Vöhrum (niederdeutsch ) ist mit ca. 7000 Einwohnern der größte Ort im Landkreis Peine in Niedersachsen. Anlässlich der Gebietsreform wurde Vöhrum am 1. März 1974 nach Peine eingemeindet und ist seither ein Ortsteil der Ortschaft Vöhrum/Eixe/Landwehr.
Geografie mini|Alter Grenzstein am Landwehrfeld Vöhrum liegt etwa vier Kilometer nordwestlich von Peine, ist aber durch den Ortsteil Telgte im Osten bebauungsmäßig bereits mit der Stadt verbunden. Vöhrum grenzt direkt an die Region Hannover an. Südwestlich begrenzt die Bahnstrecke Hannover–Braunschweig den Ort, nordwestlich die moorige Fuhseniederung.
Nachbarorte sind Peine, Telgte (statistischer Bezirk von Peine), Berkum, Rosenthal, Schwicheldt, Hämelerwald, Sievershausen, Röhrse, Landwehr und Eixe.
Geologie In einer Tongrube in der Feldmark von Vöhrum findet sich eine reiche Ammonitenfauna aus der Kreidezeit. In der Grube fand sich ein rundliches krebsähnliches Tier aus der Familie der Ostrakoden mit einer Länge von weniger als 1 Millimeter. Der Muschelkrebs ist nach seinem Fundort als „Protocythere vöhrumensis“ benannt worden.Vöhrum, eine Tongrube im Alb bei Arbeitskreis Paläontologie Hannover.
Geschichte hochkant|mini|Jubläumsdenkmal an der „Spinne“ mini|Schautafel am Standort der Wasserburg Vöhrum
Funde im Bereich des Dorfes, vor allem südlich, lassen auf erste Ansiedlungen bereits in der Jungsteinzeit schließen. Ein genaues Datum der Gründung der Ortschaft ist nicht bekannt, aufgrund der Namensendung -um kann man jedoch von einer Gründung in der Zeit zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert nach Christus ausgehen. Die erste urkundliche Erwähnung datiert auf das Jahr 1022, als „Vordem“ in einer Aufzählung der Besitztümer des Bistums Hildesheim auftauchte. Das Dorf Vöhrum entwickelte sich an einer Furt des Flusses Fuhse, worauf auch noch die alten Dorfnamen Vorden (erstmals erwähnt um 1013, nach anderen Quellen auch Vordem) und Kerchvorden (1380) hinweisen.
In diese Zeit datiert auch die Wasserburg Vöhrum des Typs Motte, die um 1180 erbaut wurde. Im Zeitraum 2004/2005 fanden archäologische Ausgrabungen statt. Dabei wurden über 200 Pfähle gefunden, von denen einige Reste im Kreismuseum Peine ausgestellt sind. Heute weist eine am Rande des Grabungsgebietes aufgestellte Informationstafel auf die Existenz der Burg hin.
Mitte des 13. Jahrhunderts wurde Vöhrum in die Grafschaft Peine eingegliedert, wechselte in den folgenden Jahren aber noch häufig den Besitzer.
Bis ins 14. Jahrhundert ist noch von „groten Vordem“, „lutteken Vordem“ und „Kerchvorden“ die Rede, also Großvöhrum, Kleinvöhrum und Kirchvöhrum. Danach ist Groß Vöhrum nicht mehr auf Karten zu finden und wird auch nicht mehr erwähnt. Der Grund für diese Aufgabe des Dorfes ist unbekannt. Aus dieser Zeit stammt auch das erste Kirchengebäude (1370 zum ersten Mal urkundlich erwähnt), welches heute in unmittelbarer Nähe der evangelischen Kirche als Wohnhaus dient.
Im 16. und 17. Jahrhundert wurde Vöhrum immer wieder in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt, die Hildesheimer Stiftsfehde führte dazu, dass Vöhrum 1526 in den Pfandbesitz der Stadt Hildesheim überging, und sorgte indirekt dafür, dass in Vöhrum die Reformation durchgeführt wurde. 1553 erfolgte dann die Rückgabe an das Stift Hildesheim. 1608 wurde zum ersten Mal der Name Vöhrum verwendet.
Vöhrum stellte bis 1807 einen Grenzübergang zwischen dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg und dem Bistum Hildesheim dar. Daran erinnert noch das alte Zollhaus am westlichen Ortsausgang. 1803 führte der Reichsdeputationshauptschluss dazu, dass der Stift Hildesheim und damit Vöhrum dem Königreich Preußen zugeschlagen wurde. 1807 wurde Vöhrum nach der Niederlage Preußens bei Jena und Auerstedt jedoch bereits wieder im neu gegründeten Königreich Westphalen eingegliedert. Ab diesem Zeitpunkt war Vöhrum kein Grenzdorf zwischen zwei Ländern mehr. Seit 1814 gehörte Vöhrum zum Königreich Hannover. 1829 wurde die erste Brücke über die Fuhse nach Eixe gebaut. Am 1. November 1899 wurde der Bahnhof Vöhrum eingeweiht, seit dem 3. Dezember 1843 waren die Züge auf der Bahnstrecke Hannover–Braunschweig ohne Halt durchgefahren. Seit 1885 gehörte Vöhrum dann zum neu gegründeten Landkreis Peine.
