mini|Die Sternwarte am purpurnen Berg Die Sternwarte am purpurnen Berg (, kurz: PMO, internationaler Code 330) ist eine Sternwarte im Außenbereich der Stadt Nanjing in der Volksrepublik China. Das alte Observatorium liegt im östlichen Stadtbezirk Xuanwu auf einer Hügelkuppe im Westen der Purpurberge in einer Höhe von 267 m über dem Meeresspiegel. Die neuen Forschungs- und Verwaltungsgebäude befinden sich nordöstlich davon im Stadtbezirk Qixia. Direktor der Sternwarte ist seit dem 30. September 2020 der Bahnverfolgungsexperte Zhao Changyin (, * 1966).

Geschichte Hühnerkäfig-Berg mini|Hühnerkäfig-Berg (1930–2010 ein meteorologisches Observatorium) Zu Beginn der Früheren Song-Dynastie (420–479), knapp zweihundert Jahre nach der Gründung der Universität Nanjing, wurde auf dem Hühnerkäfig-Berg () im Nordosten des heutigen Stadtbezirks Gulou, einem Hügel in den nördlichen Ausläufern der Purpurberge, der heute als Beiji Ge () bekannt ist, eine Sonnenbeobachtungsplattform () gebaut, damals umgangssprachlich auch als „Astronomenplattform“ () bekannt.Nicht zu verwechseln mit dem (Pinyin Sītiāntái) der Tang-, Jin- und Yuan-Dynastie, wo dies die offizielle Bezeichnung für das Büro für Astronomie war. Charles O. Hucker: A Dictionary of Official Titles in Imperial China. Stanford University Press, Stanford 1985, ISBN 957-638-285-8, S. 457 (englisch). 443 wurde nach einem Entwurf des Großastrologen () Qian Lezhi (, 424–453) ein bronzener Himmelsglobus gegossen.Charles O. Hucker: A Dictionary of Official Titles in Imperial China. Stanford University Press, Stanford 1985, ISBN 957-638-285-8, S. 481 (englisch). Im Jahr 462, dem 6. Jahr der Regierungsdevise Daming („Große Helligkeit“) von Kaiser Liu Jun, wurde von den Astronomen der Daming-Kalender () erstellt.

Während der Song-, Yuan- und Ming-Dynastie wurde die Sonnenbeobachtungsplattform mehrfach erweitert und 1381 zum Kaiserlichen Astronomischen Observatorium (钦天台) hochgestuft. Aus jener Zeit stammen das Gnomon, die Armillarsphäre, der Himmelsglobus und die vereinfachte Armillarsphäre, die heute auf dem Himmelsburg-Gipfel (siehe unten) zu besichtigen sind. Das 1280 nach einem Entwurf von Guo Shoujing hergestellte und 1437 duplizierte Gnomon diente zur Sonnenbeobachtung und zur Kalenderberechnung. Mit der Armillarsphäre aus dem Jahr 1437 konnte man mittels drei Ringsystemen die äquatorialen, ekliptischen und horizontalen Koordinaten von Himmelskörpern bestimmen. Die Ringe sind unterteilt in Skalen von 365,25 und 100. Diese Art von Skalensystemen kennzeichnet die Eigenschaften der Astronomie im Alten China. Mit der vereinfachten Armillarsphäre, im Jahr 1437 nach einem Entwurf von Guo Shoujing hergestellt, konnten Deklination und Rektaszension von Himmelskörpern ohne gegenseitige Interferenz gemessen werden.

Nachdem Kaiser Zhu Di die Hauptstadt des Reichs 1421 von Nanjing nach Peking verlegt hatte, verwaiste das Observatorium auf dem Hühnerkäfig-Berg allmählich. 1442 wurde in Peking ein neues Observatorium gebaut, das heutige „Alte Observatorium von Peking“, und 1668 wurden die vier Instrumente auf Befehl von Kaiser Aisin Gioro Xuanye alle dorthin verbracht.、: . , 2001, ISBN 7-305-03669-2 (chinesisch, ). Während des Boxeraufstands im Jahr 1900 wurde die vereinfachte Armillarsphäre von französischen Soldaten, die Armillarsphäre von deutschen Soldaten und der Himmelsglobus von unbekannten Dieben gestohlen – das Gnomon war zu schwer, um es wegzuschleppen. Der verschollene Himmelsglobus wurde 1903 im Auftrag der Qing-Regierung dupliziert. Die vereinfachte Armillarsphäre wurde 1905 und die Armillarsphäre 1920 wieder an China zurückgegeben. Als nach dem Mukden-Zwischenfall vom 18. September 1931 die japanischen Truppen immer weiter auf Peking vorrückten, reiste der junge Astronom Zhang Yuzhe (张钰哲, 1902–1986), der 1928 am Yerkes-Observatorium den Hauptgürtel-Asteroiden 3789 Zhongguo entdeckt hatte, auf Anordnung von Yu Qingsong (, 1897–1978), dem damaligen Direktor des Observatoriums, am 10. September 1932 nach Peking, um die Instrumente nach 264 Jahren nach Nanjing zurückzubringen, das damals noch als sicher galt.

