Meet Me in St. Louis ist ein US-amerikanisches Filmmusical des Filmstudios Metro-Goldwyn-Mayer (MGM) aus dem Jahr 1944, basierend auf einer Reihe von Kurzgeschichten der Autorin Sally Benson. Im deutschen Sprachraum ist der Film auch unter den Titeln Heimweh nach St. Louis, Die große Liebe nebenan oder Die törichten Jungfrauen bekannt.
Die Regie des in Technicolor-Farben gedrehten Musicals übernahm Vincente Minnelli, die Hauptrolle spielte Judy Garland. Der Film handelt vom Leben einer Familie in St. Louis, ein Jahr vor der Weltausstellung 1904. Meet Me in St. Louis gilt als ein Höhepunkt in der Geschichte des amerikanischen Filmmusicals.
Handlung Im St. Louis des Jahres 1903 lebt die Familie Smith, bestehend aus Mr. Alonzo und Mrs. Anna Smith; ihren fünf Kindern Alonzo Jr., Rose, Esther, Agnes und Tootie sowie dem Großvater. Die beiden ältesten Töchter Rose und Esther sind verliebt. Rose wartet auf ein Ferngespräch ihres Verehrers Warren, der in New York studiert, und hofft auf eine Verlobung; derweil ist Esther verliebt in den neuen Nachbarsjungen John Truett. Dieser hat bis dahin jedoch noch keinerlei Notiz von Esther genommen, was sich erst bei einer Feier im Hause der Smiths ändert. Dort kommen sich Esther und John am Ende des Festes beim Löschen der Lampen näher.
Der Liebling der Familie ist jedoch die fünfjährige Tochter Tootie, die viel morbide Phantasie besitzt und an Halloween in Tränen aufgelöst nach Haus kommt. Sie behauptet, John Truett habe sie geschlagen. Esther rennt daraufhin zu ihrem Liebsten und rächt ihre kleine Schwester. Als sie wieder zurückkommt, muss sie erfahren, dass Tootie geflunkert hat, um eine Dummheit zu verbergen, die sie in der Nacht begangen hat. Esther schämt sich furchtbar und entschuldigt sich bei John Truett. Dabei küssen sie sich zum ersten Mal. Als Esther nach Hause zurückkehrt, verkündet Vater Smith, ein Anwalt und Juniorpartner seiner Kanzlei, unerwartet, dass er im neuen Jahr die Leitung des New Yorker Büros übernehmen könne. Dies bestürzt die ganze Familie, da alle das Leben in St. Louis lieben und sich dort verwurzelt fühlen.
Am Weihnachtsabend findet der Jahresabschlussball in St. Louis statt. Esther ist am Boden zerstört, als John nicht mit ihr zum Ball gehen kann, weil sein Smoking in der Werkstatt des Schneiders eingeschlossen ist. Schließlich bietet sich der Großvater an, mit Esther als Partner zum Ball zu gehen. Unterdessen fürchtet Rose um die Zuneigung ihres geliebten Warren, weil dieser mit einem anderen Mädchen namens Lucille zum Ball geht. Rose muss daraufhin mit ihrem Bruder Lon Jr. zum Ball gehen. Esther und Rose füllen Lucilles Tanzkarte mit unerträglichen Partnern aus, um ihren Abend zu ruinieren. Da Lucille allerdings Interesse an Lon Jr. zeigt, wechseln sie und Rose spontan ihre jeweiligen Ballpartner zur allseitigen Zufriedenheit – nur Esther muss ihre Tanzkarte mit der von Lucille tauschen und mit deren schrecklichen Tanzpartnern den Abend verbringen. Zur großen Freude von ihr taucht auch John zu später Stunde noch auf dem Ball auf. Wenig später hält er um ihre Hand an und Esther nimmt den Antrag an. Die jüngste Tochter Tootie ist unterdessen über den unmittelbar bevorstehenden Umzug der Smiths so unglücklich, dass sie nachts weinend die Schneemänner vor dem Haus zerstört. Vom Fenster betrachtet Mr. Smith die Verzweiflung seiner jüngsten Tochter und merkt, wie sehr ein Umzug die Familie unglücklich macht. So beschließt der Vater, mit seiner Familie in St. Louis zu bleiben. Warren platzt in die Bescherung und macht Rose einen Heiratsantrag.
Im Frühjahr 1904 besucht die gesamte Familie, darunter auch die drei ältesten Kinder mit ihren Partnern, schließlich die Weltausstellung.
