Pretoria ist eine Stadt im Norden der Republik Südafrika. Sie ist die exekutierende Hauptstadt des Landes. Zudem besitzen auch die Städte Kapstadt (mit dem Sitz des Parlamentes sowie dem halbjährigen Sitz der Regierung von Januar bis Juni) und Bloemfontein (mit dem Sitz des obersten Berufungsgerichts – dem „Supreme Court of Appeal“) weitere Hauptstadtfunktionen.

Pretoria liegt im nördlichen Teil der Provinz Gauteng und ist seit dem Jahr 2000 das Zentrum der Metropolgemeinde City of Tshwane Metropolitan Municipality. 2005 gewann die Metropolgemeinde den LivCom-Award in der Kategorie E (über 750.000 Einwohner) und durfte sich in jenem Jahr als „lebenswerteste Stadt der Welt“ bezeichnen.The International Awards for Liveable Communities: The Results 2005. (englisch), abgerufen am 8. April 2018.

Name der Stadt und dessen Aussprache

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Geographie Lage Pretoria liegt im Nordosten des Landes in der Provinz Gauteng, etwa 56 Kilometer nördlich von Johannesburg. Die Stadt liegt in einem warmen, geschützten und fruchtbaren Tal, das von der Kette der Magaliesberge umgeben ist, in etwa 1370 Meter Höhe über dem Meeresspiegel.

Verwaltungsbezirke Die City of Tshwane Metropolitan Municipality (CTMM) wurde am 5. Dezember 2000 als Zusammenschluss mehrerer Gemeinden des Großraums Pretoria gegründet.

Die CTMM umfasst ein großes Ballungsgebiet mit den Städten Pretoria, Centurion, Akasia sowie die weiter außerhalb liegenden Orte Mabopane, Soshanguve, Atteridgeville, Ga-Rankuwa, Winterveld, Hammanskraal, Temba, Pienaarsrivier, Crocodile River und Mamelodi. Die Gesamtfläche der Metropolgemeinde Tshwane beträgt 2.199 km².

Klima Pretoria hat ein subtropisches Höhenklima (Klimaklassifikation nach Köppen und Geiger: Cwa). Die Sonne scheint an durchschnittlich 300 Tagen im Jahr. Die Wintermonate sind mit unter 20 mm Niederschlag trocken; im Winter fallen die monatlichen Tiefsttemperaturen auf bis unter 5 °C und gelegentlich unter dem Gefrierpunkt, die Höchsttemperaturen erreichen um 20 °C. Die Sommermonate sind mit Regenmengen um 100 mm recht feucht; die mittleren Höchstwerte steigen im Sommer auf fast 30 °C, die Tiefstwerte sinken kaum unter 15 °C.

Flora mini|Blühende Jacaranda-Bäume in Pretorias Innenstadt Bekannt ist Pretoria für die ursprünglich aus dem tropischen Teil Südamerikas stammenden 70.000 Jacaranda-Bäume (Jacaranda mimosifolia), die viele Straßen im Stadtgebiet säumen, aber auch in anderen Teilen des südlichen Afrika heimisch geworden sind. Im Frühjahr (ab Oktober) prägen ihre malvenfarbenen Blüten das Stadtbild. Auf Afrikaans trägt Pretoria deshalb auch den Beinamen Jakarandastad.

Die ersten beiden Jacaranda-Bäume pflanzte der Gärtner J. D. Cilliers 1888 in seinem im Stadtteil Sunnyside gelegenen Garten. Ein Kapstädter Baumzüchter hatte die Bäumchen aus dem brasilianischen Rio de Janeiro eingeführt und an Cilliers weitergereicht. Heute stehen diese beiden Bäume auf dem Gelände einer Grundschule, der Laerskool Sunnyside.Dawie Boshoff: Jakarandastad vier fees. In: Suid-Afrikaanse Panorama. Jahrgang 35, Nummer 2 (März/April 1990), S. 73.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts führte der Pflanzenzüchter James Clarke Jacarandasamen aus Australien nach Südafrika ein, um Jacaranda-Bäume in größerem Umfang zu kultivieren. Zweihundert kleine Bäume machte er dem Gemeinderat von Pretoria im November 1906 zum Geschenk, der sie in der damaligen Kochstraat (heute Bosmanstraat) anpflanzen ließ. Der städtische Ingenieur Walton Jameson (später bekannt als Jacaranda Jim) fand Gefallen an den Bäumen und initiierte ein Programm, mit dem die Anpflanzung von Jacarandas als Straßenbäumen auf das gesamte Stadtgebiet ausgedehnt wurde. 1971 gab es bereits 55.000 Jacaranda-Bäume in Pretoria.Boshoff (1990), S. 75.