Himmelsburg-Gipfel mini|hochkant|Gao Lu Zu Beginn des 20. Jahrhunderts befand sich das Zentrum der chinesischen Astronomie in Peking. 1912, nach der Xinhai-Revolution und dem Sturz der Qing-Dynastie, wurde das Alte Observatorium von Peking in „Zentrales Observatorium“ umbenannt und dem Ministerium für Bildung unterstellt. Das Zentrale Observatorium wurde beauftragt, wie vorher das Kaiserliche Sternkundeamt die Berechnung des Kalenders durchzuführen. Zum Leiter des Observatoriums wurde Gao Lu (, 1877–1947) ernannt, der 1905–1909 an der Fakultät für Ingenieurwissenschaften der Université libre de Bruxelles studiert und dort mit einer Arbeit zu Berechnungsmethoden in der Mechanik promoviert hatte. 1913 schlug Gao Lu vor, Gelder bereitzustellen, um auf dem höchsten Gipfel der Purpurberge ein modernes astronomisches Observatorium zu bauen. Aufgrund der damaligen politischen Verhältnisse konkretisierte sich dieses Vorhaben nicht. Gao Lu, der seit seiner Studienzeit der Tongmenghui bzw. Kuomintang nahestand, ging 1918 nach Europa, um die dortigen chinesischen Austauschstudenten zu betreuen. Nach seiner Rückkehr nach China im Jahr 1921 übernahm er wieder die Leitung des Zentralen Observatoriums in Peking und ließ zunächst dort ein modernes dreistöckiges Gebäude bauen, das den alten Turm aus der Ming-Dynastie als Observatorium ersetzte.

Unmittelbar nachdem die Nationalrevolutionäre Armee unter Chiang Kai-shek am 18. April 1927 Nanjing zur neuen Hauptstadt Chinas ausgerufen hatte, wandte sich Gao Lu an Cai Yuanpei, der damals die Vorbereitungsarbeiten für die Gründung der Academia Sinica leitete, und schlug erneut vor, in den Purpurbergen ein modernes astronomisches Observatorium zu bauen – die alte Plattform auf dem Hühnerkäfig-Berg war für ein meteorologisches Observatorium vorgesehen (seit 2010 ein Museum). Noch im April 1927 begann man mit den Planungsarbeiten für ein Observatorium am heutigen Standort. Im Februar 1928, noch vor der offiziellen Gründung der Academia Sinica am 9. Juni 1928, wurde deren Institut für Astronomie () gegründet, dessen Leitung Gao Lu übernahm, der weiterhin für den Bau des neuen Observatoriums zuständig war. Ende 1928 waren die Vermessungsarbeiten abgeschlossen.

mini|Das Zeiss-Spiegelteleskop vor der Auslieferung nach China Anfang 1929 wurde Gao Lu zum chinesischen Botschafter in Frankreich ernannt. Seine Nachfolge als Leiter des Instituts für Astronomie trat Yu Qingsong an, Leiter des Instituts für Astronomie an der Fakultät für Physik der Xiamen-Universität. Die ursprünglichen Planungen waren mit dem Bau des Sun-Yat-sen-Mausoleums in Konflikt geraten, und so wurde nun unter der Leitung von Yu Qingsong auf dem Himmelsburg-Gipfel (), dem dritten Gipfel der Purpurberge, auf einem 3 ha großen Areal mit dem Bau des Observatoriums begonnen. Fünf Jahre später waren die immer wieder unterbrochenen Arbeiten abgeschlossen, und am 1. September 1934 wurde der Beobachtungsbetrieb aufgenommen. Die Baukosten hatten 190.000 Yuan betragen. Der Sitz des Instituts für Astronomie der Academia Sinica wurde nun direkt an das Observatorium verlegt, wo es in mehreren Gebäuden Büros, Arbeitszimmer, eine Bücherei und einen Sitzungsraum gab, dazu noch einen Blinkkomparator-Raum für die Suche nach veränderlichen Sternen und zwei Wohnheime für die Wissenschaftler und das Personal.

