Bankkalkulation ist eine im Bankwesen verwendete Kalkulationsmethode, welche die Eigenheiten von Kreditinstituten berücksichtigt und der Ermittlung der Selbstkosten sowie der Bankzinsen und Bankgebühren für Bankgeschäfte dient.

Allgemeines Die Bankkalkulation ist ein wichtiges Forschungsgebiet der Bankbetriebslehre. Sie beruht auf den von der Betriebswirtschaftslehre geschaffenen Grundlagen der Betriebskalkulation (insbesondere in der Industrie) und analysiert zunächst die bankbetriebliche Kosten- und Leistungsrechnung.Thomas Schmitt, Standardeinzelkostenrechnung für Banken, 1993, S. 2 ff. Sie baut auf einer Kostenartenrechnung auf, in welcher die neutralen Aufwendungen entfernt und die kalkulatorischen Kosten hinzugefügt wurden.Harry Zingel, Lehrbuch der Kosten- und Leistungsrechnung, 2004, S. 62 Die Bankkalkulation hat die Aufgabe, die Analyse der bankbetrieblichen Kostenstruktur und die Ermittlung der Selbstkosten vorzunehmen, eine Entscheidungsgrundlage für das Controlling zu bilden und die Festlegung von Bankpreisen zu ermöglichen. Darüber hinaus dient sie der Kontrolle der Wirtschaftlichkeit (Kosten-Nutzen-Analyse) insbesondere im Rahmen von Betriebsvergleichen.

Geschichte Die Zürcher Kantonalbank war eines der ersten Kreditinstitute, die bankkalkulatorische Rechnungen vornahmen, als sie bereits 1881 eine der Zinsspannenrechnung ähnliche Form durchführte.Joachim Süchting, Kalkulation und Preisbildung der Kreditinstitute: Der preisdispositive Bereich bei deutschen und amerikanischen Banken aus kalkulatorischer Sicht, 1963, S. 16 Die ersten Ansätze einer „Unkostenkalkulation“ stammten aus 1920Christian Wegbrod, Die Notwendigkeit der Unkostenkalkulation im Bankbetrieb, in: Der Zahlungsverkehr 3, Februar 1920, S. 5 f. und wurden 1934 zur Geschäftsspartenkalkulation weiterentwickelt.Hans Rummel, Die Möglichkeiten einer genauen Selbstkostenrechnung im Bankgewerbe und ihre Auswirkungen auf die Rentabilität, in: Zeitschrift für handelswissenschaftliche Forschung 28, 1934, S. 281–309

Wilhelm Hasenack war einer der ersten bedeutenden deutschen Autoren im Sektor der Bankkalkulation. Er befasste sich 1924 in einem Aufsatz mit dem Zusammenhang zwischen der Bankkalkulation und der Gebührenpolitik.Wilhelm Hasenack, Bankkalkulation und Gebührenpolitik, in: Zeitschrift für Betriebswirtschaft, 1924, S. 450 ff. Für ihn war die Bankkalkulation der „Versuch, im Bankbereich ein zusammenhängendes Kostenrechnungsverfahren für die Bankleistungen vom betriebswirtschaftlichen Standpunkt aus zu schaffen, sei es, um eine Betriebskontrolle durchzuführen … oder darüber hinaus Unterlagen für die Festsetzung von Gebühren, Provisionen und Zinsen zu gewinnen“.Wilhelm Hasenack, Betriebskalkulationen im Bankgewerbe, 1925, S. 34 Hasenack galt als Verfechter der Abteilungskalkulation, also der Kostenstellenrechnung, welche die Kosten und die Rentabilität jeder Abteilung berechnen soll. Seine Pionierarbeit sprach bereits Probleme und Lösungsmöglichkeiten an, die bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben.Wilhelm Hasenack, Bankkalkulation und Gebührenpolitik, in: Zeitschrift für Betriebswirtschaft, 1924, S. 188 ff. Die Deutsche Bank begann Anfang der 1930er Jahre mit dem Aufbau eines Kalkulationsverfahrens, das 1934 Hans Rummel in einem Aufsatz beschrieb.Hans Rummel, Die Möglichkeiten einer genauen Selbstkostenrechnung im Bankgewerbe und ihre Auswirkungen auf die Rentabilität, in: Zeitschrift für handelswissenschaftliche Forschung, 1934, S. 281 ff. Erich Fehrmann folgte 1936 mit einem Buch, der ersten Abhandlung mit einer vollständigen Einführung und einem Gesamtüberblick über die Bankkalkulation.Erich Fehrmann, Die Geschäftsspartenkalkulation im Kreditbankwesen, 1936, S. 1 ff.

