mini|hochkant|Ältester erhaltener preußischer Meilenstein in Magdeburg, Sachsen-Anhalt mini|hochkant|Hannoverischer Meilenstein bei Vogelsang, Niedersachsen mini|hochkant|Mecklenburg-Strelitzer Meilenstein in Neubrandenburg, Mecklenburg-Vorpommern mini|hochkant|Preußischer Rundkopfmeilenstein in Hoven, Nordrhein-Westfalen mini|hochkant|Römischer Meilenstein in Kirchberg, Rheinland-Pfalz mini|hochkant|Anhaltischer Meilenstein bei Güsten, Sachsen-Anhalt mini|hochkant|Preußischer Meilenobelisk in Rheinsberg, Brandenburg mini|hochkant|Rekonstruierter Preußischer Meilenobelisk in der Leipziger Straße, Berlin mini|hochkant|Ganzmeilensäule in Sangenstedt, Niedersachsen mini|hochkant|Preußischer Meilenstein bei Landkern, Rheinland-Pfalz
Ein Meilenstein, auch Postmeilensäule (auch Halbmeilenstein bzw. Posthalbmeilensäule), ist ein in regelmäßigen Abständen an Straßen errichteter Entfernungsanzeiger. Meilensteine gehören wie Wegkreuze oder Bildstöcke zu den Kleindenkmälern und unter diesen zu den Distanzsteinen.
Allgemein Meilensteine sind steinerne Entfernungsanzeiger. Sie gehörten jahrtausendelang zur Grundausstattung zahlreicher Arten von Straßen, insbesondere aber der Chausseen (auch Kunststraßen genannt). Europaweite Verbreitung finden sie erstmals durch das Römische Imperium, weltweite später durch das Britische Empire. In Deutschland wurden sie im 18. und 19. Jahrhundert in großen Mengen aufgestellt und insbesondere durch das expandierende Preußen weit verbreitet. Die Meilensteine des 18. Jahrhunderts waren mehrheitlich Postmeilensteine, die der Post zur Berechnung des Portos und für den Reiseverkehr dienten, die des 19. Jahrhunderts werden zur leichteren Unterscheidung oft auch Chausseemeilensteine oder kurz Chausseesteine genannt.
Aufgrund der zahlreichen kleinen Territorien entstand in Deutschland eine gewisse Formenvielfalt, doch auch innerhalb der größeren Systeme von Sachsen und Preußen sind hier verschiedene Formen, Größen und Beschriftungsarten bekannt. Dazu zählen besonders oft Obelisken (Preußen, Sachsen, Hannover) und Rundsäulen (Preußen ab ca. 1835, Anhalt, Mecklenburg-Strelitz) an Ganzmeilenstandorten. Daneben gibt es z. B. Würfel, Glocken (Preußen) oder aufrecht stehende Platten (Sachsen, Oldenburg). In Österreich-Ungarn finden sich ebenso Meilensteine wie in England, den USA oder Australien. Als direkte Nachfolger der Meilensteine wurden in vielen Staaten auch Kilometersteine aufgestellt. Es gibt aber auch zahlreiche Länder und Staaten, die nie Meilensteine besaßen. So geht man für den Kleinstaat Sachsen-Meiningen davon aus, dass hier erst mit der Einführung des Kilometers auch Steine entlang der Straßen gesetzt wurden. Hier S. 42. Ebenso sind für Württemberg keine Meilensteine bekannt.
Im Laufe der Zeit wurde die Gestalt der Steine schlichter, da sie anfangs auch hohen repräsentativen Wert besaßen, später aber aufgrund der Menge zu hohe Kosten verursacht hätten. Dadurch ist oft auch eine ungefähre zeitliche Einordnung der Steine möglich und es treten zum Beispiel in Sachsen starke Unterschiede zwischen Meilensteinen des 18. und 19. Jahrhunderts auf. In Preußen unterscheiden sie sich teilweise sogar innerhalb einer Region, etwa dem Herzogtum Magdeburg, nach Jahrzehnten.
Altertum Römisches Reich
Das Römische Reich verfügte über ein sehr gut ausgebautes Straßensystem, die „Römerstraßen“. Nach 123 v. Chr. wurden an diesen Straßen sogenannte Miliaria errichtet. In bestimmten vormals keltischen Gebieten der nördlichen Provinzen standen die Steine im Abstand einer Leuge und wurden daher „Leugensteine“ genannt. 1993 gefunden wurde der Stadiasmus Patarensis. Römische Meilensteine gelten als gut erforscht und werden seit 1986 im Rahmen der Erforschung der Inschriften im Corpus Inscriptionum Latinarum katalogisiert (Reihe Miliaria Imperii Romani).