Die meisten der Jacarandas im Stadtgebiet tragen malvenfarbige Blüten, mit Ausnahme der weiß blühenden Bäume, die entlang der Herbert Bakerstraat im Stadtteil Groenkloof angepflanzt wurden.

Zwischen 1939 und 1964 feierte die Bevölkerung Pretorias jährlich den „Jacaranda-Karneval“. Nach einer längeren Unterbrechung besann man sich 1985 wieder auf diese Tradition. Seither findet ein Fest mit farbenfrohen Umzügen statt, dessen Höhepunkt die Wahl der „Jacaranda-Königin“ bildet.Boshoff (1990), S. 73.

Geschichte mini|Das Voortrekkerdenkmal Nguni-sprechende Siedler, die später unter dem Namen Ndebele und Matabele bekannt wurden (abgeleitet von Sesotho: Flüchtling), waren wahrscheinlich die ersten Bewohner, die die Lage und Fruchtbarkeit des Flusstals, das später der Ort der Stadt Pretoria wurde, erkannten und dieses besiedelten. Der Fluss wurde nach einem ihrer Häuptlinge Tshwane genannt (vom Ndebele-Wort für „kleiner Affe“); er erhielt später den Afrikaans-Namen Apiesrivier. Während der Zulu-Herrschaft im späteren Natal zogen unter der Führung von General Mzilikazi noch mehr Menschen in dieses Gebiet, da sie im Zuge der Mfecane von dem Zulu-Oberhaupt Shaka in die Flucht getrieben worden waren.

Das heutige Pretoria wurde im Jahr 1855 gegründet. Als Stadtgründer gilt Marthinus Wessel Pretorius, der den Ort nach seinem Vater Andries Pretorius benannte. Dieser Pretorius, ein General der Voortrekker, wurde unter den Buren als Volksheld verehrt, da er die Zulu in der Schlacht am Blood River vernichtend geschlagen hatte. Pretoria wurde bald darauf, 1860, anstelle von Potchefstroom zur Hauptstadt der Südafrikanischen Republik (später Transvaal). Um 1863 bestand der Ort aus etwa 50 bis 60 Gebäuden und 300 Einwohnern, unter ihnen viele Deutsche und Deutschstämmige. 1864 wurde der Raadsaal errichtet. Ab 1877 gab es eine von den Briten betriebene Telegrafenlinie. Die Ernennung Pretorias als Hauptstadt von Transvaal markiert das Ende des Großen Trecks, des burischen Fortzugs aus der Kapkolonie im 19. Jahrhundert.

Während des Ersten Burenkriegs wurde die Stadt von britischen Einheiten von Dezember 1880 bis März 1881 belagert. Der Krieg endete am 3. August 1881 mit der Unterzeichnung des Friedens von Pretoria und der Unabhängigkeit Transvaals. 1888 wurde das President Theatre eröffnet. 1895 ging die Eisenbahnlinie nach Lourenço Marques (heute Maputo) in Betrieb.

Der Zweite Burenkrieg (1899–1902) besiegelte das Ende der unabhängigen Burenrepubliken und markierte den Beginn der britischen Vorherrschaft in Südafrika. Während dieses Krieges wurde Winston Churchill im Gefängnis von Pretoria inhaftiert, ihm gelang aber die Flucht nach Mosambik. Pretoria wurde erneut von britischen Streitkräften unter der Führung von Frederick Sleigh Roberts belagert. Der Burenkrieg endete in Pretoria mit der Unterzeichnung des Friedensvertrags von Vereeniging am 31. Mai 1902.

Die Burenrepubliken Transvaal und Oranje-Freistaat wurden im Jahr 1910 mit der Kapkolonie und Natal zur Südafrikanischen Union vereinigt. Pretoria wurde die Hauptstadt des gesamten Südafrika, Kapstadt wurde zum Sitz der Legislative bestimmt. Bis 1994 war Pretoria auch die Hauptstadt der Provinz Transvaal. Am 14. Oktober 1931 wurde Pretoria das Stadtrecht verliehen. Als Südafrika im Jahr 1961 eine Republik wurde, blieb die Stadt die offizielle Hauptstadt.

Der Stadtteil Marabastad wurde bis 1920 teilweise abgerissen; ab 1945 wurden fast alle Bewohner vertrieben und nach ethnischen Gruppen aufgeteilt. In den 1960er und 1970er Jahren wurde der Stadtteil Lady Selborne, in dem es keine Rassentrennung gab, zwangsweise geräumt und abgerissen.

