Wolfgang Zilzer, Pseudonyme in den USA: Paul Andor und John Voight, (* 20. Januar 1901 in Cincinnati, Ohio, USA; † 26. Juni 1991 in Berlin) war ein deutschamerikanischer Schauspieler.

Leben Zilzer wurde als Kind deutsch-jüdischer Eltern in den Cincinnati geboren, wo sein Vater Max Zilzer als Schauspieler an einem Theater engagiert war. Die Mutter Flora Helene, geb. Voigt (ca. 1878–1901), die Max Zilzer im Oktober 1900 in Manhattan geheiratet hatte,NYC, Historical Vital Records, Marriage Certificate Nr. 16696 vom 3. Oktober 1900 starb kurz nach Wolfgangs Geburt. Im Alter von vier Jahren kam er mit seinem Vater nach Deutschland und machte bald als begehrter Kinderdarsteller Karriere auf der Bühne. Mit 14 Jahren drehte er seinen ersten Film. Es folgten Haupt- und Nebenrollen in zahlreichen Stummfilmen, wo sich Zilzer als Darsteller zurückhaltend-schüchterner Charaktere etablierte.

Im Sommer 1930 nahm Zilzer Schallplatten für die neu gegründete Berliner “Deutsche Crystalate GmbH” (Label Kristall) „Die Deutsche Crystalate GmbH, Berlin (Tochter der englischen Crystalate) meldete meldete am 9. Februar 1929 die Marke CRYSTAL und am 26. April 1929 die KRISTALL an. Am 9. Dezember 1933 erfolgt die Umbenennung in Kristall-Schallplatten GmbH.“, vgl. grammophon-platten.de (Grammophonteam, So Jan 29 2012, 19:37) als Refrainsänger mit den Orchestern von Herbert Fröhlich und Bernard Etté auf. Bekannt sind außerdem zwei Aufnahmen mit ihm und der „Berliner Rundfunk-Kapelle“ Gerhard Hoffmannvgl. Broschüre “Künstler am Rundfunk” (1932), S. 240: „Gerhard Hoffmann ist 1898 geboren und Leiter der Kapelle Hoffmann. Die Lust zum Musizieren liegt ihm Blut; schon als 14jähriger trat er öffentlich auf. Doch ist ihm auch die Freude an der Natur gegeben. Er liebt es, im Auto oder auf dem Motorrad dem Lärm der Großstadt zu entfliehen.“ bei auf dem Label Kalliope. K 1615 (a) „Märchen vom Rhein“ (Will Rollins [d. i. Walter Bransen] - Karl Wilczynski) und (b) „Bummellied“ (Siegwart Ehrlich - Karl Wilczynski), vgl. Schneidereit S. 1640

Anfang der 1930er-Jahre versuchte Zilzer sein Glück in den Vereinigten Staaten, kam dort jedoch nur an kleinere Rollen. Er kehrte nach Deutschland zurück und floh nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten nach Paris, wo er an den französischsprachigen Fassungen einiger Hollywood-Produktionen mitwirkte.

1935 ging Zilzer abermals zurück nach Deutschland und engagierte sich dort für den Jüdischen Kulturbund. 1937 verließ er Deutschland endgültig, stellte erst bei dieser Gelegenheit fest, dass er sich durch seine Geburt in den Vereinigten Staaten automatisch im Besitz der US-Staatsbürgerschaft befand. Beginnend mit Blaubarts achte Frau von 1938 kam er in Hollywood an einige Rollen in Filmen von Ernst Lubitsch. Für Auftritte in Anti-Nazi-Streifen wählte Zilzer zunächst das Pseudonym John Voight (auch Voigt), um seinen noch in Berlin lebenden Vater nicht zu gefährden. Dennoch wurde Max Zilzer 1943 bei einem Gestapo-Verhör mit Fotos seines Sohnes aus dem Anti-Nazi-Film Confessions of a Nazi Spy konfrontiert und starb kurz darauf unter ungeklärten Umständen in einem Krankenhaus. Später nahm Wolfgang Zilzer den Künstlernamen Paul Andor an, den er bis in die 1980er-Jahre hinein häufig verwendete.

