The Dark Side of the Moon (auch Dark Side of the Moon) ist das achte Studioalbum der britischen Rockband Pink Floyd. Das Konzeptalbum erschien 1973, zählt mit über 50 Millionen verkauften Einheiten zu den weltweit meistverkauften Musikalben und wurde zum Dauerbrenner in den internationalen Albumcharts.
Entstehung Die Idee kam Roger Waters bereits im Herbst 1971. Seine Erfahrungen mit dem Niedergang des einstigen Pink-Floyd-Mitglieds Syd Barrett schufen den thematischen Rahmen: Was kann sensible Menschen in den Wahnsinn treiben? Waters wollte zeigen, wie seiner Meinung nach anonyme Machtstrukturen wie Geld oder Zeit Menschen zerstören können. Auch ernüchternde Erfahrungen mit dem Musikbusiness und der Verlust einer Utopie, an die etwa noch die Hippiegeneration glaubte, färbten auf die Texte ab.
Dies entsprach dem damaligen Zeitgeist: Wichtige Vordenker der 1968er wie Herbert Marcuse hatten einen engen Zusammenhang zwischen gesellschaftlichen Strukturen und psychischer Gesundheit propagiert; Begriffe wie Entfremdung oder Verdrängung waren en vogue. Nach den Unruhen um 1968 zogen sich viele ihrer Protagonisten aus der Öffentlichkeit in eine neue Innerlichkeit zurück. In der Popmusik der Zeit wurden diese Entwicklungen reflektiert; John Lennon verarbeitete seine Psychotherapie etwa auf seinem Urschrei-Album.
Da die Band Medicine Head kurz zuvor ebenfalls ein Album mit dem Titel Dark Side of the Moon herausgebracht hatte, gab es Überlegungen, das Pink-Floyd-Werk Eclipse zu nennen. Erst als die Medicine-Head-Veröffentlichung erfolglos blieb, wurde der ursprüngliche Albumtitel beibehalten. Er ist eine Textzeile aus Brain Damage, dem vorletzten Song des Albums.
mini|Der Dome in Brighton, in dem The Dark Side of the Moon erstmals 1972 aufgeführt wurde Teile des Materials zu The Dark Side of the Moon wurden erstmals am 20. Januar 1972 im Brighton Dome vorgestellt, wegen technischer Probleme musste die Band jedoch nach Money ihren Auftritt beenden. Ein Mitschnitt des vollständigen Konzertes vom 17. Februar 1972 kam unter dem Titel Live – The Best of Tour 72 als Raubpressung in den Handel. Perfektioniert zum geschlossenen Album-Zyklus wurde es bis zum Juli 1975 in kompletter LP-Länge auf jedem Pink-Floyd-Konzert gespielt.
Das Album wurde von Juni 1972 bis Januar 1973 in den Londoner Abbey Road Studios aufgenommen. Toningenieur war der damals erst 23-jährige Alan Parsons, der vorher schon an Produktionen der Beatles beteiligt gewesen war. Trotz des enormen kommerziellen Erfolgs erhielt The Dark Side Of The Moon nur eine Grammy-Nominierung: für Alan Parsons in der Kategorie „Best Engineered Recording“. Neben den Gruppenmitgliedern wirkten mit: Dick Parry (Saxophon auf Money und Us and Them), Clare Torry (Gesang auf The Great Gig in the Sky) sowie Doris Troy, Lesley Duncan, Liza Strike, Barry St. John (alle Backing Vocals). Außerdem sind kurze Fragmente aus Interviews enthalten, die Roger Waters mit zufällig Anwesenden geführt hat, insbesondere Studiomitarbeitern und Musikern von Wings. Paul McCartneys Wortbeitrag wurde allerdings nicht verwendet. Das Werk schließt mit einem Satz des zum Thema befragten Studiopförtners:
Sein darauffolgender Satz („Das Einzige, was ihn leuchten lässt, ist die Sonne.“) wurde auf dem Album nicht verwendet.MP3-Datei mit Stimme Driscolls auf kitrae.net: Dark Side of the Moon
Auf den meisten CD-Pressungen lässt sich während der ausklingenden Herzschläge am Ende von Eclipse eine kaum hörbare Orchesterfassung des Beatles-Songs Ticket to Ride ausmachen; die Ursache dafür ist unbekannt. Obwohl der Effekt auch auf hochwertigen Vinylpressungen aus der Zeit vor der CD-Ära (z. B. EMI Pro-Use-Series EMLF-97002, erstmals 1978 in Japan veröffentlicht) nachgewiesen werden kann, gibt es die Meinung, es handle sich um einen Fehler, der beim Mastering für die Compact Disc entstanden sei (reguläre Vinylpressungen können das Zitat wegen ihres Grundrauschens kaum wiedergeben). mini|Pink Floyd 1973
Stil Das Album zeigt, dass Pink Floyd ihre Alben zunehmend professioneller produzierte. Besonders der großflächige Einsatz von Synthesizern stellte den Anschluss an damals in der Popmusik aktuelle Entwicklungen her. Daneben charakterisiert aber David Gilmours melodisches, Blues-beeinflusstes Gitarrenspiel weiterhin die Musik auf dem Album.
