mini|Jerry Falwell

Jerry Lamon Falwell (* 11. August 1933 in Lynchburg, Virginia; † 15. Mai 2007 ebenda) war ein US-amerikanischer baptistisch-fundamentalistischer Pastor und Fernsehprediger, der vor allem durch deutliche Unterstützung der Religiösen Rechten bekannt wurde. Er war Gründer der Megachurch Thomas Road Baptist Church in Lynchburg 1956, der Lynchburg Christian Academy 1967Dr. Jerry Falwell – Biography, Website liberty.edu (2026, amerikanisches Englisch, abgerufen am 14. Mai 2026), des Lynchburg Bible College 1971, das später zur Liberty University wurde, der Moral Majority 1979 und weiterer missionarischer und sozialer Einrichtungen.Anja Trutschel: Thomas Road Baptist Church, John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien, Freie Universität Berlin, Website jfki.fu-berlin.de (Feldbericht 8.–13. April 2006, abgerufen am 14. Mai 2026)

Leben Jerry Falwell und sein Zwillingsbruder Gene wurden am 11. August 1933 in Fairview Heights in Lynchburg, Virginia, als Kinder von Helen Virginia Beasley (1895–1977) und Carey Hezekiah Falwell (1893–1948) geboren. Weitere Geschwister waren Virginia Alease Falwell Jennings (1917–1988), Rosha Geraldine Falwell (1920–1931) und Lewis Twyman Falwell (1924–1981). (5. Mai 2007, englisch, abgerufen am 14. Mai 2026)

Sein Großvater und Vater galten als Religionsgegner und Atheisten, sein Vater, Carey H. Falwell, war zudem ein extravaganter Unternehmer, der mit 22 Jahren sein erstes Lebensmittelgeschäft eröffnete. Bald betrieb er 17 Tankstellen, viele davon mit kleinen Restaurants und Geschäften. Er baute Öllagertanks, besaß eine Ölgesellschaft und gründete 1927 die American Bus Line, welche alte batteriebetriebene Filmprojektoren installierte, um den Fahrgästen Filme von Charlie Chaplin sowie Laurel und Hardy zu zeigen. Später wandte er sich dem Schmuggel von Alkohol und unzähligen anderen Unternehmen zu. Sein bekanntestes Geschäft war der Merry Garden Dance Hall and Dining Room hoch oben auf einem Hügel in Virginia, der zum Zentrum der Swing Society in Virginia wurde.

Seine Mutter war zutiefst religiös und laut seiner Aussage in der Autobiografie Strength for the Journey diejenige Person, die „von Anfang an die Samen des christlichen Glaubens in ihn gepflanzt hatte“. Am Abend des 20. Januar 1952 erklärte er in der Park Avenue Baptist Church in Lynchburg seine Glaubensannahme von Jesus Christus. Falwell studierte zuerst Ingenieurwesen am Lynchburg CollegeChristlich, konservativ, politisch: Fernsehprediger Jerry Falwell tot, Website pro-medienmagazin.de (16. Mai 2007, abgerufen am 14. Mai 2026), wo er auch professionell Baseball spielte. Dann wechselte er ans Baptist Bible College in Springfield, Missouri, wo er 1956 seine Studien abschloss. Noch im gleichen Jahr gründete er im Juni die Thomas Road Baptist Church, die zu Beginn der 1970er Jahre als die schnellstwachsende Kirche in den Vereinigten Staaten bezeichnet wurde und von anfänglich 35 Gottesdienstbesuchern auf 22.000 Mitglieder im Jahr 2006 wuchs. Der wöchentliche Gottesdienstbesuch lag damals bei 3.000 bis 5.000 Personen. Seine Predigten wurden von Anfang an auch im Radio übertragen, sein Programm hieß The Old-Time Gospel Hour. Nur sechs Monate später wurde ein lokaler Fernsehsender eingerichtet, der nach Jahrzehnten international über 50 Millionen Zuschauer hatte. Die Kirche hat im Laufe der Jahrzehnte umfangreiche missionarische, diakonische und soziale Programme ins Leben gerufen: Freedom Ministries sind Selbsthilfegruppen, The Center hilft und missioniert in der Innenstadt von Lynchburg, Elim Home ist für alkoholabhängige Männer eingerichtet, die von ihrer Sucht frei werden wollen (seit 1959); Liberty Godparent Home ist eine betreute Wohngemeinschaft für ungewollt junge schwangere Frauen, Hope A Glow engagiert sich für Gefängene und Benevolence Ministry hilft Armen ihre Grundbedürfnisse zu bezahlen.Anja Trutschel: Thomas Road Baptist Church, John-F.-Kennedy-Institut für Nordamerikastudien, Freie Universität Berlin, Website jfki.fu-berlin.de (Feldbericht 8.–13. April 2006, abgerufen am 14. Mai 2026)

