Das Bistum Mainz () ist eine Diözese der römisch-katholischen Kirche in Deutschland und gehört zur Oberrheinischen Kirchenprovinz.

Lage und Bedeutung Das heutige Bistum Mainz liegt in Teilen der Länder Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Es teilt sich hauptsächlich auf in zwei Flächen, die durch zum Bistum Limburg gehörende Bereiche der Stadt Frankfurt am Main voneinander getrennt sind; die Frankfurter Stadtteile Harheim, Nieder-Erlenbach und Nieder-Eschbach gehören jedoch nicht zum Bistum Limburg, sondern zum Bistum Mainz. Der südliche Teil rund um Mainz liegt in Rheinhessen mit dem ehemaligen Bischofssitz Worms und den südmainischen Teil von Hessen, der weitgehend mit der ehemaligen Provinz Starkenburg identisch ist. Der nördliche Teil des Bistums Mainz umfasst im Wesentlichen die Wetterau und den Vogelsberg mit der Stadt Gießen. Außerdem gehört weiter südöstlich die Exklave Bad Wimpfen in Baden-Württemberg zum Bistum. Es umfasst somit alle Gebiete, die im 19. Jahrhundert zum Großherzogtum Hessen (Hessen-Darmstadt) gehörten.

Die Diözese kann auf eine 1600-jährige Geschichte zurückblicken, davon rund tausend Jahre als Erzbistum. Die Mainzer Erzbischöfe gehörten als Kurfürsten und Reichserzkanzler zu den einflussreichsten Männern des Heiligen Römischen Reiches.

Mainz führt den alten Titel Der Heilige Stuhl von Mainz, besondere wahre Tochter der Römischen Kirche ()., herausgegeben von Domdekan Prälat Heinz Heckwolf. (Siehe Seite 5.) Während in der Alten Kirche die Bezeichnung Heiliger Stuhl synonym zu bischöflicher Stuhl für jeden Bischofssitz verwendet wurde, trägt inzwischen neben Rom lediglich das Bistum Mainz noch die Bezeichnung Heiliger Stuhl.

Geschichte

Die Anfänge des Bistums in römischer und fränkischer Zeit Die ersten Christen in Mainz gab es vielleicht schon während des 2. Jahrhunderts. Der Lyoner Bischof Irenäus erwähnt Christen, die in den „beiden Germanien“ wohnen. Mainz war damals Hauptstadt der Provinz Germania superior, weswegen es denkbar ist, dass sich Irenäus auf eine dort befindliche Gemeinde bezieht.Dassmann in: Handbuch der Mainzer Kirchengeschichte. Band 1/1, S. 22. Der älteste archäologische Nachweis von Christen im Umland von Mainz stammt mit der Frankfurter Silberinschrift etwa aus der Zeit zwischen 230 und 270 n. Chr. Eine bischöflich verfasste Gemeinde ist für diese Zeit jedoch nicht nachweisbar.

Mainzer Bischöfe sind erst ab dem 4. Jahrhundert denkbar.Zur ganzen Problematik: Nopper: Die vorbonifatianischen Bischöfe, S. 26 ff. Namen sind jedoch nur unsicher überliefert, sie stammen aus einer später niedergeschriebenen Liste, die dann noch mehrmals ergänzt wurde. Der erste Bischof, der außerhalb dieser Liste mit Namen nachgewiesen ist, war der nach 580 gestorbene Aquitanier Sidonius, der bereits der fränkischen Zeit des Bistums zuzuordnen ist. Sidonius war faktisch auch Stadtherr von Mainz und führte die von der Völkerwanderung arg gebeutelte Metropole zu einer neuen Blütezeit. Auf ihn geht wohl das Martinspatrozinium des Doms zurück.Dassmann in: Handbuch der Mainzer Kirchengeschichte. Band 1/1, S. 52. Bis heute ist der Heilige Martin von Tours Patron des Bistums.

Das kirchliche Leben in Mainz und im Reich begann während der fränkischen Herrschaft jedoch bald wieder zu verfallen. Im 7. und 8. Jahrhundert brachen daher Mönche aus Irland und Schottland zur Mission des Festlands auf. Eine Generation später brach als wichtigster Vertreter der angelsächsischen Mission der aus Wessex stammende Bonifatius ins Frankenreich auf. Dieser wurde bald zu einer führenden Persönlichkeit der fränkischen Kirche. Um 747 wurde er Bischof von Mainz; obwohl er selber Missions-Erzbischof war (ohne Sitz, seit 732), blieb Mainz ein Bistum.Georg Wilhelm Sante: Bonifatius und die Begründung des Mainzer Bistums. In: Historisches Jahrbuch. 1937 (57), S. 157–197.