Neuzeit: Deutschland Meilensteine wurden in den deutschen Staaten insbesondere entlang von Poststraßen, Chausseen (häufig auch Kunststraßen genannt) und Eisenbahnstrecken errichtet, weshalb man sie auch in Postmeilensteine, Chausseemeilensteine und Eisenbahnmeilensteine unterscheidet. Postmeilensteine sind eher ein Phänomen des 18. Jahrhunderts, die anderen beiden Typen dominieren das 19. Jahrhundert. Mit der Einführung des Kilometers im Deutschen Reich, ein von 1868 bis 1874 währender Prozess, endete das Zeitalter der Meilensteine in Deutschland. Fortan errichtete man Kilometersteine sowohl an Straßen als auch den Eisenbahnlinien (siehe Bahnstreckenkilometer).
Bayern Ähnlich wie in Baden-Württemberg gab es in Bayern Stundensäulen anstelle von Meilensteinen. Allerdings wird angenommen, dass in den im Jahr 1792 an Preußen gefallenen Fürstentümern Bayreuth und Ansbach Meilensteine gesetzt wurden. Die heute dort anzutreffenden Obelisken tragen allerdings Stunden- bzw. Kilometerangaben und beide gehörten als Ansbach-Bayreuth auch nur bis zum Jahr 1805 zu Preußen. Dies betrifft zum Beispiel die Postsäule Kulmbach von 1791, die im Denkmalverzeichnis Meilenstein genannt wird.
Berlin Die erste preußischen Chausseen entstanden in Berlin als Verbindungen zu den nahen Residenzen. Sie waren jeweils mit Meilensteinen besetzt.Rolf Zimmermann: Die Krönungsmeilensteine (Residenzwege-Meilensteine) im Kurfürstentum Brandenburg und dem Königreich Preußen. In: Das Meilenstein-Journal 90 (2025), S. 8–19. Zudem waren viele preußische Meilensteine auf Berlin als Anfangspunkt der Messung (Nullpunkt) ausgerichtet. An den Spittelkolonnaden steht seit 1979 an der Leipziger Straße die Kopie des preußischen „Null-Meilensteins“ von 1730, der früher auf dem Dönhoffplatz stand. Der Meilenstein II Meilen bis Berlin an der Kreuzung Hönower Straße / Hultschiner Damm ist ein Kulturdenkmal und gehört zum Typ der ab den 1830er Jahren gesetzten Rundsockelsteine, der sich noch an verschiedenen Stellen der Stadt finden lässt. Hier fälschlich auf 1792 datiert. Derartige Säulen stehen etwa in Westend, Britz oder Heiligensee.
Kurz vor der Einführung der kostengünstigeren Rundsockelsteine wurde 1832 der Obelisk in Staaken (III Meilen bis Berlin) an der Poststraße nach Hamburg errichtet.Wolfgang Fredrich: Die Geschichte der Berliner Meilensteine (Teil 14): Zum Meilenobelisken Berlin-Staaken. In: Das Meilenstein-Journal 83 (2022), S. 51–53. In Tegel befindet sich ein weiterer Ganzmeilenobelisk derselben Verbindung.Wolfgang Fredrich: Die Geschichte der Berliner Meilensteine (Teil 13): Von Berlin bis Hennigsdorf. In: Das Meilenstein-Journal 82 (2021), S. 34–41. Ein nur in Berlin vertretener Typ ist dem Goldenen Meilenstein in Rom nachempfunden. Solche Kugelmeilensteine finden sich etwa in Zehlendorf, Wannsee oder Charlottenburg, also entlang der Chaussee nach Potsdam.Wolfgang Fredrich: Die Geschichte der Berliner Meilensteine (Teil 4). In: Das Meilenstein-Journal 61 (2011), S. 18–24.