Im Jahr 2000 wurde Pretoria Teil der neu gegründeten City of Tshwane Metropolitan Municipality. Am 8. März 2005 stimmte der Stadtrat dem Antrag zu, Pretoria in Tshwane umzubenennen. Jedoch ist dieser Beschluss nicht rechtskräftig. Insbesondere die Lobbygruppe AfriForum wehrt sich gegen die Umbenennung. Im August 2007 wurde vom südafrikanischen Rat für geografische Namen (South African Geographical Names Council (SAGNC)) nochmals bestätigt, dass Pretoria seinen Namen behalten werde.

Bevölkerung mini|Pretorias Innenstadt In Pretoria leben 741.651 Menschen,Volkszählung 2011, abgerufen am 8. April 2018. in der Metropolregion Tshwane 2.921.488 (Stand: 2011). Die Volkszählung im Jahr 2011 ergab für Pretoria die folgende ethnische Zusammensetzung: Weiße 52,5 %, Schwarze 42,0 %, Coloured 2,5 %, Inder/Asiaten 1,9 % und Andere 1,2 %.

Die Einwohnerzahl Pretorias stieg in den letzten Jahren stark an. Im Jahr 2001 lebten 525,387 Menschen in Pretoria (Weiße 67,69 %, Schwarze 24,51 %, Coloured 6,23 %, Inder/Asiaten 1,57 %).

Im ursprünglichen Stadtgebiet in den Grenzen von vor 2000 bilden weiße Südafrikaner nach wie vor die Bevölkerungsmehrheit, während die Vorstädte Pretorias ganz überwiegend durch andere ethnische Gruppen geprägt werden. So weisen Soshanguve und Atteridgeville eine überwiegend schwarze und Laudium traditionell eine indischstämmige Einwohnermehrheit auf. Sozialer Aufstieg bedingt die zunehmende Mobilität der Einwohner, so dass sich viele indischstämmige Südafrikaner inzwischen in traditionell „weißen“ Vororten niedergelassen haben.

Umgekehrt ist wie fast überall in Südafrika ein Anwachsen der Zahl sozial benachteiligter Weißer, der sogenannten armblankes oder poor whites, zu beobachten. Vor allem Afrikaanssprachigen ohne Berufsausbildung oder mit geringer Qualifikation, die auf dem Arbeitsmarkt mit Niedrigqualifizierten aus anderen Bevölkerungsgruppen konkurrieren, droht die soziale Ausgrenzung durch Arbeitslosigkeit und Armut. Schätzungsweise gibt es im Stadtgebiet etwa achtzig Elendsquartiere, in denen verarmte Weiße in prekären Wohnverhältnissen leben.Do white people have a future in South Africa? BBC News Magazine vom 19. Mai 2013. Abgerufen am 15. Juli 2014.

Nachdem der seit 2009 amtierende Präsident Jacob Zuma dem weißen Elendsquartier Bethlehem im Westen der Stadt zuvor zweimal einen Besuch abgestattet hatte, übergab er anlässlich des Internationalen Nelson-Mandela-Tages am 18. Juli 2013 Häuser, die im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus errichtet wurden, an Bewohner der Siedlung Danville, in der arme Weiße aus Bethlehem ein neues Zuhause finden.

Jüdische Gemeinde

mini|Die Alte Synagoge in der Paul Krugerstraat Die ersten jüdischen Bürger ließen sich kurz nach der Gründung Pretorias in der Stadt nieder und trugen in den Folgejahren zum wirtschaftlichen und industriellen Aufschwung der Siedlung bei. Der Staatsanwalt De Vries war der erste Pretorianer jüdischen Glaubens. Als angesehener Bürger wurde er in den Volksraad, das Parlament der Südafrikanischen Republik, gewählt und setzte sich für die Anerkennung von Afrikaans als offizieller Sprache anstelle des Niederländischen ein. Eine weitere herausragende Persönlichkeit der jüdischen Gemeinde war Sammy Marks (1843–1920), ein Industrieller und Finanzier litauischer Herkunft, der über England nach Südafrika eingewandert war.

Die meisten jüdischen Einwanderer, die sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und im frühen 20. Jahrhundert in Südafrika niederließen, waren aufgrund der sozialen Benachteiligung in ihren Heimatländern, vor allem dem damals russischen Litauen, meist nicht in den Genuss einer umfassenden Bildung gekommen. So waren die Sprachkenntnisse der jüdischen Neuankömmlinge in Pretoria in der Regel auf ihre Muttersprache Jiddisch beschränkt, nur wenige sprachen Englisch oder gar Niederländisch und Afrikaans. Eine erste Beschäftigungsmöglichkeit bot der Einzelhandel. Viele Jiddischsprechende betrieben kleine Läden. Während des Burenkrieges wahrten die meisten jüdischen Pretorianer ihre Neutralität, einzelne Bürger dienten aber als Freiwillige in den Streitkräften der Südafrikanischen Republik und kämpften gegen die Briten.