Das Mies-van-der-Rohe-Haus ist ein Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst, das sich in den Räumen des früheren Haus Lemke (auch Landhaus Lemke) an der Oberseestraße 60 im Berliner Ortsteil Alt-Hohenschönhausen befindet. Das Haus Lemke, benannt nach seinem Bauherrn, war das letzte von Ludwig Mies van der Rohe entworfene Wohnhaus in Deutschland vor seiner Emigration 1938 in die USA. Es entstand 1933 unter dem Eindruck des Neuen Bauens. Seit 1990 beherbergen die Räume das Mies van der Rohe Haus, ein öffentlich getragenes Ausstellungshaus.
Haus Lemke Im Jahr 1932 kaufte das Fabrikantenehepaar Martha und Karl Lemke (Besitzer einer grafischen Kunstanstalt und Geschäftsführer einer Berliner Druckerei) an der Straße ein Doppelgrundstück (Nr. 58/60) mit Zugang zum Obersee. Auf Anraten eines Bekannten wandten sie sich an den renommierten Architekten, der den Bau ausführen sollte. Nach mehreren Planungen, die meist einen zweigeschossigen Bau vorsahen, begannen die Arbeiten im Sommer 1932. Die Kosten beliefen sich auf 16.000 Reichsmark (kaufkraftbereinigt in heutiger Währung: rund Euro). Im Frühjahr 1933 konnten die Lemkes ihr Haus beziehen.
Der L-förmige, eingeschossige Bau ist mit seinen nur zwei Zimmern und 160 m² Grundfläche verhältnismäßig schlicht und bescheiden, entsprach aber damit den Ansprüchen des kinderlosen Ehepaars. Das Gebäude wurde nur auf einem Teil des Doppelgrundstücks(Nr. 60) gebaut, um für eventuell aufkommende schlechte Zeiten eine Finanzreserve zu besitzen und das Grundstück Nr. 58 wieder verkaufen zu können. Die Fassade besteht aus rotbunten kohlegebrannten Mauerziegeln, die das Flachdach des Hauses tragen. Auch das Inventar stammt zum Teil aus dem Atelier Mies van der Rohes oder wurde von seiner Partnerin Lilly Reich entworfen. Karl Foerster war für die Gartenplanung verantwortlich.
Das Ehepaar Lemke wohnte nur wenige Jahre in seinem Haus. Im Mai 1945, nach der Einnahme Alt-Hohenschönhausens durch die Rote Armee, wurde die Familie aufgefordert, das Haus schnellstmöglich zu verlassen. Die umliegende Gegend wurde zum Sperrgebiet erklärt und das Haus Lemke als Garage und Abstelllager benutzt. Später zogen hier und in die umliegenden Villen Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) der DDR ein. Diese Behörde erwarb das Haus im Jahr 1962 und nahm einige gravierende Änderungen an Haus und Garten vor. 1977 setzte es der Magistrat von Berlin auf die Bezirksdenkmalliste.
Da das Haus bis zu diesem Zeitpunkt sichtlich verfallen war, begannen in den 1980er Jahren die ersten Sanierungsarbeiten, allerdings ohne nennenswerten Erfolg, da die zur Verfügung gestellten Mittel unzureichend waren. Bis zur politischen Wende wurde das Haus als Wäscherei und Kantine für die Mitarbeiter des MfS genutzt. Der Garten wurde teilweise zubetoniert und als Parkplatz genutzt.
Mies-van-der-Rohe-Haus 1990 übernahm der Bezirk Hohenschönhausen Grundstück und Haus vom MfS und vollzog die offizielle Umbenennung in Mies-van-der-Rohe-Haus (spätere Eigenschreibweise: Mies van der Rohe Haus), um es als Institution mit wechselnden Ausstellungen für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. In den Jahren 2000–2002 erfolgte eine Sanierung und weitreichende Rekonstruktion des Baus auf Basis der Architekturpläne, die 1,07 Millionen Euro kostete. Seit 1994 steht im Garten des Hauses eine Skulptur der Berliner Künstlerin Ruth Baumann mit dem Titel Aufsicht um die Kante.Website der Künstlerin Ruth Baumann mit Ansicht der Stahlskulptur, abgerufen am 17. Januar 2025. 2026 folgte das Werk A tree planted in the Mies van der Rohe Haus Garden des britischen Künstlers Oliver Tirré.
Das Mies-van-der-Rohe-Haus wird getragen vom Bezirk Lichtenberg und zeigt Ausstellungen zeitgenössischer Kunst. Wita Noack, Buchautorin und erste Leiterin des Hauses,Mies van der Rohe Haus. Bei: berlin.de; abgerufen am 5. Februar 2020. wurde für ihre Bemühungen um den Erhalt des Hauses im September 2004 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.
Zur kulturellen und finanziellen Unterstützung der Leitung des Hauses gründete sich im Jahr 1999 ein Verein der Freunde und Förderer des Mies van der Rohe Hauses.
Leiter des Mies-van-der-Rohe-Hauses 1994–2025: Wita Noack 2025: Daniela Bell (Kommissarisch) seit 15. Dezember 2025: Dennis BrzekRathausnachrichten Lichtenberg, Dennis Brzek leitet das Mies van der Rohe Haus, Seite 8.
Erweiterung Der vorhandene Bau stößt mit seinem nur neun Quadratmeter großen Büro und der viel zu kleinen Besuchertoilette an die Grenzen seiner Belastbarkeit. Es gibt so gut wie keine Lagermöglichkeiten zur Ausstellungsvorbereitung. Jährlich kommen etwa 18.000 Besucher ins Haus.
Da der Garten aus Gründen des Denkmalschutzes nicht genutzt werden soll, wurde 2023 ein Ankauf des Nachbarhauses diskutiert.
Literatur
Weblinks
miesvanderrohehaus.de
Mies-van-der-Rohe-Haus bei Monumente Online Grundriss mit Einrichtungsplanung Originalskizze im Archiv des MoMA, New York City
Einzelnachweise Amtsblatt für Berlin, Nr. 51 vom 3. Dezember 2004 > Seite 4858 Rubrik Personalnachrichten – Verleihung von Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland.
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