Leimen (; kurpfälzisch: Lome) ist eine Stadt im nordwestlichen Baden-Württemberg rund sieben Kilometer südlich von Heidelberg. Sie ist nach Weinheim und Sinsheim die drittgrößte Stadt des Rhein-Neckar-Kreises und gehört mit ihrem Umland zum Mittelbereich Heidelberg des gleichnamigen Oberzentrums. Sie gehört zur europäischen Metropolregion Rhein-Neckar. Die im Rahmen der Gebietsreform der 1970er Jahre neu gebildete Gemeinde Leimen erhielt 1981 die Stadtrechte und ist seit 1992 eine Große Kreisstadt.
Geographie mini|Der Georgi Marktplatz in Leimen-Mitte mit dem Maibaum (Mai 2017) mini|Luftaufnahme des Zentrums von Leimen (November 2018) Lage Leimen ist ein Teil der Metropolregion Rhein-Neckar und liegt in der Oberrheinischen Tiefebene an den Ausläufern der Schwetzinger Hardt am Übergang zum Kraichgauer Hügelland. Durch das Stadtgebiet fließt der Leimbach. Im Osten der Gemarkung fließen der Ochsenbach und der Gauangelbach.
Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Leimen. Sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt:
Heidelberg (Stadtkreis), Gaiberg, Bammental, Mauer, Wiesloch, Nußloch, Walldorf und Sandhausen (alle Rhein-Neckar-Kreis). Westlich von Sandhausen liegt eine zu Leimen gehörige unbewohnte Exklave, die von den Städten und Gemeinden Oftersheim, Sandhausen, Walldorf, Reilingen und Hockenheim umgeben ist.
Stadtgliederung Das Stadtgebiet Leimens besteht aus den fünf Stadtteilen Gauangelloch, Leimen (Kernstadt), Lingental, St. Ilgen und Ochsenbach. Die offizielle Bezeichnung der Stadtteile erfolgt in der Form „Leimen-…“, für die Kernstadt Leimen kann auch die Bezeichnung Leimen-Mitte verwendet werden.Hauptsatzung der Großen Kreisstadt Leimen in der Fassung vom 25. Juni 2014, zuletzt geändert am 22. März 2018 (PDF; 100 kB)
In den Grenzen vom 30. September 1973 gehörte zu Gauangelloch der Weiler Ochsenbach. Zu Leimen gehörten der Weiler Lingental(erhof), der Ort Im Industriegelände und die Häuser Am Kieslochweg, Am Wiesenweg, Baiermühle, Kistenmachermühle, Haltestelle Leimen, Lochmühle (Bucheneck), Schießstand und Zum Gossenbrunn. Außerdem liegt hier die Wüstung Grauenbrunnen.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band V: Regierungsbezirk Karlsruhe. Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002542-2, S. 378–380
Geschichte mini|Schachtdeckel in Leimen mit einer Aufschrift, die „1200 Jahre Leimen“ im Jahr 1991 zelebriert Mittelalter Leimen wurde erstmals im Jahre 791 im Lorscher Codex als „Leimheim“ urkundlich erwähnt. Der Name leitet sich vermutlich vom Lehm ab, aus dem der Boden in Leimen dank der früheren Schwemme des Neckars zu großen Teilen besteht und der aufgrund seiner Fruchtbarkeit wohl Grund für die ersten Besiedelungen in der vorgeschichtlichen Zeit war.Stadtgeschichte Leimens auf dem Internetauftritt der Stadt
Sowohl das Kloster Lorsch als auch das Bistum Worms hatten Grundbesitz. Gauangelloch wurde 1016, Ochsenbach um 1300, Lingental 1312 und der Ort St. Ilgen 1341 als St. Aegidius erstmals erwähnt.
1262 trugen die Ortsherren von Bruchsal den Ort Leimen dem Pfalzgrafen zu Lehen auf, und ab 1351 gehörte Leimen endgültig zur Pfalz. Dort wurde Leimen Sitz der Kirchheimer Zent, die viele Nachbarorte westlich bis zum Rhein umfasste, wie Hockenheim, Schwetzingen, Walldorf, Edingen, Neckarau und bis zur Stadterhebung auch Mannheim.
Neuzeit 1579 erhielt die Siedlung das Recht, einen Jahrmarkt abzuhalten, und 1595 wurde der Ort als Stadt und Marktflecken bezeichnet. 1674 wurde Leimen während des Holländischen Kriegs teilweise niedergebrannt und 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg komplett zerstört.
1771 wurde in Ochsenbach eine Stabhalterei eingerichtet, die auch für den Nachbarort Maisbach zuständig war, und 1797 wurde Ochsenbach mit Maisbach zur Gemeinde erhoben, dem auch die Nachbarsiedlung Lingental zugeordnet wurde.
