mini|Selbstbildnis Mattia Pretis im Bild Predigt Johannes des TäufersSan Domenico, Taverna Mattia Preti (* 24. Februar 1613 in Taverna, Kalabrien; † 3. Januar 1699 in Valletta, Malta)„Preti, Mattia“, in: Lexikon der Kunst, Bd. 9, Karl Müller Verlag, Erlangen, 1994, S. 290 war ein italienischer Maler des Barock und Ordensritter der Malteser, der vor allem in Neapel, Rom und Malta tätig war. Weil Preti aus dem süditalienischen Kalabrien stammte, nannte man ihn auch „Il Cavalier Calabrese“.d. h. als „Ritter (oder Kavalier) aus Kalabrien“Bernardo De Dominici: Notizie della vita del Cavaliere Fra Mattia Preti. Zefirino Micallef, Malta 1864.

Leben Mattia Preti stammte aus der angesehenen und alteingesessenen Familie der Presbiteri und wurde am 24. Februar 1613 in Taverna (Kalabrien) als eines von 6 Kindern von Cesare Preti und Innocenza Schipano geboren.Bernardo De Dominici: Notizie della vita del Cavaliere Fra Mattia Preti, Zefirino Micallef, Malta, 1864, S. 6 Er hatte drei Schwestern und zwei Brüder und erhielt zunächst Unterricht in Grammatik und Wissenschaften. Er zeigte auch früh eine Begabung im Zeichnen und war außerdem ein Freund der Fechtkunst, die er mit adligen Freunden praktizierte.Bernardo De Dominici: Notizie della vita del Cavaliere Fra Mattia Preti, Zefirino Micallef, Malta 1864, S. 6–7. mini|hochkant|Der ungläubige Thomas, 187 × 145,5 cm,Kunsthistorisches Museum, Wien

Nach der Überlieferung seines Biografen Bernardo De Dominici hatte Mattia Preti ein bewegtes, teilweise rocamboleskes Leben, doch sind einige Anekdoten entweder nicht dokumentiert oder widerlegt.

Mit 17 Jahren ging er 1630 nach einem kurzen Aufenthalt in NeapelEin Onkel mütterlicherseits, also aus der Familie Schipano, lebte in Neapel. nach Rom zu seinem älteren Bruder Gregorio (1603–1672), der seit 1624 in der ewigen Stadt lebte und in der Gesellschaft bereits etabliert war.Christophe Castandet: Gregorio Preti, calabrese (1603-1672) – un problema aperto, 5. November 2004 (Zusammenfassung zum gleichnamigen Ausstellungskatalog von R. Vodret & G. Leone), online auf La Tribune de l'Art (Französisch; abgerufen am 4. März 2019)Bernardo De Dominici: Notizie della vita del Cavaliere Fra Mattia Preti, Zefirino Micallef, Malta, 1864, S. 7 Mattia erhielt seine erste Ausbildung offenbar bei seinem Bruder, mit dem er während seiner römischen Zeit auch zusammenarbeitete. Er bekam außerdem Unterricht in Mathematik, Architektur, Perspektive und Geschichte. Wenn man De Dominici Glauben schenken kann, beschränkte Mattia sich lange Zeit ausschließlich aufs Zeichnen, obwohl er in Rom bereits mit bedeutenden Künstlern wie Domenichino und Lanfranco in Kontakt kam,Bernardo De Dominici: Notizie della vita del Cavaliere Fra Mattia Preti, Zefirino Micallef, Malta, 1864, S. 10 und laut eigener Aussage besonders die Fresken von Annibale Carracci in der Galleria Farnese und die Stanzen des Raffael bewunderte.Bernardo De Dominici: Notizie della vita del Cavaliere Fra Mattia Preti, Zefirino Micallef, Malta, 1864, S. 8 Nachdem Mattia im Petersdom ein Bild der Santa Petronilla von Guercino gesehen hatte, war er so begeistert, dass er zu diesem nach Cento fuhr, und sein Schüler wurde.Bernardo De Dominici: Notizie della vita del Cavaliere Fra Mattia Preti, Zefirino Micallef, Malta, 1864, S. 10–12, auch S. 29 Sein erstes mit Farben koloriertes Bild – eine Heilige Magdalena – soll er laut De Dominici angeblich erst mit 26 Jahren (also 1639) und nach Aufforderung durch Guercino gemalt haben.Bernardo De Dominici: Notizie della vita del Cavaliere Fra Mattia Preti, Zefirino Micallef, Malta, 1864, S. 10–12

Es folgten Reisen nach Parma und Venedig – wo er vor allem die Werke von Veronese studierte und auch einige Bilder gemalt haben soll, die nicht erhalten sind –Bernardo De Dominici: Notizie della vita del Cavaliere Fra Mattia Preti, Zefirino Micallef, Malta, 1864, S. 12–13Ein Aufenthalt in Venedig ist auch durch seine Grabinschrift und einige andere Fakten bezeugt, u. a. auch durch stilistische Anleihen an Veronese (u. a. in den Fresken der St. John's Co-Cathedral in La Valletta). , später sei er auch in Mailand und Genua und sogar in Paris und Antwerpen (bei Rubens) gewesen,Bernardo De Dominici: Notizie della vita del Cavaliere Fra Mattia Preti, Zefirino Micallef, Malta, 1864, S. 14–16 doch sind diese Reisen nicht dokumentarisch belegt.