Zugleich prägen auch einige surreale und bizarre Momente das Album. Besonders auffallend sind die gesprochenen Passagen, die sogleich das Intro Speak to Me bestimmen. Diese Klangcollage beginnt mit dem Pochen eines Herzschlags, über dem sich mehrere Personen zu den zentralen Themen des Konzeptalbums auslassen: Tod, Wahnsinn und Gewalt. Nach einer Idee des Toningenieurs Parsons erhielten die beiden Single-Auskopplungen Time und Money mit geloopten Sequenzen von mehreren synchron schellenden Weckern beziehungsweise dem Klingeln einer Registrierkasse jeweils ein ungewöhnliches Intro. Money ist bis auf den Gitarrensolo-Mittelteil, der im 4/4-Takt gespielt wird, im Rockmusik-untypischen 7/4-Takt gehalten.
Das Stück On the Run beschreibt die Angst vor dem Reisen. Unter Umständen spielte bei der Entstehung dieses Stücks, das sich von Auftritt zu Auftritt weiter entwickelte, die Flugangst von Roger Waters eine Rolle. Die Geräusche eines explodierenden Flugzeuges, mit denen der Song ausklingt, bringen das Thema auf den Punkt. Es basiert auf einer Synthesizer-Schleife, die um klangcollagenhafte Elemente ergänzt wurde. Auffällig bei der Harmonik des Albums ist die sehr häufig und in zirkelförmiger Form verwendete Akkordfolge II-V (zum Beispiel Em7 – A7).
mini|Schema-Darstellung eines lichtbrechenden Prismas. mini|Einer der ersten Entwürfe des Covers
Artwork Das Plattencover wurde von George Hardie vom Hipgnosis-Designstudio entwickelt. Die Covergestaltung stammt von Storm Thorgerson. Sie zeigt vor schwarzem Hintergrund die Brechung eines weißen Lichtstrahls an einem Prisma, der sich dadurch in die Spektralfarben auffächert. Dieses Motiv ist ein Zitat von einem Klassiker des Schallplattencovers, den Alex Steinweiss 1942 für Beethovens 5. Klavierkonzert gestaltet hatte – wobei das Klavier von Steinweiss’ Original durch ein Prisma ersetzt wurde.Vgl. Thomas Wyss Der Mann, der die Musikwelt farbiger machte Tages-Anzeiger, 8. August 2011.
Die aufgefächerten Spektralfarben setzen sich im aufgeklappten Teil des Covers fort und beschreiben dort graphisch einen Herzschlag, wie er am Anfang und am Ende der Platte zu hören ist. Für die Neuauflagen zum 20. und zum 30. Jubiläum der Albenveröffentlichung wurde 1993 und 2003 das Cover optisch erneuert, das Motiv jedoch beibehalten.
Albumversionen Es ist eines der wenigen Alben, die auch in einer Quadrofonie-LP-Version, in etwa vergleichbar mit 4.0-Raumklang, existieren. Es erschien als so genannte „Quadrophonic 8-Track-Cassette“, die wie die Quadrophonie-LP in den frühen 1970ern nur wenig, vor allem aber in den Vereinigten Staaten, verbreitet war.
Das Album ist 1983 zum ersten Mal auf CD erschienen und danach häufig remastert worden. 1993 erschien eine Spezialedition anlässlich des 20. Jubiläums von The Dark Side of the Moon. Der hierfür angefertigte Remaster wurde auch für spätere Versionen genutzt. 2003 erschien eine Spezialedition anlässlich des 30. Jubiläums des Albums. Es gibt neben einem neuen Remaster auch eine von James Guthrie abgemischte Version in 5.1-Kanal-Raumklang auf SACD.
2011 erschien das Album im Zuge der Kampagne Why Pink Floyd...? als Immersion Box, die unter anderem den originalen Quadrophonie-Mix von Alan Parsons aus dem Jahr 1973, die 5.1-Mischung von James Guthrie von 2003 sowie unveröffentlichtes Live- und Studiomaterial enthält. Der aktuelle Remaster wurde im Zuge dieser Kampagne von James Guthrie und Joel Plante angefertigt.
2023 veröffentlichte Pink Floyd zum 50. Jahrestag der Erstveröffentlichung The Dark Side of the Moon als Box-Set, das die digital aufbereitete Version des Albums, unter anderem als Blu-Ray-Dolby-Atmos-Version, sowie ein Fotobuch und eine LP des 1974er Konzerts in Wembley enthält. Ebenfalls zum Jahrestag veröffentlichte Roger Waters eine vollständige Neuaufnahme The Dark Side of the Moon Redux als Soloalbum.