1779 wurde durch Aron Elias Seligmann, der sich ab 1814 Freiherr von Eichthal nennen konnte, in Leimen eine Tabakmanufaktur eingerichtet, und 1792 erbaute dieser sich in Leimen ein Schloss im klassizistischen Stil, das heute als Rathaus der Stadt dient. Seine Tochter Rebeka Caroline und sein ebenfalls aus Leimen stammender Neffe Eduard Seligmann heirateten 1810 und begründeten das Adelsgeschlecht der Edlen von Weling.
1803 fielen Leimen und die Orte Gauangelloch, Ochsenbach, Lingental und St. Ilgen an das Kurfürstentum bzw. Großherzogtum Baden und wurden Gemeinden im Unteramt bzw. Landamt Heidelberg, das 1825 mit dem Stadtamt Heidelberg zum Oberamt Heidelberg vereinigt wurde. Gauangelloch kam jedoch zunächst zum Bezirksamt Neckargemünd, 1856 an das Bezirksamt Eberbach und erst 1864 zum Bezirksamt Heidelberg.
20. Jahrhundert 1901 erhielt Leimen eine Straßenbahnverbindung nach Heidelberg (siehe Straßenbahn Heidelberg).
Politisch waren die Bürgerlichen in Leimen führend, bis sie 1918 von den Sozialdemokraten abgelöst wurden. Die SPD blieb bis zum Ende der Weimarer Republik stärkste Partei. Auch 1933 konnte sie sich noch knapp vor der NSDAP behaupten, die 37 Prozent der Stimmen erhielt.
1937 wurde die Gemeinde Ochsenbach aufgelöst. Der Hauptort kam zur Gemeinde Gauangelloch, der Ortsteil Lingental zu Leimen und der Ortsteil Maisbach zu Nußloch. Ein Jahr später entstand der Landkreis Heidelberg aus dem bisherigen Bezirksamt Heidelberg. Einige jüdische Bewohner Leimens wurden in der Zeit des Nationalsozialismus deportiert und ermordet.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs veränderte sich die Sozialstruktur der Gemeinde durch Aufnahme von etwa 1000 deutschstämmigen Vertriebenen aus Ungarn und dem damaligen Jugoslawien stark. Vor allem die katholische Gemeinde wuchs stark an, die CDU wurde dominante Partei in der Gemeinde. Um dem folgenden Wohnungsmangel abzuhelfen, wurden in den 1950er Jahren neue Baugebiete erschlossen; außerdem vollzog sich in den westdeutschen Wirtschaftswunderjahren der Übergang von einem bäuerlichen-kleingewerblichen geprägten Ort zu einem Wohnort für außerorts tätige Arbeiter und Angestellte. In den 1970er Jahren folgte u. a. ein Neubaugebiet am Hang des Königstuhls, das wegen seiner exponierten Lage zum bevorzugten Wohnort der wohlhabenden Bevölkerung wurde. Bei der Kreisreform zum 1. Januar 1973 wurde der Landkreis Heidelberg Teil des neu gebildeten Rhein-Neckar-Kreises; im gleichen Jahr verdoppelte sich die Einwohnerzahl Leimens beinahe durch Eingemeindung der Orte St. Ilgen im Westen sowie Gauangelloch und Ochsenbach im Osten am Südhang des Königstuhles. Bei der 1978 begonnenen Ortskernsanierung wurden in der Ortsmitte der Georgi-Marktplatz mit Cafés und Geschäften und am Ort des aufgrund der Stilllegung der Straßenbahnlinie nach Wiesloch obsolet gewordenen Straßenbahndepots das Einkaufszentrum „Kurpfalz-Centrum“ erbaut.
1981 wurde Leimen zur Stadt erhoben. 1990 überschritt die Einwohnerzahl der jungen Stadt die 20.000-Grenze. Daraufhin stellte die Stadtverwaltung den Antrag auf Erhebung zur Großen Kreisstadt, was die Landesregierung mit Wirkung vom 1. April 1992 beschloss.
Nach dem Abgang des langjährigen Oberbürgermeisters Herbert Ehrbar im Jahr 2000 wurde der hohe Schuldenstand der Gemeinde publik (Stand 2012 etwa 70 Millionen Euro), und Untersuchungen ergaben zahlreiche finanzielle Unregelmäßigkeiten in den zurückliegenden Jahren, außerdem wurden massive planerische Mängel etwa beim Bau der neuen Durchgangsstraße (Bürgermeister-Lingg-Straße, L 600) festgestellt. Diese konnte wegen Klagen von Anwohnern erst 2010 und nicht wie geplant 1999 eröffnet werden; inzwischen wurde allerdings eine Ortsumgehung im Norden beim alten Steinbruch fertiggestellt.
