mini|125px|Fadenziehender Schleim
Die symptothermale Methode ist eine zur Empfängnisverhütung angewandte Methode der natürlichen Familienplanung, die auf der Bestimmung der fruchtbaren Tage des weiblichen Menstruationszyklus beruht. Dabei werden zyklische Schwankungen der Basaltemperatur und die Veränderung des Zervikalschleims oder des Gebärmutterhalses ausgewertet. Die symptothermale Methode ist eine Kombination von Temperaturmethode und Billings-Methode.
Die Verhütungssicherheit der symptothermalen Methode liegt bei sexueller Enthaltsamkeit während der fruchtbaren Tage sehr hoch, bei der Methode nach Sensiplan mit einem Pearl-Index von 0,4. Mittels Software oder Verhütungscomputer kann die Protokollierung und Interpretation der Messergebnisse unterstützt werden.
Die symptothermale Methode ist umgekehrt auch geeignet, im Falle eines Kinderwunsches die fruchtbaren Tage zu bestimmen und die Wahrscheinlichkeit einer Empfängnis zu maximieren.
Erklärung der Methodik mini|Schematische Darstellung des Ovarialzyklus. Die Lutealphase dauert ca. 12–16 Tage, während die Dauer der Follikelphase größeren Schwankungen unterliegt. Der Eisprung findet daher nur bei typischen Zykluslängen von 26–32 Tagen etwa in der Mitte des Zyklus statt.
Ungefähr zwölf bis sechzehn Tage vor dem Einsetzen der Menstruationsblutung erfolgt der Eisprung (Ovulation), bei dem eine Eizelle in den Eileiter übergeht und für ungefähr sechs bis zwölf Stunden befruchtungsfähig ist.Gerhard Thews, Peter Vaupel: Vegetative Physiologie. 5. Auflage. Springer, Heidelberg 2005. S. 542 Erfolgt in dieser Zeit keine Verschmelzung mit einem Spermium, so stirbt die Eizelle ab und es kommt in diesem Zyklus nicht zu einer Schwangerschaft. Spermien können in der Gebärmutter und dem Gebärmutterhals im Allgemeinen bis zu drei Tage, in Ausnahmefällen auch bis zu fünf Tage, befruchtungsfähig bleiben. Daher kann eine Befruchtung nur in der Zeit bis zu fünf Tage vor und zwölf Stunden nach dem Eisprung eintreten. Das Ziel der symptothermalen Methode ist es, das kurze Zeitfenster der Fruchtbarkeit, das sich aus der Überlebensdauer der Spermien und der Eizelle ergibt, möglichst genau zu bestimmen.
Die Basaltemperatur schwankt in Abhängigkeit vom Menstruationszyklus und steigt durch Progesteronwirkung kurz nach dem Eisprung um einige Zehntel Grad an (siehe Grafik). Der Temperaturanstieg teilt den Zyklus in eine Tieflage, die etwa der Follikelphase entspricht, und eine Hochlage, die etwa der Lutealphase entspricht.
Bei ausschließlicher Anwendung der Temperaturmethode werden hohe Anforderungen an die Art und Weise der Auswertung der Messergebnisse gestellt. Bei der symptothermalen Methode sind diese Anforderungen etwas geringer, da sie durch ein weiteres Körperzeichen, den Zervikalschleim oder den Gebärmutterhals, abgesichert wird.
Wie bei der Billings-Methode dient die Beschaffenheit des Zervikalschleims zur Bestimmung des nahenden Eisprungs. Der Muttermund sondert Schleim ab, der im Laufe des Zyklus charakteristischen Veränderungen unterliegt: Zervikalschleim ist in der ersten Zyklushälfte zähflüssig, cremig, klebrig, von pappiger Konsistenz – man spricht hier auch von Zervixschleim minderwertiger oder geringer Qualität. Ein Schleimpfropf kann als natürliche Barriere den Muttermund verschließen. Bei hohem Östrogenspiegel wird er dagegen dünnflüssig, (glas)klar und ggf. fadenziehend – es handelt sich dann um Zervixschleim der besten Qualität. In der zweiten Phase des Menstruationszyklus ist die Spinnbarkeit unter dem Einfluss von Progesteron wieder vermindert. Der Verlauf im Zyklus unterscheidet sich von Frau zu Frau, und nicht immer werden die charakteristischen Veränderungen des Zervikalschleims beobachtet.
