Liste der Straßen, Gassen und Plätze des 15. Wiener Gemeindebezirks Rudolfsheim-Fünfhaus

1864 und 1894 kam es zu einer weitläufigen Umbenennung vieler Straßen.

1911–1926 wurde das Nibelungenviertel im Norden des Bezirks errichtet. Dieses wird so genannt, weil sich die dortigen Straßennamen auf Figuren der Nibelungensage beziehen: Alberichgasse, Brunhildengasse, Dankwartgasse, Gernotgasse, Giselhergasse, Guntherstraße, Hagengasse, Kriemhildplatz, Markgraf-Rüdiger-Straße, Volkergasse, Walkürengasse.

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A Akkonplatz (Fünfhaus), 1912 benannt nach der Festung von Akkon in Palästina. Im Rahmen des dritten Kreuzzugs wurde die Festung nach langer Belagerung (1189–1191) von christlichen Truppen eingenommen; dabei soll nach einem (unzutreffenden) Mythos das rot-weiß-rote Wappenschild entstanden sein. Im Rahmen der Belagerung zerstritten sich Herzog Leopold V. und Richard Löwenherz, was 1192 zur Gefangennahme des englischen Königs in Wien-Erdberg führte. Alberichgasse (Fünfhaus), 1912 benannt nach dem Zwerg Alberich, einer Figur der germanischen Mythologie, die u. a. im Nibelungenlied vorkommt. Alberich hütet den Nibelungenhort und kann sich mittels einer Tarnkappe unsichtbar machen; Siegfried kann ihm aber die Tarnkappe entwenden und gelangt so an den Schatz der Nibelungen. Die Gasse ist Teil des Nibelungenviertels. Alliogasse (Fünfhaus), 1913 benannt nach dem Architekten Donato Felice d’Allio (1677–1761); kaiserlicher Befestigungsbaumeister beim Militärbauamt (1711–1747). Aufgrund seiner bautechnischen Kenntnisse wurde er auch zu zahlreichen privaten Bauvorhaben gerufen. Er entwarf u. a. das kaiserliche Zeughaus (1714–1723), das Salesianerinnen-Kloster am Rennweg (1717–1728) und das Stift Klosterneuburg (1730). Die Gasse ist Teil des Nibelungenviertels. Amalie-Brust-Gasse (Fünfhaus), 2024 benannt nach der Gewerkschafterin und Widerstandskämpferin Amalie Brust (1910–1944). Sie war ab 1930 Mitglied des Kommunistischen Jugendverbandes und ab 1934 für diesen politisch aktiv. Nachdem sie mehrmals verhaftet und arbeitslos wurde, ging sie 1937 nach England, kehrte aber 1939 nach Wien zurück. Im selben Jahr wurde sie wegen Verbreitung illegaler Materialien in einer KVJ-Gruppe inhaftiert. 1941 erfolgte die Verurteilung wegen „politischen Widerstands und Vorbereitung zum Hochverrat“ zu zwei Jahren Zuchthaus und die Überstellung ins Frauengefängnis Aichach. 1942 wurde sie ins KZ Ravensbrück gebracht und 1944 dort ermordet. Die Verkehrsfläche war zuvor Teil des Mareschplatzes. Anschützgasse (Penzing), 1894 benannt nach dem deutsch-österreichischen Schauspieler und Regisseur Heinrich Anschütz (1785–1865); er spielte in Nürnberg (1807–1811), Danzig (1811–1814) und Breslau (1814–1821). Im Jahr 1821 holte man Anschütz an das Burgtheater nach Wien, wo er als Schauspieler brillierte und auch viele Jahre als Regisseur arbeitete. Die Gasse hieß vorher Kaisergasse. Arnsteingasse (Rudolfsheim), 1864 benannt nach dem Bankier und Großhändler Nathan Adam Freiherr von Arnstein (1748–1838), Schwedischer Generalkonsul in Wien. Verheiratet war er mit der stadtbekannten Salonière Fanny von Arnstein. 1794 erwarb er ein Schlösschen mit großem Grundbesitz im Gebiet der heutigen Arnsteingasse. Der Besitz ging auf seine Tochter Henriette von Pereira-Arnstein über und danach auf deren Tochter Flora, verheiratete Gräfin von Fries; siehe den Henriettenplatz und die Friesgasse. Die Gasse hieß 1938–1945 Blüchergasse nach dem preußischen Generalfeldmarschall Gebhard Leberecht von Blücher. Auf der Schmelz (Fünfhaus), 1974 benannt. Die Schmelz war ursprünglich eine unverbaute, hochgelegene, große Acker- beziehungsweise Wiesenfläche; sie wurde erstmals um 1309 als „Smeltz im Preitensewer aigen“ urkundlich erwähnt. Der Name bezieht sich möglicherweise auf eine Schmelzhütte zur Eisenverarbeitung; eine solche ist bis zum Jahr 1683 nachgewiesen. Von 1847 bis 1918 wurde die Schmelz als Parade- und Exerzierplatz genutzt. Auf dem ehemaligen Friedhof der Schmelz wurden die Opfer der Revolution vom März 1848 bestattet; siehe auch Märzstraße. Avedikstraße (Rudolfsheim), 1894 benannt (in falscher Schreibweise) nach dem Arzt Stephan Avedig (1804–1884); er galt als Wohltäter und setzte sich sehr für die Armen ein. Die Straße hieß vorher, als Begleitstraße zu der in Hochlage geführten Westbahn (damals: Kaiserin-Elisabeth-Bahn), Eisenbahnstraße.