Seine Vision für christliche Schulbildung nahm 1967 mit der Lynchburg Christian Academy Formen an, woraus 1971 das Lynchburg Bible College und dann die Liberty University wurde, die er bis zu seinem Lebensende ausbauen ließ und präsidierte. Die Bibliothek ist nach ihm benannt. 1985 hatte die Universität bereits 50.000 Studenten.Dr. Jerry Falwell – Biography, Website liberty.edu (2026, amerikanisches Englisch, abgerufen am 14. Mai 2026) Ende der Achtzigerjahre versuchte er aber erfolglos den Fernsehsender PTL (Praise the Lord) Club des gestrauchelten Tele−Evangelisten Jim Bakker zu neuem Leben zu erwecken.

Wie viele konservative evangelikale Christen war Falwell anfänglich in seinem geistlichen Dienst davon überzeugt, dass Religion und Politik nicht vermischt werden dürften. Gerade Prediger sollten sich nicht zu sehr ins öffentliche Leben einbringen, sondern vor allem Seelengewinner sein. Francis Schaeffer und das positive Gerichtsurteil zur Abtreibung (Roe gegen Wade) im Jahr 1973 überzeugten ihn vom Gegenteil, und er begann, sich in die politische Arena einzubringen. Hier vertrat er traditionell christliche Werte und Patriotismus, kämpfte für intakte Familien und gegen Pornographie, gegen die Anerkennung von Homosexualität und den Feminismus.People & Ideas: Jerry Falwell, Website pbs.org (11. Oktober 2010, amerikanisches Englisch, abgerufen am 13. Mai 2026) Das führte 1979 zur Gründung der Organisation Moral Majority, die innert kurzer Zeit 6,5 Millionen Mitglieder zählteLukas Mihr: Jerry Falwell: „Agent der Intoleranz", Website hpd.de (22. Mai 2008, deutsches Porträt beim Humanistischen Pressedienst, abgerufen am 14. Mai 2026) und 1980 bei der Präsidentenwahl von Ronald Reagan eine Rolle spielte. In den Neunzigerjahren kritisierte er demokratische Politiker wie Bill Clinton stark, weil er ihn für einen gottlosen Lügner hielt.Christlich, konservativ, politisch: Fernsehprediger Jerry Falwell tot, Website pro-medienmagazin.de (16. Mai 2007, abgerufen am 14. Mai 2026) Er verhalf George W. Bush im Jahr 2000 zur Wahl, weil er ihn statt den skeptischeren John McCain favorisierte.Lukas Mihr: Jerry Falwell: „Agent der Intoleranz", Website hpd.de (22. Mai 2008, deutsches Porträt beim Humanistischen Pressedienst, abgerufen am 14. Mai 2026) Im Jahr 2004 gründete er The Faith and Values Coalition, die später zur Moral Majority Coalition wurde als Nachfolgerin von Moral Majority, die er Ende der Achtziger verlassen hatte, weil er damals den Auftrag als erfüllt ansah. Mit seinen Aktionen hat er einen maßgeblichen Anteil, dass viele Evangelikale in den USA politisch konservativer wurden und vermehrt republikanisch wählten.

Falwell hatte die letzten Lebensjahre Herzprobleme, 2005 überlebte er zwei Herzattacken. Am 15. Mai 2007 wurde der 73-Jährige tot in seinem Büro der von ihm gründeten Liberty University aufgefunden.Christlich, konservativ, politisch: Fernsehprediger Jerry Falwell tot, Website pro-medienmagazin.de (16. Mai 2007, abgerufen am 14. Mai 2026) Er wurde auf dem Campus der Liberty University bestattet, sein Grab befindet sich auf dem Grundstück des Carter Glass mansion grounds. (5. Mai 2007, englisch, abgerufen am 14. Mai 2026)

Familie 1952 traf er in der Park Avenue Baptist Church seine zukünftige Frau, die Kirchenpianistin Macel Pate (1933–2015). Aus der Ehe, die am 4. Dezember 1958 geschlossen wurde, gingen die drei Kinder Jerry Jr., Jonathan und Jeannie hervor. Jerry Falwell Jr. wurde Präsident der Liberty University, Jonathan Falwell Seniorpastor der Thomas Road Baptist Church und Jeannie Falwell Rivers Chirurgin.Jerry Falwell is a religious leader, political activist and television evangelist, Website biography.com (29. November 2023, amerikanisches Englisch, abgerufen am 13. Mai 2026)

Ehrungen Falwell erhielt folgende Ehrendoktortitel:Jerry Falwell is a religious leader, political activist and television evangelist, Website biography.com (29. November 2023, amerikanisches Englisch, abgerufen am 14. Mai 2026) in Theologie vom Tennessee Temple Theological Seminary. in Literatur von der California Graduate School of Theology. in Recht von der Central University, Seoul, Korea.

