mini|Alfredo Baldomir Alfredo Baldomir Ferrari (* 27. August 1884 in Montevideo; † 25. Februar 1948 ebenda) war ein uruguayischer General, Architekt und Politiker der Partido Colorado. Er war Präsident von Uruguay vom 19. Juni 1938 bis zum 1. März 1943 und richtete die Außenpolitik des Landes im Zweiten Weltkrieg an den Alliierten aus.

Militärischer Werdegang Alfredo Baldomir, geb. 27. August 1884 in Montevideo, war der Sohn von Francisco Baldomir und dessen Ehefrau Eugenia Ferrari. Im März 1900 trat er in die Militärakademie (Academia Militar) ein und diente danach in der Ingenieurtruppe (División Construcciones Militares) des Heeres. Er nahm an militärischen Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit dem Aufstandsversuch von 1903 sowie an der Revolution von 1904 teil. 1907 begann er zusätzlich ein Studium an der Facultad de Matemáticas in Montevideo, das er 1911 als Architekt abschloss. Sein Studienverlauf war von besonders guten Leistungen in den bautechnischen Fächern geprägt. Ab 1914 war er im Generalstab des Heeres tätig, im September 1935 wurde er zum General befördert.

Tätigkeit als Architekt Parallel zu seiner militärischen Laufbahn war Baldomir als Architekt aktiv. Er zählte zu den Gründungsmitgliedern der Sociedad de Arquitectos del Uruguay und wirkte 1914 in deren Vorstand mit, wo er unter anderem die Congresos Panamericanos de Arquitectos förderte. Er leitete zudem die Ingenieurredaktion der Zeitschrift Naval und nahm 1930 als offizieller Delegierter am Congreso Nacional de Ingeniería teil. Als Architekt der Abteilung für Militärbauten des Heeres war er an Projekten für die Streitkräfte beteiligt und gehörte der Ehrenkommission für die Restaurierung der Festungen Santa Teresa und San Miguel an. 1931 wirkte er an der Planung zur Instandsetzung der Festung am Cerro de Montevideo mit. Zu den ihm zugeschriebenen zivilen Bauwerken in Montevideo zählen die Vivienda Etcheveste (1913), die Vivienda Tassano (1914), eine Wohnanlage für Angestellte der Banco de Seguros del Estado (1921), die Vivienda Fernández (1923), die Vivienda Carlos Baldomir (1923) sowie das Gebäude Pardo Santayana (1927).

Politische Ämter Von 1931 bis 1935 war Baldomir Polizeichef von Montevideo. In dieser Funktion trug er nach mehreren Quellen wesentlich zum Staatsstreich seines Schwagers Gabriel Terra vom 31. März 1933 bei, mit dem Parlament und Verfassung von 1918 außer Kraft gesetzt wurden und der Terra weitreichende Vollmachten verschaffte. Die Polizei unterstützte diesen Umsturz maßgeblich. Im Anschluss übernahm Baldomir von 1935 bis 1938 das Amt des Verteidigungsministers und blieb dabei eng mit Terra verbunden.

Präsidentschaft Die von Terra kontrollierte Partido Colorado trat bei den Präsidentschaftswahlen von 1938 mit zwei Kandidaturen auf: Baldomir erhielt 121.259 Stimmen, Terras Schwiegervater Eduardo Blanco Acevedo 97.988. Die oppositionelle Blanco-Partei brachte mit einem gemeinsamen Kandidaten 114.506 Stimmen auf. Baldomir wurde am 19. Juni 1938 zum Präsidenten vereidigt. Zum Vizepräsidenten ernannte er César Charlone Rodríguez, der nach einem zeitgenössischen Bericht der New York Times während des Staatsstreichs von 1942 zeitweise als Amtsinhaber galt, nachdem das Kabinett zurückgetreten war.

Während Baldomirs Präsidentschaft blieb Uruguay im Zweiten Weltkrieg formal neutral, unterstützte in der Praxis jedoch zunehmend die Alliierten. Am 13. Dezember 1939 fand vor der Küste Uruguays die Schlacht am Río de la Plata statt, bei der das deutsche Panzerschiff „Admiral Graf Spee“ nach Beschädigung durch britische Kriegsschiffe im Hafen von Montevideo Zuflucht suchte und schließlich von der Besatzung versenkt wurde. Ein Großteil der Besatzung wurde in der Folge in Argentinien und eine kleinere Restgruppe in Uruguay interniert. Im Januar 1942 brach Baldomirs Regierung die diplomatischen Beziehungen zum nationalsozialistischen Deutschland ab. Während des Krieges profitierte Uruguay wirtschaftlich vom Export von Fleisch an europäische Abnehmerstaaten, während die Regierung zugleich gegenüber Gewerkschaften und sozialer Gesetzgebung eine zurückhaltende, in Teilen restriktive Haltung einnahm und bestrebt war, die Verstaatlichung vor allem britischer Unternehmen im Land zu verhindern. Zugleich wurde die industrielle Entwicklung des Landes gefördert und ein Wachstum der städtischen Bevölkerung begünstigt.

In der Nacht zum 21. Februar 1942 entmachtete Baldomir mit Hilfe von Polizei und Feuerwehr sowohl das Parlament als auch das Wahlgericht und setzte an deren Stelle einen Staatsrat ein, mit dem er die während der Terra-Diktatur eingeführte Verfassung von 1934 aufhob. Anlass zu diesem Schritt war ein damals von der Opposition um Luis Alberto de Herrera initiiertes Misstrauensvotum im Senat gegen den Innenminister, das sich auch gegen Baldomirs außenpolitische Linie zugunsten der kontinentalen Verteidigung richtete. Das Kabinett trat zurück, um dem Präsidenten die Freiheit zum Handeln zu geben. Der Umsturz wurde in der zeitgenössischen Presse als „golpe bueno“ (guter Putsch) gefeiert, da, im Gegensatz zum Staatsstreich von 1933, weder Zensur noch Verhaftungen stattfanden. Der eingesetzte Staatsrat entwarf die neue Verfassung, die zusammen mit den allgemeinen Wahlen vom 29. November 1942 durch Volksabstimmung mit 77,17 % der Stimmen angenommen wurde und als Verfassung von 1942 in Kraft trat. Bei diesen Wahlen wurde Juan José de Amézaga zum Nachfolger Baldomirs gewählt, der am 1. März 1943 sein Amt antrat.

Von 1943 bis 1946 war Alfredo Baldomir Präsident der Banco de la República Oriental del Uruguay. Er starb am 25. Februar 1948 in Montevideo.

Weblinks

Kurz-Biographie (spanisch) auf www.biografiasyvidas.com, abgerufen am 3. Februar 2013

Einzelnachweise

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