Die Bankkalkulation solle dazu dienen, die Selbstkosten für die dem Bankkunden gewährten Dienstleistungen zu ermitteln und damit die Grundlagen für eine Neuordnung der Gebührenpolitik zu schaffen.Kurt Weusthoff, Versuch einer Betriebskostenkalkulation im Bankgewerbe, 1933, S. 10 Curt Eisfeld veröffentlichte im Mai 1934 einen Aufsatz, der sich mit theoretischen und praktischen Erfordernissen der Bankkalkulation auseinandersetzte.Curt Eisfeld, Die Bankkalkulation in Theorie und Praxis, in: Die Sparkasse, 1934, S. 147 ff. Manuel Falter kam 1934 zu dem Ergebnis, dass der hohe bankbetriebliche Fixkostenanteil eine Minimierung der Leerkosten erfordere.Emanuel Falter, Die Zins- und Bedarfsspanne der Sparkassen unter dem Einfluss der Kostendegression, in: Die Betriebswirtschaft 6, 1934, S. 145 f.

Die moderne Bankkalkulation orientiert sich an der seit 1955 von Stefan Kaminsky vorgenommenen Aufteilung in zwei Leistungssphären,Stefan Kaminsky, Die Kosten- und Erfolgsrechnung der Kreditinstitute, 1955, S. 26–39 nämlich in den Wertbereich (Wertsphäre oder liquiditätsmäßig-finanzieller Bereich) und Betriebsbereich (Betriebssphäre oder technisch-organisatorischer Bereich),Carl Zimmerer, Bankkosten-Rechnung, 1956, S. 16 die es bei Nichtbanken nicht gibt. Denn dort ist (Geld-)Kapital Voraussetzung zur Beschaffung der Produktionsfaktoren, in Kreditinstituten wird es für die Produktion der meisten Bankleistungen verwendet. Kaminsky entwarf erstmals ein geschlossenes System einer am Verursachungsprinzip orientierten Vollkostenrechnung für das bankinterne Rechnungswesen, wobei der hohe Anteil von Gemeinkosten Zurechnungsprobleme aufwirft. Als Entdecker dieser dualistischen Leistungserstellung im Bankbetrieb gilt jedoch Erich Fehrmann, der bereits 1936 zwischen Stückleistung (Betriebssphäre) und Leistungseinheit (Wertsphäre) unterschied.Erich Fehrmann, Die Geschäftsspartenkalkulation im Kreditbankwesen, 1936, S. 127 Dadurch wird in der Kosten- und Erlösrechnung der Kreditinstitute zwischen Wertkosten/Werterlösen und Betriebskosten/Betriebserlösen unterschieden. Für Wilhelm Kalveram eignete sich 1961 die Bankkalkulation für die Betriebsüberwachung, Preisermittlung und Rentabilitätskontrolle.Wilhelm Kalveram/Hans Günter, Bankbetriebslehre, 1961, S. 254 Ein grundlegendes Werk zum Thema stellte die von Joachim Süchting in Köln 1963 abgegebene Dissertation dar, die von Kalkulationsvorbildern amerikanischer Banken ausgeht und darauf aufbauend Vorschläge zur Preiskalkulation deutscher Banken unterbreitet.Joachim Süchting, Kalkulation und Preisbildung der Kreditinstitute, 1963, S. 177 ff.

Karl-Friedrich Hagenmüller definierte die Bankkalkulation als „das Aufbereiten und In-Beziehung-Setzen von leistungsbedingtem Werteverzehr (Kosten), Leistungsmengen und leistungsbedingtem Wertezuwachs (Erlöse) zur Feststellung der Wirtschaftlichkeit, der Erfolgslage oder der Selbstkosten im Bankbetrieb“.Karl-Friedrich Hagenmüller, Bankbetriebslehre, Band 3, 1988, S. 103 Diese Definition zeigt, dass die Bankkalkulation weiter gefasst ist als die Industriekalkulation in der Betriebswirtschaftslehre, wo sie im Regelfall nur der Kostenträgerstückrechnung vorbehalten ist.Erich Gutenberg, Einführung in die Betriebswirtschaftslehre, 1958, S. 152 f. In der Bankbetriebslehre wird Kalkulation vielmehr teilweise auch für die Erfolgsrechnungen und die Kostenstellenrechnung benutzt.Bernhard Hartmann, Bankbetriebsanalyse, 1962, S. 213

Im Jahre 1981 wurde eine umfassende Arbeit über die Betriebsabrechnung bei Banken vorgelegt.Werner Kunze, Die Betriebsabrechnung der Kreditinstitute unter besonderer Berücksichtigung der gesetzlichen Bestimmungen, 1981, S. 7 ff Das Grundkonzept der Kostenrechnung bestimmen die Kosteneinflussgrößen in Kreditinstituten: Die Kapazitäten der Banken werden aufgrund der mangelnden Lagerfähigkeit ihrer Produkte und der Integration des externen Produktionsfaktors im Hinblick auf die erwartete Spitzenbelastung geplant.Gabriele Pfeufer-Kinnel, Preismanagement in Kreditinstituten, 1998, S. 151

