Der Otto-Brenner-Preis (Eigenschreibweise: Otto Brenner Preis) ist ein deutscher Journalistenpreis, der seit 2005 jährlich von der Otto-Brenner-Stiftung (der Wissenschaftsstiftung der IG Metallfrankfurt.de) vergeben wird. Sowohl die Stiftung als auch der Journalistenpreis sind im Andenken an den langjährigen Gewerkschaftsvorsitzenden Otto Brenner (1907 bis 1972) benannt.
Ziele des Wettbewerbs Nach Angaben der Otto-Brenner-Stiftung ist das Ziel des Wettbewerbs die „Förderung eines kritischen Journalismus“ durch: gesellschaftlich relevante, aber gemessen an deren Bedeutung nicht ausreichend behandelte Themen in das Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken. Journalisten zu ermutigen, ungeachtet möglicher Konsequenzen unbequeme Fragen zu stellen und Missstände klar zu benennen. Dies schließt eine kritische Neubewertung vermeintlich bekannter Entwicklungen ausdrücklich mit ein. Beiträge zu prämieren, die sich von der breiten Masse durch eine eigenständige und vor allem gründliche Recherche-Leistung positiv absetzen und in Sprache, Stil und Darstellungsweise Maßstäbe setzen. Kritischen Journalismus – „Gründliche Recherche statt bestellter Wahrheiten“ – zu fördern.
Formale Anforderungen für Bewerber Gefordert wird, dass Medien den preiswürdigen Text in deutscher Sprache nachweisbar in dem Jahreszeitraum publizierten. Die Zugehörigkeit zum Mediensegment, Ressort oder Genre spielt ebenso keine Rolle wie die Länge oder das spezielle Thema des Textes. Um genau gleiche Bedingungen zu gewährleisten, muss der offizielle Bewerbungsbogen ausgefüllt werden. Dies ist nur online auf der offiziellen Website des Brenner Preises möglich. Vorschläge darf jedermann machen, nur der Stichtag muss eingehalten sein.
Die drei Recherche-Stipendien in Höhe von je 5000 Euro werden für überzeugende Beschreibungen der geplanten Arbeit vergeben.
Jury und Dotierung Unter den sieben Juroren sind bekannte deutsche Journalisten: Volker Lilienthal (Universität Hamburg), Brigitte Baetz, Henriette Löwisch (Deutsche Journalistenschule), Nicole Diekmann (ZDF), Heribert Prantl (SZ), und Harald Schumann (Der Tagesspiegel). Das siebte Jurymitglied, Jörg Hofmann, vertritt die hinter der Otto-Brenner-Stiftung stehende IG Metall.Aktuelle Jurymitglieder des Otto Brenner Preises
Ehemalige Jurymitglieder sind Berthold Huber, Bettina Gaus †, Thomas Leif †, Sonia Seymour Mikich, Jürgen Peters, Ines Pohl (DW), Isabel Schayani (WDR) und Detlef Wetzel.Ehemalige Jurymitglieder des Otto Brenner Preises
Der Preis ist mit insgesamt 47.000 Euro Preisgeld dotiert, das an mehrere Preisträger aufgeteilt wird: 10.000 an den Ersten Preis, 5.000 an den Zweiten, 3.000 an den Drittplatzierten, 2.000 an den Newcomer-Preisträger und 2.000 für ein „Medienprojekt“. Hinzu kommen drei Recherche-Stipendien mit je 5.000 Euro. Im Jahr 2007 wurde zum ersten Mal der Otto Brenner Preis „Spezial“ für die beste Analyse (Leitartikel, Kommentar, Essay) verliehen. Er ist mit 10.000 Euro dotiert.
