Der Guatemaltekische Bürgerkrieg wurde in Guatemala von 1960 bis 1996 zwischen vier linken Guerillaorganisationen (Zusammenschluss als Unidad Revolucionaria Nacional Guatemalteca, URNG) und der guatemaltekischen Regierung ausgetragen, die meist aus sich abwechselnden, rechtsgerichteten Militärdiktaturen bestand. Dem Konflikt fielen 150.000 bis 250.000 Menschen zum Opfer (etwa zwei bis sechs Prozent der Bevölkerung), mehrheitlich Angehörige der indigenen Bevölkerung, zumeist Angehörige der Ethnien der Maya, die bei planmäßigen Massakern der Armee und rechter paramilitärischer Truppen ermordet wurden. Mindestens 100.000 Menschen, die genaue Zahl ist unbekannt, flüchteten in Nachbarländer. Das Morden fand seine Hochphase in den 1980er Jahren, als im März 1982 Efraín Ríos Montt durch einen Putsch an die Macht kam.

Eine der Ursachen des Konflikts war ein 1954 vom US-Auslandsgeheimdienst CIA als Geheimoperation initiierter Militärputsch unter dem Decknamen Operation PBSUCCESS. Dabei flogen national unkenntlich gemachte US-Flugzeuge Angriffe gegen das Land. Dies führte wie geplant zum Sturz des demokratisch gewählten, bürgerlich-konservativen Präsidenten Jacobo Árbenz Guzmán und hatte eine gravierende innenpolitische Destabilisierung zur Folge.

Am 29. Dezember 1996 kam es zur Unterzeichnung des Friedensvertrages in Guatemala. Unter der Schirmherrschaft des scheidenden UN-Generalsekretärs Butros Butros-Ghali unterzeichneten Vertreter von UNRG und der Regierung Álvaro Arzú Irigoyen den Acuerdo de paz firme y duradera (Festes und Dauerhaftes Friedensabkommen).Guatemala: Bill Clinton’s Latest Damn-Near Apology. Mother Jones, 16. März 1999

Aufgrund der massiven Menschenrechtsverletzungen an Zivilisten wird er zu den so genannten schmutzigen Kriegen gezählt und von der dortigen Justiz heute teils als Völkermord bewertet.

Ursprünge des Bürgerkriegs Seit seiner Unabhängigkeit 1821/39 war die Geschichte Guatemalas von Militärdiktaturen und extremen sozialen Gegensätzen geprägt. Um das Jahr 1944 besaßen Großgrundbesitzer, die rund 2 % der Bevölkerung ausmachten, etwa 70 % der landwirtschaftlichen Nutzflächen des Landes.

Landreform und durch US-Geheimoperation unterstützter Putsch

Nach dem Sturz des Diktators Jorge Ubico 1944 leitete Präsident Juan José Arévalo eine Reformphase ein. Sein Nachfolger Jacobo Árbenz Guzmán (Präsident von 1950 bis 1954) führte eine umfangreiche Landreform durch, bei der ungenutzter Großgrundbesitz, unter anderem des US-amerikanischen Lebensmittelkonzerns United Fruit Company (heute: Chiquita Brands International), an landlose bzw. landarme Bauernfamilien verteilt wurde. In der so genannten Operation PBSUCCESS führte daraufhin im Juni 1954 eine vom US-amerikanischen Auslandsgeheimdienst CIA aufgestellte Truppe aus rund 400 guatemaltekischen Offizieren und Soldaten einen gewaltsamen Militärputsch durch. Sie stürzten den demokratisch gewählten Präsidenten Jacobo Árbenz und setzten den General Carlos Castillo Armas als Diktator ein.Stephen Schlesinger, Stephen Kinzer: Bitter Fruit: the story of the American coup in Guatemala. 2nd rev. and expanded Ed. Harvard Univ. Press, Cambridge, Mass. u. a. 2005, ISBN 0-674-01930-X. Laut freigegebenen Akten der CIA soll dabei die Truman-Doktrin eine Hauptrolle gespielt haben, mit deren Hilfe während der McCarthy-Ära eine vermutete bzw. behauptete „kommunistische Bedrohung“ (siehe unten) aus Zentralamerika für die USA verhindert werden sollte. Eine Rolle spielte auch, dass der CIA-Chef Allen Welsh Dulles nebenbei als Rechtsanwalt und Lobbyist für die United Fruit Company tätig war. Auch sein Bruder, US-Außenminister John Foster Dulles, hatte über dieselbe Rechtsanwaltskanzlei Sullivan & Cromwell wirtschaftliche Interessen im Zusammenhang mit dem Unternehmen.A Banana Republic Once Again? PR Watch, 27. Dezember 2010