Betriebs- und Wertsphäre Die Bankkalkulation berücksichtigt die Unterscheidung zwischen Betriebs- und Wertsphäre, denen die bankbetrieblichen Produktionsfaktoren zugeordnet werden. In der Betriebssphäre schlagen sich „alle menschlichen Anstrengungen, Maschinen- und Sachwertnutzungen und alle Betriebsmittel- und Werkstoffverzehre nieder“.Stefan Kaminsky, Die Kosten- und Erfolgsrechnung der Kreditinstitute, 1955, S. 28 f. Ihr können mithin die Produktionsfaktoren Arbeit, Betriebsmittel und Werkstoffe zugeordnet werden. Die Wertsphäre ist ein abstrakter Wirkungsbereich, „dessen Leistung in der Annahme, Schaffung und Weitergabe von monetären Dispositionsmöglichkeiten besteht“.Stefan Kaminsky, Die Kosten- und Erfolgsrechnung der Kreditinstitute, 1955, S. 27 Zu ihr gehört der – nur im Bankwesen bekannte – monetäre Faktor, der aus der Nutzung von Zahlungsmitteln besteht.

Bankleistungen entstehen meist aus dem Zusammenwirken beider Sphären, woraus ein auch die Bankkalkulation durchziehender Dualismus resultiert.Karl-Friedrich Hagenmüller, Bankbetrieb und Bankpolitik, Band 3. 1959, S. 104 Beide Sphären verursachen Kosten und erzielen Erlöse. Betriebskosten sind ein Wertverzehr, der durch die Leistungserstellung in der Betriebssphäre verursacht ist;Stefan Kaminsky, Die Kosten- und Erfolgsrechnung der Kreditinstitute, 1955, S. 36 wesentliche Kostenarten sind Personalkosten, Pensionsrückstellungen und Sachkosten (etwa Abschreibungen auf Sachanlagevermögen).Konrad Liessmann (Hrsg.), Gabler Lexikon Controlling und Kostenrechnung, 1997, S. 58 Entsprechend sind Wertkosten der Wertverzehr, der ausschließlich durch den sich in der Wertsphäre vollziehenden abstrakten Akt der Wertübertragung verursacht wird.Stefan Kaminsky, Die Kosten- und Erfolgsrechnung der Kreditinstitute, 1955, S. 35 Wichtigste Kostenarten sind hier der Zins- und Provisionsaufwand oder Abschreibungen, Rückstellungen und Wertberichtigungen auf Kredite (Risikokosten).Konrad Liessmann (Hrsg.), Gabler Lexikon Controlling und Kostenrechnung, 1997, S. 724 Betriebserlöse sind der Betriebssphäre, die wichtigeren Werterlöse der Wertsphäre zuzuordnen.

Kostenarten / Erlösarten Betriebssphäre Wertsphäre Betriebskosten PersonalkostenSachkosten Materialkosten Kostensteuern und Abgaben BetriebserlöseBuchungspostengebühr Kontoführungsgebühr Bearbeitungsgebühr Wertkosten Zinsaufwand Provisionsaufwand kalkulatorische Zinsen Risikokosten Kreditgeschäft (Wertberichtigungen, Rückstellungen) Verluste aus Eigenhandel Werterlöse Zinsertrag (Kredit- und Wertpapiergeschäft) Provisionsertrag (Kreditprovision, Bereitstellungs- und Überziehungsprovision) Gewinne aus Eigenhandel

Kalkulationsstufen Die Bankkalkulation vollzieht sich in drei aufeinander aufbauenden Stufen.Karl-Friedrich Hagenmüller, Bankbetrieb und Bankpolitik, Band 3. 1959, S. 108 ff.

Erste Stufe In der Gesamtbetriebskalkulation wird eine Kostenarten- und Erlösartenrechnung nach obiger Tabelle aufgestellt. Durch die Gegenüberstellung der Kosten und Erlöse kann der Gesamterfolg ermittelt werden. Ihre Weiterentwicklung führt zur Zinsspannenrechnung:Joachim Süchting: Bankmanagement. 1982, S. 86 Zinsen und ähnliche Erträge - Zinsaufwand = Brutto-Zinsspanne - Verluste aus dem Handelsergebnis + Gewinne aus dem Handelsergebnis = Ergebnis der Wertleistung + Betriebserlöse - Betriebskosten = Netto-Zinsspanne

Zweite Stufe Inhalt der zweiten Stufe bilden die Kostenstellenrechnung, Leistungsgruppenrechnung, Stückleistungsrechnung und der Betriebsabrechnungsbogen (BAB). Eine Kostenstellenrechnung (Abteilungskalkulation) unterteilt nach marktleistungsbezogenen Hauptkostenstellen (etwa Kreditabteilung, Wertpapierabteilung) und Hilfskostenstellen (Buchhaltung, Registratur). Ihnen werden die Kosten- und Erlösarten zugerechnet, die von ihnen verursacht oder erzielt wurden.