Ansichten und Rechtsstreite Haltung zur Bürgerrechtsbewegung und zum Apartheidsregime in Südafrika Falwell lehnte die schwarze Bürgerrechtsbewegung der 1950er und 1960er Jahre ab. Über Martin Luther King sagte er:

Er vertrat 1965 die Ansicht, dass das Ende der Segregation das Ende der „weißen Rasse“ zur Folge hätte. Zur antirassistischen Gerichtsentscheidung „Brown vs. Board of Education“ sagte er 1958:

Diese Ansicht revidierte er später vollständigFalwell und die Bürgerrechtsbewegung" https://hpd.de/node/13062/seite/0/1. Die erste Taufe eines Afroamerikaners in Falwells Gemeinde erfolgte 1971. Aus vorwiegend antikommunistischen Gründen sprach sich Falwell für das Apartheidssystem in Südafrika aus. In diesem Zusammenhang rief er seine Anhänger dazu auf, in südafrikanisches Gold zu investieren.https://content.time.com/time/magazine/article/0,9171,959697,00.html Als die Southern Baptist Convention 1995 die Afro-Amerikaner um Verzeihung wegen ihrer Sünden im Zusammenhang mit dem Rassismus bat, überdachte auch Falwell seine Vorurteile. Da Afro-Amerikaner durchschnittlich konservativer eingestellt waren als Weiße, fand Falwell unter ihnen neue Bündnispartner, so Alveda King, die Nichte von Martin Luther King.Vor 20 Jahren wurde die Apartheid beendet, Website hpd.de (16. März 2012, abgerufen am 14. Mai 2026)

Haltung zum Vietnamkrieg Falwell kritisierte im Zusammenhang mit dem Vietnamkrieg, dass die USA keinen totalen Krieg gegen Nordvietnam geführt hättenFalwell, Listen, America!, 85.. Der US-Präsident hätte als Diener Gottes das Recht alle Waffen einzusetzen, die den „Übeltätern Verderben und Vernichtung brächten“Falwell, Listen, America!, 98..

Haltung zur Gleichberechtigung von Frauen Falwell war der Auffassung, dass das Equal Rights Amendment, ein Verfassungszusatz, der die Gleichberechtigung von Frauen zum Ziel hatte, Frauen viele „Sonderrechte“ nehmen würde und daher abzulehnen sei. Der Feminismus sei die eigentliche Ursache von Scheidungen, weil Frauen nach „Selbstverwirklichung“ strebten. Falwell sagte dazu: „Wenn wir Frauen vom öffentlichen Leben ausschließen, ist das nicht, weil wir auf sie verzichten wollen, sondern weil wir ihnen ihre wesentliche Ehre zurückgeben möchten... Die herausragendste und höchste Berufung von Frauen ist immer als Frau und Mutter“Michele Swenson: Democracy Under Assault: TheoPolitics, Incivility and Violence on the Right. Sol Venture Press, Denver 2004, ISBN 978-0-9766788-0-9, S. 172f..

The Clinton Chronicles 1994 machte Falwell Werbung für eine Dokumentation namens The Clinton Chronicles: An Investigation into the Alleged Criminal Activities of Bill Clinton (dt.: Die Clinton Chroniken: Eine Untersuchung der mutmaßlichen kriminellen Aktivitäten von Bill Clinton). Falwell vertrieb dieses Video ebenfalls. Die Dokumentation behauptet, Clinton sei in eine Verschwörung zum Mord und Kokain-Schmuggel gemeinsam mit Vincent Foster, James McDougall und Ron Brown verwickelt. Die Theorie wurde widerrufen, das Video verkaufte sich dennoch mehr als 150.000 mal. by Murray Waas Salon.com

Hinter den Urhebern des Videos steckte die Organisation „Citizens for Honest Government“, an die Jerry Falwell zwischen 1994 und 1995 US-$ 200.000 gezahlt hatte. 1995 interviewte Citizens for Honest Government zwei State Trooper der Arkansas State Police, Roger Perry und Larry Patterson, hinsichtlich der Verschwörungstheorie.

Falwells Werbung für das 80-Minuten-lange Video beinhaltete auch einen Ausschnitt, in dem Falwell einen unkenntlich gemachten „Journalisten“ zeigte, der behauptete, Angst um sein Leben zu haben.

Der Journalist warf Clinton vor, für die Ermordung zahlreicher Journalisten verantwortlich gewesen zu sein, die der Sache zu nahegekommen waren.