Donjon ist eine seit 1998 erscheinende französische Comicserie von Lewis Trondheim, Joann Sfar, Christophe Blain, Manu Larcenet und anderen Künstlern, vielen davon mit Verbindung zum Independent-Verlag L’Association. Sie erscheint im Original dennoch im Großverlag Delcourt und ist aufgefächert in mehrere Haupt- und Nebenserien. Die deutsche Übersetzung erschien ab 1999 zuerst im Carlsen Verlag, aktuell wird sie bei Reprodukt herausgegeben. Donjon ist eine Parodie auf andere, ebenfalls oft über eine Vielzahl von Bänden gehende Werke des Fantasy-Genres.

Inhalt und Konzept Der Name des Comic leitet sich vom französischen Begriff des Hauptturmes einer mittelalterlichen Befestigungsanlage ab, ebenso wie vom morphologisch verwandten englischen Ausdruck Dungeon, der für das Verlies einer Burg steht. Joann Sfar konzeptionierte die Serie als Parodie auf Rollenspiele wie Dungeons & Dragons.Kai-Steffen Schwarz, Volker Hamann: Lewis Trondheim. In: Reddition 57: L’Association, Edition Alfons, Barmstedt 2012, S. 19.Günter Krenn: Joann Sfar. In: Reddition 57: L’Association, Edition Alfons, Barmstedt 2012, S. 40. Während bei diesem Spielprinzip „Heldengruppen“ in Kerker und Höhlen steigen, um Monster zu töten und von diesen bewachte Schätze sich anzueignen, wird diesem Unterfangen in Donjon ein kommerzielles Konzept entgegengestellt. Der Donjon ist, der französischen Bedeutung des Wortes entsprechend, eine monumentale Turmanlage. In diesem sind Monster rekrutiert, die eindringende Helden töten sollen, sowie anderes Personal zur Wartung von Fallen. Das Geschäft finanziert sich aus dem Verkauf der Waffen und anderer Ausrüstung jener Helden, die auf der Suche nach Gold und Abenteuer in die Festung eindringen.

Die Serien Die Albenserie Donjon besteht aus drei Haupt- und fünf (auf Deutsch nur vier) Nebenserien. Als Zeitlinie werden sogenannte „Level“ angegeben, die im Falle der Hauptreihen der Bandnummerierung entsprechen und nicht mit den Erfahrungsstufen aus Rollenspielen zu verwechseln sind. Im französischen Original reimen sich die Titel jeder Reihe.

Donjon Morgengrauen erzählt von der Jugend von Hyazinth de Cavallère, des späteren Geschäftsführers des Donjons. Die Zeitlinie erstreckt sich von Level −99 theoretisch bis 0, wobei der Übergang fließend ist und ein Nebenband auf Level −4 thematisch eher der Folgeepoche zuzuordnen ist.

Donjon Zenit beginnt in der Hauptserie mit Level 1 und handelt von der Blütezeit des Donjons. Hier werden Herbert und Marvin als eigentliche Hauptfiguren der Serie etabliert, während Hyazinth, nun „Wärter“ genannt, eine wichtige Nebenfigur ist.

Donjon Abendrot, formal mit Level 101 beginnend, erzählt eine apokalyptische Geschichte, in der Terra Amata, die Welt des Donjons, zerfällt. Das Leben besteht auf durch die Gravitation zusammen gehaltenen fliegenden Inseln fort und mit dem „roten Marvin“ gesellt sich hier eine neue und junge Hauptfigur zu den gealterten Helden.

Donjon Parade, Monster und Bonus sind die drei ursprünglichen Nebenserien. In Parade erleben Herbert und Marvin kürzere, in sich abgeschlossene, Abenteuer, die allesamt zwischen Level 1 und 2 liegen. Während diese Serie ursprünglich – bis Band 6 im Jahr 2021 – als einzige ausschließlich von einem Zeichner, Manu Larcenet, umgesetzt wurde, wechseln in Monster die Zeichner mit jedem Band ab. Diese Serie beleuchtet Nebenaspekte der Hauptserie oder ergänzt sie durch die Sichtweise anderer Figuren. Bonus hingegen beinhaltet bislang ein Sekundärwerk und einige Alben in schwarz-weißer Reproduktion und ist auf Deutsch nicht erschienen.

