Frauental an der Laßnitz ist eine Marktgemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Bezirk Deutschlandsberg in der Steiermark.
Geografie Lage Die Gemeinde Frauental an der Laßnitz liegt im Laßnitztal an der Mündung des Wildbaches in die Laßnitz. Die Laßnitz ist auch der wichtigste Fluss der Gemeinde, wichtigste Erhebung ist der an der südlichen Grenze gelegene Riemerberg mit 449 Metern.
Gemeindegliederung Die Gemeinde gliedert sich in fünf Katastralgemeinden und gleichnamige Ortschaften (Fläche Stand Einwohner: Stand ): Freidorf an der Laßnitz (, Ew.) Freidorfer Gleinz (KG Gleinz , Ew.) Laßnitz (, Ew.) Schamberg (, Ew.) Zeierling (, Ew.)
Nachbargemeinden
Frauental grenzt nicht an die Gemeinde Stainz, weil die Katastralgemeinden Tanzelsdorf (gehört zu Groß St. Florian) und Gersdorf (gehört zu Deutschlandsberg, früher Gams) im Norden von Frauental (KG Schamberg) am Lauf des Vochera-Baches etwa 60 m aneinander grenzen und damit Frauental von Stainz (KG Rassach) trennen.
Geschichte Frühe Besiedlung Bei den Bauarbeiten am Ostportal des Koralmtunnels wurden kulturgeschichtlich wertvolle Funde von der frühen Kupferzeit bis ins späte Mittelalter gemacht. Neben Siedlungsresten aus der La-Tène-Zeit wurde in Gleinz ein gut erhaltener Keramikbrennofen geborgen. Funde belegen die dichte Besiedlung des Gebietes bereits 1600–1300 v. Chr.Wochenzeitung „Weststeirische Rundschau“ vom 9. Mai 2009. 82. Jahrgang Nr. 19, S. 5. Im Gebiet von Freidorf sind ebenfalls Reste einer Siedlung aus der La-Tène-Zeit publiziert.Fundberichte aus Österreich. Herausgegeben vom Bundesdenkmalamt. Band 47, Jahrgang 2008, Wien 2009, S. 556. Teile der Gemeinde Frauental liegen im Laßnitztal in jenem Bereich, in dem eine dichte Besiedlung durch eine Reihe archäologischer Fundstellen belegt ist. Insgesamt sind die Flächen archäologischer Grabungen in diesem Gebiet über 40 ha groß.Gerald Fuchs: Neues aus dem Laßnitztal. Archäologie im Abschnitt Weitersdorf-Wettmannstätten der Koralmbahn. In: Fundberichte aus Österreich. Band 48, Jahrgang 2009, Wien 2010, S. 290–302.Gerald Fuchs, Gerhard Harer, Irmengard Kainz, Klaus-Michael Schneider: Ein Modellfall für die Zusammenarbeit zwischen Planung und archäologischer Denkmalpflege am Beispiel der Koralmbahn Graz–Klagenfurt im Abschnitt Werndorf–Deutschlandsberg. In: Fundberichte aus Österreich (FÖ). Herausgegeben vom Bundesdenkmalamt, Wien. Band 36, Jahrgang 1997, ISBN 3-85028-305-4, S. 269–280. Mit einem Übersichtsplan zu den archäologischen Fundstellen und Fundhoffnungsgebieten im mittleren Laßnitztal.
1100 werden Laßnitz und Frauental erstmals urkundlich genannt.
Altburg Gleinz Im Süden von Frauental sind für die Katastralgemeinde Gleinz, südöstlich der Ortschaft Frauenegg, Hinweise auf eine alte Befestigungsanlage publiziert. Auf einer Geländekuppe im Norden des Bauernhofes vlg. Kolmi (bzw. Kulmi oder „alter Lechner“) ist die Form eines unregelmäßigen Vielecks im Ausmaß von 25 mal 25 Metern zu erkennen, im Nordwesten davon liegt eine grabenartige Senke. Diese Reste werden als das Gelände des ehemaligen Sitzes des Geschlechtes der Gleinzer gedeutet.Werner Murgg, Bernhard Hebert: Mittelalterliche und Frühneuzeitliche Wehrbauten im Bezirk Deutschlandsberg: Aufnahme der Bodendenkmale. Mit Zeichnungen von Stefan Karl. Beiträge zur Mittelalterarchäologie in Österreich BMÖ. Band 10, Jahrgang 1994. Hrsg.: Österreichische Gesellschaft für Mittelalterarchäologie ÖGM, Wien. . S. 64, Lageskizze S. 90. Koordinaten der Altburg Gleinz: In einer älteren VeröffentlichungRobert Baravalle: Burgen und Schlösser der Steiermark. Eine enzyklopädische Sammlung der steirischen Wehrbauten und Liegenschaften, die mit den verschiedensten Privilegien ausgestattet waren. Verlag Stiasny, Graz 1961, S. 87, in beiden Artikeln zu Kirche und Hof bei St. Ulrich. wird der Sitz der Gleinzer bei der Kirche St. Ulrich bei Deutschlandsberg angenommen. mini|Die Messingfabrik um 1820, Lith. J.F. Kaiser
Messinghütte, Stahlwerk, Porzellanfabrik 1714 errichtete Freiherr Ferdinand Zehentner von Zehentgrub und andere eine Messinghütte, die bis 1903 in Betrieb war.
