Die Teyrêbazên Azadîya Kurdistan (TAK), , sind eine kurdische Terrororganisation in der Türkei. Die TAK haben seit 2005 mehrfach Terroranschläge in türkischen Touristengebieten wie Antalya, Marmaris, Izmir und Istanbul verübt und weitere Gewalt angedroht. Die türkische Regierung sieht die TAK als einen terroristischen Arm der PKK. Auch der Bundesgerichtshof hat die TAK mit juristischer Wirkung als Teilorganisation der PKK identifiziert und rechnet Terroranschläge, zu denen sich die TAK bekennt, tatsächlich der PKK zu. Hintergrund dessen sei, dass die PKK ihre terroristischen Aktivitäten „unter dem Deckmantel“ der „vermeintlich eigenständig agierenden“ TAK verschleiern wolle. Sofern sich die PKK offiziell von der TAK distanziert, tut sie dies laut Bundesregierung nur „aus taktischen Gründen“. Die TAK bestreitet zwar Verbindungen zur PKK, porträtiert den inhaftierten PKK-Chef Abdullah Öcalan auf der TAK-Website jedoch trotzdem als ihren Anführer und fordert dessen Freilassung. Laut eigener Darstellung ging die TAK, deren Mitglieder eine Zeit lang innerhalb der PKK gekämpft hatten, aus den Guerillaeinheiten der Kongra Gel hervor, da die Kongra Gel und die HPG (militärischer Arm der PKK) zu schwach seien., Bundesamt für Verfassungsschutz, Deutscher Bundestag, 18. Wahlperiode, Drucksache 18/3702, 7. Januar 2015, Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke, Jan van Aken, Christine Buchholz, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE. – Drucksache 18/3615 – (PDF).

Hintergrund, Gründung und Zielsetzung

Die HPG als militärischer Arm der PKK gründeten die TAK im Jahr 1999 als einen radikalen und eigenständigen urbanen Ableger der PKK in Reaktion auf die Festnahme des PKK-Führers Abdullah Öcalan. Durch die Gründung der TAK wollte die PKK ihr bis zu diesem Zeitpunkt vor allem im ländlichen Raum lokalisiertes Netzwerk ausweiten, indem es junge Stadtbewohner für sich gewann.Rayk Hähnlein, in: , Stiftung Wissenschaft und Politik, Kurz gesagt, 16. Dezember 2016. Die TAK ist zwar nicht die einzige, aber die radikalste unabhängige Jugendorganisation im Umfeld der PKK. Diese verdeckten Ableger bieten der PKK den Vorteil, eine Doppelstrategie offizieller Verhandlungsbereitschaft auf der einen und inoffizieller Gewalteskalation auf der anderen Seite umsetzen zu können: Einerseits gelang es der PKK somit über die PKK-Ableger wie die TAK, junge frustrierte Kurden anzuziehen, die eine aggressivere als die offizielle PKK-Linie anstreben und Gewaltmaßnahmen gegen die als Besatzer empfundenen Türken bevorzugen. Andererseits konnte sich die PKK wiederholt bemühen, die Gewaltspirale (deren Hochphasen zwischen 2004 und 2012 lagen) mit Waffenstillstandsangeboten zu durchbrechen, indem sie sich nicht öffentlich erkennbar zur Gewalt ihrer Splittergruppen bekennen musste.

Von Beginn an verzichtete die Führung der PKK gezielt auf offizielle Verbindungen zur TAK, damit die TAK im städtischen Raum eigenständig gegen die türkischen Sicherheitskräfte operieren konnte, ohne den nach Öcalans Festnahme 1999 von der PKK einseitig ausgerufenen Waffenstillstand zu gefährden. Die PKK baute dabei auf die ideologische und operative Linientreue der jungen TAK-Aktivisten gegenüber der PKK als ihrer Mutterorganisation und erlaubte ihnen eine völlige Freiheit für Initiativen und Operationen.

Nachdem die türkische Regierung sich nicht zu Verhandlungen mit der PKK bereit gezeigt hatte, nahm die PKK ab Juni 2004 den bewaffneten Kampf wieder auf, von dem sie sich 1999 losgesagt hatte. Die PKK verband seitdem ihre Guerillastrategie in den traditionell kurdisch-dominierten Siedlungsgebieten im Südosten der Türkei mit Bombenanschlägen in den großen Städten im Westen des Landes und setzte dafür ihre Organisation der TAK ein, die ab Frühjahr 2005 mit Attentaten in den türkischen Bevölkerungszentren in Erscheinung trat. Die PKK verfolgte mit dieser Doppelstrategie das Ziel, eine Amnestie sowie direkte Verhandlungen über die sogenannte Kurdenfrage zu erzwingen.Guido Steinberg, in: , Stiftung Wissenschaft und Politik, SWP-Studie 2011/S 12, Mai 2011, 34 Seiten.