2020 starteten zwei neue Serien, Antipoden −, die 10.000 Level vor den anderen Bänden spielt, sowie Antipoden +, die 10.000 Level nach den anderen spielt. auf actuabd.com vom 10. Januar 2020, abgerufen am 4. Mai 2020

Zeichnerische Umsetzung Die meisten Figuren sind als anthropomorphe Tiere gestaltet, Ausnahmen sind Fabelwesen wie Trolle und Vampire. Zudem besteht in der Malerei von Terra Amata die Stilrichtung, Personen als Menschen darzustellen, was den jungen Marvin in Der Sohn der Drachenfrau befremdet. Er findet Hyazinths Gattin in ihrer realen Gestalt als Vogel viel hübscher. Hyazinth schätzt hingegen diese Stilrichtung sehr, dies befindet nicht nur der Maler,Blutch, Joann Sfar, Lewis Trondheim: Donjon Monster Bd. 7: Der Sohn der Drachenfrau. Reprodukt, Berlin 2009, ISBN 978-3-941099-09-8, S. 22. man sieht es auch an einem Porträt von Hyazinths Geliebter, der Schlangenfrau Alexandra.Joann Sfar, Lewis Trondheim: Donjon Zenit Bd. 1: Das Herz einer Ente. Reprodukt, Berlin 2007, ISBN 978-3-938511-41-1, S. 46.

Während Sfar und Trondheim, was die Geschichten der Serie betrifft, allein verantwortlich zeichnen und sämtliche bislang erschienenen Alben zu zweit geschrieben haben, liegt die zeichnerische Umsetzung in den Händen vieler Künstler, die mit der Vorlage oft sehr individuell umgehen, sodass ihr Beitrag zu Donjon an ihr übriges Œuvre erinnert. Selbst der deutsche Comiczeichner Andreas, der in seinen übrigen Werken nie mit anthropomorphen Tieren arbeitet, bleibt leicht erkennbar, durch die von ihm typischerweise oft verwendeter extrem hochformatiger Panels, die sich mitunter säulenhaft über die Höhe einer ganzen Seite ziehen.Andreas, Joann Sfar, Lewis Trondheim: Donjon Monster Bd. 3: Die Hauptkarte. Reprodukt, Berlin 2007, ISBN 978-3-938511-57-2. Dennoch bleiben die handelnden Figuren immer leicht wiedererkennbar.

Figuren Herbert von Vaucanson / Der Große Khan (frz. Herbert de Vaucanson alias le Grand Khân) Die Ente aus dem Land, in dem die Vögel frei sind und Herzog von Vaucanson (duc de Vaucanson), hat eine schwere, prägende Kindheit hinter sich. Den Umstand, dass Herbert während der Schulzeit im Affekt einen seiner Lehrer getötet hat und daraufhin gegen seinen Vater im Zweikampf antreten musste, verbirgt er vor seinen Freunden. Abgesehen von diesen unschönen Kindheitserlebnissen, die in Donjon noch nicht näher beleuchtet wurden, ist Herbert jedoch ein sorgloser, etwas naiver Taugenichts, der sich gerne um Arbeit drückt und immer mit allen Mitteln versucht, sich von Schwierigkeiten fernzuhalten. Das geht allerdings gründlich schief, als er in seiner Funktion des Botenjungen und Putzmannes im Donjon den Barbaren Ababakar Oktopuss, der mit seiner Sandale Königsgräber aufwühlt, zum Wärter des Donjons bringen soll. Oktopuss stirbt unterwegs durch die Hand des tumben Zongo – woraufhin Herbert nichts Besseres zu tun weiß, als sich selbst als Ababakar Oktopuss auszugeben.

Diese neue Rolle erfordert auch das Tragen des Schwertes von Oktopuss. Herbert weiß nicht, dass es sich bei dieser Waffe um das Schicksalsschwert handelt, das seinem Träger erst zu Diensten ist, wenn dieser drei große Taten mit bloßen Händen vollbracht hat. So lange kann vom Träger des Schwertes keine andere Waffe geführt werden. Als seine falsche Identität auffliegt, soll er sich als Krieger bewähren oder für den Donjon sterben.

Marvin, der stolze Drachist / Der Staubkönig (frz. Marvin alias le Roi-poussière) Marvin ist ein Freund von Herbert. Marvin ist zu Beginn der Serie noch ein roter, fliegender Drachist mit Lendenschurz und einer Menge Schädelschmuck am Leib. Er verliert aber bereits im ersten Zenit-Album seine Flügel und als er sich von seinem Meister abwendet, legt er auch die Schädel ab und sich selbst eine Rüstung zu. Marvins beeindruckendste Angriffstechnik ist das Tong Deum, bei dem er eine feurige Brühe spuckt, die sich aus seinen Magensäften zusammensetzt und äußerst ätzend ist.

Marvin, der der Rasse der Drachisten, einer intelligenten, zweibeinig gehenden Untergruppe der Drachen angehört, ist einem strengen Ehrenkodex verpflichtet: Er darf niemanden töten, der ihn beleidigt. Marvin hasst deshalb die Leute aus der Stadt der Hasen und hat geschworen, die Stadt in zwanzig Jahren niederzubrennen. Außerdem ist er Vegetarier und glaubt an die Ehre eines Kriegers.

