mini|Allāh-Kalligraphie in der Alten Moschee (Eski Cami), Edirne, Türkei

Allah (, ) ist das Wort für Gott in der arabischen Sprache."Islam and Christianity", Encyclopedia of Christianity (2001): Arabic-speaking Christians and Jews also refer to God as Allāh. Im Islam wird das Wort auch als Eigenname für Gott verwendet.Andreas Görke, Johanna Pink: Tafsir and Islamic Intellectual History. Exploring the Boundaries of a Genre. Oxford University Press in association with The Institute of Ismaili Studies, London 2014, ISBN 978-0-19-870206-1, S. 478 (englisch) Des Weiteren wird der Name in der heiligen Schrift der Sikhs (Adi Granth) sowie auf Maltesisch verwendet, das von der arabischen Sprache abstammt. Das Wort wird ebenso von arabischsprachigen Juden und Christen als Gottesbezeichnung gebraucht und wird daher auch in arabischen Bibelübersetzungen verwendet. In westlichen Ländern (mit Ausnahme Maltas) jedoch wird das Wort Allah nahezu ausschließlich als Bezeichnung für den einen Gott nach der islamischen Gottesvorstellung verstanden. In islamisierten Gebieten Zentralasiens assimilierte sich der Schöpfergott Tengri ebenfalls an das Wort Allah.Yves Bonnefoy, Wendy Doniger: Asian Mythologies. University of Chicago Press, 1993, ISBN 0-226-06456-5, S. 331 (englisch). Allah gilt dem Eigenverständnis des Islams nach als derselbe Gott, wie der im Judentum und Christentum, ist allerdings weniger personhaft, mehr eine geheimnisvolle Macht, die hinter allen Aspekten des Universums steht und lediglich durch seine Zeichen der Schöpfung, Offenbarung und Vermittler (Engel, Propheten) erkannt werden kann.

Wortherkunft

Sprachgeschichtlich ist allāh verwandt mit dem hebräischen ʾelôah, gebräuchlicher in der Pluralform ʾelōhîm (). ʾelôah / ʾelōhîm bedeutete ursprünglich wahrscheinlich „Starker“, „Mächtiger“. ʾelōhîm wird in der Bibel gewöhnlich mit „Gott“ übersetzt, jedoch an gewissen Stellen auch für Engel. In der jüdischen Überlieferung wird Gott mit dem Ausdruck ʾelōhîm als Schöpfer und Richter bezeichnet, während JHWH hauptsächlich die barmherzigen Aspekte Gottes enthält. Auch im Aramäischen, das ebenfalls zur semitischen Sprachfamilie gehört, sagt man alah bzw. alāhā, je nach Dialekt auch mit der Sprachfärbung alōhō, d. h. mit offenem o.

Die islamische Traditionsliteratur berichtet, dass allāh bei den Polytheisten bekannt gewesen sei und Mohammeds Vater den Namen Abdullah getragen habe. Archäologisch gesichert ist hingegen die vorislamische Verwendung von Allah durch Christen in Umm al-Ǧimāl.

Es werden zwei alternative sprachgeschichtliche Hypothesen vertreten. Der ersten zufolge ist das Wort allāh durch Silbenellipse aus dem arabischen entstanden, was als „Der Gott (per se)“ zu interpretieren ist und somit dem Prinzip des Tauhīd () entspricht; der zweiten zufolge durch Übernahme des aramäischen alāhā, was Joshua Blau als unbegründet zurückweist.Joshua Blau: Notes on genuine and alleged aramaic loans in Arabic. In: Studies in Middle Arabic. Magnes Press, The Hebrew University Jerusalem 1988, ISBN 965-223-683-7, S. 332. Für die erste Hypothese sprechen: der Beginn mit den Buchstabenkombination Verbindungsalif + Lām, welcher ausschließlich beim bestimmten Artikel al- und damit verwandten Sprachelementen vorkommt die phonetische Verstärkung des lām, welche ebenfalls auf den Artikel hinweist das Schriftbild, das zwei lām hintereinander aufweist und somit ebenfalls den Artikel zum Vorschein treten lässt das typische Auftreten der Silbenellipse in anderen Wörtern des Arabischen (z. B. „Menschen“: an-nās von al-unās) die vorislamische Inschrift von Zabad, in welcher auf Gott unter Verwendung der Form al-ilāh Bezug genommen wird.