Motivation für den Putsch Über die Motive, die die US-Regierung zu dem Putsch veranlassten, besteht noch kein wissenschaftlicher Konsens, obwohl 1997 ein Teil der betreffenden Akten von der CIA veröffentlicht wurde. Teils wird als Ursache auf die Fortsetzung älterer, interventionistischer US-Doktrinen wie der Truman-Doktrin, der Monroe-Doktrin und der damals neuen, so genannten Domino-Theorie hingewiesen. Teils wird auch die damalige Kommunismus-Hysterie in den USA während der McCarthy-Ära betont, und teils die bereits erwähnten wirtschaftlichen Eigeninteressen der für die Aktion maßgeblichen Dulles-Brüder sowie die vorherige massive Lobby- und manipulative Pressearbeit der United Fruit genannt, siehe auch unten. Arbenz war zwar selbst bürgerlich-konservativ, arbeitete aber im Rahmen seiner Landreform pragmatisch mit der bei den Landarbeitern einflussreichen kommunistischen Partei Guatemalas zusammen. Er legalisierte die Kommunistische Partei Guatemalas (Partido Guatemalteco de Trabajo (PGT), Guatemaltekische Partei der Arbeit). Sie war zwar im Parlament nur mit vier von 57 Abgeordneten vertreten und stellte auch keinen Minister im Kabinett Arbenz’, besaß aber Einfluss im Landwirtschaftsministerium, das mit der Landreform befasst war. Diese Zusammenhänge wurden von der CIA zum Anlass genommen, der amerikanischen und der Weltöffentlichkeit die gesamte Geheimoperation fälschlich als „Revolution“ zu verkaufen, bei der das angeblich in der Gewalt des Kommunismus befindliche Guatemala von patriotischen einheimischen Militärs „befreit“ wurde. Dazu wurde der demokratisch gewählte Arbenz systematisch und fälschlich als Kommunist denunziert und dafür gesorgt, dass dies über die US-Medien verbreitet wurde. Die Rolle der CIA bzw. der US-Regierung bei den Vorgängen wurde gegenüber der Öffentlichkeit vollkommen geheim gehalten und kam erst Jahrzehnte später allmählich an die Öffentlichkeit.

Erfindung der „kommunistischen Bedrohung“ und Medienmanipulation Für den Entwurf und die Koordinierung der zugehörigen umfangreichen Desinformations-Kampagne zur entsprechenden Manipulation der Medien war Edward Bernays verantwortlich, der auch Erfinder des modernen Ersatzbegriffs Public Relations für das in Verruf geratene Wort Propaganda war. Laut New York Times baute Bernays im Auftrag der United Fruit Company ab 1951 selbst ein privates Netzwerk von Agenten in Lateinamerika auf, um negativ gefärbte Informationen über Arbenz zu verbreiten und diesen zu diskreditieren. Dazu lancierte er auch selbst Falschmeldungen an große US-amerikanische Zeitungen, mittels derer der eigentlich konservative, ehemalige Militär Arbenz als „Kommunist“ stigmatisiert und so die öffentliche Meinung in den USA allmählich für den geplanten Staatsstreich vorbereitet wurde.Ron Chernow: First Among Flacks. Edward L. Bernays created many a public relations image, starting with his own. New York Times, 16. August 1998

Beginn der innenpolitischen Destabilisierung Der faktisch durch die CIA als Präsident bzw. Diktator eingesetzte Carlos Castillo Armas machte die sozialen Reformen – einschließlich der Landreform – des gestürzten Präsidenten Arbenz rückgängig, wurde aber 1957 ermordet. General José Miguel Ramón Idígoras Fuentes, unter dem früheren Diktator Ubico verantwortlich für zahlreiche Massaker und die brutale Aufstandsbekämpfung verschiedener Unruhen im Land, wurde neuer Präsident. Die politische Destabilisierung des Landes durch den von der CIA geplanten, von der US-Regierung autorisierten Putsch wird weithin als eine der Ursachen des folgenden, 36 Jahre dauernden Bürgerkriegs angesehen.