Hintergrund Vorgeschichte mini|Das Electricity Building der Weltausstellung (Foto) wurde für die letzte Szene des Filmes nachgebildet Meet Me in St. Louis basiert auf der Kurzgeschichten-Reihe „5135 Kensington“, die Sally Benson Anfang der 1940er Jahre wöchentlich im New Yorker Magazin The New Yorker veröffentlichte. Sally Benson kam gebürtig aus St. Louis und verbrachte dort ihre Kindheit an der besagten Adresse, zog aber im Alter von zehn Jahren mit ihrer Familie nach New York. Die einzelnen Familienmitglieder hat Benson dabei ihren eigenen Verwandten nachempfunden, sie selbst ist in der Figur der zweitjüngsten Tochter Agnes wiederzuerkennen.Gerald Kaufman: Meet Me in St. Louis. British Film Institute, London 1994, S. 16 (E-Book-Ausgabe). Die Kensington-Kurzgeschichten erfreuten sich damals so hoher Popularität, dass Benson sie 1942 auch in Buchform unter dem Titel „Meet Me in St. Louis“ publizierte. Im Buch gibt es zwölf Kurzgeschichten, eine für jeden Monat, so dass man die Familie Smith durch das ganze Jahr begleitet. Diese Form wurde auch in der Verfilmung beibehalten, welche die Handlung in die vier Abschnitte „Sommer“, „Herbst“, „Winter“ und „Frühling“ unterteilt.
Gelesen wurden die Geschichten auch von dem MGM-Produzenten Arthur Freed, der an einer Verfilmung interessiert und vor allem auf Musicals spezialisiert war. Für Freed waren die nostalgischen Geschichten einer früheren Ära genau das, wonach sich die vom Zweiten Weltkrieg erschütterten US-Bürger sehnten. Louis B. Mayer, der Studioboss von MGM, zeigte sich allerdings zunächst kritisch, ob die Kurzgeschichten genug Spannung und Konfliktpotenzial für einen abendfüllenden Film bieten würden. Freed entgegnete ihm, dass man den Umzug der Smiths aus ihrer vertrauten Heimatstadt als große Tragödie inszenieren müsse.John Fricke: DVD-Kommentar zu „Meet Me in St. Louis“. Letztlich kaufte man Benson die Filmrechte für 25.000 US-Dollar ab.
Es erwies sich jedoch als schwierige Aufgabe, aus den episodenhaften Geschichten ein überzeugendes Drehbuch herauszuarbeiten, mehrere Drehbuchautoren scheiterten an der Aufgabe. In einem Entwurf war beispielsweise die Figur von Rose Smiths Verehrer Colonel Darly, der im fertigen Film in einer kurzen Szene von Hugh Marlowe gespielt wird, ein Betrüger und Ehebrecher, dessen Machenschaften von den Smith-Kindern aufgedeckt werden. Da diese Kriminalhandlung mit Colonel Darly aber nicht zur Atmosphäre des übrigen Filmes gepasst hätte, wurde sie letztlich aus dem Drehbuch entfernt. Erst Irving Brecher und Fred F. Finklehoffe gelang schließlich ein filmreifes Drehbuch, für das sie eine Oscar-Nominierung erhalten sollten.
Besetzung Für Garlands Karriere war Meet Me in St. Louis ein wichtiger Schritt, da sie neben Der Zauberer von Oz vor allem als Filmpartnerin von Mickey Rooney bekannt geworden war. Meet Me in St. Louis sollte der bis dahin teuerste Film mit ihr als Hauptstar werden. Zunächst wollte Garland jedoch die Rolle der Esther Smith ablehnen, mit fast 22 Jahren fühlte sie sich zu alt für eine abermalige Besetzung als Teenager. Auch ihr damaliger Lebensgefährte Joseph L. Mankiewicz warnte sie, Meet Me in St. Louis könne ein Jahr nach ihrer ersten Erwachsenenrolle in Bühne frei für Lily Mars (1943) wie ein Rückschritt wirken. Garland erklärte sich erst zu der Rolle bereit, nachdem sie Vincente Minnelli kennengelernt hatte.Gerald Kaufman: Meet Me in St. Louis. British Film Institute, London 1994, S. 65–66 (E-Book-Ausgabe). Nach den Dreharbeiten wurden sie und Minnelli ein Paar und heirateten im Jahre 1945. Ein Jahr später wurde die gemeinsame Tochter Liza Minnelli geboren. Garland und Minnelli drehten noch vier weitere Filme, ehe sie sich 1951 beruflich wie privat trennten. Liza Minnelli berichtete in einem Interview, dass Meet Me in St. Louis dank ihres Vaters der erste Film gewesen war, in dem sich ihre unter Minderwertigkeitsgefühlen leidende Mutter schön auf der Leinwand vorgekommen sei.
