Der Wuppertaler Sportverein (kurz WSV; von 2004 bis 2013 Wuppertaler SV Borussia) ist ein Sportverein aus Wuppertal. Der Verein ist insbesondere durch seine Fußballabteilung bekannt, die in den 1970er Jahren in der Bundesliga spielte. Darüber hinaus bestehen derzeit u. a. auch Abteilungen für Beachsoccer, Futsal und Kinderturnen.
Der bislang größte Erfolg der Fußballabteilung war der Aufstieg in die Bundesliga 1972 sowie die Teilnahme am UEFA-Pokal 1973/74. Der Tiefpunkt folgte 2013 mit dem Antrag auf Insolvenz und einem damit einhergehenden Abstieg aus der viertklassigen Liga. Der Verein ist mit rund 1700 Mitgliedern (Stand: 2017) nach dem SV Bayer Wuppertal (7600), der Sektion Wuppertal des Deutschen Alpenvereins (5900) und vor dem Barmer TV 1846 Wuppertal (1600) der drittgrößte Verein Wuppertals.
Geschichte Ursprünge und Entwicklung des Vereins mini|100px|links|Wappen um 1930 links|Wappen des SSV 04 Wuppertal und des TSG Vohwinkel 80 Gegründet wurde der Verein am 8. Juli 1954 durch Fusion des SSV 04 Wuppertal aus dem Stadtteil Elberfeld und der seinerzeit erfolgreicheren TSG Vohwinkel 80 aus dem gleichnamigen Stadtteil. Dabei brachten die Vohwinkler das Rot und die Elberfelder das Blau in die Farben des neuen Vereines ein.
Die Vereinigung zwischen den als vermögender angesehenen „Speckjägern“ aus Elberfeld, deren Vereinsgeschichte rund ein halbes Jahrhundert davor als Bergischer Wintersportverein begonnen hatte, und den „Füchsen“, die knapp vor ihrem 75-jährigen Vereinsjubiläum standen, war umstritten, wenngleich deren Fußballmannschaften schon gelegentlich bei Privatspielen als Kombination aufgetreten waren. Dem Oberbürgermeister Heinrich Schmeißing werden für seine diplomatischen Bemühungen große Verdienste um die Fusion zugesprochen.
1991 wurde Friedhelm Runge zum Präsidenten gewählt, er führte den Verein in dieser Funktion bis zu seinem Rücktritt Anfang 2013 über 21 Jahre lang.
mini|Wappen des Sportvereins Borussia Wuppertal Im März 2004 wurde die Fusion der beiden führenden Wuppertaler Fußballvereine, des Wuppertaler SV und des SV Borussia Wuppertal, mit Wirkung zum 1. Juli 2004 beschlossen. Borussia Wuppertal war 1976 aus einem Zusammenschluss von SV Germania 1907 Wuppertal und VfL 1912 Wuppertal hervorgegangen und bis 2001 in der Regel fünftklassig gewesen, hatte aber bis 2004 für drei Jahre, davon zwei parallel zum WSV, in der vierten Liga gespielt. Farben und Wappen blieben nach der Fusion die des Wuppertaler SV; die blau-gelben Insignien der alten Borussia verschwanden. Seitdem hieß der Verein Wuppertaler SV Borussia, ehe der Zusatz Borussia auf der Mitgliederversammlung am 24. Mai 2013 mit großer Mehrheit wieder abgewählt wurde, nachdem er in Fankreisen aufgrund mangelnden Identifikationspotentials stets umstritten gewesen und auf Mitgliederversammlungen mehrfach thematisiert worden war.
Sportlicher Werdegang Vor 1945 – einige Jahre in der Gauliga Die späteren Fusionspartner SSV 04 Wuppertal und TSG Vohwinkel 80 konnten vor Ende des Zweiten Weltkriegs keine besonderen Erfolge feiern.
Ab der Saison 1936/37 verbrachte der SSV 04 Wuppertal (bis Februar 1937 SSV 04 Elberfeld) insgesamt fünf Spielzeiten in der Gauliga Niederrhein, der mit 15 weiteren Gauligen damals höchsten deutschen Spielklasse.
Nach dem erstmaligen Aufstieg konnte sich der SSV 04 für zunächst vier Jahre in der Gauliga halten, musste sich aber mit Plätzen im Mittelfeld begnügen. Der erste Platz, der zur Teilnahme an der deutschen Meisterschaft berechtigt hätte, war unerreichbar.
In der ersten Kriegssaison folgte der Abstieg in die Zweitklassigkeit. In jenem Jahr war der SSV 04 chancenlos und verließ die Liga mit 6:30 Punkten auf dem vorletzten Platz.
Bereits im folgenden Jahr schafften sie den Sprung zurück ins deutsche Oberhaus. Diesem ließ die Elberfelder Elf die beste Platzierung ihrer Vereinsgeschichte folgen, sie belegten den dritten Platz und waren nur drei Punkte von der Qualifikation zur Endrunde um die deutsche Meisterschaft entfernt. In einer insgesamt sehr umkämpften Liga standen die Bergischen sogar vor den späteren Erzrivalen von Rot-Weiss Essen (Vierter) und Fortuna Düsseldorf (als Neunter abgestiegen).