Da Arabisch, Hebräisch und Aramäisch als semitische Sprachen miteinander verwandt sind, kann man auch hier nachfolgende sprachliche Vergleiche ziehen: In der aramäischen Sprache: Alaha In der hebräischen Sprache: Eloah. Form pluralis majestatis: Elohim In der arabischen Sprache: Allah. Form pluralis majestatis: Allahumma

Die majestätische Form „Allahumma“ erklärt auch die Pluralform im Quran z. B. in Sure 2, Vers 35: „Und wir sprachen: O Adam, verweile du und deine Gattin im Garten und esset uneingeschränkt von seinen Früchten, wo immer ihr wollt! Kommt jedoch diesem Baum nicht nahe, sonst würdet ihr zu den Ungerechten gehören.“

Einer der 99 Namen Allahs ist arab. Maliku l-Mulk übersetzt: König der Könige womit auch die Form des Pluralis majestatis erklärt wird.

Aussprache des Wortes Allah Die korrekte Aussprache des Worts „Allah“ hängt vom Vokal ab, der unmittelbar vor dem durch Lām wiedergegebenen -Laut gesprochen wirdvgl. : Nach einem a oder u wird das Lām auf eine deutlich betonte Art – arabisch , IPA: [] – ausgesprochen, zum Beispiel im Koran-Vers 58:22: .

Wenn jedoch der vorangehende Vokal ein i ist, dann ist das Lām im Wort Allah leicht und wird nur mit der Zungenspitze gesprochen (IPA: []). Dies ist zum Beispiel in der sogenannten Basmala (ِ) der Fall.

Allah im vorislamischen Arabien

Im vorislamischen Arabien glaubte man an verschiedene Götter, unter denen es auch einen Allah gab, dessen genaue Funktion aber nicht gesichert ist. So formulierte Julius Wellhausen den Gedanken, dass Allah ein anderer Name für die Gottheit Hubal gewesen sei und als Mondgott fungiert habe.Julius Wellhausen: Reste arabischen Heidentums: Gesammelt und erläutert. Walter de Gruyter, 1961, S. 75. Demzufolge habe die Kaaba den Quraisch bereits als Heiligtum Hubals gedient, so wie man sie auch als Schrein Allahs betrachtet habe. Allerdings hätten nur die Quraisch Hubal verehrt, während Allah auch von vielen anderen Stämmen als höchster Gott verehrt worden sei, dem die Kaaba als Schrein gewidmet war. Dies galt noch etwa 100 Jahre vor Mohammeds Zeit. Später jedoch sei Allah von den Quraisch durch Hubal verdrängt worden.Scott Johnson: The Oxford Handbook of Late Antiquity. Oxford University Press, 2015, ISBN 978-0-19-027753-6, S. 304–305. Allah wird in dieser Epoche als Hochgott im Hintergrund bzw. Deus otiosus verstanden, der auf den semitischen Gottesbegriff El zurückgeführt wird und die Rolle eines Schöpfergottes einnahm, sonst aber nicht in das Geschehen der Menschen eingriff.Jonathan Porter Berkey: The Formation of Islam: Religion and Society in the Near East, 600-1800. Cambridge University, 2003, ISBN 0-521-58813-8, S. 42.

Aussagen im Koran mini|Das Wort Allah enthaltendes Glaubensbekenntnis des Islam als Schriftzug auf der Flagge Saudi-Arabiens Der Koran beschreibt Allah wie folgt:

Im Koran werden noch andere Aussagen über Allah getroffen. So wird in Sure 14:19 ausgesagt, dass er in Wahrheit die Himmel und die Erde erschaffen habe. Er lasse vom Himmel Wasser herabregnen, von dem die Menschen trinken können und aus dem Sträucher entstehen, in dem sie ihr Vieh weiden lassen können (Sure 16:10). Allahs zentrale Eigenschaft ist, dass er von seinen Schöpfungen unabhängig sei. Er sei zeitunabhängig – Gott ist vor der Zeit gewesen und wird nach Ablauf der Zeit bleiben. Er ist kein Teil der materiellen Welt. Gott hat der islamischen Definition gemäß kein Geschlecht, keine Kinder und ganz allgemein keine Partner, noch gibt es gleichwertige Wesen. Des Weiteren sei Gott allgegenwärtig, allmächtig und allwissend, d. h., er wisse zu jedem Zeitpunkt, was an jedem Ort geschieht, geschah und geschehen wird sowie was geschehen könnte, wenn ein (vorhergesehenes) Ereignis nicht stattfinden würde.