In der ersten Hälfte der 1930er Jahre wurde das Observatorium immer weiter ausgebaut. Als die Einrichtung am 23. August 1937 angesichts der japanischen Bedrohung geräumt wurde, gab es auf dem Himmelsburg-Gipfel insgesamt sechs mit Stahlkuppeln versehene Beobachtungsgebäude, wo sich unter anderem ein Schweizer Meridiankreis, ein 600-mm-Spiegelteleskop und ein 200-mm-Refraktor der Firma Carl Zeiss sowie ein aus den USA importiertes Sonnenspektrometer befanden. Die Forschung gestaltete sich kriegsbedingt nicht einfach, und neben der Beobachtung von Kometen und Asteroiden, Sonnenflecken und veränderlichen Sternen war eine der Hauptaufgaben des Observatoriums weiterhin die Erstellung von Kalendern, sowohl – im Auftrag des Innenministeriums – des chinesischen Kalenders als auch eines nautischen Kalenders für astronomische Navigation.

mini|hochkant|Yu Qingsong Die Entscheidung der Academia Sinica nach Beginn der Schlacht um Shanghai am 13. August 1937, das Observatorium zu räumen, erwies sich im Nachhinein als richtig – im Dezember 1937 wurde die Einrichtung bei der Schlacht um Nanjing fast vollkommen zerstört. Die wenigen erhaltenen Gebäude dienten als Wohnhäuser, als durch die Rückverlegung der Hauptstadt der Kuomintang-Regierung ab April 1946 Wohnraum knapp wurde. Bereits im September begann dann der Wiederaufbau.Melby, John F.; Mandate of Heaven; London 1969 (Chatto & Windus); US-Diplomat und zeitweiliger Bewohner. Direktor Yu Qingsong und seine Kollegen hatten sich 1937 unter Mitnahme des Meridiankreises, des Sonnenspektrometers, des Blinkkomparators und mehr als 300 fotografischen Platten mit Aufnahmen des Sternenhimmels und der Sonne über Changsha und Guilin nach Kunming in der südwestchinesischen Provinz Yunnan durchgeschlagen, wo sie ab Herbst 1938 das „Observatorium auf dem Phönixberg“ aufbauten, das heutige Astronomische Observatorium Yunnan.

Im November 1949, einen Monat nach der Gründung der Volksrepublik China, wurde die Chinesische Akademie der Wissenschaften gegründet, und am 6. April 1950 übernahm sie fünf in Nanjing angesiedelten Institute der Academia Sinica, darunter das Institut für Astronomie, das in „Sternwarte am purpurnen Berg“ umbenannt wurde. Yu Qingsong hatte bereits 1947 das Land verlassen und war nun am Harvard-College-Observatorium in den USA tätig. Daher wurde am 20. Mai 1950 Zhang Yuzhe vom Staatsrat der Zentralen Volksregierung () zum Direktor der Sternwarte ernannt, ein Posten, den er bis Juli 1984 innehatte. Danach war er noch bis zu seinem Tod am 21. Juli 1986 Ehrendirektor des Observatoriums und brachte Schulklassen bei Führungen die Astronomie nahe.

Der Arbeitsschwerpunkt der Sternwarte unter Zhang Yuzhe lag bei der Suche nach Asteroiden und Kometen. An dem von Zhang persönlich geleiteten Labor für Planetologie () wurden bis 1984 mehr als 8600 fotografische Aufnahmen gemacht. 147 Asteroiden und drei Kometen wurden vom Minor Planet Center der Internationalen Astronomischen Union als Neuentdeckungen anerkannt (Stand vor 2023), darunter der periodische Komet 60P/Tsuchinshan (eine alternative Schreibung von „Zijinshan“ also „Purpurner Berg“), die Trojaner (2223) Sarpedon, (2363) Cebriones und (2456) Palamedes, sowie der ebenfalls nach der Sternwarte benannte Hauptgürtelasteroid (3494) Purple Mountain. 2023 wurde der Komet C/2023 A3 (Tsuchinshan-ATLAS) entdeckt.

Ende der 1980er Jahre nahm in Nanjing nicht nur die Lichtverschmutzung, sondern auch der Smog stark zu, sodass der Sternwarte immer höhere Kosten für die Reinigung der Linsen und Spiegel ihrer Teleskope erstanden. Daher wurde die Forschungstätigkeit zunehmend an die Außenstellen verlagert und in Nanjing nur noch Sonnenbeobachtungen durchgeführt. 1996 wurde die Sternwarte am purpurnen Berg vom Staatsrat in die Liste der Denkmäler der Volksrepublik China aufgenommen und ist seitdem primär ein Museum.

Außenstellen Delhi