mini|Falschfahrer
Als Falschfahrer – umgangssprachlich auch GeisterfahrerIn Österreich existiert der Begriff Falschfahrer nur als gesetzmäßige Bezeichnung eines bestimmten Verkehrszeichen, allgemein wird „Geisterfahrer“ verwendet. – bezeichnet man Benutzer einer Autobahn oder einer Straße mit geteilten Richtungsfahrbahnen, die entgegen der vorgeschriebenen Fahrtrichtung fahren. Bei Falschfahrten wird der Vertrauensgrundsatz durchbrochen. Dadurch sind Falschfahrer eine massive Gefahr für den Straßenverkehr, vor allem auf Autobahnen. Sie verursachen wiederkehrend schwerste Verkehrsunfälle.
Das Fahren auf Radwegen entgegen der eigentlichen Fahrtrichtung ist innerorts eine der Hauptursachen für Unfälle mit Personenschäden bei Radfahrern. Dies wird umgangssprachlich auch als „Geisterradeln“ bezeichnet.
Linksfahrende Verkehrsteilnehmer trotz Rechtsfahrgebots sind ebenfalls Falschfahrer; sie sind hier jedoch ebenso wenig wie entgegen der vorgeschriebenen Richtung fahrende Fahrzeugführer in Einbahnstraßen gemeint. Ein orientierungsloser Autofahrer, der unter Beachtung aller Vorschriften irrtümlich in die nicht gewollte Richtung fährt, entfernt sich vom Fahrtziel und ist im weitesten Sinne auch ein Falschfahrer.
mini|hochkant|„Stop falsch!“ in Österreich
Etymologie Der Begriff des Geisterfahrers ist in Deutschland um das Jahr 1975 entstanden. Es wird angenommen, dass er auf den Begriff des Geisterschiffs zurückzuführen ist.
Ursachen und Motive Zum Falschfahrer können Auto- und Fahrradfahrer aus verschiedensten Gründen werden, beispielsweise: aufgrund schlechter oder unübersichtlicher Beschilderung von Auf- und Abfahrten aufgrund einer unübersichtlichen Beschilderung und Fahrbahnführung in Baustellen aufgrund ungewöhnlicher Verkehrsführungen im Bereich von Auf- und Abfahrten (beispielsweise Abfahrten, die von rechts kommend die nach links führende Auffahrtspur kreuzen und in die falsch abgebogen wird) durch falsches Auffahren von Autobahnraststätten oder Parkplätzen aufgrund starker Beeinträchtigung der Sicht durch widrige Wetterverhältnisse oder Sonnenblendung aufgrund Überforderung durch Alter oder Drogeneinfluss, beispielsweise bei Trunkenheit im Verkehr durch Unachtsamkeit durch Wenden oder Umdrehen auf der Autobahn, nachdem irrtümlich aufgefahren oder eine Abfahrt verpasst wurde aufgrund einer Suizid- oder erweiterten Suizidabsicht als Mutprobe, abgerufen am 14. April 2009. aufgrund der Gewöhnung an Linksverkehr oder Rechtsverkehr aufgrund der Ansage im Navigationssystem „Bitte wenden!“ zum Umfahren eines Staus bei Radfahrern entgegen der erlaubten Fahrtrichtung auf Radwegen: aufgrund von Bequemlichkeit und Nachlässigkeit oder ungeeigneter Fahrradinfrastruktur
Prävention mini|Verstärkte Beschilderung an der Karlsruher Südtangente mini|hochkant|Hinweisschild für Radfahrer in Bamberg mini|Auf nordamerikanischen (hier: Ontario) Autobahnen ist die in Fahrtrichtung linke Fahrbahnrandmarkierung gelb, so dass die Fahrtrichtung auf jedem Straßenabschnitt immer zu erkennen ist. mini|Geisterfahrerprävention – Frankreich Mit eindeutiger Beschilderung – insbesondere „Einfahrt verboten“ – wird versucht, versehentlichen Geisterfahrten vorzubeugen. Ein Verhindern von Geisterfahrten mit technischen Hilfsmitteln ist schwierig. Es gab Überlegungen, mit technischen Einrichtungen, beispielsweise so genannten Krallen, ein Auffahren in die Gegenrichtung durch Beschädigen der Autoreifen zu verhindern. Dies würde aber der Feuerwehr und Rettungsdiensten das Erreichen eines Einsatzortes in Gegenrichtung erschweren, wenn die Autobahn in regulärer Richtung gesperrt ist. Auch ist die Wirkung bei Eis oder Schnee nicht immer die gewünschte.