Bereitet die Zuordnung des Zervikalschleims Schwierigkeiten, so kann die Frau stattdessen auf die Beobachtung des Muttermundes zurückgreifen. Er ist um den Zeitpunkt des Eisprungs herum wegen des hohen Östrogenspiegels weich, leicht geöffnet und steht hoch in der Scheide. In der zweiten Zyklusphase ist er hart, geschlossen und tiefstehend. Manche Verhütungscomputer ergänzen die Messung von Temperatur und Zervikalschleim an etwa vier bis acht Tagen des Zyklus um die Bestimmung des FSH oder LH-Peaks durch Teststreifen zur Bestimmung von Hormonen im Morgenurin.
Wenn sicher festgestellt werden kann, dass der Eisprung erfolgt ist, ist die zweite Zyklusphase unfruchtbar. Je nach Länge der Lutealphase, die zwischen zehn und sechzehn Tagen liegt, sind auch bei sehr unregelmäßigen Zyklen acht bis dreizehn Tage unfruchtbar. Die Zeit vor dem Eisprung ist grundsätzlich als potentiell fruchtbar anzunehmen. Es gibt jedoch eine weitere unfruchtbare Phase am Zyklusanfang, die weit vor dem Eisprung liegt. Sie wird durch das Östrogenzeichen in Kombination mit Elementen der Kalendermethode bestimmt. Bei unregelmäßigen oder kurzen Zyklen führen die Regeln dazu, dass am Zyklusanfang keine unfruchtbare Phase angenommen werden darf. Bei regelmäßigen Zyklen mit mindestens 27 Tagen Länge ist die unfruchtbare Zeit oft fünf bis zehn Tage lang. Für sehr lange oder unregelmäßige Zyklen während der Stillzeit und der Wechseljahre existieren angepasste Regeln.
Die Temperaturauswertung kann durch Infektionen, Alkoholkonsum, Stress, Jetlag, Schlafmangel oder Schichtarbeit erschwert werden. Das Ergebnis der Zervikalschleimbeobachtung kann durch Medikamente verfälscht werden. Die Anwenderin kann jedoch lernen, diese Störfaktoren zu beurteilen. Sie machen die Methode nicht unsicherer, verringern aber die Anzahl der Tage, die als unfruchtbar angenommen werden können.
Übersicht über verschiedene symptothermale Methoden Den symptothermalen Methoden ging die Entwicklung der Knaus-Ogino- oder Kalendermethode, Billings-Methode und der Temperaturmethode voraus. 1965 publizierte Rötzer die erste symptothermale Methode. 1973 folgte eine weitere Methode von Thyma. Im selben Zeitraum kombinierten verschiedene Autoren Elemente der Billings-, Temperatur- und Kalendermethode.R.J. Huneger: Comprehensive fertility awareness and natural family planning learning activities packet. St John’s NFP Program, Milwaukee 1981J.J. McCarthy, M. C. Martin, M. Gildenhorn M (1977) The sympto-thermal method. An instructional program with charts and test. Human Life Foundation of America, Washington DC Heute existieren in verschiedenen Ländern eine Vielzahl von symptothermalen Methoden, deren Anwendungsregeln sich in Details unterscheiden und deren Verhütungssicherheit unterschiedlich gut untersucht ist.
Im deutschsprachigen Raum sind die Methodenregeln nach sensiplan, Rötzer, Weschler und Nofziger verbreitet. Sie werden seit einiger Zeit von Verhütungscomputern und Auswertungssoftware für den PC oder Smartphones ergänzt, die teilweise eigenen und unbekannten Regelwerken folgen.
Die Methodenregeln unterscheiden sich bei der Temperaturauswertung und der Zervikalschleimauswertung. Sie geben unterschiedliche Anweisungen zur Temperaturmessung hinsichtlich Messdauer und Zeitpunkt. Bei der Temperaturauswertung gibt es Unterschiede, auf welcher Höhe eine Hilfslinie gezogen wird, teilweise gelten die letzten sechs Messungen oder die letzten sechs Tage als Referenzwerte. Die unterschiedlichen Namen für die Hilfslinie (Coverline, Basislinie etc.) stehen dabei auch als Markenzeichen für die unterschiedlichen Regelwerke. Insbesondere ob und unter welchen Voraussetzungen einzelne Messwerte der Tieflage bei der Auswertung ignoriert werden dürfen, unterscheidet sich je nach Regelwerk. Auch die Anzahl und Lage der höheren Messwerte bis zum Abschluss der Auswertung unterscheiden sich.
