Niederreifenberg ist ein Ortsteil der Gemeinde Schmitten im Taunus im südhessischen Hochtaunuskreis.
Geografische Lage mini|Blick von Burg Reifenberg auf Niederreifenberg und die Berge Kleiner Feldberg (links) und Weilsberg (rechts) mini|Weilsberg (links) neben dem Hühnerberg (rechts) Zur Gemarkung von Niederreifenberg gehört der höchste Berg im Taunus, der Große Feldberg. Die Ortslage liegt ca. 350 Meter nördlich unterhalb des Gipfels auf 545 Metern und damit unterhalb des Nachbarortsteils Oberreifenberg.
Der Ort Niederreifenberg liegt im Weiltal unterhalb des Weilsbergs und des Hühnerbergs. Durch den Ort führt die Landesstraße L3025, die vom Roten Kreuz nach Schmitten führt. Oberhalb des Ortes befinden sich die „Reifenberger Wiesen“, ein Naturschutzgebiet, bestehend aus im Taunus selten gewordenen Magerwiesen. Ohne menschliche Eingriffe würden sich im Taunus Buchenwälder entwickeln. Die Reifenberger Wiesen verdanken ihre Existenz den mittelalterlichen Bewohnern, die den Wald rodeten und die Flächen als „Huteweiden“ also als Weideflächen, auf denen das Vieh unter Aufsicht von Hirten weidete, nutzten. Da diese Wiesen aufgrund der Höhenlage und Bodenqualität nicht sehr ergiebig waren, ist die landwirtschaftliche Nutzung nicht mehr rentabel. Zur Erhaltung dieses – heute als Naturschutzgebiet geschützten – Lebensraumes ist ein regelmäßiges Mähen notwendig, um die Verbuschung zu vermeiden.
Geschichte mini|Gedenkstein 1000-Jahre-Feier
Ersterwähnung Die Ersterwähnung des Ortes Reifenberg im Jahr 950 ist nach neueren Forschungen nicht mehr haltbar. Noch 1950 wurde durch Bürgermeister Magnus Buch neben dem Kriegerdenkmal ein Gedenkstein zum 1000-jährigen Jubiläum eingeweiht.
Chronik Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung des Ortes Reifenberg erfolgte unter dem Namen Rifinberg und wird in die Zeit 1215–1222 datiert. Die Geschichte des Ortes ist eng mit der Burg Reifenberg verbunden die ab 1331 belegt ist.
Der Ort gehörte im Mittelalter zum Herrschaftsbereich der Hattsteiner und später derer von Reifenberg. Mit dem Aussterben dieses Adelsgeschlechtes fiel das Amt Reifenberg 1686 an die Grafen Waldbott von Bassenheim. Der Reichsdeputationshauptschluss 1803 regelte einen erneuten Besitzwechsel. Nun gehörte das Amt Reifenberg zu Nassau-Usingen bzw. ab 1806 zum Herzogtum Nassau. Das Amt Reifenberg wurde 1810 aufgelöst und Niederreifenberg wurde dem Amt Usingen zugeordnet. Nach der Annexion durch Preußen wurde Niederreifenberg 1886 Teil des neuen Landkreises Usingen.
Das weitaus überwiegend katholische Niederreifenberg war im Deutschen Kaiserreich und der Provinz Hessen-Nassau eine Hochburg des Zentrums. Als 1887 im hiesigen Reichstagswahlkreis Regierungsbezirk Wiesbaden 1 mit Carl Wolf erstmals ein Zentrumsabgeordneter in den Reichstag gewählt wurde, erhielt Wolf in Niederreifenberg 47 Stimmen (die DFP 32 die SPD 14 und die NLP 4). Noch deutlicher wurde das Ergebnis in der Stichwahl, als Wolf 83 und sein Gegenkandidat von der SPD 17 Stimmen erhielt.Thomas Klein: Die Hessen als Reichstagswähler. Erster Band: Provinz Hessen-Nassau und Waldseck-Pyrmont 1867–1933. 1989, ISBN 3-7708-0924-6, Seite 545.
Der Ort Reifenberg wird 1848 im Rahmen einer nassauischen Verwaltungsverfügung in Nieder- und Oberreifenberg aufgeteilt.