In Österreich wurde 1997 mit Hilfe von Warntafeln mit der Prävention gegen Geisterfahrer begonnen. Diese Tafeln sind insofern ein Unikum im Straßenverkehr Österreichs, als sie nicht mit Steuergeldern finanziert werden, sondern ausschließlich durch Einnahmen für Werbung, die sich auf der Rückseite der Tafeln befindet, was andererseits auf Autobahnen und Schnellstraßen üblicherweise verboten ist. Presseaussendung von 3M vom 18. November 1997, abgerufen am 9. September 2013. Zur Reduktion von Geisterfahrten setzt die ASFINAG auf folgende Maßnahmen:
mehr als 400 Geisterfahrer-Warntafeln in den Auffahrtsbereichen Sensoren auf der Fahrbahn, die bei Geisterfahrern alarmieren etwa 20 Geisterfahrerkrallen Evaluierung auffälliger Streckenabschnitte und Anpassung von Beleuchtung, Schildern, Bodenmarkierungen sowie Umbauten dreidimensional erscheinende Bodenmarkierungen als optisches Hindernis (testweiser Einsatz)
In manchen Bezirken Kanadas, beispielsweise der Provinz Ontario, werden die zwischen Fahrbahnen für entgegengesetzte Fahrtrichtungen liegenden Mittel- und Randlinien in Gelb ausgeführt, so dass die korrekte Fahrtrichtung auf jedem Straßenabschnitt immer zu erkennen ist.Verkehrsministerium der kanadischen Provinz Ontario: Fahrerhandbuch
Geisterfahrerwarnsystem Mercedes-Benz hat Anfang 2013 für die S-Klasse ein Warnsystem angekündigt, das zusammen mit der Continental AG entwickelt wurde. Es erkennt die Kombination von zwei Verbotsschildern und einem Pfeil, wie sie zur Kennzeichnung von Autobahnauffahrten dienen. Gleichzeitig wird das Ergebnis mit den Daten des Navigationssystems abgeglichen. Besteht die Gefahr, dass jemand eine falsche Auffahrt benutzt, gibt es, ähnlich wie bei einer offenen Tür, eine „Rote Warnung“. Der Fahrer wird akustisch und mit einer Nachricht gewarnt. Das Assistenzsystem nutzt eine Kamera, die jetzt bereits zur Erkennung von Tempo-Begrenzungen Verwendung findet.(ski): „Rote Warnung vor einer Geisterfahrt – Mercedes bietet neues Assistenzsystem“; Verlagsgruppe Rhein Main, Allgemeine Zeitung Mainz; S. 28 (Panorama), 10. Januar 2013.
Verhalten Es wird häufig empfohlen, bei einem im Verkehrsfunk gemeldeten Falschfahrer äußerst rechts zu fahren und nicht zu überholen. Außerdem sollte man versuchen, über das Abblendlicht und weitere Beleuchtung vom Falschfahrer frühzeitig erkannt zu werden. Die Betätigung der Lichthupe, um auf das Fehlverhalten des Falschfahrers aufmerksam zu machen, ist zulässig.
Falschfahrern, welche ihr Fehlverhalten bemerken, wird empfohlen, mit dem Fahrzeug an der Mittelleitplanke stehenzubleiben, auszusteigen, sich auf den Grünstreifen (Fahrbahnteiler) zu „retten“ und anschließend die Polizei zu informieren.
Verkehrs- und anderer Warnfunk Mit Verkehrsdurchsagen im Hörfunk versucht man, die anderen Verkehrsteilnehmer vor gemeldeten Falschfahrern zu warnen und so den Schaden zu begrenzen. Dabei werden meist Warnungen für beide Richtungsfahrbahnen ausgesprochen, da die Meldungen häufig von Verkehrsteilnehmern stammen und man einer möglichen Verwechslung der benannten Fahrtrichtung vorbeugen möchte. Meldungen über Falschfahrer werden im Hörfunk mit höchster Priorität behandelt; viele Sender unterbrechen für sie sogar Musiktitel oder Nachrichten. Auch über den TMC werden die Warnmeldungen gesendet. Die Verarbeitung der Meldungen in Navigationssystemen ist nach einem gemeinsamen Test von ADAC und der Fraunhofer-Gesellschaft noch sehr verbesserungswürdig (Stand: Ende 2012).„Navis und Geisterfahrer: Hier hapert es gewaltig“, in: ADAC Motorwelt Heft 1, Januar 2013; S. 26.
