Die Rhodobacterales bilden eine Ordnung innerhalb der Alphaproteobacteria. Sie bestehen aus den Familien der Neomegalonemataceae, Roseobacteraceae und Paracoccaceae (Stand Februar 2025). Früher wurden die Familien Rhodobacteraceae und Hyphomonadaceae der Ordnung hinzugeordnet. Viele Arten besitzen die Fähigkeit zur Photosynthese und zählen zu den Nichtschwefelpurpurbakterien.
Merkmale und Ökologie Es handelt sich um meist stäbchenförmige Bakterien, aber auch eiförmige oder kokkenförmige Bakterien (wie Amaricoccus) sind in dieser Ordnung enthalten. Auch knospende Bakterien sind vorhanden. Bei dieser speziellen Art der Zellteilung findet keine binäre Spaltung statt, stattdessen wächst eine Tochterzelle aus, die einige Zeit mit der Mutterzelle verbunden bleibt. Das Wachstum der Tochterzelle ist polar und nicht, wie es bei der binären Zellteilung der Fall ist, gleichmäßig über den Zellkörper verteilt. Beispiele für knospende Bakterien sind Arten von Gemmobacter.
Einige Arten sind durch Geißeln motil, andere sind unbegeißelt. Einige sind strikt aerob, benötigen also Sauerstoff, andere sind fakultativ anaerob und zeigen auch in sauerstofffreien Umgebungen Wachstum. Zu letzteren zählen vor allem die phototrophen Arten, wie z. B. Arten von Rhodobacter.
Arten der Paracoccaceae sind auch im Süßwasser zu finden. Weitere Habitate sind Boden (z. B. Paracoccus) und Abwasser (Amaricoccus). Mitglieder der früher zu dieser Ordnung zählende Familie Hyphomonadaceae kommen im Meerwasser vor.
Stoffwechsel In der Ordnung der sind phototrophe, aber auch chemoorganotrophe Arten vorhanden. Einige fakultative anaerobe sind zur Fermentation fähig. Auch Nitratatmer (Denitrifizierer) sind in der Familie vorhanden, wie z. B. Paracoccus denitrificans. Diese Bakterien gewinnen Energie durch die Umwandlung des im Nitrat (NO3−) gebundenen Stickstoffs zu freiem, molekularem Stickstoff (N2).
Viele Arten der Rhodobacterales zählen zu den Nichtschwefelpurpurbakterien. Sie sind photoheterotroph. Bei der Photohetertrophie dient Licht als Energie- und organische Stoffe als Kohlenstoffquelle. Die Photosynthese ist anoxygen, Sauerstoff wird hierbei nicht freigesetzt. Einige nutzen innerhalb der Photosynthese bestimmte Schwefelverbindungen, wie Sulfid (S2−) oder Thiosulfat (S2O32−) als Elektronendonatoren. Dieses Merkmal ist, anders als der Name vermuten lässt, unter den Nichtschwefelpurpurbakterien nicht selten. Sie können allerdings nur geringe Mengen von Schwefel nutzen, größere Mengen wirken bei ihnen toxisch. Beispiele innerhalb der Ordnung sind verschiedene Arten von Rhodobacter und Rhodovulum. Einige Arten können, wie auch andere Nichtschwefelpurpurbakterien, photoautotroph wachsen, dann wird Kohlenstoff durch die Fixierung des anorganischen CO2 gewonnen. Einige Rhodobacter-Arten, wie R. capsulatus, können auch aerob im Dunkeln mit molekularem Wasserstoff als Elektronendonor wachsen. Wasserstoff wird hierbei gespalten und letztendlich mit Sauerstoff als Akzeptator zu Wasser umgewandelt (man spricht hierbei auch von der Knallgasreaktion).
Alle phototrophen Arten enthalten das Bacteriochlorophyll a.
Systematik Zu der Ordnung Rhodobacterales wurden zuvor 2 Familien gestellt: Die Rhodobacteraceae und die Hyphomonadaceae. Im Jahr 2022 wurde die Familie Rhodobacteraceae aufgrund genetischer Untersuchungen aufgelöst. Die Mitglieder wurden aufgrund taxonomischen Untersuchungen, wie z. B. Vergleiche der Ribosomalen RNA auf die neuen Familien Roseobacteraceae, Stappiaceae, Ahrensiaceae und die Paracoccaceae verteilt. Die für die ursprüngliche Familie namensgebende Gattung Rhodobacter wurde zu den Paracoccaceae gestellt.
Eine Auswahl der Familien und einigen Arten:
Neomegalonemataceae Neomegalonema, mit nur einer Art N. perideroedes (Stand 6. Februar 2025)
Roseobacteraceae Actibacterium Lucena et al. 2012 Agaricicola Chu et al. 2010 Amylibacter Teramoto and Nishijima 2014 Cribrihabitans Chen et al. 2014 Epibacterium Penesyan et al. 2013 Gaetbulicola Yoon et al. 2010 Hasllibacter Kim et al. 2012 Jannaschia Wagner-Döbler et al. 2003 Marimonas Thongphrom et al. 2017 Nautella et al. 2009 Neptunicoccus Zhang et al. 2018 Oceanicola Cho and Giovannoni 2004 Octadecabacter Gosink et al. 1998 Phaeobacter Martens et al. 2006 Roseibacterium Suzuki et al. 2006 Roseobacter Shiba 1991 Roseovarius Labrenz et al. 1999 Sagittula Gonzalez et al. 1997 Youngimonas Hameed et al. 2014
Paracoccaceae Abyssibius Acidimangrovimonas Algicella Alkalilacustris Amaricoccus Anianibacter Defluviimonas Falsigemmobacter Frigidibacter Fuscibacter Gemmobacter Methylarcula Neotabrizicola Oceanicella Ostreiculturibacter Paracoccus Pseudogemmobacter Rhodobacter Roseinatronobacter Thioclava Xinfangfangia
Literatur George M. Garrity: Bergey's manual of systematic bacteriology. 2. Auflage. Springer, New York 2005, Vol. 2: The Proteobacteria Part C: The Alpha-, Beta-, Delta-, and Epsilonproteabacteria. ISBN 0-387-24145-0 Michael T. Madigan, John M. Martinko, Jack Parker: Brock – Mikrobiologie. 11. Auflage. Pearson Studium, München 2006, ISBN 3-8274-0566-1 Kyung-Bum Lee, Chi-Te Liu, Yojiro Anzai, Hongik Kim, Toshihiro Aono und Hiroshi Oyaizu: The hierarchical system of the ‘Alphaproteobacteria’: description of Hyphomonadaceae fam. nov., Xanthobacteraceae fam. nov. and Erythrobacteraceae fam. nov. In: International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology Bd. 55, 2005, S. 1907–1919.
Weblinks
Quellen J.P. Euzéby: List of Prokaryotic Names with Standing in Nomenclature. – Rhodobacterales (Stand: 6 Februar 2025)
LPSN – Familie Rhodobacteraceae
Kategorie:Proteobakterien