Das Stahlwerk war nur in der Zeit von 1853 bis 1856 in Betrieb. Es war aufgrund der schlechten Verkehrsverbindungen nicht erfolgreich zu führen (die Wieserbahn erreichte das Gebiet erst 1872).Hans Jörg Köstler: Die Stahlerzeugung in der Weststeiermark mit besonderer Berücksichtigung der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. In: Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark. Festschrift „150 Jahre Historischer Verein.“ Jahrgang 91/92, Graz 2001/02, S. 493 (historischerverein-stmk.at).
Ab 1920 entstand die erste Porzellanfabrik im Ort.Die Geschichte von Frauental. In: Ortschronik. Marktgemeinde Frauental an der Laßnitz. Auf Gde-Frauental.at, abgerufen am 7. Mai 2021. Das Unternehmen war 1921 von Ludwig Neumann unter dem Namen Ingelen-Frauenthal-Elektroporzellan als Tochterunternehmen der Wiener Ingelen, Elektrotechnische Fabrik Ing. Ludwig Neumann GmbH gegründet worden und wurde als „Erste österreichische Porzellanfabrik“ bekannt. Sie war auf Isolatoren und Bestandteile von damaligen Rundfunkempfängern spezialisiert, erzeugte aber auch Porzellangeschirr und andere technische Keramik wie Keramikkatalysatoren.Ute Streitt, Schlossmuseum Linz, Magdalena Wieser (Hrsg.): Technik: gesammelte Aspekte des Fortschritts. Band 39 von Kataloge der Oberösterreichischen Landesmuseen, Oberösterreichische Landesmuseen Linz, Verlag Publication PN° 1 – Bibliothek der Provinz, 2006, S. 512 (). ISBN 3-85474-150-2; ISBN 978-3-85474-150-3; ISBN 3-85252-773-2; ISBN 978-3-85252-773-4.Die Geschichte von Frauental. Gemeinde Frauental, abgerufen am 31. Juli 2017.Ing. Ludwig Neumann Gesellschaft m.b.H., Radiofabrik, Ingelen – Porzellanfabrik, Frauenthal, 1907–1937. Elbemühl. 1937.Die Porzellanfabrik Frauenthal feierte ihr 90-jähriges Bestehen. In: Wochenzeitung Weststeirische Rundschau. 84. Jahrgang, Nr. 43, 28. Oktober 2011, S. 5.
Diese Betriebe gehörten bis 2012 zur Frauenthal Holding AG, mit Wirkung vom 1. Juni 2012 wurden sie an den japanischen Konzern IBIDEN Porzellanfabrik Frauenthal GmbH und PPC Insulators Austria GmbH, Teil der SEVES Gruppe, verkauft.Die japanische IBIDEN-Gruppe kauft die Porzellanfabrik Frauenthal. In: Wochenzeitung Weststeirische Rundschau. 85. Jahrgang, Nr. 27, 6. Juli 2012, S. 1.2017 zusammen um die 600 Mitarbeiter am Standort; IBIDEN Porzellanfabrik Frauenthal GmbH. ceram-ibiden.com, abgerufen am 31. Juli 2017.ppcinsulators.com: (englisch)
2018 wurde die PPC Insulators Austria GmbH geschlossen und die Isolatorenproduktion somit für immer eingestellt. Die Beschäftigung mit Keramik lebt in der dort tätigen Ceram Austria GmbH weiter. Dieses Unternehmen investierte ab 2020 über 28 Mio. Euro für eine Produktionsfläche von 45.000 m² und wird als einer der weltweit führenden Anbieter industrieller Keramik geschildert. Ein Schwerpunkt liegt auf der Erzeugung von Katalysatoren, Wärmespeichern und deren Weiterentwicklung. Geforscht wird an der Möglichkeit, CO2 aus der Luft herauszufiltern und weiterzuverwenden.Ceram Austria - Tage der offenen Tür. In: Weststeirische Rundschau. 97. Jahrgang, Nr. 18, 3. Mai 2024, S. 6.
Entstehung der Gemeinde 1850 Die Gemeinde entstand 1850 aus den Katastralgemeinden Laßnitz und Schamberg. Sie hieß bis 1955 Gemeinde Laßnitz. Der Poststempel trug am Ende des 19. Jahrhunderts den Namen „Frauenthal zu Lassnitz“. mini|„Frauenthal zu Lassnitz“ auf dem Poststempel 1897 Ein anderer Name für den Ort war „Frauental an der Wieserbahn“.