Länderspezifisches Falschfahrer in Deutschland In Deutschland kommt es täglich zu Radiomeldungen über Falschfahrer, allerdings beruhen einige dieser Meldungen auf falschen Beobachtungen bzw. Informationen. Lediglich das Bundesland Bayern führt eine offizielle Fallstatistik.
1978 gab es insgesamt 1.788 Autofahrer, die auf Autobahnen oder anderen mehrspurigen Straßen in verkehrter Fahrtrichtung gefahren sind. Die Zahl ging bis 1981 auf 1.100 zurück, dem war eine bessere Beschilderung von Autobahnzufahrten und Abzweigungen vorausgegangen.
Im Jahr 2010 wurden in Bayern an der A 3 sowie der A 8 im Rahmen eines Pilotversuches Schilder aufgestellt, die bis auf kleine Unterschiede den in Österreich verwendeten gleichen. Im Oktober 2011 platzierte man solche Schilder außerdem zwischen Marktl und Mühldorf am Inn, da es hier besonders oft zu Unfällen mit Geisterfahrern kam. Nach fünf Jahren Testphase fiel Anfang 2016 die Entscheidung, die gelben Warnschilder nach österreichischem Vorbild nicht bundesweit an Autobahnen einzusetzen. Der Grund: Die Fallzahlen sind zu gering, um einen statistisch relevanten Zusammenhang zum Nutzen der Warnschilder herzustellen. Besonders auf Personen mit Suizidabsicht oder Jugendliche, die eine Mutprobe durch das Falschfahren absolvieren, haben solche Schilder keinerlei Einfluss.Pilotprojekt in Südbayern bringt keine genauen Ergebnisse vom 27. Januar 2016.
Im Dezember 2012 veröffentlichte der ADAC eine Untersuchung für die beiden Jahre 2010 und 2011, in der rund 30 als besonders auffällige Autobahnen für Falschfahrten identifiziert werden konnten. Dabei handelt es sich zum Großteil um Straßen mit dreistelligen Autobahn-Nummern, die meist als Zubringer oder Verbindungsstrecken in Ballungsräumen fungieren.Größte Gefahr auf kurzen Autobahnen / ADAC Untersuchung zu Geisterfahrern – 40 Prozent der Falschfahrermeldungen an Wochenenden vom 20. Dezember 2012. Zu den zehn gefährlichsten Autobahnen gehören nach dieser Studie: A 98, A 255, A 293, A 391, A 516, A 559, A 562, A 643, A 661 und die A 980. In: ADAC 12/2012, abgerufen am 30. März 2016. Ebenfalls stellte sich in der Studie heraus, dass die Anzahl der Falschfahrer am Wochenende und dann vor allem in der Nacht auf das Doppelte ansteigt, die Häufigkeit von Warnmeldungen liegt hier zwischen 20 und 23 Prozent, an Wochentagen beträgt diese lediglich elf bis zwölf Prozent. Über die Hälfte der Irrfahrten beginnt an den Anschlussstellen (51 %), gefolgt von den Autobahndreiecken und -kreuzen (17 %), auf freier Strecke 11 %, an den Tank- und Rastanlagen sowie Parkplätzen 6 % und am Autobahnbeginn 2 %. Die restlichen 13 % sind als „sonstige“ in der Statistik zusammengefasst.Claus Christoph Eicher: „Tödliche Begegnung“ in: ADAC Motorwelt Heft 1, Januar 2013; S. 20. 1.914 Falschfahrer wurden 2012 im Verkehrsfunk von deutschen Autobahnen gemeldet. Die meisten Meldungen gehen zwischen August und Oktober ein.Datenschutz für Geisterfahrer, abgerufen am 31. Januar 2013.
Geisterfahrer in Österreich mini|Das Gefahrenzeichen 14a. „Achtung Falschfahrer“ (Österreich) existiert nur als Leuchttafel bei Bedarf. mini|Anzeige des Verkehrszeichens und zweisprachigem Warnhinweis auf einer elektronischen Anzeigetafel an einer Auffahrt der S1 nahe Wien im April 2024
Statistik und Häufigkeit