mini|hochkant=0.80|Grabstätte von Wolfgang Zilzer Bei Dreharbeiten lernte er die 1934 aus Deutschland geflohene jüdische Schauspielerin Lotte Palfi kennen. Beide spielten 1942 auch in dem Kultfilm Casablanca. Ihre kleinen Rollen als „Der Mann mit den abgelaufenen Papieren“ und „Die Frau, die ihre Diamanten verkaufen muss“ führten zwar zu keiner Erwähnung ihrer Namen im Abspann, blieben bei der ständig wachsenden Fangemeinde des Streifens jedoch in dauerhafter Erinnerung. Oft auf kleinere Nebenrollen beschränkt, hatte er in dem B-Movie-Propagandafilm Enemy of Women unter Regie von Alfred Zeisler eine seltene Chance auf eine Hauptrolle. Er stellte Joseph Goebbels dar; Frauenhass und Minderwertigkeitskomplexe sind für den Film die psychologischen Triebfedern für das Handeln von Goebbels.

Als nach dem Krieg Hollywoods Bedarf an deutschen Charakterdarstellern nachließ, kehrten Wolfgang Zilzer und Lotte Palfi-Andor zur Bühne zurück (z. B. Juni 1945 Auftritt in Bertolt Brechts Furcht und Elend des Dritten Reiches unter der Regie von Berthold Viertel). Zilzer fand auch immer wieder Engagements in Deutschland. Nachdem seine Frau 1976 einige Aufmerksamkeit in dem Thriller Der Marathon-Mann (mit Dustin Hoffman und Laurence Olivier) erregt hatte, kamen die beiden im hohen Alter auch wieder an kleine Filmrollen in Hollywood. Zwischen 1983 und 1985 trat Zilzer wiederkehrend in der Late Show with David Letterman als hochbetagter Mitarbeiter Henry auf, der in einem Running Gag kurz vor seiner Pensionierung wiederkehrend von Moderator David Letterman aufgrund von Nichtigkeiten auf herzlose Weise gefeuert wird.vgl.

1983 gehörte er zu den Schauspielern, die von der Stiftung Deutsche Kinemathek im Rahmen der Internationalen Filmfestspiele Berlin zu der Retrospektive Exil. Sechs Schauspieler aus Deutschland eingeladen wurden.

Ende der 1980er-Jahre erkrankte Wolfgang Zilzer schwer an Parkinson und kehrte nach Deutschland zurück, um dort zu sterben. Lotte Palfi-Andor wollte diesem Schritt nicht folgen. Die Ehe wurde kurz vor beider Tod 1991 geschieden. Seine Grabstätte befindet sich auf dem Waldfriedhof Zehlendorf in Berlin-Nikolassee (Grabstätte 036-324).knerger.de: Das Grab von Wolfgang Zilzer

Filmografie (Auswahl) 1915: Der Barbier von Filmersdorf 1917: Die Spinne 1917: Der Blusenkönig 1923: Das alte Gesetz 1927: Das Heiratsnest 1927: Das Erwachen des Weibes 1927: Primanerliebe 1927: Die Geliebte des Gouverneurs 1927: Die weiße Spinne 1927: Venus im Frack 1927: Alraune 1928: Evas Töchter 1928: Lemkes sel. Witwe 1928: Ossi hat die Hosen an 1928: Die Carmen von St. Pauli 1928: Therese Raquin 1928: Hotelgeheimnisse 1929: Die Frau im Talar 1929: Geschminkte Jugend 1929: Das Recht der Ungeborenen 1929: Mädchen am Kreuz 1929: So ist das Leben 1930: Boykott (Primanerehre) 1930: Zapfenstreich am Rhein 1930: Lohnbuchhalter Kremke 1931: Der Hochtourist 1932: Razzia in St. Pauli 1938: Blaubarts achte Frau (Bluebeard’s Eighth Wife) 1939: Hitler – Beast of Berlin 1939: Ich war ein Spion der Nazis (Confessions of a Nazi Spy) 1939: Ninotschka (Ninotchka) 1941: So Ends Our Night 1941: Forbidden Passage 1941: Agenten der Nacht (All Through the Night) 1942: Sein oder Nichtsein (To Be or Not to Be) 1942: Der unsichtbare Agent (Invisible Agent) 1942: Casablanca 1942: The Devil with Hitler 1943: Hitler’s Madman 1943: The Strange Death of Adolf Hitler 1944: Enemy of Women 1945: Weekend im Waldorf (Week-End at the Waldorf) 1945: Hotel Berlin 1945: Stairway to Light (Kurzfilm) 1962: 90 Minuten nach Mitternacht 1963: Der Chef wünscht keine Zeugen 1967: Das Tagebuch der Anne Frank (The Diary of Anne Frank) (Fernsehfilm) 1983: Lovesick – Der liebeskranke Psychiater (Lovesick) 1987: Der Passagier – Welcome to Germany