Brandenburg Der Dreißigjährige Krieg brachte Wirtschaft und Handel im Lebuser Land zum Erliegen. Die Wege verfielen und wuchsen zu, daher ließ der Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg im Jahre 1646 eine neue Post- und Handelslinie einrichtenOtto Sann: Der Postkurs Berlin-Breslau in seinen Anfängen. In: Märkische Blätter. Heimatkundliche Beilage zur Oder-Zeitung. Nr. 19, vom 23. Januar 1937, .. Ihr Verlauf entsprach bereits in großen Teilen dem Verlauf der heutigen Bundesstraße 1 in Brandenburg. Sie führte von Kleve im Rheinland (ab 1614 zu Brandenburg gehörig), über Berlin, durch das Lebuser Land, nach Küstrin, durch das damalige Königreich Polen nach Königsberg (Preußen) im damaligen Herzogtum Preußen (1618 zu Brandenburg), heute Kaliningrad, Russland. Eine weitere Postlinie von Berlin durch das Lebuser Land über Frankfurt (Oder) bis in den österreichischen Teil Schlesiens war ab etwa 1660 verfügbar. Ihrem Verlauf folgte später in weiten Teilen die Reichsstraße 5, heute mit einigen Veränderungen die Bundesstraße 5. Der alte Handelsweg nach Küstrin von Frankfurt (Oder) über Lebus stellte um 1670 vermutlich eine Querverbindung dar. Für diese unbefestigten Wege wurden auf Befehl des Kurfürsten Friedrich III., dem späteren Friedrich I., König von Preußen um 1698 die ersten Wegweiser an den Wegkreuzungen errichtet. Sie sollten zierlich sein, als weisender bloßer Arm eines römischen Kriegers, aus Holz geschnitten und an einem Eichenpfahl befestigt. Dieser Pfahl wurde mit gelber Farbe gestrichen, ab 1704 blau-weiß-orange, nach dem Siebenjährigen Krieg in den preußischen Landesfarben schwarz-weiß, zusätzlich war er mit Entfernungsangaben versehen.
Erste Meilensäulen an der Straße zwischen Berlin und den beiden Residenzen Oranienburg und Potsdam sind ebenfalls aus dieser Zeit bekannt. Auf einer Zeichnung des Architekten Christian Eltester (1671–1700) von 1699, sieht man einen Stein mit lateinischer Inschrift: „ab urbe lapis II M passus distat“, auf Deutsch etwa: „von der Stadt (ist) der Stein zwei Meilen entfernt“. Oben ist eine Krone mit den Initialen „F3“ für „Friedrich III.“ aufgesetzt. Die „II M“(eilen) beziehen sich demnach auf einen Stein bei Zehlendorf. Ein weiterer Stein wird 1798 auch für Potsdam beschrieben: „Neben dem neuen Obelisk vor der langen Brücke stehet der von Churfürst Friedrich III. gesetzte kleinere Meilenstein: Auf welchem eingehauen ist Vierter Stein vier Meilen von Berlin 1700, auf der Morgen- und Abendseite siehet man den Namenszug, und darüber den Churhuth“.Carl Christian Horvath (Hrsg.): Potsdam's Merkwürdigkeiten beschrieben, und durch Plans und Prospekte. erläutert. Carl Christian Horvath, Potsdam 1798, S. 116.
Im Zuge der Erweiterung des Verkehrsnetzes und der Befestigung der Straßen wurden ab 1800 die Poststraßen zur besseren Errechnung der Gebühren vermessen und planmäßig angelegt. Die nun über längere Strecken geradlinig verlaufenden und befestigten Straßen, „Kunststraßen“, „Steinstraßen“ oder „Chausseen“ genannt, erhielten zur Orientierung über die Entfernungen und zur Einhaltung der vorgegebenen Wegezeiten für die Reit- und Fahrpost entsprechende Markierungen in Form von Meilensteinen. Die preußische Meile hatte eine Länge von 7,532 km. Der Nullpunkt der Vermessung aller preußischen Poststraßen in Berlin befand sich am alten Leipziger Tor in der Nähe des Dönhoffplatzes. Im Jahre 1979 wurde am Dönhoffplatz, in der Leipziger Straße, die halbkreisförmigen Spittelkolonnaden wiederhergestellt und in ihrem Zentrum die Nachbildung einer Postmeilensäule errichtet, welche 1730 als steinerner Obelisk („Meilenzeiger“) den Beginn der Entfernungsangabe nach Potsdam markierte, hier war die „Meile Null“ der Reichsstraße 1. Der Standort befindet sich wenige Meter vom ursprünglichen Aufstellplatz entfernt. Als Standort des Nullpunkts der Vermessung aller preußischen Poststraßen in Berlin werden auch andere Stadttore, das Schloss (bzw. die Adlersäule vor dem Schloss) und die Fahnenstange am Rathaus vermutet.
Während die kursächsischen Postmeilensäulen und -steine bis auf geringfügige Abweichungen annähernd gleich sind, gab es in Preußen im Laufe der Zeit unterschiedlichste Formen. Im Lebuser Land sind es zwei Varianten: