mini|hochkant=1.4|Darstellung von Garibaldis Abreise aus Genua bei Quarto Die italienischen Unabhängigkeitskriege () waren drei aufeinanderfolgende Kriege, die im 19. Jahrhundert zwischen den italienischen Staaten unter Vorherrschaft Sardiniens gegen das Kaisertum Österreich ausgetragen wurden. Der zweite Unabhängigkeitskrieg führte 1860 zusammen mit Garibaldis Zug der Tausend zur Gründung des italienischen Nationalstaates. Die drei Kriege waren Teil des Risorgimento und führten schließlich 1870 mit der Besetzung Roms zur vollständigen Einigung Italiens. Ausgenommen davon waren jene Gebiete, die sich noch bis 1918 im Verband von Österreich-Ungarn befanden (etwa Teile von Tirol, Friaul, Triest und Istrien).

Erster Unabhängigkeitskrieg (1848–1849) Märzrevolution 1848 mini|Politische Lage Italiens vor den Unabhängigkeitskriegen mini|Ausrufung der Republik Venedig am 23. März In vielen Ländern Europas gab es 1848 Volksaufstände gegen die Restauration des Absolutismus. Doch in Italien und anderen vom Kaisertum Österreich beherrschten Ländern ging es auch um nationale Selbstbestimmung. Aus seinem Exil in London und der Schweiz organisierte Giuseppe Mazzini, der geistige Vater des italienischen Einheitsstaates, die italienischen Arbeiter und agitierte gegen die österreichische Fremdherrschaft in Italien.

Während der Märzrevolution versuchten etliche Städte, darunter Mailand und Venedig, aber auch Gebiete wie das Cadore, die österreichische Herrschaft abzuschütteln. In Mailand nahm der Volksaufstand (fünf Tage vom 18. bis 22. März 1848, daher italienisch Cinque Giornate (di Milano) genannt) unter Carlo Cattaneo so gravierende Ausmaße an, dass sich der österreichische Oberkommandierende Graf Radetzky entschloss, die Stadt zu räumen. Cattaneo war am 19. März in Mailand zum Mitglied eines vierköpfigen Kriegsrates gewählt worden. Es kamen aber schnell die Differenzen zwischen den radikaldemokratischen und den gemäßigteren Revolutionären zu Tage, zu deren letzteren auch der in einem Loyalitätskonflikt gefangene Podesta Graf Gabrio Casati gehörte, der für ein militärisches Eingreifen des Hauses Savoyen eingetreten war.

Das österreichische I. Korps (Wratislaw) räumte die Lombardei vollständig und ging auf das Festungsviereck Mantua-Peschiera del Garda-Verona-Legnago zurück, um dort Verstärkungen abzuwarten. Dank dieses strategisch sehr wichtigen Festungsvierecks konnten sich die Österreicher vorerst am Mincio behaupten, weiterhin ganz Norditalien kontrollieren und zugleich die durch das Etschtal laufenden Verbindungen nach Norden sichern.

Am 22. März 1848 wurde auch in Venedig die österreichische Herrschaft abgeschüttelt und am folgenden Tag eine unabhängige Republik Venedig ausgerufen. Der österreichische Militärgouverneur Graf Zichy kapitulierte und zog mit seinen Truppen ab. Daniele Manin wurde zum Ministerpräsidenten und Minister des Äußern ernannt. Der neapolitanische General Guglielmo Pepe übernahm die militärische Führung, seine Truppen blieben aber im Krieg zwischen Österreich und Sardinien-Piemont neutral.

Bereits am 15. Februar 1848 hatte Großherzog Leopold II. vor dem Druck der nationalen Kräfte in der Toskana eine liberale Verfassung erlassen müssen. Seine Maßnahmen genügten den radikalen Kräften der Bevölkerung aber nicht, weil sie die österreichische Herrschaft vollständig beseitigen wollten.

Eingreifen Sardinien-Piemonts Das unabhängige Königreich Sardinien wurde daraufhin von vielen Seiten in Italien aufgefordert, sich an die Spitze der Einigungsbewegung zu stellen und den Moment zu nutzen, um die österreichische Herrschaft in Norditalien abzuschütteln. Am 23. März 1848 erklärte König Karl Albert von Sardinien dem Kaiserstaat Österreich den Krieg. Der sardischen Armee schlossen sich 7.000 Männer aus der Toskana an, 17.000 Soldaten wurden vom Kirchenstaat zur Verfügung gestellt, weitere 16.000 Soldaten vom Königreich beider Sizilien. Diese zusätzlichen Kräfte erreichten den Kriegsschauplatz aber erst mit einiger Verspätung, weswegen zunächst die sardische Hauptarmee unter Karl Albert mit etwa 75.000 Mann allein gegen die österreichische Armee vorging.

mini|Das österreichische Festungsviereck am Mincio und an der Etsch, der Hauptkriegsschauplatz von 1848

Die Truppen Sardiniens griffen erstmals am 8. April bei Goito die vom Fluss Mincio begrenzte westliche Flanke des österreichischen Festungsvierecks an. In der Zwischenzeit hatte das österreichische II. Korps unter Feldmarschallleutnant d’Aspre über Padua kommend die Festungslinie Verona – Mantua erreicht und Radetzkys Hauptarmee auf 50.000 Mann verstärkt. Weitere Verstärkungen waren unter dem Kommandierenden General in Graz, Feldzeugmeister Nugent aus Innerösterreich im Anmarsch. Der Anmarsch durch das Isonzotal war aber durch die in Vicenza einmarschierende päpstliche Armee unter General Durando verlegt.

Unmittelbar nach der Einnahme des Flussübergangs bei Goito am 8. April gewann die sardische Armee zwei weitere Gefechte bei den weiter nördlich, ebenfalls am Mincio gelegenen Orten Valeggio und Monzambano. Am 13. April begann am nördlichen Abschnitt die Belagerung der Festung Peschiera del Garda. Das sardische 2. Corps unter General de Sonnaz drang in das Festungsviereck ein und erzielte am 30. April in der Schlacht bei Pastrengo einen ersten größeren Erfolg. Am 19. April unternahmen die Piemontesen einen ersten Angriff auf die Forts von Mantua, welcher jedoch fruchtlos blieb, am 21. schlossen die Toskaner unter Generalleutnant d’Arco Ferrari die Festung ein. Durch wiederholte Ausfälle des Festungsführers Feldmarschallleutnant Gorzkowski wurde aber eine enge Zernierung verhindert und die Verbindung mit Verona und Legnago aufrechterhalten.

Am 6. Mai stieß Karl Albert mit 45.000 Mann gegen die westliche österreichische Rideaustellung vor Verona vor. Sein starker Angriff gegen Crocebianca und San Massimo wurde jedoch von Radetzky in der Schlacht von Santa Lucia abgeschlagen. Anfang Mai waren Nugents Verstärkungen den päpstlichen Truppen vor Conegliano ausgewichen und marschierten über die Etsch zum Gardasee vor. Am 14. Mai übernahm der aus Wien kommende Feldmarschallleutnant Heinrich von Heß die Funktion des Chefs des Generalstabes im Hauptquartier Radetzkys in Verona. In der Schlacht bei Curtatone und Montanara stießen die Österreicher am 29. Mai auf den erbitterten Widerstand von 5.000 Freiwilligen und Studenten der Universitäten von Pisa und Siena. Dies gab Karl Albert die Zeit, um sich auf den südlichen Umfassungsangriff Radetzkys gegen das bei Goito liegende sardische Armeekorps vorzubereiten. Am 30. Mai konnten die Piemonteser unter Generalleutnant Eusebio Bava die Verbände Radetzkys in der Schlacht von Goito zurückschlagen. Infolge des Sieges kapitulierte auch die österreichische Besatzung von Peschiera. König Karl Albert I. von Sardinien wurde spontan zum „König von Italien“ erklärt. Radetzky zog sich mit noch etwa 40.000 Mann hinter den Schutz der Festung Verona zurück.

Wende Kurz danach wendete sich das Kriegsglück vollständig. In Frankreich und Österreich gewannen die Konservativen die Oberhand gegen die revolutionären Kräfte zurück. Radetzky war vorrangig darum bemüht, die drohende Gefahr in seinem Hinterland zu beseitigen und die Verbindungswege durch Venetien zum Isonzo zu öffnen. Am 9. Juni marschierte das Gros des kaiserlichen Heeres unter Feldmarschallleutnant d’Aspre nach Vicenza, brachte in der Schlacht am Monte Berico (10. Juni) die päpstlichen Truppen unter Durando zur Kapitulation und war bis 11. Juni nach Verona zurückgekehrt. Karl Albert hatte den kurzen waghalsigen Abzug der Österreicher nicht bemerkt, zudem war jetzt der Weg für weitere Reserven frei. Der Papst in Rom sah seine durch die Revolution ebenfalls bedrohte Position durch die Rückendeckung Frankreichs wieder verbessert und ordnete den Rückzug seiner Truppen an. Auch der durch interne Revolten selbst bedrohte König Ferdinand II. beider Sizilien beorderte seine Truppen aus Norditalien zurück. Der unentschlossene Karl Albert ließ darauf anderthalb Monate fast tatenlos vergehen.

