.
Einheiten S 90–S 107, Stapellauf 1899–1901 G 108–G 113, Stapellauf 1901–1902 S 114–S 131, Stapellauf 1902–1906 G 132–G 137, Stapellauf 1906–1907
Verbleib S 90 war seit 1900 in Tsingtau stationiert, hat sich am 17. Oktober 1914 nach der Versenkung des japanischen Kreuzers Takachiho in der Nähe von Tsingtau selbst versenkt. Die Besatzung ging in chinesische Internierung.. In: The New York Times. 25. Oktober 1914. S. 11. S 100 am 15. Oktober 1915 durch Kollision mit der als Minenschiff eingesetzten Fähre Preußen gesunken, wobei 39 Menschen ihr Leben verloren S 115, S 117 bis S 119 am 17. Oktober 1914 im Seegefecht vor Texel mit britischen Seestreitkräften ca. 15 Seemeilen südwestlich von Texel Position von S 115 gesunken S 116 am 6. Oktober 1914 durch britisches U-Boot E9 versenkt S 122 und S 123 am 5. Oktober 1918 bzw. 1. Mai 1916 durch Minentreffer gesunken S 124 am 23. November 1914 durch Kollision gesunken S 129 am 4. November 1915 nach Grundberührung gesunken Die Boote, die nicht während des Ersten Weltkriegs verlorengingen, verblieben nach Kriegsende zum Abwracken oder zur zivilen Verwendung in Deutschland.
Großes Torpedoboot 1906 Weil die Geschütze der vorherigen Klasse 1898 zu geringe Reichweite hatten und mäßig erfolgreich waren, wurde die Klasse 1906 der Großen Torpedoboote eingeführt. Mit 59 gebauten Exemplaren war es die zweithäufigst gebaute Klasse der Großen Torpedoboote der kaiserlichen Marine. Die Boote waren etwas größer als ihre Vorgänger. Die Einsatzgebiete blieben weitgehend gleich.
V 158, V 185 und G 196 waren – obwohl völlig überaltert – teils noch bis in die 1950er Jahre hinein in modernisierter Form in der sowjetischen Flotte im Dienst.
Großes Torpedoboot 1906 (S 138 – S 149) Die Boote liefen 1906 bis 1907 von Stapel. Am 24. September 1917 wurden alle Boote in von S auf T umgeschrieben.
Verbleib T 138 sank am 7. Juli 1918 durch Minentreffer südöstlich der Doggerbank (fast gleichzeitig mit T 172).
T 139, T 141, T 143, T 144, T 146, T 148, T 149 wurden in die Reichsmarine übernommen, die übrigen verblieben nach Kriegsende zum Abwracken oder zur zivilen Verwendung in Deutschland.
T 139 wurde 1927 unter dem Namen Pfeil zum „Schnellschlepper“ und Fernlenkboot und 1937 zum TF-Boot umgebaut. 1939 jagte es das polnische U-Boot Orzeł. 1944 stand es noch im Dienst der Kriegsmarine. T 141 wurde 1927 unter dem Namen Blitz zum „Schnellschlepper“ und Fernlenkboot umgebaut, 1933 verkauft und abgebrochen. T 148 diente in der Reichsmarine als Begleitboot, wurde 1928 ausgemustert und 1935 verschrottet. T 149 wurde 1927 ausgemustert und verschrottet.
Einheiten S138-S149, Stapellauf 1906–1907
Siehe auch S 148
Großes Torpedoboot 1906 (V 150 – G 197) Weitere Einzelheiten und Verbleib V 159, V 160, V 161 wurden im Jahr 1908, V 163, V 164 und G 190 im Jahr 1909 in Dienst gestellt. Ihre Umbezeichnung in T159 usw. erfolgte 1917/1918. Diese Boote wurden im August 1920 an England ausgeliefert und 1922 abgewrackt.
S 165, S 166, G 173, G 174, S 176, S 178, V 182, V 183, V 184 wurden im Jahr 1910, S 179, V 186, G 192, G 193, G 195, G 197 im Jahr 1911 in Dienst gestellt, 1917/1918 umbezeichnet und ebenfalls im Jahr 1920 an England ausgeliefert. Diese Boote wurden 1922 (G 197 schon 1921) abgewrackt.
V 180 und V 181, beide im Dienst seit 1909, wurden 1920 an Brasilien bzw. Japan ausgeliefert und 1922 verschrottet.
S 165 (II) ist nicht zu verwechseln mit der Muavenet-i Milliye, deren Bau ursprünglich unter der gleichen Nummer geplant war, die jedoch dann an die osmanische Marine geliefert wurde. Das Gleiche gilt für die Schwesterschiffe S 166, S 167 und S 168.
