mini|Hanfseil, aufgedröseltes Ende mini|Seilbank im Schifffahrtsmuseum in Spitz (Niederösterreich)

Ein Seil ist ein aus zusammengedrehten („geschlagenen“) oder geflochtenen Natur- oder Kunstfasern oder Drähten bestehendes längliches, zugfestes, schlaff biege- und meist torsionsweiches elastisches Element. Es wird überwiegend zur Aufnahme von Zugkräften genutzt.

Seile werden typischerweise genutzt, um Zugkräfte aufzunehmen oder zu übertragen. Seile werden durch Zugfestigkeit/Reißkraft, Material und Durchmesser spezifiziert.

Von Gegenständen mit ähnlichen Eigenschaften und Funktionen wie Strick, Schnur, Kordel oder Leine unterscheiden sich Seile durch ihre Länge und/oder Dicke.

Bereits seit der Antike, insbesondere jedoch im Mittelalter und in der frühen Neuzeit, fand das Seilmotiv auch als Architektur- und Schmuckornament Verwendung (Seilstab).

Geschichte Im Jahr 2024 wurde ein rund 35.000 Jahre alter, vierfach durchbohrter Lochstab aus Mammut-Elfenbein wissenschaftlich beschrieben, von dem 15 zusammengehörige Fragmente in der Karsthöhle Hohler Fels in Baden-Württemberg entdeckt wurden. Die Rekonstruktion des 20,4 cm langen, 3,6 cm breiten und 1,5 cm dicken Stabs aus dem Jungpaläolithikum sowie experimentell-archäologische Studien zu seiner Nutzung ergaben, – gestützt durch Anhaftungen von Pflanzenfasern und feine Riffelungen an seiner Oberfläche –, dass es sich vermutlich um ein Werkzeug zum Verdrillen von Fasern zu einem Seil handelt.Nicholas J. Conard und Veerle Rots: Rope making in the Aurignacian of Central Europe more than 35,000 years ago. In: Science Advances. Band 10, Nr. 5, 2024, doi:10.1126/sciadv.adh5217. Aus dem deutlich jüngeren Mesolithikum wurden Seile und Fischernetze aus Weidenbast nachgewiesen.Almut Bick: Die Steinzeit. Theiss WissenKompakt, Stuttgart 2006. ISBN 3-8062-1996-6. Ob man beim Steintransport und bei der Aufrichtung der Megalithbauten (Menhire, Dolmen) bereits entsprechend dicke Seile zur Verfügung hatte, ist umstritten. Ein um 1500 v. Chr. aus Lindenbast gefertigtes Seil mit einem Durchmesser von ca. 4 cm wurde in einem Salzbergwerk von Hallstatt entdeckt. Die ersten Abbildungen von Seilerwerkstätten stammen aus dem Alten Ägypten.

Mit der zunehmenden Bedeutung der Seefahrt wurde im Spätmittelalter und in der Renaissance zunehmend Tauwerk in größeren Mengen benötigt und hergestellt – es entstand der Beruf des Seilers bzw. Reepschlägers.

Die Herstellung industriell gefertigter Seile begann im 19. Jahrhundert. Neben Hanffasern wurden auch Sisalfasern sowie später Drähte – überwiegend Stahldrähte – und Kunstfasern verwendet.

Mit der Bildung von Löschmannschaften in Form von Pflichtfeuerwehren Anfang des 19. Jahrhunderts wurden auch deren Rechte und Pflichten festgelegt, in der auch die Handhabung von Seilen erfolgte. So hatte der Ortsvorstand eine Abteilung rüstiger Männer auszuwählen, welche „unter eigenen Anführern steht, und zum Retten von Menschen, Hausthieren und Effecten bestimmt ist“. Diese Mannschaft hatte sich, „soviel thunlich, mit starken, besonders an den Handhaben gut befestigten geflochtenen Körben, Rettungsschläuchen, Tragbahren, Zubern, Seilen und Brechwerkzeugen“ zu versehen, um Rettungsmaßnahmen durchzuführen. Beispielsweise erließ das Herzogtum Nassau im November 1826 eine solche Verordnung.

Anwendungsbereiche Seile, Schnüre und Kordeln spielen in der Seefahrt sowie im Bau- und Transportwesen eine große Rolle. Historische Anwendungen sind Brunnenseile, Treträder, Katapulte, Krane, Lastenaufzüge und Flaschenzüge. Aufgrund der größeren Belastbarkeit und Dauerhaftigkeit werden bei vielen technischen Anwendungen heute Stahlseile bevorzugt.