B mini|Die Christkönigskirche, vom Burjanplatz aus gesehen Beckmanngasse (Rudolfsheim), 1894 benannt nach dem deutschen Komiker Friedrich Beckmann (1803–1866); er spielte zunächst am Königsstädtischen Theater in Berlin und schuf dort eine Berliner Variante der zuvor von Wien dominierten Posse. 1846 kam er ans Wiener Hofburgtheater; auch hier machte er sich rasch beliebt und erhob sich vom Lokal- zum Charakterkomiker. Die Gasse hieß vorher Schmiedgasse. Behselgasse (Fünfhaus), 1912, Anton Behsel (1781–1838), erster Stadtbauinspektor von Wien. Von 1815 bis 1825 verfertigte er einen Plan der Stadt Wien mit ihren 34 Vorstädten und erstellte ein vollständiges Häuserverzeichnis. Diese erste amtliche Aufnahme der Stadt erschien im Rahmen des Franziszeischen Katasters als „Katastral-Plan der Haupt und Residenz-Stadt Wien mit sämmtlichen Vorstädten“ (31 Blätter, 1829).Anton Behsel auf www.wien.gv.at, abgerufen am 30. Dezember 2015 Beingasse (Fünfhaus), 1864 benannt nach einer Person namens Bein (Lebensdaten unbekannt); er war hier um 1850 Grundbesitzer und Wohltäter. Benedikt-Schellinger-Gasse (Rudolfsheim), 1894 benannt nach Benedikt Schellinger (1824–1875), Bürgermeister von Braunhirschen (ab 1860); er regte 1863 die Zusammenlegung der Ort Braunhirschen, Rustendorf und Reindorf zur neuen Gemeinde Rudolfsheim an und wurde dann deren erster Bürgermeister. Siehe auch Braunhirschengasse und Dreihausgasse. Die Gasse hieß vorher Schellingergasse. Braunhirschengasse (Rudolfsheim), 1894 benannt nach dem ehemaligen Ort Braunhirschen. Der Vorort wurde ursprünglich nach drei dort befindlichen Gärtnerhäuschen „Dreihaus“ genannt; siehe Dreihausgasse. Am Ende des 18. Jahrhunderts war ein Gasthaus namens „Zum braunen Hirschen“ sehr populär, weshalb es der Ortschaft schließlich den Namen gab. Braunhirschen wurde 1863 gemeinsam mit Rustendorf und Reindorf zur Gemeinde Rudolfsheim vereinigt; siehe auch Rustengasse, Reindorfgasse und Benedikt-Schellinger-Gasse. Die Gasse hieß vorher Schmiedgasse. Brunhildengasse (Rudolfsheim), 1912 benannt nach Brünhild, einer mythologischen Figur aus dem nordischen Sagenkreis. In der Nibelungensage ist sie die Königin von Island und Gattin des Burgunderkönigs Gunther. Die Gasse ist Teil des Nibelungenviertels. Burjanplatz (Fünfhaus), 1984 benannt nach der Sozialpolitikerin Hildegard Burjan (1883–1933), Vorkämpferin der Frauenbewegung. 1919 gründete sie die religiöse Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis, die sich bis heute karitativen Aufgaben widmet. Sie war 1918 / 1919 für die Christlichsoziale Partei im provisorischen Wiener Gemeinderat tätig und wurde eine wichtige Persönlichkeit in Politik und Kirche. 1919 / 1920 war sie in der Konstituierenden Nationalversammlung einziges weibliches Mitglied ihrer Fraktion. Burjan kämpfte für die Rechte und die Gleichberechtigung der Frauen. „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ zählte zu ihren wichtigsten politischen Forderungen. 1932 initiierte sie den Bau der Christkönigskirche, die östlich an den nach ihr benannten Platz angrenzt. Der Platz ist Teil des Nibelungenviertels; er war vorher Teil des Kriemhildplatzes.