Die anderen Boote wurden – soweit nicht im Krieg versenkt oder unmittelbar danach abgewrackt – als T 148, T 149, T 151, T 152, T 153, T 154, T 155, 156, T 157, T 158, T 168, T 175, V 185, V 190 im Jahr 1919 von der vorläufigen Reichsmarine, sodann von der Reichsmarine übernommen.
V 150, im Dienst seit 1907, sank am 18. Mai 1915 nach Kollision mit V 157. V 151, im Dienst seit 1908, diente in Reichs- und Kriegsmarine zuletzt als Torpedofangboot und Schnellschlepper für Schießscheiben unter dem Namen Comet (Komet), wurde 1937 ausgemustert, 1946 an die USA übergeben und 1948 verschrottet. V 152 wurde 1908 in Dienst gestellt, im März 1931 ausgemustert und 1935 verschrottet. V 153, im Dienst seit 1908, diente in der Reichs- und Kriegsmarine seit 1938 als E-Messboot unter dem Namen Eduard Jungmann, in die USA im Dezember 1945, verschrottet 1949. V 154 wurde 1908 in Dienst gestellt, im Oktober 1928 aus der Flottenliste gestrichen und 1935 verschrottet. V 155, im Dienst seit 1908, diente in Reichs- und Kriegsmarine, seit 1936 als Torpedofangboot und Flottentender. Gesunken am 22. April 1945 bei Swinemünde. V 156, im Dienst seit 1908, diente in Reichs- und Kriegsmarine, seit 1936 als Torpedofangboot unter dem Namen Bremse. Versenkt am 3. Mai 1945, wieder gehoben und vor Jütland gesunken am 10. Juni 1946. V 157, im Dienst seit 27. August 1908, wurde als T 157 von der Reichsmarine übernommen und von der Kriegsmarine als Schulungsboot bzw. seit 1936 als Torpedofangboot in der Ostsee verwendet. Von März 1920 bis 1922 führte Karl Dönitz das Kommando auf diesem Boot, 1922 bis 1924 Kurt Caesar Hoffmann, 1924 bis 1926 Heinrich Ruhfus. 1927 war Werner Hartmann Wachoffizier auf T 157. Am 22. Oktober 1943 sank das Boot nach Minentreffer vor Weichselmünde (Danziger Bucht) innerhalb weniger Minuten.Entgegen Gröners Angabe ist das Boot laut KTB des Küstenbefehlshabers mittlere Ostsee 1943 dort gesunken; es gab dabei acht Verletzte und keine Toten V 158, in Dienst gestellt 1908, diente in Reichs- und Kriegsmarine, seit 1936 als Torpedofangboot. 1945 von der Sowjetmarine übernommen, fuhr das Boot unter dem Namen Prozorlivyj. Seit 1950 wurde es unter dem Namen Araks als Trainingshulk eingesetzt und 1961 verschrottet. V 162, im Dienst seit 1909, sank am 15. August 1916 nach Minentreffer in der Ostsee vor Lyserort nördlich von Windau (heute Ventspils). 15 Mann kamen dabei ums Leben.https://www.wrecksite.eu/wreck.aspx?17826 S 167 wurde 1911 in Dienst gestellt, nicht mehr von der Reichsmarine übernommen und 1922 abgewrackt. S 168 wurde 1911 in Dienst gestellt, von der Reichsmarine übernommen und 1927 ausgemustert und abgewrackt. G 170 wurde 1910 in Dienst gestellt, nicht mehr von der Reichsmarine übernommen und 1921 abgewrackt. G 171 wurde 1910 in Dienst gestellt und sank am 14. September 1912 nach Kollision mit dem Linienschiff Zähringen bei Manövern in der Nähe von Helgoland. Sieben Mann kamen ums Leben. G 172 wurde 1910 in Dienst gestellt. Wachoffizier bis zum Kriegsausbruch war Günther Lütjens. Das Boot sank am 7. Juli 1918 nach Minentreffer südöstlich der Doggerbank. G 175, im Dienst seit 1910. Auf diesem Boot war im Ersten Weltkrieg u. a. Werner Lindenau Wachoffizier. Es wurde von der Reichsmarine als Begleitboot verwendet, 1926 durch das Torpedoboot Möwe ersetzt und im gleichen Jahr abgewrackt. S 177, im Dienst seit 1911, sank am 23. Dezember 1915 nach Minentreffer in der Ostsee vor der Küste Kurlandshttps://www.wrecksite.eu/wreck.aspx?17811. Es gab sieben Tote.