mini|Dynamischer Wegweiser auf der A 4 bei Köln Als Dynamischer Wegweiser mit integrierten Stauinformationen, kurz dWiSta, wird in Deutschland ein Anzeigesystem bezeichnet, das Verkehrsinformationen an die Verkehrsteilnehmer weitergibt. Die Anzeigetafeln befinden sich an Schilderbrücken, seltener am Fahrbahnrand, und werden vor Autobahnknotenpunkten oder wichtigen Autobahnanschlussstellen in Deutschland aufgestellt.

Das Anzeigesystem besteht aus einem statischen Teil, der die Richtungspfeile und Autobahnnummern beinhaltet, und zwei lichttechnischen Anzeigeblöcken, je einem für die Geradeaus-Richtung und für die Abbiege-Richtung. Jeder Block besteht aus einem Feld für vordefinierte Warnhinweise (beispielsweise Baustelle, Allgemeine Gefahrenstelle, Stau) sowie Sinnbildern wie dem Stadion-Symbol, einem Feld für den Umlenkungspfeil und einem dreizeiligen, frei programmierbaren Schriftfeld. In Hessen und Baden-Württemberg wird hiervon abweichend ein einziges, frei programmierbares Grafikfeld für bis zu vier bzw. drei Textzeilen eingesetzt. Einige noch modernere Anlagen verfügen nur über einen einzigen großen, programmierbaren LED-Block ohne statische Anzeigen.

Die ersten Anlagen dieser Art wurden 2005 im Rahmen des Projekts Staufreies Hessen 2015 am Wiesbadener Kreuz und am Mönchhof-Dreieck errichtet. Seitdem wurden in nahezu allen anderen Bundesländern ebenfalls derartige Anzeigen nach demselben Konzept errichtet und sind im deutschen Autobahnnetz weit verbreitet.

Geschichte und Vorgängersysteme mini|Streckenbeeinflusungsanlage mit Textfeldern am Dreieck Leonberg, 1987 Erste Experimente mit dynamischer Wegweisung wurden Anfang der 1970er Jahre in Südhessen durchgeführt, um den Verkehr an stauanfälligen Strecken vorbei zu leiten und einen gleichmäßigeren Verkehrsfluss zu gewährleisten. Da das dortige Autobahnnetz bereits zu diesem Zeitpunkt sehr engmaschig war und über viele Alternativrouten verfügte, bot sich dies an. Hierfür wurden statische Wegweiser mit mechanisch klappbaren Textfeldern, sogenannte Prismenwender, installiert. Eingesetzt wurden solche erstmals am Rüsselsheimer Dreieck, um den von Süden kommenden Verkehr mit dem Fernziel Köln statt über die BAB 66 und BAB 3 über die BAB 60, BAB 671 und BAB 66 zum Wiesbadener Kreuz zu leiten. Später wurde eine zweite Kette an Wechselwegweisern am Darmstädter Kreuz errichtet, um den nach Süden fahrenden Verkehr der sich dort kreuzenden, anschließend zueinander parallel verlaufenden BAB 5 und BAB 67 auf eine dieser beiden Strecken zu lenken. Gesteuert wurden die Anlagen von der Autobahnmeisterei Rüsselsheim aus, wo 1975 die Verkehrsrechnerzentrale (VRZ) Frankfurt Rüsselsheim eingerichtet wurde.

In den Folgejahren entstanden VRZ in allen weiteren Bundesländern, so auch in Baden-Württemberg an der Autobahnmeisterei Ludwigsburg. Mitte der 1980er Jahre wurde am Dreieck Leonberg eine optisch bereits stark den späteren dWiSta ähnelnde Anlage in Betrieb genommen, die mittels Röhrenbildschirme Umleitungsempfehlungen für die Netzmasche Leonberg – Karlsruhe – Walldorf – Weinsberg anzeigen konnte. Die Wegweiser waren rechts am Fahrbahnrand aufgestellt, ein zusätzliches Hinweisschild stand im Mittelstreifen der damals sechsstreifigen Autobahn. Gesteuert wurden sie aus der VRZ Ludwigsburg.