Wie können wir die heilige Natur Allahs, der ja unsichtbar ist und dem alle Vollkommenheit und Majestät zugeschrieben wird, erkennen? Es gibt nur eine Möglichkeit, das Göttliche zu erkennen. Diese besteht darin, dass wir das Universum, das von Allah geschaffen ist, betrachten. So heißt es im Koran: „Wahrlich, in der Schöpfung der Himmel und der Erde und in der Aufeinanderfolge von Nacht und Tage sind fürwahr Botschaften für alle, die mit Einsicht versehen sind, ... Oh unser Erhalter! Du hast nicht (irgendetwas von) diesem ohne Sinn und Zweck erschaffen.“ 3:190-191 nach Muhammad Asad

Die 99 Namen Allahs Allāh (der Gott) ist der einzige (Quasi-)Eigenname Gottes im Islam. Die sprichwörtlich gewordenen 99 Namen Allahs sind lediglich Attribute, die aber nicht alle im Koran verankert sind. Einige Namen Gottes aus dieser Liste stammen aus den Hadithen, den überlieferten Worten des Propheten Mohammed. Zum Beispiel kommt der 91. Name Ad-Dārr („Der Verletzer/Gefährder“) nur in den Hadithen vor. Im Koran gibt es in Wirklichkeit mehr als 99 Attribute. Es sind ungefähr 114. Die Liste der 99 Namen stellt im Koran neben einer Reihe anderer Attribute daselbst die „Schönsten Namen“ (al-asmāʾu l-ḥusnā) dar. Aus allen im Koran erwähnten Attributen leiten sich gebräuchliche arabische Vornamen ab, z. B. neben Abdullah („Diener Allahs“) auch Abdul Hayy („Diener des Lebendigen“), Abdul Madschid („Diener des Ruhmreichen“). Dabei ist zu beachten, dass es sich jeweils um den Superlativ der genannten Eigenschaften handelt („der Allbarmherzige“, „der Allmächtige“, „der Allsehende“ usw.)

Rolle im Islam Allah ist gemäß Sure 112 der Schöpfer des Universums, der weder gezeugt noch erschaffen wurdevgl. Abschnitt Aussagen im Koran, und dessen Existenz durch die Großartigkeit und Gesetzmäßigkeit des Universums belegt wird.Johannes Lähnemann: Weltreligionen im Unterricht : eine theologische Didaktik für Schule, Hochschule und Gemeinde. 2. Islam. Vandenhoeck & Ruprecht, 1996, ISBN 3-525-61257-5, S. 71. Die Einzigartigkeit und Einheit (tauhid) Allahs bildet die Grundlage des islamischen Glaubens und wird auch im Bekenntnis (Schahada) betont. Allah wird im Koran 2699 mal genannt. Seit Mohammed entwickelten sich unterschiedliche Vorstellungen und Auslegungen um die Eigenschaften Allahs. Dabei reicht die Vorstellung von Allah als auf einem Thron sitzenden Herrscher mit anthropomorphen Eigenschaften bis hin zu panentheistischen Auslegungen, die vor allem in der islamischen Mystik vorzufinden ist.Vgl. Ibn ‘Arabī und seine Lehre von der Einheit des Seins (arab. Waḥdatu'l-wuǧūd). In Teilen der ismailitischen und alawitischen Gruppen finden sich zudem teilweise gnostische Gottesvorstellungen.

Konzepte Muʿtazila: Die im Koran genannten anthropomorphisierenden Attribute Allahs werden allegorisch verstanden.John Renard: Islamic Theological Themes: A Primary Source Reader. University of California Press, 2014, ISBN 978-0-520-95771-8, S. 138 (englisch). Weitere Attribute neben Allah werden abgelehnt, da sie die Existenz mehrerer ewiger Dinge voraussetzen würden, doch sei die Ewigkeit nur Allah vorbehalten. Allmacht, Allwissenheit und Ewigkeit sind nicht als separate Eigenschaften, über die Allah verfügt, zu verstehen, sondern sie sind Bestandteil seiner Essenz. In diesem Sinne gilt auch Allahs Wort (der Koran) als erschaffen und nicht ewig. Darüber hinaus gilt Allah nicht als Urheber des Bösen, sondern als Befürworter des freien Willens. Demgegenüber halten die Mu'taziliten die bösen Entscheidungen der Geschöpfe für die Ursache des Bösen.Patrick Hughes, Thomas Patrick Hughes: Dictionary of Islam. Asian Educational Services, 1995, ISBN 81-206-0672-8, S. 425 (englisch)