Im Jahr 2004 war zwar offiziell eine Abspaltung der TAK von der PKK unter der Begründung erfolgt, dass die TAK das pazifistisch ausgelegte PKK-Manifest von 2004 nicht unterstützte, doch blieben die Verbindungen zur PKK laut Rayk Hähnlein, Sicherheitsexperte bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), derart eng, dass die TAK nicht als eigenständige Organisation betrachtet werden kann.

Die TAK-Kämpfer erhielten (Stand: 2016) ihr paramilitärisches Training in den unter der Kontrolle der YPG – dem syrischen Arm der PKK – stehenden kurdisch-dominierten Kantonen im Norden Syriens. Viele TAK-Attentäter waren bis zu zwei Jahre lang in YPG-Lagern trainiert worden und hatten in den YPG-Verbänden gekämpft. Die direkte Konfrontation mit türkischen Militäraktionen auf dem YPG-Territorium förderte in bedeutender Weise die Reaktion der TAK mit Terrorakten in den westtürkischen Metropolen. Nachdem das türkische Militär die PKK aus den Städten vertrieben und im September 2016 einen bis dahin beispiellosen Drohnenkrieg gegen die PKK begonnen hatte, bei dem innerhalb eines Jahres 600 kurdische Kämpfer getötet wurden, reagierte die PKK, indem sie die TAK als ihre inoffizielle Stellvertretermiliz Selbstmordattentate ausüben ließ (z. B. vom 11. Dezember 2016 mit 45 Toten), die im Stil mit den Selbstmordattentaten des Islamischen Staates (IS) vergleichbar waren.Günter Seufert: , Le Monde diplomatique, Januar 2018, S. 6. Laut dem deutschen Bundesamt für Verfassungsschutz sind die TAK-Anschläge des Jahres 2016 mit zahlreichen Todesopfern und Verletzten ein Beispiel dafür, dass die PKK häufig den militärischen Konflikt durch unmittelbare Vergeltungsaktionen „geprägt und verschärft“ hat.Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat (Hrsg.): , verfassungsschutz.de, [ohne Datum].

Struktur und Ideologie mini|PKK-Führer Abdullah Öcalan, Idolfigur der TAK (Foto: 1997) Die TAK ist eine städtische Jugendorganisation. Mit Stand von 2016 lag das Durchschnittsalter ihrer Mitglieder bei etwa 25 Jahren. Ihre Selbstmordattentäter waren nie älter als 30 Jahre. Die TAK findet insbesondere bei randständigen und ideologisch leicht manipulierbaren kurdischen Jugendlichen in den südöstlichen Städten Zuspruch, die den PKK-Führer Abdullah Öcalan als ihr Idol ansehen. Ein Mitarbeiter der 2005 vom damaligen Bundesinnenminister Otto Schily verbotenen Mezopotamischen Nachrichtenagentur (MHA) gab Medien gegenüber an, die TAK rekrutierten sich aus einer neuen Generation „frustrierter junger Kurden“, die in den Slums von Istanbul, Izmir und Ankara aufgewachsen seien, nachdem deren Eltern in den 1990er-Jahren vor den Kämpfen der PKK und der Armee aus dem Südosten der Türkei geflohen seien. Andere kurdische Beobachter werteten die TAK Medienberichten zufolge als „sozial entwurzelte Jugend“ und eine aus der Hoffnungslosigkeit geborene „neue Stadtguerilla“.Kurdische Freiheitsfalken, Boten der Hölle, Der Spiegel, 30. August 2006

Im Jahr 2006 galten über die enge Verbindung von PKK und TAK hinausgehende Einblicke in Struktur und Vorgehensweise der TAK laut Medienberichten als schwer zu gewinnen. Ähnlich wie der Verfassungsschutz Baden-Württemberg ging Heinz Kramer, Türkei-Experte der SWP, von einer engen Verbindung zwischen der PKK und den TAK aus und wies darauf hin, dass das politische Programm von PKK und TAK sehr ähnlich sei, hob jedoch hervor, dass man nicht wisse, ob es Stellen gebe, die über weitere Informationen über die TAK verfügten. Medienberichten zufolge gelang es dem türkischen Geheimdienst nicht, die Organisation aufzuklären. Die Gruppe agiere offenkundig in kleinen Zellen in den Ballungszentren – wohingegen die PKK eine klassische Kaderorganisation mit bekanntem Personal und bekannter Struktur vor allem im Osten des Landes sei.Kurdische Freiheitsfalken, Boten der Hölle, Der Spiegel, 30. August 2006, von Alexander Schwabe.