C Camillo-Sitte-Gasse (Fünfhaus), 1913 benannt nach dem Architekten Camillo Sitte (1843–1903); seine Bedeutung liegt vor allem in seinem theoretischen Werk, sein Hauptwerk war das Buch „Der Städtebau nach seinen künstlerischen Grundsätzen“ (1889). Das Buch zeigte Möglichkeiten der künstlerischen Stadtplanung auf und wandte sich ab von der pragmatischen, hygienischen Stadtplanung seiner Zeit. Damit war er einer der ersten Autoren, der sich theoretisch mit der baulich-ästhetischen Sicht der Stadtplanung des Industriezeitalters auseinandersetzte, weshalb er auch als „Wiederbegründer der Stadtbaukunst“ betitelt wurde. Die Gasse ist Teil des Nibelungenviertels. Chrobakgasse (Fünfhaus), 1912 benannt nach dem Gynäkologen Rudolf Chrobak (1843–1910), Professor an der Universität Wien (1889–1908), Vorstand der II. Frauenklinik. Er gilt als einer der Mitbegründer der modernen Gynäkologie und legte den Grundstein für die gynäkologische Endokrinologie. Weiters verfasste er zahlreiche wichtige Lehrbücher. Clementinengasse (Fünfhaus), 1894 benannt nach Clementine Baroness Pereira-Arnstein (1844–1912), seit 1863 mit Felix Freiherr Skrbensky (1827–1898) verheiratet; sie verkaufte der Kaiserin Elisabeth-Bahn-Gesellschaft Grundstücke um drei Millionen Gulden. In diesem Gebiet befanden sich die ersten fünf Häuser, die dem Vorort Fünfhaus seinen Namen gaben. Die Gasse hieß vorher Schwanengasse. Costagasse (Fünfhaus), 1912 benannt nach dem volkstümlichen Schriftsteller und Librettisten Karl Costa (eigentlich Kostia, 1832–1907); neben seinem Beruf als Beamter schrieb er zahlreiche Volksstücke, Possen und Parodien sowie Libretti, unter anderem für Johann Brandl, Anton M. Storch und Ivan Zajc. Von 1882 bis 1885 leitete er das Theater in der Josefstadt.

D Dadlergasse (Rudolfsheim), 1863 benannt nach dem Unternehmer Franz Wenzel Dadler (1760–1835), Tuchfabrikant und Pottasche-Erzeuger; er kaufte 1799 den Besitz „Dreihaus“, der bald als „Gut Braunhirschengrund“ bekannt wurde. Durch Parzellierung erhöhte Dadler die Bautätigkeit und gilt deshalb als eigentlicher Begründer von Braunhirschen. Auch der Dadlerpark ist nach ihm benannt. Siehe auch Braunhirschengasse und Dreihausgasse. Dankwartgasse (Fünfhaus), 1912 benannt nach einer Figur aus dem Nibelungenlied. Der burgundische Ritter Dankwart führte die 9.000 Knappen der Burgunder zur Burg des Hunnen-Königs Etzel. Das Wort Dankwart stammt aus dem althochdeutschen und bedeutet Hüter des Gedenkens (althochdeutsch.: thank für Denken, Gedanke; wartori, hier für Wächter, Hüter, PflegerDankwartgasse in Köbler, Gerhard: Althochdeutsches Wörterbuch, Seite 160 (PDF; 1,3 MB)) Die Gasse ist Teil des Nibelungenviertels. Denglergasse (Rudolfsheim), 1894 benannt nach dem Brauereibesitzer Johann Fritz Dengler (1781–1862); er kaufte 1836 gemeinsam mit seinem Schwiegervater Anton Bosch um 86.000 Gulden das Fünfhauser Brauhaus in der heutigen Gasgasse. Vorbesitzer war Heinrich Zwölfer; siehe Zwölfergasse. Die von Dengler angebaute Bierhalle, in der u. a. Joseph Lanner und Johann Strauss mit ihren Kapellen musizierten, entwickelte sich zu einem beliebten Ausflugsziel der Wiener. Der Denglerpark ist ebenfalls nach Johann Fritz Dengler, sowie seinem Sohn Anton und seinem Enkel Rudolf, benannt. Die Gasse hieß vorher Sigmundsgasse. Diefenbachgasse (Sechshaus), 1894 benannt nach dem Bankbeamten Heinrich Diefenbach (1832–1891), Kanzleidirektor der Sechshauser Sparkasse, Gemeinderat in Sechshaus. Die Gasse hieß vorher Plankengasse. Dingelstedtgasse (Fünfhaus), 1894 benannt nach dem deutschen Dichter, Journalisten und Theaterintendanten Franz Freiherr von Dingelstedt (1814–1881). Er gilt als bedeutender Theaterleiter des späten 19. Jahrhunderts; zuletzt war er Direktor des Wiener Burgtheaters. Berühmt wurde er durch das von ihm gedichtete Weserlied, das von Gustav Pressel vertont wurde. Sein bekanntestes literarisches Werk sind die „Lieder eines kosmopolitischen Nachtwächters“. Die Gasse hieß ursprünglich Gärtnergasse und dann ab 1867 Blütengasse. Dreihausgasse (Rudolfsheim), benannt (Datum unbekannt) zur Erinnerung an die erste Ansiedlung in diesem Gebiet; sie bestand ursprünglich aus drei Häusern und wurde Dreihaus genannt. Ab 1799 wurde Dreihaus durch Franz Wenzel Dadler ausgebaut und erhielt den Namen Braunhirschen; siehe Dadlergasse und Braunhirschengasse.

E mini|Eduard-Sueß-Gasse