Für unterschiedliche Anforderungen werden Seile mit unterschiedlichen weiteren Eigenschaften hergestellt: Elastizität bei Beanspruchung auf Dehnung längs Quetschung quer Griffigkeit – zur Übertragung von Kräften über Reibung, etwa in einer Seilrolle mit keilförmiger Nut oder bei Verguss, Verkleben oder Einbetonieren. Biegeweich oder -steif – relevant auch beim Verknoten Krängelarm – Das Seil kann mehr oder weniger Verdrillung (pro Länge) aufnehmen, ohne Drallschlaufen zu werfen. Dämpfung über die Hysterese der Längendehnung Druck- und Klemmfestigkeit bei Quer-Einklemmen, Verpressen Verdreharmut bei Längsbelastung – wichtig beim Seilkran mit wechselnder Zugbelastung. Abriebfestigkeit und eigene Abriebwirkung Widerstand gegen Korrosion, Verrotten, chemischen Angriff Wasseraufnahme in die Faser und auf/zwischen die Fasern

Beim technischen Klettern, Tauziehen und zur Anfertigung von Strickleitern sind Seile unverzichtbar. An Treppen können sie einen Handlauf ersetzen.

Bezeichnungen Die Bezeichnung „Seil“ wird gleichermaßen für Seile aus Natur- und Kunstfasern wie auch für Drahtseile verwendet. Seile werden umgangssprachlich auch als „Strick“ oder bei geringem Durchmesser als „Schnur“ oder, wenn kurz und dünn, als „Kordel“ bezeichnet. Faden, Garn und Zwirn werden nicht zu den Seilen gezählt und sind vielfältige Produktionsmittel, welche keine mehrstufige Verzwirnung aufweisen.

In der Seefahrt spricht man mit Ausnahme des Glockenseils fast nie von Seilen, sondern von Tauen, Leinen, Trossen und Tampen, sowie eine Vielzahl von weiteren Bezeichnungen nach Machart oder Verwendung. Dünne Leinen werden als Bändsel bezeichnet. Der Oberbegriff heißt Tauwerk, unterteilt in laufendes und stehendes Gut.

Zu unterscheiden sind Seile, die recken, und reckarme Seile. Ein Seil, das sich unter Belastung ausdehnt, ist von Vorteil, wenn etwa der Fall eines Bergsteigers aufgefangen wird. Reckarme Seile dehnen sich unter Last sehr wenig aus und werden beispielsweise in der Takelage von Segelbooten verwendet. Das Recken ist vom gewählten Material und von der Flechtart des Seils abhängig. Das Recken wird in Prozent der Ausdehnung bei Nennbelastung angegeben.

Auch im Klettersport unterscheidet man Seile nach verschiedenen Kriterien.

Ideales und reales Seil

Die Physik unterscheidet zwischen „idealen“ und „realen“ Seilen. Das ideale Seil – ein Modell – ist masselos, straff, nicht dehnbar und ohne Biegesteifigkeit. Es vereinfacht etwa die Abhandlung (reibungsfrei idealisierter) Flaschenzüge. Für den Durchhang in Form einer Kettenlinie oder die Wellenbewegungen des hängenden oder gespannten Seils muss es jedoch (nur) Masse haben (zur Mechanik von Seilen s. Seilstatik).

Bestandteile und Aufbau Kabelgarn mini|Kabelgarne für Tausendbein mini|Fischer messen Seillängen, in Ystad 2016. Im Gegensatz zum Garn, das zur Anfertigung von Segeltuchen benutzt wird, die Bezeichnung der kleinsten, aus einer Anzahl Fasern zusammengedrehten Einheit, die zur Herstellung von Kardeelen in Fasertauwerk benutzt wird. Seemännische Bezeichnung für den aus Fasern gesponnenen starken Faden (Garn).Kabelgarn sailingace.com.Kabelgarn grosse-seefahrt.de.

Materialien Zur Herstellung von Seilen aus Naturfasern dienen Faserpflanzen: Baumwolle, Flachs, Hanf, Kokos, Manilahanf und Sisal

Kunstfaser-Seile haben folgendes Ausgangsmaterial (Produktbeispiele): Aramid (Technora/Twaron/Nomex/Kevlar), Polyester, Polyamid (Nylon, DeDeRon, Perlon), Polypropylen, Polyethylen (Dyneema/Spectra) sowie Poly(p-phenylen-2,6-benzobisoxazol) (Zylon)Seile und ihre Darstellung. Geo. Gleistein und Sohn GmbH. Abgerufen am 22. Februar 2015.

Metall- bzw. Drahtseile werden aus Stahl oder Edelstahl hergestellt. Für elektrische Leitungen werden auch Kupfer, Messing, Aluminium und spezielle Legierungen verwendet.

