Die Bischöfliche Stiftung Haus Hall ist ein Träger für soziale Einrichtungen mit Sitz in Gescher. Sie ist an 58 Standorten im westlichen Münsterland sowie im nördlichen Ruhrgebiet vertreten. Mit rund 2600 Mitarbeitern gehört die Stiftung Haus Hall zu den großen Arbeitgebern der Region. Sie ist dem Caritasverband angegliedert. Ihr vollständiger Name lautet „Bischöfliche Stiftung Haus Hall – Einrichtungen und Dienste für Menschen“. mini|alternativtext=Luftbild des Stiftungsgeländes in Gescher, aufgenommen im Jahr 2014|Luftbild des Stiftungsgeländes in Gescher (2014)
Geschichte
Gründung Haus Hall ist ein ehemaliges Rittergut in Gescher. Der Name geht vermutlich auf den Familiennamen „Halle“ zurück, der im Jahr 1390 erstmals urkundlich Erwähnung fand. Bis ins 19. Jahrhundert hinein wechselte Haus Hall mehrmals den Besitzer. Seit 1837 gehört es der Kirche: Der damalige Besitzer Carl Laprevotte stiftete Haus Hall der Gemeinde St. Pankratius in Gescher. Zum Betrieb einer „Erziehungsanstalt für verwahrloste Knaben katholischer Konfession“ gründete Bischof Johann Georg von Münster am 14. August 1855 die Stiftung Haus Hall. Den ihr anvertrauten Jungen zwischen 7 und 16 Jahren bot sie Betreuung, Wohnung und Arbeit, vorwiegend in Landwirtschaft und Handwerk. 1929 wurde der Auftrag um die Betreuung von Menschen mit Behinderung erweitert.
Nationalsozialismus 1937 wurden 25 Mädchen und 168 Jungen zwangsweise in staatliche Anstalten verlegt. Mindestens 26 der Kinder fielen den T4-Mordaktionen der Nationalsozialisten zum Opfer. In den Kriegsjahren konnten weitere Verlegungen von Bewohnern weitestgehend verhindert werden, unter anderem dank des schützenden Eingreifens des damaligen Bischofs von Münster, Clemens August Graf von Galen. Ab 1943 wurden zahlreiche Kinder umquartiert oder von ihren Eltern nach Haus geholt. Bis zum Kriegsende diente Haus Hall als Entbindungsheim und Kriegslazarett, ab 1945 zeitweise als Flüchtlingsunterkunft.Bernhard Frings: Zu melden sind sämtliche Patienten ... NS-„Euthanasie“ und Heil- und Pflegeanstalten im Bistum Münster. Aschendorff Verlag, Münster 1994, ISBN 3-402-03269-4.
Arbeitsfelder und Einrichtungen Zur Stiftung Haus Hall gehören heute 58 Einrichtungen, in denen rund 3.500 Menschen betreut werden. Die Arbeitsfelder der Stiftung sind:
Altenhilfe Förderschule Frühförderung Hilfe für Menschen mit Behinderungen Hospizarbeit Kindertagesstätten Werkstätten für behinderte Menschen
mini|Marienburg in Coesfeld In den verschiedenen Wohnangeboten für erwachsene Menschen mit Behinderung stehen 596 Betreuungsplätze zur Verfügung. 398 Menschen leben in ambulant betreuten Wohnformen. 50 Wohnplätze bietet Haus Hall für Kinder und Jugendliche. Am Standort Gescher betreibt die Stiftung Haus Hall eine Förderschule, an den Standorten Gescher und Coesfeld jeweils integrative Familienzentren.
Der Hauptsitz der Werkstätten Haus Hall GmbH befindet sich auf dem Stiftungsgelände in Gescher. Es gibt Zweigniederlassungen in Ahaus, Coesfeld, Stadtlohn und Velen. Zu den Werkstätten gehört außerdem der Integrationsbetrieb unicoe in Coesfeld. Am Coesfelder Standort Marienburg verfügen die Werkstätten über eine hauseigene Plantage. Mit den Erträgen produzieren sie Bio-Produkte wie Säfte und Marmeladen, die nach den Richtlinien des Naturland e. V. zertifiziert sind. Insgesamt sind 1049 Menschen in den Werkstätten Haus Hall beschäftigt (Stand 2025).
Seit 2005 betreibt die Stiftung Haus Hall Einrichtungen der Altenhilfe. 368 Betreuungsplätze umfasst das Angebot der Stationären Altenpflege. Zum Stiftungsverbund gehören der Gute Hirte in Bocholt, das Altenwohnhaus St. Josef in Legden, das Haus St. Walburga in Velen-Ramsdorf und das St. Elisabeth Haus in Isselburg. Senioren mit Behinderung werden im Haus am Schwanenteich auf dem Stiftungsgelände in Gescher betreut. Gemeinsam mit der Omega Stiftung Bocholt betreibt sie außerdem das Edith Stein Hospiz in Bocholt.
Leitbild Ihr Selbstverständnis fasst die Stiftung Haus Hall in einem Leitbild zusammen. Eine erste Version erschien 2001. Im Jahr 2017 wurde das Leitbild vollständig überarbeitet. Im Jahr 2025 erschien eine weitere Überarbeitung.
Förderverein Haus Hall e. V. Der Förderverein Haus Hall e. V. wurde 1980 von Eltern und Angehörigen gegründet und hat derzeit rund 300 Mitglieder. Wenn ausgewählte Vorhaben mit öffentlichen Mitteln nicht umgesetzt werden können, unterstützt er die Stiftung finanziell. Dafür setzt er Mitgliedsbeiträge und Spenden ein.
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Einzelnachweise
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