Eingemeindungen In die Gemeinde Leimen wurden folgende Gemeinden bzw. Gemeindeteile eingegliedert oder mit dieser vereinigt: 1937: Ortsteil Lingental der Gemeinde Ochsenbach (Ochsenbach selbst kam zu Gauangelloch, Maisbach zu Nußloch) 1. Oktober 1973: Gauangelloch (mit dem 1937 eingegliederten Ochsenbach) 3. Mai 1975: St. Ilgen (Vereinigung mit Leimen zur heutigen Gemeinde Leimen)
Einwohnerentwicklung/Demographie Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter (nur Hauptwohnsitze). Jahr Einwohner 1577 1.030 1727 566 1809 1.193 1. Dezember 1871 1.724 1. Dezember 1880 ¹ 1.796 1. Dezember 1890 ¹ 1.976 1. Dezember 1900 ¹ 2.821 1. Dezember 1910 ¹ 3.451 8. Oktober 1919 ¹ 3.606 16. Juni 1925 ¹ 3.914 16. Juni 1933¹ 4.160 17. Mai 1939 ¹ 4.178 Dezember 1945 ¹ 4.720 Jahr Einwohner 13. September 1950 ¹ 5.957 6. Juni 1961 ¹ 7.261 27. Mai 1970 ¹ 9.318 31. Dezember 1975 16.322 31. Dezember 1980 17.043 25. Mai 1987 ¹ 18.225 31. Dezember 1990 20.361 31. Dezember 1995 24.621 31. Dezember 2000 26.478 31. Dezember 2005 27.049 31. Dezember 2010 27.225 9. Mai 2011 ¹ 25.341 31. Dezember 2015 26.910 31. Dezember 2020 26.862 ¹ Volkszählungsergebnis
Leimens Bevölkerung weist heute wie viele Orte der Rhein-Neckar-Region einen hohen Einwandereranteil auf, gemäß Zensus 2011 haben 41,1 % der Leimener Bevölkerung einen Migrationshintergrund. Zu den Gastarbeitern der ersten Stunde, die vor allem aus Italien und der Türkei stammten, kam eine größere Gruppe Aramäer, die in der Türkei wegen ihres christlichen Glaubens verfolgt wurden und das Land deshalb verließen. Die Aramäer, die der Syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien angehören, pflegen in Leimen ihre religiöse und kulturelle Tradition, so feiern sie ihre Gottesdienste in der katholischen Kirchengemeinde Herz-Jesu (siehe oben) und unterhalten den Sport- und Kulturverein „Aramäer Leimen“. Zudem siedelten sich zu Beginn der 1990er Jahre zahlreiche Russlanddeutsche (Spätaussiedler) in der Gemeinde an, vor allem im St. Ilgener Neubaugebiet Fasanerie, was unter anderem zur Gründung eines Mix Markt führte, eines deutschen, auf osteuropäische Produkte spezialisierten Supermarktes.
Religionen mini|hochkant|links|Evangelische Mauritiuskirche mini|hochkant|Katholische Pfarrkirche Herz-Jesu Leimen gehörte anfangs zum Bistum Worms und kam später zum Bistum Speyer. Wie in der gesamten Kurpfalz, so wurde auch in Leimen die Reformation eingeführt. Wurde 1556 zunächst das lutherische Bekenntnis eingeführt, so wechselte man 1559 zum reformierten Bekenntnis. Leimen und sein Umland waren danach überwiegend protestantische Gemeinden. Ab 1699 gab es wieder eine eigene lutherische Gemeinde in Leimen. 1803 kam die (reformierte) Kurpfalz zum (lutherischen) Land Baden und 1821 wurden die beiden protestantischen Kirchen vereinigt. Seither gibt es in Leimen nur noch eine protestantische Gemeinde, die zum Bezirk des Dekanats (Kirchenbezirk) Wiesloch kam. Zur Pfarrei Leimen gehörten seit der Übergabe der St.-Aegidius-Kirche an die Katholiken 1707 (pfälzische Kirchenteilung) auch die Protestanten von St. Ilgen, doch erhielt die dortige Gemeinde 1916 wieder eine eigene Kirche und 1930 auch eine eigene Pfarrei. In Gauangelloch war seit der Reformation fast ausschließlich eine Pfarrei, die teilweise auch für die Nachbarorte zuständig war. Die heutige evangelische Kirche wurde 1901/02 im neugotischen Stil erbaut. Die Kirchengemeinden Leimen und St. Ilgen gehören heute zum Kirchenbezirk Südliche Kurpfalz (ehemals Wiesloch und Schwetzingen) innerhalb des Kirchenkreises Nordbaden der Evangelischen Landeskirche in Baden. Die Kirchengemeinde Gauangelloch gehört zum Kirchenbezirk Neckargemünd.