Auch in der Weimarer Republik blieb das Zentrum weitaus stärkste Kraft. Ferner waren die Gewinne der NSDAP am Ende von Weimar hier wesentlich geringer als im Reich insgesamt. Wahl DNVP DVP Zentrum DDP SPD USPD KPD NSDAP Sonst1919 260 138 1920 4279 4980 1924 (1)5739791943111924 (2)5132951333430219287524437631341930103302134412154181932 (1)44284286299951932 (2)824125316118319331322581456162Thomas Klein: Die Hessen als Reichstagswähler. Zweiter Band, zweiter Teilband: Provinz Hessen-Nassau und Waldseck-Pyrmont 1867–1933. 1995, ISBN 3-7708-1006-6, Seiten 1486–1508, 1856–1864.
Nach dem Ersten Weltkrieg blieb Niederreifenberg als Teil des „Brückenkopfes Mainz“ französisch besetzt und Teil des Kreises Königstein. Niederreifenberg kehrte auch im Rahmen der Neuordnung der Kreise im Rhein-Main-Gebiet ab 1. Oktober 1928 nicht in den Kreis Usingen zurück, sondern wurde Teil des Main-Taunus-Kreises. Niederreifenberg war mit Ausnahme der Zeit von 1939 bis 1945 bis zur Gebietsreform in Hessen eigenständig.
Vom 1. April 1939 bis zum 1. Oktober 1948 erneute Zusammenlegung von Niederreifenberg und Oberreifenberg zur Gemeinde Reifenberg
Gebietsreform Im Zuge der Gebietsreform in Hessen schlossen sich zum 31. Dezember 1971 die Gemeinden Niederreifenberg und Oberreifenberg erneut zur Gemeinde Reifenberg zusammen. Damit wollten sie den Zusammenschluss mit Schmitten zuvorzukommen. Die Gemeinde Reifenberg bestand aber nur wenige Monate. Zum 1. August 1972 verlor sie kraft Landesgesetz ihre Eigenständigkeit und Niederreifenberg ist seither Ortsteil der Gemeinde Schmitten. Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden in Schmitten nicht gebildet.
Territorialgeschichte und Verwaltung im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Niederreifenberg angehört(e):
vor 1806: Heiliges Römisches Reich, Herrschaft Reifenberg ab 1806: Herzogtum Nassau, Amt Reifenberg ab 1816: Herzogtum Nassau, Amt Usingen ab 1849: Herzogtum Nassau, Kreisamt IdsteinAbtrennung der Justiz (Justizamt Usingen) bis 1854. ab 1854: Herzogtum Nassau, Amt Usingen ab 1867: Norddeutscher Bund, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, ObertaunuskreisEndgültige Trennung zwischen Justiz (Amtsgericht Usingen) und Verwaltung. ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Obertaunuskreis ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Obertaunuskreis ab 1886: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Usingen ab 1932: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Obertaunuskreis ab 1933: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Usingen ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Landkreis Usingen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Usingen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Usingen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Usingen ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Usingen ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Hochtaunuskreis, Gemeinde SchmittenAm 31. Dezember 1971 zur Gemeinde Reifenberg und am 1. August 1972 als Ortsteil zur Gemeinde Schmitten.
Einwohnerentwicklung Einwohnerzahlen
Einwohnerstruktur Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Niederreifenberg 1362 Einwohner. Darunter waren 144 (10,6 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 240 Einwohner unter 18 Jahren, 579 zwischen 18 und 49, 306 zwischen 50 und 64 und 237 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 573 Haushalten. Davon waren 174 Singlehaushalte, 165 Paare ohne Kinder und 186 Paare mit Kindern, sowie 36 Alleinerziehende und 12 Wohngemeinschaften. In 111 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 309 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Religionszugehörigkeit • 1885: 3 evangelische (= 0,48 %), 617 katholische (= 99,52 %) Einwohner • 1961: 106 evangelische (= 8,92 %), 1067 katholische (= 89,74 %) Einwohner
Wappen
Religion
Im Jahr 1898 wurde die alte katholische TaufkircheVgl. der Katholischen Kirchengemeinde Usingen/Niederreifenberg; Béatrice Träger: Geschichte und Geschichten aus der Großgemeinde Schmitten im Taunus. hrsg. von der Gemeinde Schmitten/Aktion Schmitten e. V., Handel Handwerk und Gewerbe, Usingen 1998. errichtet und 1906 bereits erweitert. Das unter Denkmalschutz stehende neoromanische Gebäude aus Taunusschiefer wurde 1980 profaniert und wird heute als Wohngebäude genutzt. Da der Dachreiter aus statischen Gründen nicht geeignet war, ein schweres Glockenwerk zu tragen, wurde 1925 etwa 120 Meter entfernt ein Glockenturm auf dem Johannisstein errichtet. Die Glocke wurde elektrisch von der Kirche aus ausgelöst.Heimatkalender für den Main-Taunus-Kreis 1953, Seite 26. Auch nach dem Kirchenneubau ist der Glockenturm immer noch in Benutzung.