Von Garlands Mitdarstellern galt einzig der bei den Dreharbeiten fünfjährige Kinderstar Margaret O’Brien als zugkräftig an den Kinokassen. O’Briens Eltern waren während der Dreharbeiten in einen Gagenstreit mit MGM verwickelt, da sie binnen zwei Jahren seit ihrem Filmdebüt zwar zum Kinderstar aufgestiegen war, aber aufgrund des am Anfang ihrer Filmkarriere gemachten Vertrags mit MGM weiterhin verhältnismäßig wenig Gage erhalten sollte. Am Höhepunkt des Streites, während der Dreharbeiten, reiste O’Briens Mutter mit ihrer Tochter nach New York ab. Der Studiochef Louis B. Mayer lenkte schließlich ein, wohl auch, da man bereits viel Geld in O’Brien und ihre Vermarktung als Kinderstar investiert hatte. In einem Interview von 2019 behauptete O’Brien, sie sei am Filmset beinahe ermordet worden: die Schrauben bei einem hängenden Studiolicht, unter dem sie später hätte stehen sollen, seien von einem Lichttechniker gelöst worden. Dieser Techniker sei vom Studiogelände abgeführt worden, als dies auffiel. Der Lichttechniker sei demnach der Vater eines Mädchens gewesen, welches MGM während des Vertragsstreites als möglichen Ersatz für Margaret O’Brien bereithielt; der Lichttechniker habe demnach offenbar seine Tochter mit Gewalt als Ersatz durchsetzen wollen. O’Brien erklärte, ihr seien erst Jahre später die wahren Umstände des Vorfalls offenbart worden, da man sie als fünfjähriges Kind nicht schockieren wollte.
Dreharbeiten Mit einem selbst für MGM-Verhältnisse großen Budget von fast 1,9 Millionen US-Dollar gedreht, wurde Meet Me in St. Louis der erste große Film für Regisseur Vincente Minnelli, der erst ein Jahr zuvor seinen ersten Film Ein Häuschen im Himmel gedreht hatte. Nachdem sein zweiter Film I Dood It zwischenzeitlich gefloppt war, musste Minnelli sich nun beweisen.Anne Edwards: Judy Garland. A Biography. Taylor Trade Publishing, Lanham 1975. Neuauflage 2013, S. 97. Minnelli bekam erst den Auftrag, nachdem der ursprüngliche Wunschkandidat George Cukor verhindert war.Informationsblatt zu Meet Me in St. Louis. (PDF; 0,6 MB) Kongressbibliothek. Besonders reizte Minnelli die Inszenierung der Halloween-Szenen mit Kinderstar Margaret O’Brien. Minnelli filmte die Halloween-Sequenz zum großen Teil aus tiefen Kameraperspektiven, um dem Zuschauer den Blick eines Kindes wie Tootie zu gewähren. Nach Drehschluss empfanden die MGM-Produzenten den Film als überlang und wollte zunächst die Halloween-Szenen herausstreichen. Dagegen sträubte sich Minnelli aber, so dass letztlich die Musical-Nummer Boys and Girls Like You and Me mit Judy Garland gestrichen wurde. Von der Szene mit Boys and Girls Like You and Me sind nur noch Standbilder und die Gesangsaufnahme enthalten.
Die Produktion war von einigen Krankheitsfällen überschattet, die zu Verzögerungen und einer Überschreitung des geplanten Budgets führten. Harry Davenport, der 77-jährige Darsteller des Großvaters, drehte zeitgleich den Film Kismet (1944) und seine Abwesenheiten mussten genau eingeplant werden. Zudem erkrankte er zeitweise an einer Grippe. Joan Carroll (Agnes) musste sich in einem Notfall einer Blinddarmentfernung unterziehen, und Mary Astor (Mrs. Smith) meldete sich wegen einer Sinusitis und später einer Lungenentzündung insgesamt 28 Tage krank. Am schwerwiegendsten waren jedoch die Abwesenheiten von O’Brien und Garland, weil diese die meisten Szenen hatten. Neben dem Gagenstreit der Eltern mit dem Studio blieb O’Brien auch aufgrund von Zahnproblemen und einer Erkältung dem Studio fern.Gerald Kaufman: Meet Me in St. Louis. British Film Institute, London 1994, S. 21–25 (E-Book-Ausgabe). Bei Garland machten sich bereits erste Anzeichen eines neurotischen Verhaltens bemerkbar, das sich in späteren Jahren verschlecherte und auf ihr gesamtes Leben auswirkte. Sie meldete sich oftmals spontan krank oder verließ den Drehort, meist aufgrund diffuser Kopf- oder Bauschmerzen. Insgesamt war sie 13 Tage abwesend.Gerald Kaufman: Meet Me in St. Louis. British Film Institute, London 1994, S. 26–27 (E-Book-Ausgabe).