Mitte Juli versuchte Karl Albert mit einigen Verbänden noch einen Angriff auf die Festung Mantua, wobei ihm bei Governolo ein Erfolg gelang, der seine Armee jedoch noch weiter auseinanderzog und strategisch in eine ungünstige Position brachte. Am 23. Juli gab der sardische Nordflügel seine Stellungen vor Rivoli gegenüber dem neu etablierten österreichischen III. Korps unter Feldmarschallleutnant Graf von Thurn-Valsassina auf und ging auf Peschiera zurück.

Die Ausdehnung der feindlichen Front nutzte Radetzky, der die Piemontesen am 23. und 24. Juli bei Sona und Sommacampagna konzentriert angriff und schließlich am 25. Juli 1848 in der Schlacht bei Custozza den entscheidenden Sieg errang. Am 26. und 27. Juli begann der ebenfalls über den Mincio zurückgegangene sardische Nordflügel unter General de Sonnaz zwischen Cavriana und Volta mit erfolglosen Gegenangriffen. Karl Albert musste über den Oglio zurückgehen, am 29. Juli erreichte sein Heer Cremona am 2. August Lodi. In seinem eigenen Territorium, in Genua kam es derweil zu Aufständen gegen seine Herrschaft. Am 6. August konnte das österreichische II. Korps kampflos in das geräumte Mailand einziehen. Generalstabschef Heß schloss mit dem sardischen General Salasco am 8. August 1848 einen Waffenstillstand ab, wonach sich die Truppen Piemonts hinter den Tessin zurückziehen mussten und durch den Österreich seine Herrschaft in Norditalien wiederherstellen konnte.Konrad Sturmhoefel: Illustrierte Geschichte der neuesten Zeit. Otto Spamer Verlag, 1897, S. 723–740.

Niederlage Sardinien-Piemonts 1849 mini|Feldmarschall Radetzky am 23. März 1849, bei Novara mini|Viktor Emanuel II. begegnet Radetzky anlässlich der Unterzeichnung des Waffenstillstands von Vignale

Doch sowohl in Ungarn als auch in Österreich selbst kam es erneut zu Aufständen, derentwegen im Dezember 1848 Kaiser Ferdinand I. zugunsten seines Neffen Franz Joseph I. abdanken musste (schon im Frühjahr war der allmächtige Minister Metternich nach England geflohen). Daraufhin machte Karl Albert von Savoyen im März 1849 einen erneuten Versuch, Österreich aus Norditalien zu drängen. Nachdem er den eigenen Generälen nicht mehr vertraute, fiel seine Wahl, auch aus politischen Gründen, auf den polnischen General Chrzanowski, der mit dem Oberbefehl über 97.500 Sarden betraut wurde. Obwohl ihm der fähige Stabschef Alessandro La Marmora zur Seite gestellt wurde, war Chrzanowski, der kein Italienisch sprach, ein schwerer Fehlgriff. Karl Alberts alter Widersacher Feldmarschall Radetzky konnte ihm über 73.400 Mann entgegenstellen und ging selbst zur Offensive über. Am 20. März hatten die Österreicher den Ticino überschritten und rückten dem Feind nach Vigevano entgegen. Nachdem die Piemontesen bei Sforzesca einen kleineren Erfolg erzielt hatten, gewann Radetzky am 21. März die Schlacht bei Mortara. Am 23. März 1849 schlug Radetzky in der entscheidenden Schlacht bei Novara mit 45.000 Mann etwa 54.000 Sarden, und entschied so den Feldzug endgültig für Österreich. Der gedemütigte Karl Albert dankte zugunsten seines Sohnes Viktor Emanuel II. ab, der am 24. März dem Waffenstillstand von Vignale zustimmen und am 26. März persönlich unterzeichnen musste.Konrad Sturmhoefel: Illustrierte Geschichte der neuesten Zeit. Otto Spamer Verlag, 1897, S. 740–744. Förmlich endete der Kriegszustand am 6. August 1849 mit dem Mailänder Frieden; dessen vergleichsweise milden Bedingungen erlegten Sardinien-Piemont eine Kriegsentschädigung von 65 Millionen Francs auf, verzichteten jedoch auf Annexionen.Martin Clark: The Italian Risorgimento, Routledge Verlag, 2. Auflage, London – New York 2015, S. 55, ISBN 978-1-138-13707-3