Sébastien Olivier Bourdais (* 28. Februar 1979 in Le Mans) ist ein französischer Automobilrennfahrer und der Sohn von Patrick Bourdais.

Er war 1999 französischer Formel-3- und 2002 Formel-3000-Meister. Zwischen 2003 und 2007 war er in der nordamerikanischen Champ-Car-Serie aktiv, wo er vier Meisterschaften in Folge gewann und zum erfolgreichsten Fahrer dieser Serie avancierte. Zur Saison 2008 wechselte Bourdais in die Formel 1, wo er bis Mitte 2009 insgesamt 27 Grand Prix bestritt. Seit 2011 tritt er in der IndyCar Series an, vor der Saison 2017 wechselte er zu Dale Coyne Racing. Darüber hinaus nimmt Bourdais regelmäßig an Langstreckenrennen teil.

Karriere Anfänge im Motorsport (1991–2002) Bourdais begann seine Motorsportkarriere 1991 im Kartsport. Er gewann gleich im ersten Jahr die Maine-Bretagne Kartmeisterschaft. 1995 wechselte er in den Formelsport und wurde Neunter in der französischen Formel Renault Campus. 1996 wechselte er in die französische Formel Renault und wurde Gesamtsiebter. Außerdem gewann er das 24-Stunden-Kart-Rennen in Le Mans. Im darauffolgenden Jahr siegte er in der französischen Formel Renault bei vier Läufen und stand in achtzehn Rennen elfmal auf dem Podium. Damit gewann er den Vizemeistertitel hinter seinem Teamkollegen Jonathan Cochet. Außerdem startete er in der europäischen Formel Renault, in der er die Saison auf dem zehnten Gesamtrang beendete. 1998 wechselte er in die französische Formel-3-Meisterschaft. Er erzielte eine Podest-Platzierung und wurde am Ende Gesamtsechster sowie Rookie des Jahres. Ein Jahr später gewann er mit drei Pole-Positions, vier schnellsten Runden und acht Laufsiegen die französische Formel-3-Meisterschaft vor Cochet. Im selben Jahr nahm er erstmals am 24-Stunden-Rennen von Le Mans teil.

Ab dem Jahr 2000 fuhr er in der internationalen Formel-3000-Meisterschaft für das Prost Junior Team Gauloises Formula als Teamkollege von André Couto. Dabei erreichte er die Pole-Position in Magny-Cours und wurde Zweiter in diesem Rennen. In der Gesamtwertung belegte Bourdais am Saisonende den neunten Rang und setzte sich gegen Couto, der 18. wurde, durch. Auch am 24-Stunden-Rennen von Le Mans nahm er erneut teil. In seinem zweiten Jahr in der Formel 3000 fuhr er für das DAMS-Team. Er gewann das Rennen in Silverstone, kam in Budapest und Hockenheim auf das Podest und stand in Spielberg auf der Pole-Position. In der Endabrechnung wurde er Vierter, während sein Teamkollege Derek Hill bei keinem Rennen Punkte erzielte. Beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans und beim 12-Stunden-Rennen von Sebring kam er unter den besten 15 ins Ziel. Im Jahr 2002 wechselte er zu Super Nova Racing und gewann mit Siegen in Imola, Monaco und auf dem Nürburgring sowie sechs Pole-Positionen die Formel-3000-Meisterschaft. Dabei stand er insgesamt acht Mal auf dem Podium und fuhr drei Mal die schnellste Rennrunde. Bourdais profitierte davon, dass seinem Rivalen Tomáš Enge wegen eines positiven Dopingtests ein Sieg aberkannt worden war. Beim 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps war er am Sieg des Team Labre beteiligt. Außerdem trat er erneut beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans an. 2001 und 2002 nahm Bourdais zusätzlich an einigen Rennen der FIA-Sportwagen-Meisterschaft teil.

Champ Cars (2003–2007) mini|Bourdais im Champ Car, Long Beach 2005 Nachdem er trotz mehrfacher Bemühungen in der Formel 1 kein Stammcockpit erhalten hatte, ging Bourdais 2003 in die amerikanische Champ-Car-Serie zu Newman/Haas Racing, wo er Teamkollege von Bruno Junqueira wurde. Gleich beim ersten Rennen in St. Petersburg stand er auf der Pole-Position, wie auch beim zweiten Rennen in Monterrey. Dies war seit Nigel Mansells Einstieg bei den Champ-Cars 1993 das erste Mal, dass ein Neuling bei den ersten beiden Rennen auf der ersten Startposition stand. Im Laufe der Saison siegte er in Brands Hatch, auf dem EuroSpeedway Lausitz sowie beim Flutlichtrennen in Cleveland. Am Ende der Saison wurde er Rookie of the Year und hatte das beste Qualifying-Ergebnis aller Teilnehmer. Er belegte den vierten Platz in der Gesamtwertung und musste sich teamintern Junqueira, der Vizemeister wurde, geschlagen geben.