Variationen des Titels Im Laufe der Zeit hatte The Dark Side of the Moon verschiedene Titel. Zuerst hieß es Eclipse: A Piece for Assorted Lunatics, dann The Dark Side of the Moon: A Piece for Assorted Lunatics und bei der Erstveröffentlichung auf LP und auf CD wurde es nur Dark Side of the Moon genannt. So heißt es auch auf anderen Veröffentlichungen.
Titelliste # (LP)*1# (CD)*2TitelDauerMusikTextA.1 / 1 1Speak to Me3:57Nick MasonA.2 / 2BreatheRoger Waters, David Gilmour, Richard WrightRoger WatersA.3 / 32On the Run3:31David Gilmour, Roger Waters, Richard Wright (Synthsequenz auf EMS VCS 3)A.4 / 43Time7:05Nick Mason, Roger Waters, Richard Wright, David GilmourRoger WatersBreathe RepriseRoger Waters, David Gilmour, Richard WrightRoger WatersA.5 / 54The Great Gig in the Sky4:47Richard Wright*3B.1 / 65Money6:23Roger WatersRoger WatersB.2 / 76Us and Them7:48Richard WrightRoger WatersB.3 / 87Any Colour You Like3:25David Gilmour, Nick Mason, Richard WrightB.4 / 98Brain Damage3:50Roger WatersRoger WatersB.5 / 109Eclipse2:06Roger WatersRoger Waters *1 zeigt die Titelfolge, wie sie auf der LP / CD aufgedruckt ist. *2 zeigt die tatsächlichen CD-Tracks. *3 2004 erhob die Sängerin Clare Torry, die im Studio den Gesangsteil zu The Great Gig in the Sky improvisiert und dafür eine übliche Studiomusiker-Gage erhalten hatte, gerichtlich den Anspruch auf Tantiemen. Auf der 2006 erschienenen P.U.L.S.E-DVD wird die Urheberschaft erstmals wie folgt akkreditiert: Wright/Vocal composition by Clare Torry.
Es existieren auch Ausgaben der CD (z. B.: Mobile Fidelity Gold-CD), die zehn Tracks aufweisen, da Speak to Me und Breathe auf zwei Tracks (1 und 2) aufgeteilt wurden.
Veröffentlichungen mit Bezug auf The Dark Side of the Moon Auf dem Pink-Floyd-Livealbum Pulse (1995) ist eine vollständige Darbietung des Albums enthalten. Der Mitschnitt stammt aus der letzten Tournee der Band in der Formation ohne Roger Waters. 2006 erschien die gleichnamige DVD, die dem Zuschauer eine aufwändige visuelle Inszenierung des Albums mit runder Großleinwand und eigens dafür angefertigten Clips zugänglich macht.
Der Regisseur Matthew Longfellow drehte 1997 eine Making-of-Dokumentation ab, die 2003 unter dem Titel Classic Albums – The Making of Dark Side of the Moon auf DVD erschienen ist. Musiker und Mitwirkende kommen in einer 93-minütigen Sendung zu Wort.
Das Album diente in den letzten Jahren gehäuft als Vorlage für mehr und weniger ungewöhnliche Neuinterpretationen. Die Formation Easy Star All-Stars veröffentlichte 2003 eine Dub/Reggae-Version namens Dub Side of the Moon, die das Albumkonzept ironisch auf die eigene Subkultur ummünzt: Das Kassenklingeln zu Beginn des Stücks Money wurde durch eine rhythmische Collage um Raucherhusten, Feuerzeuggeräusche und das Blubbern einer Wasserpfeife ersetzt. Das A-cappella-Projekt Vocomotion spielte 2005 eine Neuinterpretation unter dem Titel Dark Side of the Moon a cappella ein. Darin werden sämtliche Instrumente durch Gesang oder Beatboxing imitiert. Die Progressive-Metal-Band Dream Theater spielte das komplette Album während ihrer Welttournee 2005 als Zugabe live und veröffentlichte einen Livemitschnitt auf DVD und CD über ihr eigenes Musiklabel YtseJam Records.
Im Oktober 2008 veröffentlichte Extrawelt, das Minimalprojekt von Arne Schaffhausen & Wayan Raabe, auf dem Album Schöne Neue Extrawelt den Track Dark Side Of My Room. Ende 2009 veröffentlichte die Band The Flaming Lips eine radikale Neuinterpretation des gesamten Albums.
Die Industrial-Metal-Band Ministry benannte eines ihrer Alben Dark Side of the Spoon, anspielend auf die verrußte Unterseite eines Löffels (engl. ‚spoon‘), der zum Aufkochen von anschließend intravenös injiziertem Heroin genutzt wird, und die Drogenvergangenheit ihres Sängers Al Jourgensen.