Seine Liebe gilt der dicken Sonja, einer diebischen Riesin, und nichts macht ihn nervöser als die Gegenwart von kleinen Kindern. Auch kann er sehr gut Plätzchen backen.

Der Wärter / Hyazinth de Cavallère (frz. Gardien du Donjon / Hyacinthe de Cavallère alias la Chemise de la nuit) Der verschrobene, mürrische kleine Vogel raucht stets Pfeife, weswegen der Boden seines Arbeitsraumes in dichten Qualm gehüllt ist. Er leitet den Donjon und unterhält die dort lebenden Monster. Weil ihm nach dem Tod seiner Frau nichts geblieben ist, als das finstere Gemäuer, stellt er die Sicherheit des Donjon vor alles andere. Mit einem Profitstreben hortet er seine Schätze in einem Saal tief in den Mauern der Feste, in dem auch der riesige Donjon-Drache haust. Den Namen Hyazinth vermeidet der Wärter.

Das Verhalten des jungen Hyazinth unterscheidet sich grundlegend von seinem späteren Charakter: Er ist gütig, freigiebig, idealistisch, naiv, liebenswert und ständig den widrigen Umständen seiner Umwelt ausgeliefert. Als junger Mann verlässt er den Landsitz seines Vaters und kommt in die Stadt Antipolis, um dort zu studieren. Als Kommilitonen lernt er seine späteren engsten Vertrauten Alkibiades, den Gnomonisten, und Horus, den Totenbeschwörer, kennen. Hier verliebt er sich auch in die Meuchelmörderin Alexandra.

Als Hyazinth erkennt, dass die ganze Stadt korrupt und ungerecht ist, entschließt er sich, das Verbrechen zu bekämpfen und nimmt dazu eine zweite Identität an: „Das Hemd der Nacht“. Leider stehen Hyazinths Taten, die sein Onkel und sein Vorarbeiter Jean-Michel ihm auftragen, allzu oft im krassen Gegensatz zu dem, was Hyazinth als Hemd der Nacht für die Gerechtigkeit tut., Auf: yellowcomic.com.

Von kleinen Kobolden bekommt Hyazinth aus Dankbarkeit dafür, dass er sie gerettet hat, die Pfeife des lieben Gottes geschenkt. Mit verschiedenen magischen Tabaksorten erhält er seitdem durch beständiges Rauchen erstaunliche Fähigkeiten: Er kann seine Mitmenschen nackt oder gar ohne Haut sehen, durch Wände gehen und vieles mehr.

Prinzessin Isis von Zephalonien (frz. Isis de Céphalonie, princesse barbare) Um einen Schwund an Besuchern im Donjon zu kompensieren, erfindet Herbert kurzerhand die mysteriöse, im Verlies als Geisel gefangene Prinzessin Isis, die sich – zur großen Überraschung aller – als keineswegs erfunden und sehr lebendig erweist. Tatsächlich kennen sich Herbert und Isis flüchtig aus ihrer Kindheit, sollte doch der Erpel von Vaucanson die Prinzessin der katzengestaltigen Krosaken von Zephalonien einst heiraten, um den Konflikt zwischen beiden Völkern zu beenden. Unwillkürlich wählt er ihren Namen für einen vermeintlichen Hilferuf, woraufhin die Prinzessin ihre Chance sieht und in den Donjon flieht. Sie ist nicht bereit, die großen, geistlosen Muskelberge zu heiraten, die ihr Vater, der Anführer der Krosaken ihr zur Seite stellen will. Stattdessen sehnt sie sich nach einem schwächlichen, klugen, poetischen Gemahl, der auch in Gestalt von Herbert gefunden zu sein scheint. Ihr Vater sieht dies allerdings anders und verspricht Isis dem Wärter des Donjon. Widerwillig, um weitere Komplikationen zu vermeiden, stimmt dieser zu – nur um kurze Zeit später von Isis mit Herbert betrogen zu werden.

Nubbel (frz. Grogro) Der beste Freund von Marvin und Herbert ist ein tollpatschiges, dickes, haariges Donjon-Monster. Nubbels liebstes Hobby ist Essen – und zwar alles, was sich nicht schnell genug in Sicherheit bringt oder ihm ausdrücklich vom Wächter verboten wurde. Er hat eine besondere Vorliebe für Hasen.

Horus (frz. Horus alias Horous, nécromant) Horus ist ein Totenbeschwörer und beherrscht unterschiedlichste Techniken, seinen Mitmenschen Gedärme oder Extremitäten zu entfernen und diese wieder einzusetzen. Er kann auch untote Esel beschwören und leitet die Skelettfußballmannschaft im Donjon.

Alkibiades (frz. Alcibiade, magicien) Der Gnomonist kann durch die Augen von Riesen oder durch Kristallkugeln wahrsagen und dient im Donjon als wissenschaftlicher Berater.

Roter Marvin (frz. Marvin Rouge)