2004 blieb Bourdais bei Newman/Haas Racing. Obwohl er sieben von vierzehn Rennen gewann, acht Mal von der Pole-Position startete und zehnmal auf dem Podest stand, duellierte er sich bis zum letzten Rennen mit Junqueira um den Titel. Bourdais setzte sich mit 369 zu 341 Punkten gegen seinen Teamkollegen durch und gewann die Champ-Car-Meisterschaft. 2005 verteidigte Bourdais den Meistertitel mit sechs Siegen. Dabei hatte er mit 348 zu 288 Punkten einen deutlichen Vorsprung auf den Vizemeister Oriol Servià, der ab dem dritten Rennwochenende sein Teamkollege war. Junqueira, der eigentlich erneut zusammen mit Bourdais das Newman/Haas-Fahrerduo bilden sollte, verletzte sich beim zur IndyCar Series zählenden Indianapolis 500 so schwer, dass er für den Rest der Saison ausfiel. Auch Bourdais nahm 2005 am Indianapolis 500 teil und debütierte in der IndyCar Series. Darüber hinaus gewann er einen Lauf des Internationalen Race of Champions auf dem Texas Motor Speedway und trat zu einzelnen Sportwagenrennen an.

Die Champ-Car-Saison 2006 begann für Bourdais mit vier Siegen aus den ersten vier Rennen. Im weiteren Saisonverlauf folgten drei weitere Siege und er entschied den Meistertitel mit 387 zu 298 Punkten gegen Justin Wilson abermals dominant für sich. Teamintern ließ er Junqueira, der ins Cockpit zurückgekehrt war, deutlich hinter sich. Mit seinem dritten Champ-Car-Titel in Folge schrieb Bourdais amerikanische Motorsportgeschichte, da dies vorher nur einem Fahrer (Ted Horn, AAA National Champion 1946–1948) gelungen war. Außerdem gewann er in dieser Saison einmal die GT2-Wertung in der American Le Mans Series (ALMS). 2007 erhielt Bourdais mit Graham Rahal einen neuen Teamkollegen. Er gewann acht Champ-Car-Rennen und gewann zum vierten Mal in Folge den Meistertitel. Bourdais wurde zum ersten Champ-Car-Piloten, dem dies gelang.„Bourdais: 'Das ist der schönste Titel'“ (Motorsport-Total.com am 21. Oktober 2007) Da die Champ-Car-Serie 2007 zum letzten Mal ausgetragen wurde, ist Bourdais darüber hinaus der letzte Champ-Car-Meister. Wie im Vorjahr setzte er sich gegen Wilson, der Vizemeister wurde, mit deutlichem Vorsprung durch. Außerdem nahm Bourdais 2007 in einem Peugeot 908 HDi FAP am 24-Stunden-Rennen von Le Mans teil und wurde zusammen mit Pedro Lamy und Stéphane Sarrazin Zweiter im Schlussklassement.

Formel 1 (2008–2009) mini|Bourdais im Toro Rosso, Montréal 2008 Bei den Formel-1-Wintertestfahrten im Dezember 2006 bekam Bourdais Gelegenheit, für das Formel-1-Team Toro Rosso zu testen. Er wiederholte die Tests im Laufe der Saison 2007 und bekam schließlich einen Vertrag für 2008 angeboten. Dort ging er an der Seite von Sebastian Vettel für das italienische Team an den Start.„Offiziell: Scuderia Toro Rosso verpflichtet Bourdais“ (Motorsport-Total.com am 10. August 2007) In seinem Debüt-Rennen, dem Großen Preis von Australien in Melbourne, erreichte er trotz eines Motorschadens zwei Runden vor Rennende noch den siebten Platz, nachdem Rubens Barrichello nachträglich disqualifiziert worden war. Im Laufe des Rennens hatte sich Bourdais bis auf Rang vier vorgearbeitet, bevor ihn der Defekt stoppte. Im weiteren Saisonverlauf gelang es Bourdais allerdings nur beim Großen Preis von Belgien, als Siebter weitere Punkte zu erzielen. Seine Leistungen wurden von seinem Teamkollegen deutlich in den Schatten gestellt. Während Vettel mit einem Sieg und 35 Punkten Achter in der Fahrerweltmeisterschaft wurde, beendete Bourdais die Saison mit vier Punkten auf dem 17. Platz. Toro Rosso ließ daraufhin zunächst die Option auf eine Vertragsverlängerung verstreichen und sondierte andere Möglichkeiten.

