Der Orion [] ist ein markantes Sternbild, das am Himmelsäquator liegt. Es ist weltweit Mitte Dezember gut zu sehen, weil es um Mitternacht dann hoch über dem Horizont steht und sich die Sonne auf der Gegenseite des Sternenhimmels weit unterhalb des Horizonts befindet. Für nördliche Breitengrade wie in Mitteleuropa gilt das wegen des dortigen Winters mit seinen langen Nächten in besonderem Maße, und das Sternbild ist um Mitternacht dort verhältnismäßig hoch über dem südlichen Horizont zu sehen.
Das Sternbild hat mit Rigel und Beteigeuze zwei Sterne erster Größe. Drei Sterne zweiter Größe stellen den Gürtel des Orion dar: Alnitak (Zeta Orionis), Alnilam (Epsilon Orionis) und Mintaka (Delta Orionis). Das Sternbild enthält ein ausgedehntes Sternentstehungsgebiet, dessen auffälligste Komponente der mit bloßem Auge sichtbare Orionnebel ist.
Beschreibung Das Sternbild liegt auf dem Himmelsäquator zwischen dem Fluss Eridanus und dem Einhorn und ist in Mitteleuropa etwa von August (Morgenhimmel) bis April (Abendhimmel) zu sehen, auf der Südhalbkugel in höheren Breitengraden etwa von Juli (Morgenhimmel) bis Mai (Abendhimmel).
Im Zyklus der Präzession der Erdachse erscheint Orion gegenwärtig an seiner fast nördlichsten Stellung, wird seine südlichste in 13.000 Jahren erreichen und dann von Mitteleuropa aus nicht mehr vollständig zu sehen sein.
Der Orion ist ein mythischer Himmelsjäger, dabei bilden die Sterne Beteigeuze (α Orionis, Bestandteil des Winterdreiecks) und Bellatrix (γ) die Schultern, die Sterne Rigel (β Orionis, Eckpunkt des Wintersechsecks) und Saiph (κ) die Füße. Die Gürtelsterne Alnitak, Alnilam und Mintaka (ζ, ε und δ Orionis) in stark überstrecktem Winkel werden auch drei KönigeElijah Hinsdale Burritt, The Geography of the Heavens, Boston, 1833 (S. 53), Jakobsstab oder Jakobsleiter genannt und sind Teil des offenen Sternhaufens Cr 70.
Die Hauptsterne – abgesehen vom roten Riesen Beteigeuze – weisen ein ähnliches Alter und ähnliche Zustandsgrößen auf.
Als Schwertgehänge wird eine Kette von Sternen bezeichnet, die sich von Norden nach Süden aus M42, θ und ι Orionis zusammensetzt. Nördlich liegt der offene Sternhaufen NGC 1981.
In der unteren Hälfte in der Mitte des Schwertgehänges des Orion ist der flächenhellste Emissionsnebel als Orionnebel M 42 mit freiem Auge zu sehen. Das ausgeprägte Sternentstehungsgebiet umgibt die Trapezsterne θ1 Orionis und θ2 Orionis und stellt die leuchtende Spitze eines ausgedehnten Wolkenkomplexes interstellarer Materie dar, der das gesamte Sternbild durchzieht. Nördlich über M42 grenzt der Teilnebel M43 an, auch kleiner Orionnebel oder de Mairans Nebel bezeichnet.
Der etwa 8° lange Bogen der schwächeren Sterne π1, π2, π3, π4, π5 und π6 Orionis wird in verschiedenen alten Darstellungen als Keule, Bogen und bei Albrecht Dürer als Umhang interpretiert.
Der Stern Meissa (λ Orionis), der Orions Kopf markiert, befindet sich in dem offenen Sternhaufen Cr 69.
Etwa ein halbes Grad südlich des linken Gürtelsterns Alnitak befindet sich der berühmte Pferdekopfnebel B 33, eine Dunkelwolke, die sich deutlich vor dem Emissionsnebel IC 434 abzeichnet.