20. Jahrhundert 1937 eröffnete die Spinnerei Pronegg ihren Geschäftsbetrieb in Frauental. Nach einer kriegsbedingten Unterbrechung wurden ab 1946 mit ca. 20 Arbeitern auch Webstoffe erzeugt, die gegen Schafwolle eingetauscht werden konnten. Für einen Meter eines Wollkleiderstoffes waren 1947 0,5 kg Schafwolle abzugeben. Nach Schließung dieses Unternehmens wurde in den Räumen die Landmaschinenfabrik Moty-Mayer betrieben, nach ihr wurde das Gebäude zu einem Heim für betreutes Wohnen umgestaltet. Nur der Schornstein erinnert an die frühere Verwendung.Als einst Wolle, Decken und Loden Frauenthal verließen …. In: Wochenzeitung Weststeirische Rundschau vom 16. April 2021. 94. Jahrgang Nr. 15, S. 5.
In ihrer Nähe kam es während des nationalsozialistischen Juliputsches am 26. Juli 1934 zu einem Zwischenfall zwischen Nationalsozialisten und Heimwehrmännern, der einen Toten forderte. Gegen 0:15 Uhr hatten Nationalsozialisten, die zuvor vergeblich versucht hatten, den Gendarmerieposten in Gams zu stürmen, eine aus drei Mann bestehende Straßensicherung der Heimwehr entwaffnet und die Männer als Geiseln genommen. Um ihren Kameraden zu helfen, eilte eine in der Porzellanfabrik stationierte Heimwehrabteilung heran und wurde von den Nationalsozialisten beschossen, wobei ihr Kommandant den Tod fand.Siehe dazu: Gerald M. Wolf: „Jetzt sind wir die Herren …“ Die NSDAP im Bezirk Deutschlandsberg und der Juli-Putsch 1934 (= Grazer zeitgeschichtliche Studien, Band 3) StudienVerlag, Innsbruck-Wien-Bozen 2008, ISBN 978-3-7065-4006-3, S. 157.
Mit 1. Jänner 1956 wurde der Gemeindename von „Laßnitz“ in Frauental an der Laßnitz (ohne „h“) geändert.Beschluss der steiermärkischen Landesregierung vom 14. September 1955. Steiermärkisches Landesgesetzblatt vom 10. November 1955, S. 162. 17. Stück, Nr. 68/1955.
Zum 1. Jänner 1960 wurden die Gemeinden Freidorf an der Laßnitz und Zeierling nach Frauental an der Laßnitz eingemeindet.Verordnung der steiermärkischen Landesregierung vom 18. Dezember 1959. Steiermärkisches Landesgesetzblatt vom 28. Dezember 1959, S. 153. 33. Stück, Nr. 109/1959.Bezirkstopographie, S. 89.
1972 wurde der Ort von einem hundertjährlichen Hochwasser mit schweren Überschwemmungen heimgesucht.
Die Markterhebung erfolgte im Jahr 1985.
21. Jahrhundert Das Gebäude des Kinos wurde nach dem Tod seiner langjährigen Betreiberin, Frau Hilda Diwald, im März 2024 abgerissen, es soll durch ein Einkaufszentrum mit Wohnungen ersetzt werden. Das Kino hatte seit 1952 bestanden, es war eines der letzten im Bezirk Deutschlandsberg und war noch 2014 von den damals nicht mehr verfügbaren Filmrollen auf Digitaltechnik umgestellt worden. Der Spielbetrieb endete am 26. September 2020.Ende einer Frauentaler Institution - das legendäre Kino Diwald ist Geschichte. In: Wochenzeitung Weststeirische Rundschau vom 8. März 2024. 97. Jahrgang Nr. 10, S. 5.Das weithin bekannte Kino und Cafe Diwald sperrt für immer zu. MeinBezirk.at, 27. September 2020 (abgerufen am 8. März 2024).
Bevölkerung Bevölkerungsstruktur Die Gemeinde hatte laut Volkszählung 2001 2.997 Einwohner. 96,4 % der Bevölkerung besaßen die österreichische Staatsbürgerschaft. Zur römisch-katholischen Kirche bekannten sich 92,1 % der Einwohner, 4,8 % waren ohne religiöses Bekenntnis.
Bevölkerungsentwicklung mini|Gemeindekundmachung 1850: Die ursprünglichen Gemeinden im Gebiet von Frauental, wie Laßnitz, Zeierling, Lebing, Freidorf, gehörten zur damaligen Bezirkshauptmannschaft Stainz Die ursprünglichen Einwohnerzahlen sind in den Unterlagen der Gemeindeneuordnung 1850 kundgemacht.Gemeindekundmachung 1850: Erlass des Statthalters vom 20. September 1850, womit die nach dem provisorischen Gesetze vom 17. März 1849 errichteten neuen Ortsgemeinden mit ihrer Zutheilung in die politischen Gerichts- und Steueramts-Bezirke in dem Kronlande Steiermark bekannt gemacht werden. Allgemeines Landesgesetz- und Regierungsblatt für das Kronland Steiermark. I. Jahrgang 1850. XXI. Stück Nr. 378, S. 432. Beilage „Kreis Gratz“ (Beilage Graz), S. 104–105 dieser Beilage.