753 brach Bonifatius zu einer Missionsreise auf und überließ die Führung des Bistums seinem Schüler Lullus, den er zum Chorbischof gemacht hatte. Als Bonifatius 754 während seiner Reise getötet wurde, folgte ihm Lullus als Bischof von Mainz nach. Lullus gelang es im Laufe seiner Amtszeit, die Erhebung seiner Diözese zum Erzbistum zu erreichen (780/82). Als Suffragane erhielt er mindestens die Bistümer Worms, Speyer, Würzburg und Eichstätt. Bis 973 kamen noch die Bistümer Konstanz, Straßburg, Paderborn, Halberstadt, Verden, Hildesheim, Chur, Augsburg, Havelberg und Brandenburg (beide bis 968), Prag und Olmütz hinzu, was Mainz zur größten Kirchenprovinz nördlich der Alpen machte.

Mittelalter mini|Wappen des Bistums Mainz mini|Der Mainzer Dom an Fronleichnam 2007

Nach der Teilung des Reiches in ein Ostfrankenreich (später Deutschland) und ein Westfrankenreich (später Frankreich) fiel den Mainzer Erzbischöfen eine wichtige Rolle im Reichsgefüge zu. Der ostfränkische König Heinrich I. ernannte den Mainzer Erzbischof Heriger 922 zum Erzkapellan der Hofkapelle. Damit unterstand dem Erzbischof die gesamte Geistlichkeit am königlichen Hof. Otto I., der vom Mainzer Erzbischof Hildebert gesalbt und gekrönt worden war, stützte seine Regierung noch mehr auf die Bischöfe des Reiches, die er mit hohen Reichsämtern belehnte. Der Mainzer Erzbischof war ab dieser Zeit nicht nur Oberhirte seiner Diözese, sondern auch Reichsfürst.

955 nannte sich der Mainzer Erzbischof Wilhelm zum ersten Mal Diener des „Heiligen Stuhls von Mainz“, ein Titel, den die Diözese bis heute führt.Hehl in: Handbuch der Mainzer Kirchengeschichte. Band 1/1, S. 198. 965 wurde er wie einige seiner Vorgänger zum Erzkapellan ernannt. Das Amt, das später Erzkanzleramt für Deutschland hieß, blieb danach bis zum Ende des Reiches mit dem Mainzer Bischofsstuhl verbunden.

975 wurde der am Hofe des Kaisers dienende Willigis Erzbischof von Mainz. Sein Pontifikat ist für die Mainzer Kirche in mehrfacher Hinsicht von großer Bedeutung. Zum einen ließ Willigis, der sich als Vertreter des Papstes nördlich der Alpen betrachtete, in seiner Bischofsstadt eine für damalige Maßstäbe sehr große Kathedrale errichten, die von der Größe und Bedeutung der Mainzer Kirche künden sollte und die bis heute das Stadtbild prägt. Zum anderen war Willigis auch ein geschickter Politiker. 983 erreichte er durch die Veroneser Schenkung auf dem Reichstag von Verona von Otto II. die Schenkung größerer Ländereien an der Nahe und im Rheingau. In diesen Territorien war der Erzbischof nun Landesherr, aus ihnen entwickelte sich der spätere Kurstaat.

Die Rolle als Reichspolitiker fiel zumindest im Mittelalter jedem der Mainzer Erzbischöfe zu. Das war schon darin begründet, dass sich im Reich hinsichtlich der Thronfolge nie ein Geblütsrecht durchsetzen konnte, der neue König also immer von den Fürsten gewählt werden musste. Der Mainzer Erzbischof gehörte zum Kreis der sieben Kurfürsten, denen dieses Wahlrecht schließlich ausschließlich zukam. Er galt formal als ranghöchster Reichsfürst, der die Wahl einzuberufen und zu leiten hatte. Als solcher war er aber auch der geborene Vermittler zwischen Kaiser und Papst während der vielen Konflikte zwischen Imperium und Sacerdotium.

Neuzeit und Reformation mini|Albrecht von Brandenburg Eine entscheidende Zäsur in der Bistumsgeschichte stellt die Reformation dar. Obwohl der kirchliche Reformbedarf lange erkannt worden war, blieben konkrete Anstrengungen zur Durchsetzung aus. Der Protest Martin Luthers gegen den kirchlichen Ablasshandel reichte 1517 aus, um die Reformation in Gang zu setzen, die zur Spaltung der abendländischen Christenheit führte. Der damalige Mainzer Erzbischof Albrecht von Brandenburg war hieran nicht unbeteiligt, da er aufgrund des Wirkens des Dominikaners Johann Tetzel zu den großen Förderern des Ablasshandels gehörte, von dem er finanziell abhängig war.