Im Orion befindet sich auch der Emissionsnebel Barnard’s Loop, der sich in einem weiten Bogen von etwa 12° Durchmesser von Norden her um die Gürtelsterne zieht und im Süden bis nahe Rigel reicht.
Geschichte
mini|hochkant=1.35|Orion mit rot leuchtenden Wolken ionisierten Wasserstoffs (H-alpha). Der große Bogen wird Barnard’s Loop genannt. (Langzeitaufnahme) mini|hochkant=1.35|Orion im sichtbaren und im infraroten Spektralbereich mini|hochkant=1.35|Orion: Die Spektralklassen sind an den verschiedenen Farben der Sternspuren zu erkennen. (Aufnahme: Belichtungszeit ca. 600 s, auf Agfacolor L UT 18, Karlsruhe) mini|hochkant=1.35|Die Hauptsterne des Orion im Größenvergleich zueinander sowie zu anderen Himmelskörpern: Rigel im Bild 5, zweiter von links, zwischen Aldebaran und Antares; daneben Betelgeuse. Auf Bild 6: Betelgeuse ganz links, neben Mu Cephei
Wegen seiner Auffälligkeit wurden dem Sternbild von Völkern des Altertums diverse Bedeutungen zugeschrieben:
Die Sumerer sahen darin ein Schaf. Bei ihnen war Beteigeuze, der aus dem Arabischen mitunter mit „Achsel“ übersetzt wird, die „Achsel des Schafs“.
Bei den Ägyptern sah man darin eine Widerspiegelung ihres Gottes Osiris.
Die antiken Griechen identifizierten das Sternenbild mit dem großen Jäger Orion. Orion wird in Horaz’ Oden, Homers Odyssee und Ilias sowie in Vergils Aeneis erwähnt. Möglicherweise ist der Name des Sternbilds älter als die griechische Mythologie selbst. So wird bisweilen die Vermutung geäußert, der Name leite sich vom akkadischen Uru-anna, „Licht des Himmels“, ab und sei später von den Griechen übernommen worden. Es wird auch vermutet, dass die Griechen die Heldengestalt aus dem sumerisch-babylonischen Epos um Gilgamesch, den mythischen König von Uruk, übernahmen.
In der Bibel wird der Orion in den Büchern Hiob (; ) und Amos () erwähnt: „Knüpfst du die Bänder des Siebengestirns, oder löst du die Fesseln des Orion?“ ().
Die Germanen erkannten in dem Sternbild einen Pflug.
Bei den Wikingern fand sich oft die Interpretation des Gottes Thor, der durch einen Fluss watet und den Gott Loki an seinem Gürtel hängend hinüber zieht.
Im alten China war das Sternbild einer der 28 „Wohnsitze“ () in den chinesischen Sternenkonstellationen. Es wird als Shen bezeichnet, was „drei“ bedeutet und wahrscheinlich von den drei Gürtelsternen herrührt.
Für die Insulaner der Südsee stellte die Konstellation ein Kriegsboot oder einen Schmetterling dar.
Im Coelum Stellatum Christianum von Julius Schiller heißt es Heiliger Josef.
Mythologie Zum Leben und Wirken des Orion existieren in der griechischen Mythologie unterschiedliche Versionen:
So soll er der Sohn des Meeresgottes Poseidon gewesen sein, der die Insel Chios von wilden Tieren befreite. Als er jedoch Merope, die Tochter des Königs Oenopion vergewaltigte, wurde er zur Strafe von ihrem Vater geblendet. Orion wanderte blind nach Osten, um von den Strahlen der Morgensonne geheilt zu werden.Oenopion Eos, die Göttin der Morgenröte, verliebte sich augenblicklich in ihn. Die keusche Jagdgöttin Artemis missgönnte ihr den jungen Mann und erschoss ihn mit einem Pfeil.Orion und die Plejaden Orion und die Plejaden wurden am Himmel verewigt, letztere als „Siebengestirn“.
