mini|Ellen Ammann, Gründerin und erste Leiterin der Sozialen Frauenschule Die Katholische Stiftungshochschule München (KSH München) ist eine staatlich anerkannte Hochschule der kirchlichen Stiftung des öffentlichen Rechts Katholische Bildungsstätten für Sozialberufe in Bayern mit Standorten in München und Benediktbeuern. Eine konfessionelle Zugehörigkeit wird bei Studierenden nicht vorausgesetzt. Die KSH ist nach der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt die zweitgrößte Bildungseinrichtung der römisch-katholischen Kirche in Bayern sowie die älteste katholische Ausbildungsstätte für Soziale Arbeit in Deutschlandvgl. Berger 2023, S. 128 ff..
Überblick Die KSH bietet Bachelor- und Masterstudiengänge im Sozial-, Pflege-, Gesundheits- und pädagogischen Bereich an. Sie ist dabei in die Fakultäten Soziale Arbeit (beide Standorte) sowie Gesundheit und Pflege (Standort München) gegliedert. Ergänzend gibt es Zusatzqualifikationen im theologischen, musischen und erlebnispädagogischen Bereich. Über Kooperationen mit titelverleihenden Universitäten in Bayern ist zudem eine Promotion möglich; ab 2026 können an der KSH eigenständige Promotionen durchgeführt werden. Für Personen mit ausländischen pädagogischen Studienabschlüssen gibt es Qualifikationsangebote für den deutschen Arbeitsmarkt.
Selbstverständnis Die KSH versteht sich als Hochschule, an der „Wissenschaft, gesellschaftlicher Anspruch und Menschlichkeit zu einem Ganzen werden“. Besondere Schwerpunkte werden auf Praxisnähe, internationale Kooperationen und eine werteorientierte Bildung gelegt. Die KSH München verstehe sich als „lernende Organisation“ in einer globalisierten und sich wandelnden Welt und setze sich für „eine freiheitliche, demokratische, rechtsstaatliche, solidarische und offene Gesellschaft“ ein.
Standorte Die KSH hat zwei Standorte in München und Benediktbeuern.
Campus München Der Campus München der KSH liegt im Münchner Stadtteil Haidhausen auf dem Gelände des Kirchlichen Zentrums der Erzdiözese München und Freising. Der Campus hat etwa 1900 Studierende mit rund 500 neuen Studierenden pro Jahrgang.
Campus Benediktbeuern Der Campus Benediktbeuern liegt in Benediktbeuern (Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen in Oberbayern, Alpenvorland) in einer denkmalgeschützten Klosteranlage der Salesianer Don Boscos. Der Campus hat etwa 550 Studierende mit rund 150 neuen Studierenden pro Jahrgang.
Studiengänge Die KSH München bietet folgende Studiengänge an:
Am Campus München: Soziale Arbeit (Vollzeit, berufsbegleitend und Dual) Kindheitspädagogik (Vollzeit und digital) Healthcare-Management Pflegepädagogik Pflege (Dual und Vollzeit) Hebammenkunde Wirtschaftspsychologie Am Campus Benediktbeuern:
Soziale Arbeit (2plus, Dual und Vollzeit)
Religionspädagogik und kirchliche Bildungsarbeit (Dual und Vollzeit) Doppelstudium Religionspädagogik und kirchliche Bildungsarbeit und Soziale Arbeit
Masterstudiengänge Konsekutive Masterstudiengänge am Campus München: Angewandte Bildungswissenschaften/Pädagogik (M.A.) Soziale Arbeit als Wissenschaft und Profession (M.A.) Management von Sozial- und Gesundheitsbetrieben (M.A.) Bildung und Bildungsmanagement im Gesundheitssystem (M.A.) Pflegewissenschaft – Innovative Versorgungskonzepte (M.Sc.) Angewandte Versorgungsforschung (M.Sc.) Midwifery-Led Care (M.Sc.)
Weiterbildungsmaster: Soziale Arbeit (M.A.) Suchthilfe (M.Sc.) Community Health Nursing (M.Sc.)