Nach mehreren Jahren Abwesenheit kehrte er nach Rom zurück.Bernardo De Dominici: Notizie della vita del Cavaliere Fra Mattia Preti, Zefirino Micallef, Malta, 1864, S. 16. Dort malte er u. a. einige Bilder für Papst Urban VIII. und Olimpia Maidalchini, die zum Dank seine Ernennung zum Malteserritter förderten (im Range eines Magistralritters). Nachdem er auch die erforderlichen Adelsnachweise hatte erbringen können, fand die feierliche Zeremonie am 31. Oktober 1642 in der Kirche Sant’Anna di Borgo in Rom statt.Bernardo De Dominici: Notizie della vita del Cavaliere Fra Mattia Preti, Zefirino Micallef, Malta, 1864, S. 17–19; hier: S. 19 Es entstanden weitere Gemälde für römische Adlige, wie für Kardinal Rospigliosi, der ihn schon früher gefördert hatte.

Laut einer von De Dominicis berichteten Anekdote habe sich der mittlerweile als Cavalier Calabrese bekannte Mattia Preti auf ein öffentliches Duell mit einem deutschen Haudegen eingelassen, in der Folge habe der kaiserliche Botschafter angeblich Pretis Auslieferung und seinen Tod gefordert.Obwohl der Herausforderer entkommen konnte. Bernardo De Dominici: Notizie della vita del Cavaliere Fra Mattia Preti, Zefirino Micallef, Malta, 1864, S. 20–22; hier: S. 22 Der Papst habe ihn daher heimlich per Schiff nach Malta fliehen lassen, wo er jedoch von einem Ritter wegen seiner Malerei beleidigt und herausgefordert worden sei – es sei wieder zu einem Duell gekommen, in dessen Verlauf der andere getötet wurde.Bernardo De Dominici: Notizie della vita del Cavaliere Fra Mattia Preti, Zefirino Micallef, Malta, 1864, S. 20–22; hier: S. 22 Aus Angst vor einer Verurteilung durch den Großmeister der Malteser sei Preti übers Meer nach Livorno geflohen, wo er mit dem päpstlichen Nuntius an den spanischen Königshof nach Madrid ging.Bernardo De Dominici: Notizie della vita del Cavaliere Fra Mattia Preti, Zefirino Micallef, Malta, 1864, S. 23

mini|hochkant|Martyrium des Hl. Andreas (1651),Sant’Andrea della Valle, Rom Nach dem Tode Urbans VIII. wurde Preti vom nächsten Papst Innozenz X. Pamphilj nach Rom zurückgerufen.Bernardo De Dominici: Notizie della vita del Cavaliere Fra Mattia Preti, Zefirino Micallef, Malta, 1864, S. 24 Da die römische Malerei nun völlig von Pietro da Cortona und Lanfranco beherrscht wurde, erhielt er jedoch laut De Dominici nur wenige Aufträge und ging schließlich zurück zu seinem Lehrer Guercino nach Cento.Bernardo De Dominici: Notizie della vita del Cavaliere Fra Mattia Preti, Zefirino Micallef, Malta, 1864, S. 25–26 Dieser vermittelte ihm einen Auftrag für die Kuppelfresken in der Karmeliterkirche (oder San Biagio) von Modena, mit einer Darstellung der Trinität mit der Jungfrau und Hl. Carmelitern.Bernardo De Dominici: Notizie della vita del Cavaliere Fra Mattia Preti, Zefirino Micallef, Malta, 1864, S. 26–28Laut De Gennaro war er erst 1651–52 in Modena (siehe unten). Es folgten nicht dokumentierte Aufenthalte in Bologna, Florenz und Venedig.Bernardo De Dominici: Notizie della vita del Cavaliere Fra Mattia Preti, Zefirino Micallef, Malta, 1864, S. 28–31