Einer anderen Version nach wollte Artemis aus Liebe zu Orion ihrem Keuschheitsgelübde entsagen. Ihr Zwillingsbruder Apollon, der dies verhindern wollte, bediente sich einer List. Er überredete Artemis, sich im Bogenschießen zu üben und auf die Meereswellen zu zielen, während Orion dort schwamm. Orion wurde von einem Pfeil tödlich getroffen. Die trauernde Artemis versetzte ihren Geliebten an den Himmel.Sternenbild Mythen – Orion
In einer anderen Überlieferung brüstete Orion sich damit, der größte Jäger der Welt zu sein, was ihm von Zeus’ Ehefrau Hera verübelt wurde. Sie sandte einen Skorpion aus, der Orion einen tödlichen Stich zufügte. Zeus versetzt daraufhin beide an den Himmel. Wenn das Sternbild Skorpion im Osten aufgeht, muss Orion den Himmel im Westen verlassen. Dadurch stehen die beiden Kontrahenten niemals zusammen am Himmel.Sternenbildbeschreibung – Sternbild Orion
Himmelsobjekte Sterne B F Namen oder andere Bezeichnungen ScheinbareHelligkeit(mag)Entf.(Lj.) Spektralklasse 58 Beteigeuze, Betelgeuse 0,0 bis 1,6 454 M1-2 Ia-Iab 19 Rigel 0,03 bis 0,3 773 B8 Iab+ B9 V + B9 V 24 Bellatrix 1,64 243 B2 III 46 Alnilam 1,69 1342 B0 Iab 50 Alnitak 1,74 818 O9.7 Ibe+ O + B0 III 53 Saiph 2,07 722 B0.5 Iavar 34 Mintaka 2,20 bis 2,35 916 O9.5 II+ B2 V 44 Nair Al Saif, Hatysa 2,75 1326 O9 III 1 Tabit 3,19 26 F6 V 28 Eta Orionis 3,35 901 B1 V + B2 39 Meissa 3,39 1056 O8 III+ B0.5 V 20 3,59 555 B5 III 3 Pi4 Orionis 3,68 809 ± 76 B2 III SB 8 3,71 1342 B2 III SB 48 Sigma Orionis 3,77 1149 O9.5 V 9 4,06 169 K2 III 40 Khad Posterior 4,09 116 G8 III-IV 61 4,12 152 A2 Vm 29 4,13 174 G8 III 32 4,20 289 B5 V 2 4,35 194 A1 Vn 37 Khad Prior 4,39 985 B0 IV 54 Chi1 Orionis 4,39 28 G0 V 67 4,42 535 B3 IV 70 4,45 635 B3 IV 17 4,46 344 K3 III 10 4,47 954 K2 II 47 4,50 1623 B3 IIIe HR 2113 4,53 3978 K2 III 42 4,58 786 B2 III 30 4,59 1418 B2 IV 36 Thabit 4,62 1330 B0 V 62 Chi2 Orionis 4,64 4270 ± 680 B2 Ia 7 4,64 121 A0 V 11 4,65 400 A0V p Si 31 4,71 456 K5 III 4 4,71 542 M3 22 4,72 1289 B2 IV-V 56 4,76 1113 K2 IIvar 49 4,77 154 A4 V HR 1887 4,78 1864 B0.5 V 15 15 Orionis 4,81 319 F2 IV 4,89 1110 B1 V:pe 51 4,90 302 K1 III 4,91 507 M1 III HR 1952 4,95 2091 B2 IV-V 69 4,95 775 B5 Vn 23 4,99 962 B1 V 74 5,04 64 F5 IV-V 27 5,07 172 K0 III 64 5,14 1070 B8 V HR 1684 5,18 321 K5 III 6 5,18 241 A3 V 71 5,20 69 F6 V 60 5,21 367 A1 Vs 45 5,24 371 F0 III 52 5,26 480 A5 V 38 5,32 345 A2 V 5 5,33 638 M1 III HR 1571 5,33 441 K1 III 14 5,33 194 A m 72 5,34 480 B7 V 21 5,34 198 F5 IIvar HR 1861 5,34 2569 B1 IV HR 1519 5,35 267 A m HR 1868 5,36 1853 B1 V 55 5,36 1681 B2 IV-V 75 5,39 254 A2 V HR 1507 5,39 157 F0 V U Orionis 5,40 2146 M6 e – M9.5 e 16 5,43 176 A2 m 73 5,44 1400 B9 II-III 33 5,46 1568 B1.5 V HR 1709 5,50 599 K4 III 43 HR 1897 5,63 1097 ± 79 O9.5 Vpe HD 37605 8,7 143 K0
Bellatrix (Gamma Orionis), der dritthellste Stern im Orion, ist ein rötlich leuchtender Stern in 243 Lichtjahren Entfernung. Er besitzt die 4000-fache Leuchtkraft unserer Sonne. Der Name Bellatrix ist lateinisch und bedeutet „Kriegerin“.
Epsilon Orionis, der mittlere der Gürtelsterne, ist ein 1340 Lichtjahre entfernter bläulich-weißer Überriese. Der Name Alnilam ist altarabischen Ursprungs und bedeutet „Perlschnur“.
Mehrfachsterne mini|Die drei Gürtelsterne des Orion. Flammennebel und Pferdekopfnebel (links unten) sind nur fotografisch gut zu beobachten.
System Größen (mag) Abstand β 0,3 / 6,8 / 6,8 9,8" θ1 divers divers ι 2,8 / 6,9 11,3" λ 3,6 / 5,5 4,4" σ fünffach (4,0 bis 9,5) siehe σ Ori o², ο¹ 4,1 / 4,6 opt. Doppelstern
Rigel (Beta Orionis) ist trotz seiner Entfernung von 770 Lichtjahren der siebthellste Stern am Nachthimmel. Es handelt sich um ein Doppelsternsystem. Der Hauptstern ist ein blauer Riese mit der 17-fachen Masse, dem 60-fachen Durchmesser und der 40.000-fachen Leuchtkraft unserer Sonne. Er ist damit einer der leuchtkräftigsten Sterne unserer Milchstraße. Im Teleskop wird ein Begleitstern der 6. Größenklasse sichtbar. Die Beobachtung ist nicht ganz einfach, da der 0,1m helle Hauptstern den Begleiter überstrahlt. Der Hauptstern pulsiert leicht, wobei sich seine Helligkeit über einen Zeitraum von etwa 25 Tagen um 0,03 bis 0,3m verändert. Der altarabische Name Rigel leitet sich von „der linke Fuß“ ab.
Theta1 Orionis ist ein auch unter der Bezeichnung Trapez bekannter Teil eines Sternenhaufens (Asterismus). Im Washington Visual Double Star Catalog gibt es 42 Einträge, von denen 18 wiederum Doppelsterne sind.VizieR-Datenbank
Zeta Orionis, der linke Gürtelstern, ist ein Dreifachstern in 817 Lichtjahren Entfernung. Ein Begleitstern der 4. Größenklasse kann bereits mit einem kleinen Teleskop beobachtet werden. Der arabische Name Alnitak bedeutet „Gürtel“.
Delta Orionis, der rechte Gürtelstern, ist ebenfalls ein Dreifachstern. Das System ist 916 Lichtjahre entfernt. Im Teleskop wird ein 6,9m heller Begleitstern sichtbar. Der 2,2m helle Hauptstern besitzt noch einen engen Begleiter, der allerdings nur spektroskopisch nachgewiesen werden kann.
Sigma Orionis ist sogar ein Fünffachstern. Um den spektroskopischen Doppelstern (kleiner Begleiter in 0,3" Abstand) bewegen sich C, D und E in derzeit 11 bis 43" Winkelabstand.
Omikron Orionis ist ein optischer (nur scheinbarer) Doppelstern. Um 1895 wurde aus Anomalien im Linienspektrum von o2 vermutet, dass er mehrfach sein könnte. Neuere Messungen haben das aber nicht bestätigt.Ladislaus Weinek: Atlas der Himmelskunde, Verlag Hartleben, Wien-Pest-Leipzig 1898, S. 146.
Veränderliche Sterne