Bessere Platzierungen konnte die Mannschaft des SSV 04 Wuppertal nicht folgen lassen; wie viele andere Mannschaften auch wurden sie durch den Zweiten Weltkrieg stark geschwächt und konnten in der Saison 1942/43 keine Mannschaft mehr aufstellen.
Der SSV 04 Wuppertal in der Gauliga Niederrhein Saison Rang Punkte Tore Spiele Aufstieg/Abstieg 1936/37 7 16:20 36:43 18 1937/38 5 18:18 29:20 18 1938/39 6 15:21 37:49 18 1939/40 9 6:30 19:42 18 Abstieg … … … … … … 1941/42 3 23:13 46:35 18 1942/43 10 0:0 0:0 0 Rückzug
Oberliga-Ära mini|Historisches WSV-Wappen von 1954 bis 1974
Nach dem Zweiten Weltkrieg war die TSG Vohwinkel zunächst der erfolgreichere Verein. Sie war bereits 1946/47 in der damals erstklassigen Bezirksmeisterschaftsrunde Berg-Mark vertreten und wurde 1947 Gründungsmitglied der damals wiederum erstklassigen Fußball-Oberliga West. In den ersten beiden Spieljahren konnte bei jeweils 13 Ligateilnehmern der 10. und der 7. Platz erreicht werden. Nach drei Spielzeiten musste Vohwinkel allerdings als 14. von nunmehr 16 Klubs in die 2. Liga West absteigen. Währenddessen durfte sich der SSV Wuppertal unter Trainer Fritz Szepan, dem großen Schalker, 1948 eines Aufstiegs in die Zweite Liga erfreuen. Ein weiterer früherer Nationalspieler, der den SSV trainierte, war ab 1950 Herbert Pohl.
Nach der Fusion zum Wuppertaler SV gelang diesem 1955 mit der souveränen Zweitligameisterschaft der erneute Oberliga-Aufstieg. Nach einem 10. und einem 9. Platz folgte im dritten Jahr der 15. und damit vorletzte Platz, der den Abstieg bedeutete.
Unter Trainer Robert „Zapf“ Gebhardt gab es 1962 ein Comeback, als man zur letzten Oberligasaison vor Einführung der Bundesliga den Wiederaufstieg schaffte. Der WSV schloss erneut als Vorletzter ab; indes erreichten die Rot-Blauen das Halbfinale im DFB-Pokal 1963, unterlagen dort aber im überfüllten Stadion am Zoo vor fast 40.000 Zuschauern dem späteren Pokalsieger Hamburger SV um Uwe Seeler unglücklich mit 0:1.
Der große Star des Vereins in jener Ära war Horst Szymaniak, Teilnehmer der Weltmeisterschaften von 1958 und 1962, der von 1955 bis 1959 bei den Bergischen spielte und 1956 seine erste Länderspieleinladung erhielt. Der spätere Italienprofi ist bis heute der einzige A-Nationalspieler aus den Reihen der Rot-Blauen.
In der Bilanz jener Ära belegt der Wuppertaler SV einschließlich seines Vorgängers in der Ewigen Tabelle der Oberliga West unter 29 Vereinen Platz 20.
TSG Vohwinkel 80 von 1945 bis 1954 Saison Liga Rang Punkte Tore Spiele Aufstieg/Abstieg 1945/46 Stadtliga Wuppertal, Gruppe West (I) 1 35:5 97:21 20 Qualifikation zur neuen Bezirksliga Berg/Mark 1946/47 Bezirksliga Berg/Mark (I) 2 34:10 72:20 22 Qualifikation zur neuen Oberliga West 1947/48 Oberliga West (I) 10 19:29 33:48 24 1948/49 Oberliga West (I) 7 23:25 41:51 24 1949/50 Oberliga West (I) 14 21:39 42:68 30 Abstieg 1950/51 2. Liga West, Gruppe 2 (II) 4 33:27 62:49 30 1951/52 2. Liga West, Gruppe 2 (II) 2 37:19 51:33 28 1952/53 2. Liga West (II) 4 41:19 61:36 30 1953/54 2. Liga West (II) 12 25:35 40:48 30
SSV 04 Wuppertal von 1945 bis 1954 Saison Liga Rang Punkte Tore Spiele Aufstieg/Abstieg 1945/46 Stadtliga Wuppertal, Gruppe West (I) 4 28:12 72:39 20 Qualifikation zur neuen Bezirksklasse Wuppertal-Niederberg 1946/47 Bezirksklasse Wuppertal-Niederberg (II) 4 26:14 53:31 20 Abstieg (de facto, durch Gründung der Oberliga West) 1947/48 Bezirksklasse Wuppertal-Niederberg (III) 1 35:9 72:28 22 Aufstieg 1948/49 Landesliga Niederrhein (II) 4 28:16 53:27 22 Qualifikation zur neuen 2. Liga West 1949/50 2. Liga West, Gruppe 1 (II) 3 40:20 55:32 30 1950/51 2. Liga West, Gruppe 2 (II) 2 40:20 77:42 30 1951/52 2. Liga West, Gruppe 2 (II) 4 32:24 68:50 28 1952/53 2. Liga West (II) 14 21:39 47:68 30 1953/54 2. Liga West (II) 14 23:37 34:56 30
Zweitklassigkeit in der frühen Bundesliga-Ära – Regionalliga West In der zweitklassigen Regionalliga West konnte sich der Wuppertaler SV sofort in der Spitzengruppe etablieren. Bereits in der ersten Saison wurde er Zweiter, und mit Ausnahme der Spielzeit 1967/68 (Platz 15) gehörte er stets zu den Spitzenmannschaften.