Beim Zervikalschleim unterscheidet sich vor allem die Einteilung in verschiedene Kategorien. Die einzelnen Methoden haben eine unterschiedliche Anzahl an Kategorien (meist vier oder fünf) und nicht immer werden einzelne Eigenschaften übereinstimmend hohen oder niedrigen Kategorien zugeordnet. Übereinstimmend zählt Zervikalschleim wie rohes Eiklar (durchsichtig und dehnbar) in allen Regelwerken zur besten Schleimkategorie und Zervikalschleim, dessen Farbe und Konsistenz an Niveacreme erinnert, zu einer niedrigeren Kategorie. Bei anderen Beobachtungen gibt es jedoch widersprüchliche Einteilungen. Wässrig-flüssiger Zervikalschleim, beispielsweise wie etwas angedickte Milch oder sehr flüssige Sonnencreme, zählt bei NGK und TCOYF zur niedrigeren Schleimkategorie, während bei sensiplan, sympto und Rötzer flüssiger Zervikalschleim immer zur höchsten Kategorie zählt. Eine rinnende Empfindung im Scheideninneren gehört bei Rötzer zur sehr niedrigen Kategorie f, bei sensiplan hingegen zählt eine rinnende Empfindung am Scheideneingang zur höchsten Kategorie S+ und bei NGK zur zweithöchsten Kategorie „feucht“. Schmierblutungen zählen bei sensiplan zur höchsten Zervikalschleimkategorie, werden bei sympto und NGK hingegen ignoriert. Auch die Beobachtungsformen unterscheiden sich. Schleim in der Unterwäsche oder das Empfinden im Inneren der Vagina wird nicht in allen Methoden in die Auswertung mit einbezogen.
Einige Methoden haben einen starken medizinisch-wissenschaftlichen Hintergrund, andere haben sich aus feministischen oder ökologisch bis esoterischen Kreisen oder mit dem Ziel der Vermarktung eines Verhütungscomputers entwickelt. Nicht zu allen Regelwerken existieren eigene Studien zur Verhütungssicherheit. Die existierenden Studien werden aber oft auch als Argument für die Sicherheit anderer Methoden herangezogen.
Sensiplan mini|500px|Typischer Verlauf der Basaltemperatur und wichtige Kenngrößen der symptothermalen Methode, ausgewertet nach den Regeln von sensiplan
Sensiplan wurde ab 1981 an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf entwickelt und seit 1987 durch die Arbeitsgruppe NFP der Malteser unter Kontrolle des damaligen Bundesministerium für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit durch Kurse oder das Buch Natürlich und Sicher gelehrt. Heute liegt die wissenschaftliche Betreuung an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Ursprünglich hieß die Methode Natürliche Familienplanung, die Malteser ließen den Markennamen sensiplan für ihre Methode schützen, der seit 2010 verwendet wird.Pressemitteilung: NFP heißt jetzt sensiplanRegisterauskunft des Deutschen Patent- und Markenamtes Es gibt gezielte Versuche, die Methode unter den niedergelassenen Gynäkologen bekannter zu machen.
In einer Studie wurde mit zwei Schwangerschaften in 6.022 Zyklen, in denen die Paare enthaltsam waren, ein Pearl-Index von 0,4 ermittelt. Weitere zwei Schwangerschaften traten in 4375 Zyklen, in denen Barrieremethoden verwendet wurden (Pearl-Index 0,6), auf. Nach Anpassung der Regeln für das Ende der unfruchtbaren Zeit am Zyklusanfang wurden nun drei Schwangerschaften in 7866 Zyklen mit Enthaltsamkeit (Pearl-Index 0,5) und eine Schwangerschaft in 2917 Zyklen mit Barrieremethoden (Pearl-Index 0,4) ermittelt. Die Anwendungssicherheit, die auch eine fehlerhafte Anwendung beinhaltet, lag mit 15 Schwangerschaften in 12386 Zyklen bei einem Pearl-Index von 1,6.
Nach dem Regelwerk sensiplan bieten die Websoftware und Smartphone-App MyNFP, entwickelt von Christian Korscheck, sowie die Smartphone-App Lady Cycle eine automatische Auswertung der Zyklen an.
Methodenregeln (verkürzt):