Reformation und Gegenreformation führten zu beträchtlichen Konflikten, die auch in Fehden und Kriege ausschlugen. Das Erzbistum Mainz verlor einen Großteil seiner Klöster und die kirchliche Jurisdiktion über den hessisch-thüringischen Raum, der zu einer protestantischen Landeskirche des hessischen Landgrafen wurde. Auch im Süden, wo sich die Mainzer Kirche über die Gebiete der protestantischen Kurpfalz erstreckte, war die kirchliche Jurisdiktion nicht aufrechtzuerhalten. Das Erzbistum selbst blieb nur katholisch, weil sich das Mainzer Domkapitel bei den Bischofswahlen jener Zeit stets für einen katholischen Kandidaten entschied.

Der Dreißigjährige Krieg brachte dem Erzbistum weitere Verheerungen. Dem 1647 zum Erzbischof gewählten Johann Philipp von Schönborn gelang es jedoch, das Erzbistum wieder zu konsolidieren. Er beteiligte sich nicht nur an den Friedensverhandlungen in Münster und Osnabrück, er setzte auch die Beschlüsse des Trienter Reformkonzils im Bistum um.

Barockzeit und Aufklärung Johann Philipp von Schönborn kann schon zu den Barockfürsten gezählt werden, unter denen die Stadt Mainz eine neue Glanzzeit erlebte. Im Bistum waren die Erzbischöfe um eine Stärkung der katholischen Position bemüht, was dadurch begünstigt wurde, dass die Kurpfalz 1685 wieder einen katholischen Fürsten bekam. Einher ging dies mit der Errichtung vieler neuer Kirchen, vor allem zur Zeit Lothar Franz’ von Schönborn.

Während der Aufklärung, die unter dem Pontifikat Emmerich Josephs von Breidbach zu Bürresheim im Erzbistum und Kurstaat stark an Einfluss gewann, begann ein tiefgreifender Reformprozess, der auf Bistumsebene vor allem das Schul- und Ordenswesen betraf. Die Ideen der Aufklärung führten in Frankreich, wenn auch nicht allein, zur Revolution, welche auch auf das Heilige Römische Reich übergriff. Diese Entwicklung führte schließlich zum Untergang des Erzbistums.

Ende des Erzbistums und des Kurstaats mini|Das Erzbistum Mainz, die größte Diözese des Alten Reiches (schwarze Grenzlinie), und das Bistum Mainz seit 1821 (gelbe Flächen) Die alten Kräfte des Reiches betrachteten die Revolution als Bedrohung und schlossen sich gegen Frankreich zusammen. Auch der Mainzer Erzbischof und Kurfürst Friedrich Karl Joseph von Erthal beteiligte sich an der Koalition. Am 20. April 1792 erklärte Frankreich Österreich, genauer Ludwig XVI. als König von Frankreich Franz II. als König von Ungarn und Böhmen (hier: Franz I./Ferenc), den Krieg. Dieser Tag markiert den Beginn des Ersten Koalitionskrieges. Schon bald gelang es den Franzosen in Richtung Mainz vorzustoßen. Im Oktober 1792 eroberten sie die Stadt, verloren sie allerdings schon im März 1793 wieder an die Koalition. 1797 jedoch konnte sich Frankreich endgültig durchsetzen. Die linksrheinischen Gebiete wurden an Frankreich abgetreten. Nach Napoleons Machtübernahme 1799 wurde die französische Kirche neu organisiert. Aus den Resten der Diözesen Worms, Speyer und Metz bildete Napoleon Bonaparte 1802 das neue Bistum Mainz, das nun dem Erzbistum Mecheln zugeordnet war. Bischof wurde Joseph Ludwig Colmar. Die Mainzer Kurwürde und die Ämter des Primas sowie Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches für Deutschland wurden durch das Reichsgesetz von 1803, dem der Reichsdeputationshauptschluss als Vorlage diente und das somit auch die Erledigung der Mainzer Kirchenprovinz bewirkte, für alle Zeit auf den Inhaber des Bistums Regensburg übertragen.

Das Bistum Mainz ab 1814 mini|Wilhelm Emmanuel von Ketteler Nach Napoleons Niederlage wurden die Gebietsabtretungen von 1797 wieder rückgängig gemacht. Die damit notwendige kirchliche Neuorganisation war Gegenstand zäher Verhandlungen auf dem Wiener Kongress 1814/15. Das Bistum Mainz wurde auf dem Gebiet des Großherzogtums Hessen (Hessen-Darmstadt) errichtet und als Suffragansitz dem Erzbistum Freiburg zugeordnet. Die 1821 mit der Zirkumskriptionsbulle Provida solersque gezogenen Mainzer Kirchengrenzen decken sich bis heute mit dem Gebiet des ehemaligen Großherzogtums Hessen. Daher ist auch die heute baden-württembergische Stadt Bad Wimpfen – noch bis 1945 Exklave des dem Großherzogtum nachfolgenden Volksstaates Hessen – Teil der Diözese Mainz.