Zusatzqualifikationen Theologische Zusatzqualifikation (beide Standorte) Erlebnispädagogische Zusatzqualifikation (beide Standorte) Campus München: Musikpädagogisches Profil MuPro; Campus Benediktbeuern: Musikpädagogische Zusatzausbildung MUZA
Angebote für Personen mit ausländischen pädagogischen Studienabschlüssen (Quelle: )
BEFAS - Bildung und Erziehung im Kindesalter und BEFAS+ (B.A.) IBS (Erwerb der Berufsbezeichnung „staatlich anerkannte Sozialpädagogin“ oder „staatlich anerkannter Sozialpädagoge“) Anpassungslehrgang für Hebammen aus Drittstaaten (Erlaubnis zum Tragen der Berufsbezeichnung Hebamme) mini|Werbeanzeige, archiviert im Ida-Seele-Archiv mini|Werbeanzeige in den Kirchenzeitungen der bayerischen Bistümer (1966)
Geschichte Vorgeschichte (1909–1971) Die Wurzeln der Katholischen Stiftungshochschule München gehen zurück auf die Anfänge professioneller Sozialer Arbeit zu Beginn des 20. Jahrhunderts angesichts von Massenarmut, des Wohnelends und der Ausbeutung der männlichen wie weiblichen Arbeiterschaft im Königreich Bayern, ferner den Umstand, dass für die behördliche Armenpflege, bisher eine Männerbastion, Frauen zugelassen wurden. Die Zulassung von Frauen erforderte geschulte Kräfte, wenn die „weibliche Arbeit wahrhaft nutzbringend und umgestaltend auf die Armenpflege wirken“ sollte.zitiert nach Rudolf 2000, S. 5.
Es waren insbesondere Frauen der organisierten katholischen Frauenbewegung, die sich für die Gründung Sozialer Frauenschulen einsetzten, in Bayern insbesondere Ellen Ammann, Gräfin Pauline von Montgelas, Marie Amelie von Godin, Marie Buczkowska, Gräfin Hedwig von Preysing und Elisabeth Hopmann.vgl. Behringer 2009, S. 5 ff. Genannte begriffen Soziale Arbeit als eine typisch weibliche Kulturleistung.zitiert nach Behringer 2009, S. 14 f. Demzufolge war die Gründung einer Socialen und caritativen Frauenschule, die einerseits die Verknüpfung von Praxis und Theorie, andererseits die notwendigen Fertigkeiten und Kenntnisse für die Ausübung Sozialer Arbeit vermittelt, ein Gebot der Stunde.Ammann/Hopmann 1918, S. 5. mini|Bericht über die Jahre 1909 bis 1918, archiviert im Ida-Seele-Archiv mini|Kurs 1923/24, archiviert im Ida-Seele-ArchivDie Katholische Stiftungsfachhochschule München wurde aus mehreren Vorgängereinrichtungen gebildet. Dabei handelte es sich um folgende vier Ausbildungsinstitutionen: die ab Oktober 1909 von der gebürtigen Schwedin Ellen Ammann im Rückgebäude ihres Wohnhauses in der Münchener Theresienstraße angebotene Abfolge von Schulungskursen für ehrenamtlich tätige Frauen zu sozial-caritativen Themen, welche 1912 mit Hilfe von Maria Hopmann in zweisemestrige und ab 1916 in viersemestrige Schulungskurse ausgebaut wurden. Die Einrichtung nannte sich Sozial-Caritative Frauenschule. 1912 wurde in Augsburg eine Zweigstelle eingerichtet, die jedoch nach wenigen Jahren wieder aufgelöst wurde.Behringer 2009, S. 24. 1926 wurde die Sozial-Caritative Frauenschule staatlich anerkannt. 1963 wurde sie in eine Höhere Fachschule für Sozialarbeit umgewandelt und 1964 in Ellen-Ammann-Schule umbenannt. Die Ausbildung führte zum Abschluss Staatlich anerkannte Sozialarbeiterin. Zudem wurde eine Ausbildung zur Seelsorgehelferin angeboten dem 1959 auf Anregung von Monsignore Wilhelm Bleyer gegründeten einjährigen und einmaligen Grundlehrgang für männliche Sozialberufe (Jugendhilfe und Sozialarbeit),Auszug aus der Werbebroschüre (archiviert im Ida-Seele-Archiv): Aufnahme: Männliche Jugendliche, die das 16. Lebensjahr vollendet haben und charakterlich, gesundheitlich und nach ihrem Können für eine berufliche Tätigkeit im Bereich der Jugendhilfe oder Sozialarbeit geeignet sind. Vorbildung: Nach Erfüllung der Volksschulpflicht im Allgemeinen Abschluss einer Lehre, einer kaufmännischen Schule, einer Mittelschule oder entsprechender Klassen einer Höheren Schule … Ziel der Ausbildung: Grundkenntnisse für die Berufe in der Jugendhilfe und Sozialarbeit. Nach Abschlussprüfung entweder Übernahme einer Tätigkeit in einem Heim, in der Krankenpflege, in der Fürsorge u. ä. oder Übertritt in eine Sozial-Schule (Wohlfahrtspfleger-Schule). der im folgenden Jahr zur Wohlfahrtsschule für Männer umgewandelt wurde (ab 1963 Höhere Fachschule für Sozialarbeit), die 1968 in München ins Leben gerufene zweijährige Höhere Fachschule für Sozialpädagogik in Aufbauform (konnte von Erzieherinnen, Kindergärtnerinnen, Hortnerinnen etc. aufbauend absolviert werden) sowie die 1968 in Benediktbeuern gegründete Höhere Fachschule der Sozialpädagogik der Salesianer Don Boscos. 1967 wurde der Schulverein Katholische Bildungsstätten für Sozialberufe in Bayern e. V. gegründet, der zunächst die Trägerschaft sowohl der Wohlfahrtsschule für Männer als auch der Ellen-Ammann-Schule übernahm. Bis 1970 waren die beiden Ausbildungsstätten räumlich getrennt.