Der Bürgerkrieg Entwicklung zum Bürgerkrieg Unter der Schirmherrschaft des mittelbar durch den CIA-Putsch an die Macht gekommenen Präsidenten und Diktators José Miguel Ramón Idígoras Fuentes betrieb die Regierung Guatemalas weiterhin eine enge Arbeitsbeziehung mit der CIA. So ließ der US-Botschafter Lester D. Mallory auf der Farm Finca La Helvetia um 1960 rund 5000 von der CIA organisierte und bezahlte exilkubanische Söldner für die geplante paramilitärische Invasion in der Schweinebucht auf Kuba trainieren. Mit dieser wollte die CIA Kuba von den durch Fidel Castro geführten Kommunisten „zurückgewinnen“, sie wurde jedoch für die CIA und auch die Regierung von Präsident John F. Kennedy ein katastrophaler und peinlicher Fehlschlag.Time, 6. Januar 1961, Mystery Strip Die Farm in Retalhuleu war Eigentum von Roberto Alejos Arzú, einem engen Freund von Idígoras.

Als Reaktion auf den zunehmend autokratischen Regierungsstil von Idígoras Fuentes rebellierte am 13. November 1960 eine Gruppe junger Offiziere der Kaserne Fuerte de Matamoros. Nachdem dies misslang, gingen einige von ihnen, zum Beispiel Luis Augusto Turcios Lima und Marco Antonio Yon Sosa, in den Untergrund und knüpften enge Beziehungen zum kommunistischen Kuba. Diese Gruppe bildete den Kern der Kräfte, die sich in den folgenden 36 Jahren im dauerhaften bewaffneten Aufstand gegen die Regierung befanden.

In Guatemala wurde für diese militärische Auseinandersetzung die gemeinsame Sprachregelung Conflicto armado interno (interner bewaffneter Konflikt) gefunden. Dabei wurde der Aspekt intern bewusst betont, da sich weder die Regierung Guatemalas als Marionette der US-Regierung sehen wollte, noch die Aufständischen eine Einflussnahme Kubas einräumen wollten. Die weltweite Öffentlichkeit nahm von diesem „internen bewaffneten Konflikt“, in dem insgesamt bis zu 250.000 Menschen starben bzw. überwiegend als unbeteiligte Zivilisten von Regierungskräften ermordet wurden, kaum Notiz.

Beteiligte Parteien und Konfliktstruktur Folgende vier Guerillero-Gruppierungen waren Hauptwidersacher der Regierung während des Bürgerkrieges: Ejército Guerrillero de los Pobres (EGP, Guerilla-Armee der Armen) Organización Revolucionaria del Pueblo en Armas (ORPA, Revolutionäre Organisation des bewaffneten Volkes) Fuerzas Armadas Rebeldes (FAR, Streitkräfte bewaffneter Rebellen) Ende 1962 gegründet Partido Guatemalteco del Trabajo (PGT, Guatemaltekische Arbeiterpartei) Diese vier Gruppierungen betrieben Wirtschaftssabotage und griffen Regierungsinstitutionen sowie militärische Einrichtungen an. Sie schlossen sich 1982 zur Unidad Revolucionaria Nacional Guatemalteca (Nationale guatemaltekische revolutionäre Vereinigung, URNG) zusammen.

Die Handlungen der Guerilleros lieferten der Regierung den Vorwand für umfangreiche Maßnahmen der so genannten Aufstandsbekämpfung. Weil die Guerillabewegung die prinzipiellen militärstrategischen Vorteile einer teils von der Zivilbevölkerung unterstützten Untergrundbewegung hatte, siehe dazu auch Asymmetrische Kriegführung, war sie für das reguläre guatemaltekische Militär nur schwer zu greifen bzw. zu bekämpfen. Wie in zahlreichen anderen derartigen, oft von den USA mitverursachten Konflikten in Lateinamerika Einladungstext zum Tagesseminar des Bildungswerks der Heinrich-Böll-Stiftung Berlin in Kooperation mit dem FDCL, 8. September 2007.National Security Archive: Chile: 16,000 Secret Documents Declassified. CIA Forced to Release Hundreds of Records of Covert Operations, 13. November 2000 resultierte dies in einem Schmutzigen Krieg, bei dem das Militär und inoffizielle regierungsnahe Paramilitärs zahlreiche schwere Massaker bis hin zu Massenmorden an Zivilisten begingen, meist an der indigenen Maya-Bevölkerung. Dies führte zu einer erheblichen, anhaltenden Traumatisierung der jeweils Überlebenden und der Gesellschaft. An einem Teil der Massaker nahmen die paramilitärischen Patrullas de Autodefensa Civil (PAC) teil, in welche ein Teil der indigenen Bevölkerung gedrängt worden war.