In den 1990er Jahren kam es, auch im Zusammenhang mit dem Umbau des Frankfurter Kreuzes, zum großflächigen Einsatz weiterer substitutiver Wechselwegweiser an mehreren Anschlussstellen und Knotenpunkten der BAB 3, BAB 5, BAB 66 und BAB 648, die bestimmte Ziele entweder über die geradeaus weiterführenden oder abzweigenden Spuren anzeigen konnten. Um den Fahrer auf die Änderung der Verkehrsführung aufmerksam zu machen, verfügten diese über abwechselnd blinkende Leuchten. Im Juni 1997 wurden als Ergänzung hierzu entlang der A 5 drei große Tafeln mit LED-Schriftfeld (in Fahrtrichtung Norden eine vor dem Frankfurter Kreuz, in Fahrtrichtung Süden je eine vor dem Bad Homburger Kreuz und dem Nordwestkreuz Frankfurt) installiert. Diese wurden als additive Wegweiser mit Wechseltextanzeige bezeichnet und bildeten eine Ergänzung zu den bestehenden Wechselwegweisern.Leit- und Informationssysteme für den Verkehr in Hessen Mit vermehrtem Aufkommen der heutigen dWiSta wurden die Anzeigen Ende der 2000er Jahre wieder demontiert. Die VRZ Rüsselsheim wurde 2001 nach Frankfurt-Rödelheim verlegt und in Verkehrszentrale Hessen umbenannt.

Im Rahmen des Forschungsprojekts Mobinet des Bundesministeriums für Bildung und Forschung wurden im Jahr 1998 am Autobahndreieck München-Eschenried und an der Anschlussstelle München-Frankfurter Ring der BAB 9 programmierbare LED-Anzeigetafeln installiert, die zusammen mit mehreren Leitsystemen im Münchner Stadtgebiet eine „Sektorsteuerung“ bilden und den Verkehr über Alternativrouten leiten können. Der Verkehr in die Münchner Innenstadt kann bei Überlastung der Hauptroute stadteinwärts Richtung Verdistraße und Arnulfstraße alternativ über die BAB 99 zur Anschlussstelle Ludwigsfeld und von dort aus über die Dachauerstraße zum Mittleren Ring geführt werden. Mitte 2003 wurde dieses System ergänzt um große Tafeln, die jeweils auf den stadteinwärts führenden Bundesautobahnen 94, 95 und 96 den Mittleren Ring (BAB 95, 96) bzw. das Straßennetz im Münchner Osten (BAB 94) stark schematisch darstellen und stauführende Abschnitte mit roten LEDs anzeigen.

1999 wurde auf dem östlichen Berliner Ring (BAB 10) zwischen den Anschlussstellen Berlin-Weißensee (heute Autobahnkreuz Barnim) und Erkner eine Stauwarnanlage in Betrieb genommen, die in ihrer Funktionalität bereits sehr den heutigen dWiSta ähnelte. Dabei handelte es sich um vierzeilige Wechselwegweiser, die vor jeder Anschlussstelle neben der Fahrbahn installiert wurden und mehrere Texte bezogen auf den Verkehrsfluss für die Strecke bis zur übernächsten Anschlussstelle auszugeben. Ein Nachteil im Vergleich auf die späteren dWiSta war aufgrund der begrenzten Ausgabe die fehlende Möglichkeit, Alternativrouten anzugeben.

Im März 2004 ging auf den Autobahnen Bundesautobahnen 3, 6, 9 und 73 um Nürnberg ein Verkehrsleitsystem in Betrieb, bei dem in die gewöhnliche, statische Beschilderung zusätzlich LED-Felder eingebaut sind. Über Textmitteilungen kann so der Verkehr etwa bei Messen oder Sportveranstaltungen umgeleitet werden. Das System umfasst neben rund 70 km Autobahn auch 33 km innerstädtische Straßen.

Die heutigen dynamischen Wegweiser mit integrierter Stauinformation (dWiSta) wurden im Rahmen des Programms zur Verkehrsbeeinflussung auf Bundesautobahnen 2002 bis 2007 entwickelt und mit dem Allgemeinen Rundschreiben Straßenbau Nr. 20/2004 eingeführt. Die Konzipierung eines bundeseinheitlichen Systems zur dynamischen Verkehrsflusssteuerung geschah vor allem im Hinblick auf die in Deutschland stattfindende Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Die ersten Anlagen wurden 2005 am Wiesbadener Kreuz und am Mönchhof-Dreieck aufgebaut.

Anwendung Baden-Württemberg mini|dWiSta-Wechseltextanzeige auf der A 8 bei Stuttgart Die ersten beiden dWiSta in Baden-Württemberg wurden 2006 auf der BAB 81 vor der Anschlussstelle Stuttgart-Zuffenhausen installiert, um den aus Richtung Heilbronn kommenden Verkehr ins Stuttgarter Stadtgebiet wahlweise über die dort kreuzende B 10 oder die an der nächsten Anschlussstelle (Stuttgart-Feuerbach) angebundene B 295 zu lenken. Es handelt sich dabei um Wegweiser am Straßenrand. Für den Verkehr in entgegengesetzte Richtung existieren am Pragsattel Wechselwegweiser, die den Weg zur Autobahn entweder über die B 10 oder B 295 lenken können. Außerdem stehen jeweils an der Anschlussstelle Stuttgart-Plieningen und Stuttgart-Flughafen der BAB 8 eine dWiSta.