Im Februar 2009 verlängerte Toro Rosso schließlich Bourdais Kontrakt um eine Saison.„Endlich offiziell: Bourdais bleibt bei Toro Rosso“ (Motorsport-Total.com am 6. Februar 2009) Nachdem er nach dem neunten Rennen nur zwei Punkte vorwies und es ihm nicht gelungen war, seinen jüngeren Teamkollegen Sébastien Buemi hinter sich zu lassen, beendete Toro Rosso die Zusammenarbeit mit Bourdais nach dem Großen Preis von Deutschland. Nach Aussagen des Teamchefs Franz Tost hatte er die „Erwartungen nicht erfüllt“.„Offiziell: Toro Rosso feuert Bourdais“ (Motorsport-total.com am 16. Juli 2009) Bourdais wurde durch den bisherigen Testfahrer Jaime Alguersuari ersetzt.„Offiziell: Alguersuari jüngster Fahrer aller Zeiten“ (Motorsport-Total.com: 20. Juli 2009) In der Weltmeisterschaft wurde Bourdais in dieser Saison 19. Parallel zu seinem Formel-1-Engagement trat er 2009 erneut für Peugeot zum 24-Stunden-Rennen von Le Mans an und beendete das Rennen erneut auf dem zweiten Platz. In dieser Saison bildete er mit Franck Montagny und Sarrazin ein Team. Außerdem startete er für Peugeot zu einem Rennen der American Le Mans Series (ALMS).

Superleague Formula (2009–2010) Nach seiner Entlassung bei Toro Rosso wechselte Bourdais in die Superleague Formula. Für das Team des FC Sevilla, das von Ultimate Motorsport und Reid Motorsport betreut wurde, nahm er an den drei Rennwochenenden der zweiten Saisonhälfte teil.„Der große Coup: Bourdais fährt Superleague“ (Motorsport-Total.com am 2. September 2009) Er gewann ein Rennen und stand insgesamt vier Mal auf dem Podest. Zudem wurde er zweimal Weekend Winner. 2010 blieb Bourdais zunächst in der Superleague Formula und wechselte zum von LRS Formula betreuten Team von Olympique Lyon.„Bourdais fährt wieder Superleague“ (Motorsport-Total.com am 30. März 2010) Bereits am ersten Rennwochenende gewann Bourdais ein Rennen. Weitere Podest-Platzierungen folgten allerdings nicht und er verließ die Serie nach dem fünften Rennwochenende. Außerdem nahm er an je einem Rennen der ALMS und der Le Mans Series sowie am 24-Stunden-Rennen von Le Mans teil. Das Rennen in der Le Mans Series in Spa-Francorchamps gewann er.

IndyCar Series (seit 2011) mini|Bourdais im IndyCar im japanischen Motegi 2011 mini|Bourdais beim IndyCar-Rennen in Elkhart Lake 2018 mini|Der von Sébastien Bourdais gefahrene Cadillac V-Series.R beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 2023 2011 kehrte Bourdais nach Nordamerika zurück und erhielt ein Cockpit bei Dale Coyne Racing in der IndyCar Series. Er trat zu allen Nicht-Oval-Rennen an.„Perfekt: Bourdais fährt wieder IndyCars“ (Motorsport-Total.com am 25. März 2011) Seine Saison begann nicht gut. Nachdem er beim ersten Rennen nach einem Unfall im Warm Up nicht gestartet war, schied er in den nächsten drei Rennen zweimal aus.„Bourdais: Schwieriges IndyCar-Comeback“ (Motorsport-Total.com am 3. Mai 2011) In der zweiten Phase auf den Straßenkursen kehrte Bourdais mit fünf Top-10-Platzierungen aus sechs Rennen zurück. In Toronto zeigte er einige Überholmanöver und kam schließlich auf dem sechsten Platz ins Ziel.„Bourdais-Durchbruch: Nächster Halt Podium?“ (Motorsport-Total.com am 13. Juli 2011) Ein Rennen später in Edmonton erzielte Bourdais abermals den sechsten Platz. Darüber hinaus fuhr er die schnellste Rennrunde. Am Saisonende lag er auf dem 23. Gesamtrang. Bourdais hatte nur einen Punkt weniger als sein Teamkollege James Jakes, der die komplette Saison absolviert hatte, erzielt. Darüber hinaus war Bourdais im Peugeot 908 im Intercontinental Le Mans Cup (ILMC) aktiv und nahm an sechs von sieben Rennen in der LMP1-Klasse teil. Beim zum ILMC zählenden 24-Stunden-Rennen von Le Mans kam er zum dritten Mal auf dem zweiten Platz ins Ziel. In Imola und Zhuhai gewann Bourdais zusammen mit Anthony Davidson und in Silverstone zusammen mit Simon Pagenaud das Rennen. Zusammen mit Davidson war er der Pilot mit den meisten Siegen. Außerdem nahm Bourdais an zwei Rennen der V8 Supercar Championship Series teil und gewann eines davon.