Zur Teilnahme an der Aufstiegsrunde reichte es aber nur 1971/72, als er mit 60:8 (nach heutiger Zählweise 88 von 102 möglichen) Punkten souverän Meister der Regionalliga West wurde, wobei Günter „Meister“ Pröpper allein 52 der 111 Tore erzielte. Der WSV gewann in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga alle acht Partien – eine in der von 1964 bis 1974 währenden Geschichte der Aufstiegsrunde einmalige Bilanz.
Die Mannschaft unter Trainer Horst Buhtz:
Manfred Müller Manfred Cremer, Erich Miß, Emil Meisen, Manfred Reichert Bernd Hermes, Herbert Stöckl, Jürgen Kohle (oder Detlef Webers)Gustav Jung, Günter Pröpper, Heinz-Dieter Lömm.
Von 1972 bis 1975: Bundesliga – und das größte Jahr des Wuppertaler Fußballs Der WSV belegte in seinem ersten Jahr im fußballerischen Oberhaus einen vielbeachteten vierten Platz, der die Qualifikation zum UEFA-Pokal bedeutete. Pröpper stellte auch hier seine Klasse unter Beweis und wurde mit 21 Toren Dritter der Torschützenliste; nur die legendären Gerd Müller und Jupp Heynckes trafen in dieser Saison häufiger.
In der ersten Runde des UEFA-Pokal 1973/74 zeigte sich, dass die spielerische Qualität des WSV nicht zu einem Erfolg in diesem Wettbewerb ausreichte. Der als schlagbar betrachtete Gegner Ruch Chorzów aus Polen sorgte bereits im Hinspiel mit einem 4:1 für eine ungünstige Ausgangslage. Das Rückspiel im bislang einzigen Europapokalspiel im Stadion am Zoo zog 13.000 Zuschauer an. Auch eine Aufholjagd des WSV, der einen 1:3-Rückstand noch in einen 5:4-Sieg verwandelte, konnte das Ausscheiden nicht mehr verhindern.
In der Bundesliga wurde in dieser Spielzeit Heinz-Dieter Lömm zum spielerischen Helden. Sein Tor in der 82. Minute des letzten Spieltages in Stuttgart sicherte den Bergischen aufgrund der besseren Tordifferenz ein weiteres Jahr in der deutschen Eliteliga.
1974/75 musste sich die als überaltert angesehene Mannschaft aber als weit abgeschlagenes Schlusslicht in die 2. Bundesliga verabschieden. Der Wuppertaler SV erreichte in dieser Spielzeit nur zwölf Punkte, und damit nur vier mehr als Tasmania Berlin in dessen Saison der Negativrekorde. Damit manifestierte sich der Klub als zweitschlechtester Bundesligaabsteiger aller Zeiten.
Als letzte große Erinnerung an jene kurze, goldene Zeit des WSV bleibt sein 3:1-Erfolg am 5. Spieltag der Abstiegssaison über den FC Bayern München um Franz Beckenbauer, der damals den Weltfußball dominierte.
Von 1975 bis 2013 Der Wuppertaler SV konnte nach dem Abstieg aus der Bundesliga für weitere fünf Jahre noch die Zweitklassigkeit aufrechterhalten.
In der Saison 1976/77 konnte noch einmal mit einem Wiederaufstieg gerechnet werden, jedoch konnte der Abstand auf Platz zwei, der zur Teilnahme am Relegationsspiel berechtigt hätte, nie auf weniger als zwei Punkte verringert werden. Besonders schwer wog das 1:1-Unentschieden am 34. von 38 Spieltagen gegen den direkten Konkurrenten Arminia Bielefeld im eigenen Stadion. Im Spielverlauf brachte der Bielefelder Christian Sackewitz die Gastmannschaft in der 85. Minute in Führung, WSV-Stürmer Rainer Budde glich nur eine Minute später aus, doch der dringend benötigte Siegtreffer blieb aus. Somit belegte man in der Abschlusstabelle den dritten Platz, drei Punkte hinter den Ostwestfalen.