Materialeigenschaften

Vorteile Nachteile Verwendung Baumwolle vergleichsweise geringe Festigkeit, gegen Motten anfällig Textilien, Kordeln Flachs Springseil Hanf höchste Festigkeit bei den Naturfasern geringe Bruchdehnung, Fasern sind grob und hart, im Freien verrottet Hanf nur langsam, Knoten in feuchten Seilen nur schwer zu lösen (vgl. alte Bergseile im Regen) Dichtungsmaterial, Tauziehen, Deko, ehemalig Taue in der Takelage Kokos sehr hohe Scheuerfestigkeit, gute Elastizität, geringe Schmutzaufnahme, gute Schockabsorption, schwimmfähig Fußmatten, Baumbinder, Schlepptrossen, früheres Füllmaterial in Autokopfstützen Manila reißfest, widerstandsfähig gegen Meerwasser, leicht Taue in der Seefahrt Sisal hohe Reiß- und Scheuerfestigkeit, leicht und gut färbbar, widerstandsfähig gegen Feuchtigkeit Schiffstaue, Seile, Fußmatten, Netze, Teppiche, Katzenkratzbäume Polypropylen (PP) sehr leicht (schwimmfähig), nimmt kein Wasser auf, chemisch beständig gegenüber den meisten Säuren und Laugen, verhältnismäßig preisgünstig, hohe UV-Beständigkeit nur ausgerüstet abriebfest und temperaturbeständig Schwimmleine, günstige Festmacher, Allzweckseile z. B. für Baustellen, Wurfleine Polyamid (PA) hohe Festigkeit und hohe Bruchdehnung, d. h. hohe Energieaufnahme quillt im Wasser auf, verliert Festigkeit bei Kontakt mit Wasser, wird u. U. hart, nicht komplett beständig gegen einige Säuren und UV-Strahlung Klettern, Sichern, hochwertige Festmacher Polyester (PES) hohe Festigkeit, nimmt kein Wasser auf, sehr beständig gegenüber Witterungseinflüssen und den meisten Chemikalien, sehr hohe UV-Beständigkeit relativ schwer, niedrige Bruchdehnung Feuerwehrleine Hochfestes Polyethylen (PE) „Dyneema“, extrem hohe Bruchfestigkeit (5-fache von Polyamid), sehr leicht (schwimmfähig), nimmt kein Wasser auf, äußerst beständig gegenüber Säuren und Laugen extrem geringe Bruchdehnung, Temperaturbeständig nur bis 70 °C Aramid („Kevlar“) Kern-Mantel-Seilchen: parallele Aramidfasern in Polyester-Mantel. Geringe Dehnung, hohe Zuglast, geringer Durchmesser, steif knickempfindlich – wird daher vernäht, nicht verknotet Paragleiter-Leinen (ca. 2 mm Durchmesser)

Die früher zum Segeln und Bergsteigen verwendeten Seile waren meist aus Hanf; heute werden überwiegend synthetische Materialien verwendet. Sie sind bei geringerem Gewicht und Durchmesser stabiler, scheuerfester und besser knotbar. Abhängig von der Imprägnierung nehmen sie kaum Wasser auf und frieren weniger leicht ein. Allerdings altern Kunststoffseile durch die UV-Strahlung des Sonnenlichts und ihre Haltbarkeit und Festigkeit nehmen mit der Zeit ab.

Herstellung mini|S-Schlag (linksdrehend) Z-Schlag (rechtsdrehend) mini|a) Gleichschlag b) Kreuzschlag

Die Berufsbezeichnung ist "Seiler" (auch heute noch als Familienname zu finden) oder Reepschläger.

Seile werden überwiegend durch das Verdrillen (Schlagen) der einzelnen Stränge hergestellt, seltener geflochten.ARD Alpha: Seilherstellung

Mehrere aus Fasern gesponnene Fäden bzw. Drähte werden zunächst zu Litzen zusammengedreht. Aus mehreren Litzen wird dann das Seil geschlagen. Ein dünnes Seil besteht aus 3 bis 4 solcher Litzen, die verdrillt werden.

Seile, plattdeutsch Reepe, wurden früher vom Reepschläger (Seiler) per Hand auf Seilerbahnen (Reeperbahnen) gedreht. Heute erfolgt die Herstellung auf Seilschlagmaschinen. Historisch wurde das Drehen der einzelnen Seilstränge mit einer WarbelGezeichnetes Warbelbrett vorgenommen.

Die Schlagrichtung der Litzen und Seile kann linksdrehend oder rechtsdrehend (im Uhrzeigersinn) sein. Man spricht dabei von einem S-Schlag bzw. Z-Schlag. Ein kleines „s“ oder „z“ dient der Kennzeichnung der Schlagrichtung der Litzen, Großbuchstaben kennzeichnen die Schlagrichtung des Seiles.

Bei Kreuzschlagseilen laufen die Verdrillungen der einzelnen Litzenbündel der Verdrillung des Seils entgegen. Es ergibt sich ein steifes Seil, da die Entlastung einer Litze zugleich zur Anspannung der Fäden dieser Litze führt. Das Seil ist somit in sich ausgefacht, da durch die Reibung der Litzen zueinander eine Art Fachwerk entsteht. Das Seil ist somit flexibel, aber trotzdem steifer.