Die katholische Kirchengemeinde errichtet stattdessen 1980 die neue Kirche, die Johannes dem Täufer geweiht wurde. Das moderne achteckige Gebäude wird ergänzt um Pfarrhaus und Kindergarten im gleichen Komplex.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Für die unter Denkmalschutz stehenden Gebäude siehe die Liste der Kulturdenkmäler in Niederreifenberg.
Naherholung Großer Feldberg Der Große Feldberg als höchster Berg des Taunus lockt jedes Jahr hunderttausende Besucher vor allem aus dem Rhein-Main-Gebiet an. In Oberreifenberg findet man Lifte zum Ski- und Rodelvergnügen. Hauptattraktion ist die Natur des Taunus und viele Kilometer gepflegter Wanderwege.
Limes Der Limes als alte Grenze des römischen Reiches verläuft oberhalb von Niederreifenberg über den Taunuskamm. Auf dem Gebiet von Niederreifenberg liegt das Römerkastell Kleiner Feldberg. Die erhaltenen Grundmauern geben einen Einblick in die römische Geschichte.
Weilquelle Wenige hundert Meter neben dem Römerkastell liegt die Quelle des Bächleins Weil. Geschmückt mit indianisch anmutenden Holzschnitzereien nimmt der Lauf der Weil hier seinen Beginn. Die Quelle wurde in neuerer Zeit erstmals 1911 durch den Taunusklub gefasst. Die Fassung wurde 1963 erneuert. Der Gedenkstein, der an diese Fassungen erinnert, befindet sich heute im Hessenpark.
Wanderwege Rund um den Großen Feldberg sowie den Weilsberg verlaufen eine Vielzahl von Wanderwegen. Vielfach reisen Naturfreunde mit dem Auto über den Taunuspass Rotes Kreuz, die auf Niederreifenberger Gebiet liegenden Verbindung zwischen Königstein und dem Weiltal, an.
Vereine Im Ort bestehen eine Reihe von Vereinen, die im Vereinsring Reifenberg (Vereinsring für Ober- und Niederreifenberg) zusammengeschlossen sind. Eine Auswahl dieser Vereine:
FC 1953 Reifenberg (Fußballverein) JFC Eintracht Feldberg (Jugendfußballverein) Taunusklub Niederreifenberg Turn- und Sportgemeinde Niederreifenberg (Sportverein) VdK Niederreifenberg Taunus-Haie Schmitten (Tauchclub)
Sport Wintersport 1957 wurde mit Unterstützung von am Sandplacken stationierten Einheiten der US-Armee eine Skisprungschanze errichtet.
Halle und Sportanlage 1968 wurde durch die Gemeinde eine Sporthalle gebaut, die auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt wurde. Diese Halle wurde ebenfalls als Schulturnhalle verwendet. Die Halle verfügte über einen großen Saal, einige Versammlungsräume und eine Küche zur Bewirtschaftung. Die Kosten des Baus betrugen etwa eine halbe Million DM.Von Ort zu Ort. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 15. Juli 1968, S. 21. An die Halle angebaut befindet sich das Feuerwehrhaus der Freiwilligen Feuerwehr Niederreifenberg. Die daneben liegende gemeindeeigene Sportanlage „An der Weilquelle“ wurde nach dem Zweiten Weltkrieg durch amerikanische Besatzungstruppen errichtet. Mit schwerem Gerät wurde die ehemalige Müllkippe planiert und so eine ebene Fläche für die Sportfelder geschaffen.
Im Frühjahr 2010 wurde die bisherige Halle abgerissen und der Hochtaunuskreis baute für 6 Millionen Euro eine moderne 2-Felder-Halle als Sporthalle der Vereine und der Schule an gleicher Stelle.