Preisträger
2005:
1. Preis: Marcus Rohwetter für Ihr Wort wird Gesetz (Die Zeit vom 6. Oktober 2005) 2. Preis: Nikola Sellmair für Kollege Angst (Der Stern vom 31. März 2005) 3. Preis: Brigitte Baetz für ihren Hörfunkbeitrag „Meinung für Millionen – Wie Interessengruppen die öffentliche Meinung beeinflussen“ (Deutschlandfunk, 26. August 2005) Newcomerpreise: Maximilian Popp für Passauer Neue Mitte (Schülerzeitung Rückenwind März 2005) sowie Andreas Hamann und Gudrun Giese für Schwarzbuch Lidl Recherche-Stipendien: Astrid Geisler und Golineh Atai
2006:
1. Preis: Redaktion Der Tag (hr2-kultur) für ihre Radiobeiträge. 2. Preis: Frank Jansen, Der Tagesspiegel, Berlin, für sein Gesamtwerk. 3. Preis: Zapp – Das Medienmagazin (NDR) für den TV-Beitrag Verdeckt, versteckt, verboten – Schleichwerbung und PR in den Medien, gesendet am 2. November 2005 im NDR Newcomerpreis: Lutz Mükke für seinen Beitrag Der Parlaments-Broker (Medienmagazin Message)Lutz Mükke: Wie Politiker EU-Korrespondenten beeinflussen in MESSAGE 4/2005 Recherche-Stipendien: Boris Kartheuser und Melanie Zerahn
2007:
1. Preis: Michaela Schießl für Not für die Welt (Der Spiegel 19/2007) 2. Preis: Ingolf Gritschneder für Profit um jeden Preis – Markt ohne Moral (ARD, 28. Februar 2007) 3. Preis: Markus Grill (Der Stern). Die Jury würdigt Markus Grills Gesamtwerk an pharmakritischer Berichterstattung Otto-Brenner-Preis „Spezial“: Tom Schimmeck (freier Autor) Recherche-Stipendien: Thomas Schuler, Martin Sehmisch, Katrin Blum
2008
1. Preis: Anita Blasberg und Marian Blasberg für Abschiebeflug FHE 6842 (Die Zeit – Magazin Leben) 2. Preis: Jürgen Döschner für „Fire and Forget – Krieg als Geschäft“ (WDR 5) 3. Preis: Steffen Judzikowski und Hans Koberstein für „Das Kartell – Deutschland im Griff der Energiekonzerne“ (ZDF, Frontal21) Otto-Brenner-Preis „Spezial“: Christian Bommarius (Berliner Zeitung) Newcomer-/Medienprojektpreis: Andrea Röpke Recherche-Stipendien: Veronica Frenzel (freie Journalistin), Clemens Hoffmann, Günter Bartsch
2009:
Die Preisverleihung fand am 17. November 2009 in Berlin statt.
1. Preis: Marc Thörner vom Deutschlandfunk für seine Hörfunk-Reportage Wir respektieren die Kultur – Im deutsch kontrollierten Norden Afghanistans 2. Preis: Die ZDF-Autoren Ulrike Brödermann und Michael Strompen für ihre Dokumentation Der gläserne Deutsche – wie wir Bürger ausgespäht werden 3. Preis: Simone Sälzer von der Passauer Neuen Presse mit ihrer 14-teiligen Serie Leben in Würde über Einzelschicksale aus Deggendorf, die mit Problemen der gesellschaftlichen Isolation kämpfen Otto-Brenner-Preis „Spezial“: Essayist und Kommentator Christian Semler (freier Autor, taz-Journalist) Der Medienprojektpreis geht an die Macher des Attac-Plagiats einer ZEIT-Ausgabe. Recherche-Stipendium: Sandro Mattioli (freier Reporter), Tina Groll (ZEIT online), Marianne Wendt und Maren-Kea Freese.
2010:
Preisverleihung am 2. November 2010 in Berlin.
1. Preis: Carolin Emcke, Publizistin und Reporterin, für ihren Text Liberaler Rassismus 2. Preis: Christoph Lütgert und das NDR-Team Panorama – Die Reporter für die Reportage Die KiK-Storydaserste.ndr.de 3. Preis: Autorenteam Markus Metz und Georg Seeßlen (Bayerischer Rundfunk) für den Hörfunkbeitrag Von der Demokratie zur Postdemokratie. Eine Gesellschaftsform in der Krise Den Otto-Brenner-Preis „Spezial“ erhielt der Autor und Gesellschaftskritiker Willi Winkler Der Medienprojektpreis geht an den freien Journalisten Alfons Pieper für Wir in NRW – Das Blog Den Newcomerpreis erhalten Karin Prummer und Dominik Stawski, Volontäre der Süddeutschen Zeitung, für ihre Artikelserie über den Umgang der Katholischen Kirche mit sexuellem Missbrauch Recherche-Stipendien: Frank Brunner (freier Journalist), Gordon Repinski (die tageszeitung) und Marvin Oppong (freier Journalist)Marvin Oppong: (PDF; 599 kB) in Die Zeit vom 1. Dezember 2011, Seite 35
2011:
Preisverleihung am 22. November 2011 in Berlin.
1. Preis: Volker ter Haseborg und Lars-Marten Nagel (Hamburger Abendblatt) für ihre Artikelserie über den „Gagfah-Skandal“ 2. Preis: Jürgen Dahlkamp, Gunther Latsch und Jörg Schmitt (Der Spiegel) für ihre Artikelserie zur „HSH Nordbank-Affäre“ 3. Preis: Ursel Sieber, freie Autorin, für ihr Buch Gesunder Zweifel Den Otto-Brenner-Preis „Spezial“ erhielt Katja Thimm für ihren Spiegel-Artikel Vaters Zeit Der Medienprojektpreis geht an Sebastian Pantel (Südkurier) für seine Artikelserie Jugend und Kriminalität. Den Newcomerpreis erhielt Jonathan Stock für seinen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erschienenen Artikel Peters Traum Recherche-Stipendien: Daniel Drepper (WAZ Recherche) und Niklas Schenck (freier Autor), Matthias Dell (Der Freitag), Urs Spindler (freier Journalist), Hauke Friederichs (freier Journalist)
2012:
Preisverleihung am 30. Oktober 2012 in Berlin.