Die Netzmasche Kreuz Walldorf – Kreuz Weinsberg – Dreieck Leonberg – Dreieck Karlsruhe der Bundesautobahnen 5, 6, 8 und 81 begrenzt eine annähernd quadratische Fläche und ist aufgrund der Erschließung mehrerer Ballungsräume und des Fehlens von Alternativrouten hoch belastet. Da die Reisezeiten zur jeweils gegenüberliegenden Ecke über jeweils beide Routen annähernd gleich sind, kann hier bereits bei relativ geringer Staulänge eine Alternativroute ausgewiesen werden. Im Jahr 2006 wurden am Kreuz Walldorf in Fahrtrichtung Karlsruhe bzw. Heilbronn und am Dreieck Leonberg in Fahrtrichtung Karlsruhe sechs dWiSta installiert, um den von der BAB 5 aus Richtung Norden kommenden Verkehr nach Stuttgart sowie in umgekehrter Fahrtrichtung alternativ über Karlsruhe statt über Heilbronn zu leiten. Diese Anlage ersetzt die ältere Anlage am Dreieck Leonberg aus den 1980er Jahren. Die Netzbeeinflussungsanlage wurde Anfang 2020 um weitere dWiSta am Kreuz Weinsberg und Mitte 2021 am Dreieck Karlsruhe in Fahrtrichtung Frankfurt ergänzt.

Im Rhein-Neckar-Raum besteht ein relativ dicht vermaschtes Autobahnnetz, das zahlreiche Alternativrouten ermöglicht: Der Bergstraßenkorridor bezeichnet den Abschnitt der Bundesautobahnen A 5 und A 6 (auf hessischer Seite bildet die A 67 die Fortsetzung letzterer), in dem diese zwischen Darmstädter Kreuz und Kreuz Walldorf parallel zueinander geführt werden. Ein Wechsel zwischen beiden ist auf baden-württembergischen Gebiet über zwei Querverbindungen – die A 656 und die A 659 – möglich. Am Viernheimer Kreuz, Kreuz Mannheim und Kreuz Weinheim von Norden und Kreuz Heidelberg von Süden sowie am Kreuz Walldorf aus Richtung Karlsruhe bzw. Heilbronn kommend, wurden Ende 2014 dWiSta aufgestellt. Es besteht ein lückenloser Übergang zur hessischen Netzbeeinflussung: Bereits vor Installation der dWiSta am Kreuz Weinheim, die in Fahrtrichtung Norden in hessischer Bauart ausgeführt sind, war dieser Knotenpunkt Bestandteil des südhessischen Verkehrsleitsystems und war mit substitutiven Wechselwegweisern ausgestattet.

Ähnlich wie die dWiSta an den hessischen Autobahnen zeigen die in Baden-Württemberg installierten dWista mittlerweile Reisezeiten an, sofern keine Störung vorliegt. Anders als in Hessen wird nicht auf die nächstgelegenen Knotenpunkte, sondern die zu erreichenden Städte hingewiesen.

Bayern Bereits vor Einführung der dWiSta existierten in den Ballungsgebieten um Nürnberg und München Leitsysteme mit frei programmierbaren LED-Textfeldern und Prismenwendern. Ein den dWiSta entsprechendes Verkehrsleitsystem wurde in den 2010er Jahren an den Autobahnkreuzen Schweinfurt/Werneck, Biebelried und Feuchtwangen/Crailsheim installiert, dieses unterscheidet sich dadurch, dass komplett als LED-Freitexttafel ausgeführte Wegweiser mit Pendelblinker zum Einsatz kommen.

Eine Wegweiserkette aus dWiSta existiert seit Juni 2010 auf der BAB 8 in Fahrtrichtung Salzburg vor dem Autobahndreieck Inntal. Dabei werden drei Wegweiser eingesetzt, einer 8 km vor dem Dreieck und zwei unmittelbar davor zusammen mit der regulären Beschilderung. Über diese Anlage können neben den Störungen auf den Autobahnen selbst auch Hinweise für die wichtigen Alpentransitrouten (Brenner, Tauerntunnel) angezeigt werden.dNet Bayern AD Inntal A8 Ost Fahrtrichtung Salzburg, VIA Beratende Ingenieure

Hessen mini|Ein dWiSta am Darmstädter Kreuz (A 5 in Südrichtung) zeigt Reisezeiten an mini|Das Verkehrs­leit­system auf der A 648 nach der Modernisierung im Sommer 2017