Gründung und Entwicklung (1971–2017) Hermann Zeit hatte als Vorsitzender der Konferenz der Deutschen Schulen für Sozialarbeit Ende der 1960er Jahre maßgebend an der bundesweiten Umwandlung der Höheren Fachschulen für Sozialarbeit bzw. Sozialpädagogik zu Fachhochschulen mitgewirkt. Und so wurde am 1. August 1971 die Katholische Stiftungsfachhochschule München gegründet. Sie gehört zu den Fachhochschulen der ersten Gründungswelle in der Bundesrepublik Deutschland.Schäflein 1988, S. 33.
Neben den Direktoren der ehemaligen Höheren Fachschulen für Sozialarbeit und Sozialpädagogik waren in den Folgejahren insbesondere Walter Kögl, Simon Hundmeyer, Adelheid Stein, Eleonore Romberg sowie Andreas Hutter prägend für die Katholische Stiftungsfachhochschule München.
Mit Inkrafttreten des Bayerischen Hochschulgesetzes (BayHSchG) am 1. Oktober 1974, in das auch die Fachhochschulen einbezogen wurden, erhielt die konfessionell gebundene Bildungsinstitution den Status einer nichtstaatlichen Hochschule. Sie gilt damit gemäß Art. 106, Abs. 3 BayHSchG als staatlich anerkannt. Sie finanziert sich anteilig aus Mitteln des Freistaates Bayern und aus Zuschüssen der bayerischen Diözesen.
Die Fachhochschule der kirchlichen Stiftung des öffentlichen Rechts erließ am 10. Juni 1974 eine Verfassung. In dieser sind Aufgaben sowie Organisation, die Mitgliedschaft, die Kollegialorgane und andere Gremien, die Leitung, die Studierendenvertretung, die Berufungsverfahren, das Kuratorium u. a. m. geregelt. Damit übergab der Träger der Katholischen Stiftungsfachhochschule München das Recht der Selbstverwaltung.
1995 wurde der Diplomstudiengang Pflegemanagement eingeführt, der erste Pflegestudiengang in Bayern, und im selben Jahr die Fakultät Pflege und Gesundheit am Campus München.
Im Juni 2009 feierte die Hochschule den 100. Geburtstag ihrer ältesten Vorgängereinrichtung.
2017 bis heute Die Verfassung wurde im Jahr 2017 überarbeitet. Seitdem trägt die Hochschule den Namen Katholische Stiftungshochschule München.
2019 führte die KSH als zweite Hochschule in Bayern den Bachelorstudiengang Hebammenkunde (B.Sc.) ein.
2021 wurde auf dem Campus München ein neues Seminargebäude mit 28 Hörsälen und Seminarräumen - das Ellen-Ammann-Seminarhaus - eingeweiht.
2024 führte die KSH den ersten hebammenwissenschaftlichen Masterstudiengang in Bayern, Midwifery-Led Care (M.Sc.), ein.
Ab 2026 können an der KSH eigenständige Promotionen durchgeführt werden. Gemeinsam mit der Evangelischen Hochschule Nürnberg (EVHN) wird das Promotionszentrum Menschenorientierte Forschung für innovative Versorgung und Teilhabe (PromZen MeVuT) eingerichtet. Es bündelt praxisnahe Forschung im SAGE-Bereich (Soziale Arbeit, Gesundheit, Bildung, Erziehung). Zuvor waren Promotionen nur über Kooperationen mit Universitäten möglich.
Organisation Zentrale Organe der KSH sind der Senat, das Kuratorium, die Hochschulleitung und die Erweitere Hochschulleitung.
Der Senat ist das zentrale Kollegialorgan der Hochschule und gestaltet die Hochschulpolitik maßgeblich mit. Er trifft Entscheidungen in grundsätzlichen Angelegenheiten von Studium, Lehre, Forschung und Entwicklung, etwa zur Einrichtung neuer Studiengänge, zur Berufung von Lehrenden oder zur Vergabe finanzieller Mittel für den Ausbau der Infrastruktur. Zusammengesetzt ist der Senat aus Mitgliedern der Erweiterten Hochschulleitung sowie gewählten Vertretungen der Lehrenden, der Mitarbeitenden in Verwaltung und Forschung und der Studierenden.