hochkant|mini|Die Schachtanlage Peine I/II mit beiden Fördertürmen, 1968
In den Jahren 1928–1929 wurde der Mittellandkanal in der Nähe von Vöhrum ausgehoben. Die Weltwirtschaftskrise 1929 traf Vöhrum, mit einem hohen Anteil von Arbeitern im Walzwerk Peine, hart. 1938 wurde an der Vöhrumer Gemeindegrenze Eisenerz entdeckt und beschlossen, eine Schachtanlage und Wohnungen für die Bergarbeiter zu bauen. Vöhrum verzeichnete daraufhin noch einmal ein starkes Wachstum.
Vöhrum wurde während des Zweiten Weltkrieges nicht beschädigt und am 10. April 1945 an die anrückende amerikanische Armee kampflos übergeben.
Im Schacht Peine I / II ereignete sich am 22. Januar 1946 kurz nach der Wiederinbetriebnahme ein schwerer Seilfahrtunfall, bei dem 46 Menschen starben und eine Person schwer verletzt wurde. Der Schacht wurde 1968 nach 14 Millionen Tonnen geförderten Erzes aufgegeben und viele Gebäude abgebrochen. Heute erinnert noch der Schachtberg, das ehemalige Schachtgelände mit einigen Gebäuden (bis vor ein paar Jahren Sitz der Firma Elmeg, die aber an die Firma Funkwerk verkauft wurde und seitdem in Peine ihre Räume hat) und die ehemaligen Schachtarbeiterhäuser in der Nähe an diesen Teil der Vöhrumer Geschichte.
Ein positiver Nebeneffekt dieses Erzabbaus ist heute noch in der Umgebung in Form von vielen Kiesgruben zu sehen, die zum Teil als Badesee (Eixer See) oder Angelteich genutzt werden. Der Kies wurde verwendet, um die ausgeerzten Schächte zu verfüllen.
mini|Findling als Gedenkstein zur Feier „Vöhrum - tausend Jahre und mehr“ im Jahr 2022 1973 sollte in den noch nicht verfüllten Teilen der Schachtanlage Industriemüll eingelagert werden. Diese Pläne wurden jedoch nach massiver Gegenwehr der Vöhrumer Bevölkerung aufgegeben.
Am 1. März 1974 wurde im Zuge der niedersächsischen Gebietsreform die Gemeinde Vöhrum aufgelöst und ist seitdem ein Ortsteil der Stadt Peine.
Im Juni 2022 wurde mit einem großen historischen Festumzug das Jubiläum „Vöhrum - tausend Jahre und mehr“ gefeiert. Dabei wurde vor dem alten Gemeindehaus ein Erinnerungsstein mit Gravur eingeweiht. Außerdem wurden auf dem „Spielplatz am Vöhrumer Park“, der im Ort als „Vöhrum, an den 2 Bäumen“ bekannt ist, zwei neue Bäume gepflanzt.
Die alte Vöhrumer Landwehr mini|Gemarkungskarte des Amtes Peine aus dem Jahr 1729 2015 wurde bei den Vorarbeiten zum Neubaugebiet „Nördlich Hainwald“ eine mittelalterliche Grenzschutzanlage entdeckt, die zwischen dem Bistum Hildesheim im Süden und dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg im Norden quer durch den heutigen Landkreis verlief. Dabei handelt es sich um Gräben, die ins 13. Jahrhundert datiert werden können und als eine dreifach gestaffelte Grabenanlage vorher völlig unbekannt waren. Diese Gräben konnten vom Knickteich, einem Stauteich mit einer selbst heute noch erkennbaren Senke, zusätzlich mit Wasser gefüllt werden. Zwischen den Gräben lagen bepflanzte Wälle, die einen schwer zu überwindenden natürlichen Grenzschutz boten.
mini|Senke des „Knickteiches“ in Vöhrum Insgesamt konnte ein ganzer Teil der Anlage auf 120 Metern Länge und 30 Metern Breite nach Mutterboden-Abtrag für einen Bodenaustausch unten an der Landgraben-Niederung freigelegt, erforscht und dokumentiert werden und war für mehrere Monate hervorragend zu sehen. Hinzu kommt die Landgrabenniederung selbst und eine durch Flurnamen („Knick“) belegte Wehrhecke, die auf den Wällen und vermutlich auch im Vorgelände angepflanzt war, und die Anlage insgesamt zu einem schwer überwindbaren Hindernis machte. Am Westrande des Baugebiets wurde zudem ein Grenzübergang („Schlag“) zur nördlich gegenüber liegenden Wüstung Groß Vöhrum („Groten Vorden“) nachgewiesen.
mini|Infotafel Vöhrumer Landwehr Heute erinnert zwischen den mittlerweile erstellten Neubauten westlich des Schrebergartenvereines und der Senke des alten Knickteiches eine Schautafel an diese Jahrhunderte alte Anlage, die politisch betrachtet noch bis zur Gemeindereform 1974 als Grenze zum damaligen Landkreis Burgdorf (Regierungsbezirk Lüneburg) fassbar war. Der Ort „Landwehr“, bis dahin mit nur noch etwa 22 Einwohnern eine der kleinsten selbständigen Gemeinden Deutschlands, wurde ein Teil der Stadt Peine. In Vöhrum selbst erinnern bis heute einige Straßennamen wie Landwehr, Landwehrfeld, Am Landwehrgraben, Am Moor und Im Knickfeld an die Anlage.
Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner 1644 233 1772 287 1821 696 1848 693 1910 1.247 1919 1.243 1938 1.466 1946 3.558 Jahr Einwohner 1961 3.331 1966 4.000 1970 4.575 1972 5.000 1983 6.365 2004 7.196 2007 7.232 2012 7.066 Jahr Einwohner 2017 6.881 2021 7.006 2024 7.014
Religion mini|Die evangelische Kirche in Vöhrum mini|Die katholische Kirche St. Josef Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Vöhrum hat neben ihrer Kirche von 1700 noch ein Pfarrhaus sowie ein Gemeindehaus. Die aus dem Jahr 1960 stammende katholische St.-Josef-Kirche an der Burgdorfer Straße fällt durch ihr markantes Äußeres auf. Zuvor bestand bereits ab 1948 eine Notkapelle in einem Fachwerkhaus, da sich nach 1945 katholische Heimatvertriebene im seit der Reformation evangelischen Vöhrum niedergelassen hatten. Die St.-Josef-Kirche ist seit 2006 eine Filialkirche der Pfarrgemeinde „Zu den Heiligen Engeln“ in Peine. Des Weiteren gibt es noch eine neuapostolische Kirche, die sich gegenüber dem Friedhof befindet und zum Kirchenbezirk Braunschweig gehört.
Politik Zum Ortsrat und zum Ortsbürgermeister siehe Ortschaft Vöhrum/Eixe/Landwehr.
Wappen Das Wappen zeigt eine goldene Steinbrücke über einem doppelten goldenen Wellenbalken auf einem roten Schild. Die Brücke steht für die aus dem Ortsnamen erkenntliche Querungsmöglichkeit der Fuhse, denn der Name „Vöhrum“ leitet sich von „Furtheim“ ab. Die Furt wurde später durch den Bau einer festen Brücke ersetzt. Der goldene Wellenbalken (vom 4. Mai 2000 bis 25. Februar 2021 silbern) symbolisiert die Fuhse. Die Farben Rot-Gold weisen auf die jahrhundertelange Zugehörigkeit zum ehemaligen Hochstift Hildesheim hin.
Das Wappen wurde am 7. Juli 1951 durch den niedersächsischen Innenminister genehmigt, der Entwurf stammt von Rudolf Dehnke.Von Vorden nach Vöhrum. (Eine Ortschronik). Ortsrat Vöhrum-Eixe-Landwehr, Vöhrum 1983, S. 113.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Windmühle von Vöhrum Bauwerke Die evangelisch-lutherische Kirche im Ortskern stammt aus der Zeit um 1700 und wurde an die Reste einer noch älteren Kirche aus dem 16. Jahrhundert angebaut. Als besonders sehenswert gelten die handgeschnitzten Figuren am Altar, die auf das Jahr 1480 geschätzt werden. Die denkmalgeschützte Orgel wurde 1778 durch den Orgelbauer Johann Conrad Müller aus Hildesheim erbaut und ist weitgehend erhalten.
Die Holländerwindmühle von 1891 steht hinter dem nordwestlichen Ortsausgang in Richtung Sievershausen und ist seit dem Frühjahr 2011 zur „Niedersächsische Mühlenstraße“ angeschlossen. Bei dem in Privatbesitz befindlichen Bauwerk ist nur eine Außenbesichtigung möglich.
Sport Die Berufsbildenden Schulen des Landkreises Peine (BBS) sind ausgestattet mit einem Stadion, das neben einem Fußballplatz und einer Tartanbahn auch eine Stabhochsprunganlage sowie eine große Flutlichtanlage besitzt. Der TSV Arminia Vöhrum nutzt diese Anlage für Leichtathletik-Wettkämpfe und Fußballspiele. Ein weiterer Fußballplatz mit Flutlichtanlage befindet sich hinter dem Dorfgemeinschaftshaus und wird ebenfalls vom TSV Arminia Vöhrum genutzt. Die große Sporthalle mit Tribüne der BBS wird für Wettkämpfe genutzt. Sie und die Sporthalle der Grundschule „Hainwaldschule“ werden vom TSV Arminia Vöhrum genutzt.
An der Posener Straße befinden sich sechs vom TSV betriebene Tennisplätze sowie eine von der Schützengilde betriebene Bogenschießanlage.
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