1. Preis: Andreas Müller (Stuttgarter Zeitung) für seine Berichterstattung zum EnBW-Deal.stuttgarter-zeitung.de 2. Preis: Wilfried Huismann für seine Dokumentation Der Pakt mit dem Panda – was uns der WWF verschweigt.www1.wdr.de 3. Preis: Stefan Koldehoff und Tobias Timm für ihre Sachbuch Falsche Bilder – Echtes Geld. Den Otto-Brenner-Preis Spezial erhalten Hauke Wendler und Carsten Rau für die NDR-Dokumentation Wadim über einen in Deutschland aufgewachsenen Asylbewerber, der in sein „Heimatland“ Lettland abgeschoben und dadurch in den Suizid getrieben wird.presseportal.dewadim-der-film.de Der Medienprojektpreis geht an Toralf Staud und Nick Reimer für das Blog Der Klima-Lügendetektor. Den Newcomerpreis erhielt Anne Lena Mösken für den Artikel Ihr Kampf über eine junge Antifaschistin, die zur Rechtsradikalen wird, der im Magazin der Berliner Zeitung erschienen ist. Recherche-Stipendien: Jörn Boewe und Johannes Schulten, Christina Rietz.
2013:
Preisverleihung am 12. November 2013 in Berlin (Festrede von Andreas Voßkuhle, Präsident des Bundesverfassungsgerichts)
„Spezial“-Preis: Armin Thurnher, Herausgeber und Chefredakteur der Wiener Wochenzeitung Falter, erhielt den Preis für sein Lebenswerk und seinen Einsatz für ein soziales Europa. 1. Preis: Michael Obert für seine Reportage Im Reich des Todes (Süddeutsche Zeitung, Magazin vom 19. Juli 2013).sz-magazin.sueddeutsche.de 2. Preis: John Kantara und Michael Fräntzel für ihre Fernseh-Dokumentation Töten per Joystick 3. Preis: Marc Brost, Mark Schieritz und Wolfgang Uchatius (Die Zeit) für ihr Dossier Verrechnet, erschienen in Die Zeit, 27. Juni 2013. Newcomerpreis: Jonas Rest für den Artikel Die Klon-Kriegerberliner-zeitung.de (Magazin der Berliner Zeitung, 18. Februar 2013). Der Medienprojektpreis geht an die Initiative NSU-Watch, die auf ihrer Onlineplattform den NSU-Prozesses dokumentiert und tägliche Protokolle veröffentlicht.nsu-watch.info Recherche-Stipendien: Florian Haenes und Ronald John Mutum (Bereich der transnationalen Migrationskontrolle), Sonja Peteranderl (Recherche zum Thema Internetkriminalität: Schwarzmarkt 2.0) und eine unveröffentlichte Person.
2014:
Preisverleihung am 28. Oktober 2014 in Berlin (Festrede von Bascha Mika, Chefredakteurin der Frankfurter Rundschau)
„Spezial“-Preis: Mathias Greffrath (freier Journalist) erhielt den Preis für sein journalistisches Lebenswerk. 1. Preis: Petra Pinzler, Kerstin Kohlenberg und Wolfgang Uchatius (Die Zeit) für die Reportage Im Namen des Geldes, (Die Zeit, Dossier Nr. 10 vom Magazin vom 27. Februar 2014). 2. Preis: Jan Schmitt und Frank Konopatzki für ihre Fernseh-Dokumentation Steuerfrei: Wie Konzerne Europas Kassen plündernprogramm.ard.de (ARD, Die Story im Ersten vom 19. August 2013). 3. Preis: Sebastian Strube (freier Journalist) für sein Hörfunk-Feature Crowdwork. Vom Entstehen der digitalen Arbeiterklasse, erschienen auf Bayern 2, Zündfunk Generator, 12. Januar 2014. Newcomerpreis: Eva Achinger (Bayerischer Rundfunk) für den Hörfunk-Beitrag Black Box Psychiatrie (B5 aktuell – Der Funkstreifzug, 9. Februar 2014). Der Medienprojektpreis geht an die Non-Profit-Plattform Dossier.at für das Dossier: Asyl.dossier.at Recherche-Stipendien: Martín Steinhagen (Der NSU und Hessen), Frédéric Jaeger (Recherche zum Thema „Filmförderung in Deutschland“) und Martina Janning zusammen mit Beate Krol (Ernstfall EHEC).
2015:
Preisverleihung am 17. November 2015 in Berlin.OBS-Pressemitteilung vom 16. Oktober 2015
„Spezial“-Preis: Yorgos Avgeropoulus für seinen Dokumentarfilm Agorá – Von der Demokratie zum Marktwww1.wdr.de (WDR Fernsehen, 5. Februar 2015). 1. Preis: Ashwin Raman, (SWR, Kriegsreporter) für seine Dokumentation Das 13. Jahr – Der verlorene Krieg in Afghanistan (Die Story im Ersten, ARD/SWR, 2. März 2015). 2. Preis: Für ihre Artikelserie Für eine Handvoll Dollar (Heidenheimer Zeitung, 25. April 2015 bis 16. Mai 2015) erhielt Silja Kummer den 2. Preis.