Schließlich kehrte Preti nach Rom zurück und machte sich durch diverse herausragende Gemälde einen Namen. 1653Nach P. Orlando erst 1657, aber das bestreitet De Dominici mit dem Hinweis darauf, dass Preti ab 1656 bereits in Neapel war. Bernardo De Dominici: Notizie della vita del Cavaliere Fra Mattia Preti, Zefirino Micallef, Malta, 1864, S. 31–33 wurde er für seine Zeichnung Triumph des Oriris und der Niobe in die Accademia di San Luca aufgenommen.Bernardo De Dominici: Notizie della vita del Cavaliere Fra Mattia Preti, Zefirino Micallef, Malta, 1864, S. 31–33 Weitere bedeutende Aufträge in Rom waren der Hauptaltar in San Pantaleone und die am 8. April 1651 fertiggestellten drei großen Gemälde mit Szenen aus dem Leben des Hl. Andreas in der Apsis von Sant’Andrea della Valle, die er angesichts der riesigen Dimensionen der Kirche und angeblich auf Anraten von Pietro da Cortona überlebensgroß malte. Genau diese gigantische Darstellung rief bei den Zeitgenossen so viel Kritik hervor, dass sich Preti letztendlich enttäuscht von Rom abwandte.Bernardo De Dominici: Notizie della vita del Cavaliere Fra Mattia Preti, Zefirino Micallef, Malta, 1864, S. 36–38; hier: 38

Für den Zeitraum vom 4. Oktober 1651 bis zum 28. März 1652 ist ein Aufenthalt Pretis am Hofe des Francesco I. in Modena nachweisbar, wo er Werke für diverse Kirchen schuf u. a. Fresken in einer Seitenkapelle des Doms. Erhalten sind jedoch nur die bereits erwähnten Kuppelfresken in der Karmeliterkirche San Biagio. Nach Rom zurückgekehrt entstand 1652 die Almosenverteilung des Hl. Karl Borromäus in San Carlo ai Catinari.

mini|hochkant|Madonna von Konstantinopel, 1656,Museo Nazionale di Capodimonte, Neapel

Nach neueren Forschungen war er bereits ab 1653 in Neapel.J. T. Spike: Mattia Preti: i documenti, hrsg. v. J. T. Spike, Florenz 1998, S. 78–133. Hier nach: Laut De Dominici erst Ende 1656. Siehe Bernardo De Dominici: Notizie della vita del Cavaliere Fra Mattia Preti, Zefirino Micallef, Malta, 1864, S. 36–38; hier: 38 In der Kirche San Domenico Soriano malte er die Glorie des Hl. Nicolaus von Bari (1653) und spektakuläre Kuppelfresken (1655?), die zu seinen bedeutendsten Werken gehörten, aber mittlerweile verschwunden sind.Bernardo De Dominici: Notizie della vita del Cavaliere Fra Mattia Preti, Zefirino Micallef, Malta, 1864, S. 64 Es folgten weitere Malereien in diversen anderen Kirchen Neapels, u. a. in San Pietro a Majella.

Als Neapel 1656 von der Pest heimgesucht wurde, starben mehrere bedeutende Maler der lokalen Kunstszene. Im November desselben Jahres erhielt Preti den Auftrag, die sieben Stadttore mit Fresken der Madonna mit dem Jesuskind und mit neapolitanischen Heiligen zu bemalen;De Dominici berichtete im Zusammenhang mit den Fresken der Stadttore eine rocamboleske Anekdote, laut derer der Maler während Handgreiflichkeiten wiederum zum Degen griff, einen Menschen tötete, im Gefängnis landete und zum Tode verurteilt wurde. Erst als der Vizekönig Don Garcia de Avellaneda e de Haro, Conde de Castrillo, erfuhr, dass es sich um den bekannten Maler Mattia Preti handelte, den er selber in Rom im Haus der Olimpia Maidalchini kennengelernt hatte, wurde der Maler freigelassen, musste jedoch als Entschädigung gratis die sieben Stadttore mit den genannten Fresken bemalen. Als die Führer Neapels schließlich die exzellenten Malereien Pretis sahen, hätten sie ihm trotz der abzubüßenden Strafe 300 Dukaten geschenkt. Siehe: Bernardo De Dominici: Notizie della vita del Cavaliere Fra Mattia Preti, Zefirino Micallef, Malta, 1864, 38–40 & S. 46–47 neben den Heiligenfiguren waren darauf auch Szenen mit Pestopfern und -kranken zu sehen. Von diesen Fresken, die zu seinen Hauptwerken gehörten, ist heute (Stand 2019) nur noch die Porta San Gennaro sehr rudimentär erhalten, es existieren außerdem zwei Bozzetti im Museo di Capodimonte in Neapel und verschiedene vorbereitende Skizzen. Zur gleichen Zeit schuf er auch eine Madonna von Konstantinopel als ex voto für seine Cousins Schipano, die auch in Neapel lebten (heute im Museo Nazionale di Capodimonte, Neapel). mini|Gastmahl des Herodes, 1656–1661, Öl auf Leinwand, 177,8 × 252,1 cm,Toledo Museum of Art, Toledo (Ohio)