Anschläge 2005–2006 Seit Frühjahr 2005 machten die TAK mit Attentaten in den türkischen Bevölkerungszentren auf sich aufmerksam, die Teil der Doppelstrategie der PKK waren, bei der die PKK neben den in den westlichen Städten erfolgenden Anschlägen der TAK die Auseinandersetzungen im ländlichen Südosten in Form der Guerillastrategie fortsetzten. Seit Sommer 2005 reagierten die TAK jeweils mit Terrorakten, wenn die Türkei den militärischen Druck auf die PKK in den vornehmlich kurdisch-besiedelten Gebieten erhöhte. 17. Juli 2005 – So verübten die TAK, nachdem im Frühling 2005 intensive Militäroperationen der Türkei im Südosten durchgeführt worden waren, einen Anschlag auf einen Touristenbus in Aydın, der auch als erster TAK-Anschlag betrachtet wurde. In einer in deutscher Sprache verfassten E-Mail vom 14. April 2006 an die türkische Botschaft in Berlin und an verschiedene Reiseveranstalter kündigten die TAK Anschläge an, insbesondere auch gegen den Tourismus in der Türkei. Seit dem Frühjahr 2006 kam es dann vermehrt zu Sprengstoffanschlägen, zu denen sich die TAK bekannten.

25. Juni 2006 – Bei einem Bombenanschlag in einem Picknick-Bereich des Parks an den Wasserfällen von Manavgat – rund 100 Kilometer östlich von der Mittelmeer-Stadt Antalya entfernt – werden 4 Menschen getötet und 28 weitere verletzt. Die TAK bekennen sich Medienangaben zufolge zur Tat., derstandard.at, 19. September 2006 (APA/Reuters/AP/AFP).

14. August 2006 – Die TAK bekennen sich zu einer Bombenexplosion in der Altstadt von Istanbul mit drei Verletzten.

28. August 2006 – Anschläge in Touristenzentren: Im Badeort Marmaris werden zehn Briten und sechs Türken verletzt, als eine Bombe einen Kleinbus zerstört. Bei der Explosion zweier weiterer Sprengsätze in Marmaris werden fünf weitere Menschen verletzt. Insgesamt werden bei den drei Explosionen in Marmaris 27 Menschen verletzt. In Antalya werden vier Menschen getötet und über 70 weitere verletzt, darunter auch drei deutsche Staatsbürger. Zuvor erlitten sechs Menschen in Istanbul durch eine Paketbombe Verletzungen. Die TAK bekennen sich zu den Taten. Durch die Festnahme eines PKK-Mitglieds hat die Polizei offenkundig ein weiteres Attentat in Izmir vereitelt.

Medienangaben von Ende August 2006 mit Berufung auf kurdische Medien zufolge hatten die TAK seit Beginn des Jahres 2006 rund 30 Anschläge in türkischen Urlaubsorten oder Feriengebieten verübt, bei denen zusammen zwölf Menschen getötet worden waren. Auf ihrer Homepage drohten die TAK, die Türkei sei „kein sicheres Land, Touristen sollten nicht hierher kommen“ und kündigte an, das Land „in die Hölle zu verwandeln“.„Werden Türkei in Hölle verwandeln“, Wiener Zeitung, 30. August 2006, abgerufen am 6. November 2013 Wörtlich gaben die TAK am 29. August 2006 auf ihrer Internetpräsenz die Erklärung ab:

Tatsächlich stellte die Anschlagsserie am 28. August 2006 einen vorläufigen Höhepunkt der Gewaltspirale dar. Nachdem Öcalan am 29. September 2006 aus seiner Haft heraus über seine Anwälte zu einer einseitigen Waffenruhe aufgerufen und Schritte zur Lösung der „Kurdenfrage“ gefordert hatte, verkündeten die HPG am 1. Oktober 2006 den Waffenstillstand einhalten zu wollen, worauf sich auch die TAK seit Inkrafttreten des Waffenstillstandes zu keinen Terroranschlägen mehr bekannten.

Der Verfassungsschutzbericht des deutschen Innenministeriums führte für das Jahr 2006 auf, dass bei den Sprengstoffanschlägen, die die TAK 2006 in türkischen Städten und Urlaubsregionen durchgeführt hatten, insgesamt 14 Personen – darunter auch ausländische Touristen – getötet und 200 Menschen – darunter auch drei Deutsche – zum Teil schwer verletzt wurden.

2010–2015