Tondokumente Der Katalog des Musikarchivs bei der Deutschen Nationalbibliothek kennt 11 Titel von Zilzer:Zilzer im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek, abgerufen am 6. Januar 2021 Kristall Electro Record:

3083 (mx. C 505.1) Wenn die Elisabeth nicht so schöne Beine hätt. Foxtrot (Katscher, Farkas, Herczeg) aus “Die Wunder-Bar” zu hören auf YouTube / (mx C 507.1) Kannst du mir noch einmal verzeih’n. Lied und Tango (Katscher, Farkas, Herczeg) aus “Die Wunder-Bar” Herbert Fröhlich und sein Orchester. Refrain: Wolfgang Zilzer.

3084 (mx. C 509) Guck’ doch nicht immer nach dem Tangogeiger hin! Lied u. Tango (Musik u. Text: Friedrich Hollaender) Herbert Fröhlich und sein Orchester. Refrain: Wolfgang Zilzer

Imperial 3094 (mx. C 510.1) Veronika, der Lenz ist da. Foxtrot (Jurmann – Rotter) Herbert Fröhlich und sein Orchester. Refrain: Wolfgang Zilzer.

3085 (mx. C 513) In deinen Augen suchte ich das Glück. Waltz a. d. Tonfilm "Die Jugendgeliebte" (Schmidt-Gentner – Reisfeld) / (mx. C 504.1) Micky Maus. Foxtrot a. d. gleichnamigen Tonfilm (Carlton – Reisfeld) Herbert Fröhlich und sein Orchester. Refrain: Wolfgang Zilzer.

3086 (mx. C 517.1) Was dein Blick verspricht. Foxtrot a. d. Tonfilm “Der große Gabbo” (Titsworth / Rillo, Robinson) zu hören auf YouTube / (mx. C 511.1) Ha, ha, ha! Dann lach ich. Foxtrot a. d. Tonfilm “Der große Gabbo” (Zany, Namee / Gilbert, Robinson) zu hören auf YouTube, Sound file done by Rainer E. Lotz. Herbert Fröhlich und sein Orchester. Refrain: Wolfgang Zilzer.

3088 (mx. C 514) Man liebt nur einmal. Tango (Dostal – Rillo) / (mx. C 515) Was mir dein Mund heiß verspricht. Tango (Ailbout – Springefeld) Bernard Etté und sein Orchester. Refrain: Wolfgang Zilzer.

3089 (mx. C 516.1) Eine kleine Sehnsucht, Tango (Musik u. Text: Fr. Holländer) Bernhard Etté und sein Orchester, Refrain: Wolfgang Zilzer. zu hören auf YouTube

Literatur Gerke Dunkhase: Wolfgang Zilzer (Paul Andor) – Schauspieler. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 20, 1992. Gero Gandert, Ulrich Kurowski, Wolfgang Jacobsen: Wolfgang Zilzer (Paul Andor). (= Exil. Sechs Schauspieler aus Deutschland. 6). Stiftung Deutsche Kinemathek, Berlin 1983, . Wolfgang Schneidereit: Discographie der Gesangsinterpreten der leichten Muse von 1925 bis 1945 im deutschsprachigen Raum: Eine Discographie mit biographischen Angaben in 3 Bänden. Band 3: Ethel Reschke bis Slobodan Zivojnovic. Verlag BoD – Books on Demand, 2019, ISBN 978-3-7528-2843-6, S. 1638–1640. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 8: T – Z. David Tomlinson – Theo Zwierski. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 541 ff. Kay Weniger: Es wird im Leben dir mehr genommen als gegeben …. Lexikon der aus Deutschland und Österreich emigrierten Filmschaffenden 1933 bis 1945. Eine Gesamtübersicht. ACABUS-Verlag, Hamburg 2011, ISBN 978-3-86282-049-8, S. 554 f.

Weblinks

Wolfgang Zilzer bei steffi-line.de

Einzelnachweise

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