mini|Mailand–Sanremo: Das Hauptfeld in Diano Marina 2004 mini|Flandern-Rundfahrt: Roger De Vlaeminck am Koppenberg mini|Paris–Roubaix: Carrefour de l’Arbre mini|Lüttich–Bastogne–Lüttich: Andy Schleck an der Côte de la Roche-aux-faucons mini|Lombardeirundfahrt: Gino Bartali, Sieger 1936
Als Klassiker werden im Straßenradsport besonders bedeutende und traditionsreiche Eintagesrennen bezeichnet.
Obwohl der Begriff Klassiker im Radsport weder geschützt noch genau definiert ist, lassen sich doch mehrere traditionsbildende Faktoren benennen, die für das Prestige der Radrennen entscheidend sind:ähnlich wie hier: , abgerufen am 3. April 2011 das Jahr der Erstaustragung – möglichst vor dem Ersten Weltkrieg –, eine hohe Anzahl von Austragungen, ein während der verschiedenen Auflagen weitgehend unveränderter, von den Anforderungen typischer („klassischer“) Streckenverlauf,Rolf Gölz: Mythos Klassiker. Eine Hommage an die großen Eintagesrennen. (Mit Fotos von Hans-Alfred Roth). Covadonga-Verlag, Bielefeld 2003, ISBN 3-936973-01-6, S. 6. die Anerkennung in der Öffentlichkeit und die Qualität der Siegerliste.
Radrennfahrer, die bei Klassikern erfolgreich sind, werden häufig als Klassikerjäger bezeichnet.
„Monumente des Radsports“
Als bedeutendste Klassiker werden die so genannten fünf „Monumente des Radsports“ angesehen. Diese wurden alle erstmals vor dem Ersten Weltkrieg ausgetragen und weisen einen Palmarès mit zahlreichen bekannten Siegern auf.
Charakteristik Jedes dieser Rennen hat eine besondere Charakteristik: Mailand–Sanremo („la Classicissima“ oder auch „la Primavera“)classicissima = it. Steigerungsform von „Klassiker“, la Primavera = „der Frühling“ an der italienischen Riviera wird häufig im Sprint oder nach einem Angriff am letzten Hügel entschieden. Die Flandern-Rundfahrt („de ronde“ bzw. „vlaanderens mooiste“)ned. für „die Runde“ bzw. „Flanderns Schönste“ wird durch kurze, steile Anstiege auf Kopfsteinpflaster, den Hellingen, geprägt. Paris–Roubaix („l’Enfer du Nord“ oder auch „La Reine des Classiques“)frz. „die Hölle des Nordens“ bzw. „die Königin der Klassiker“ ist völlig flach und bezieht seine besondere Schwierigkeit aus den ca. 50 Kilometern oftmals extrem groben Kopfsteinpflasterpassagen, den Pavés. Das älteste Monument, Lüttich–Bastogne–Lüttich („la doyenne“),frz. „die Dienstälteste“ oder „die Ehrenwerte“ wird in den wallonischen Ardennen mit zahlreichen steilen, meist kürzeren, teils aber auch bis zu vier Kilometer langen Anstiegen ausgetragen. Während diese vier Klassiker im Frühjahr zu Beginn der Radsportsaison ausgetragen werden, folgt als eines der letzten Rennen der Saison die Lombardei-Rundfahrt („la classica delle foglie morte“),it. „Klassiker der toten Blätter“, meist übersetzt mit „Rennen der fallenden Blätter“ welche auf bergstärkere Fahrer zugeschnitten ist.
Bedeutung und Begriffsbildung
Bereits seit den 1930er Jahren wurden bedeutende Rennen in der französischen Presse gelegentlich als „Monumente“ bezeichnet, wobei sich insbesondere der Journalist Albert Baker d’Isy dieses Ausdrucks bediente. Unter anderem wurden von ihm die Tour de France,Paris-Soir, Ausgabe vom 27. April 1938, Seite 6 (): Mais c’est l’épreuve capitale du mois de juillet, le «monument» du cylisme international. Paris–Brest–ParisCe soir, Ausgabe vom 4. September 1948, Seite 1, Spalte 7 (): De dix ans en dix ans, elle nous est revenue jusqu’en 1931 comme un monument du sport oder Paris–RoubaixCe soir, Ausgabe vom 17. April 1949, Seite 1, Spalte 2 (): Paris–Roubaix, monument du cyclisme so etikettiert. Auch in den 1950ern oder 1970er Jahren wurden Paris–Roubaix oder die Tour de FranceRobert Laffont: Eddy Merckx. Coureur Cycliste, Editions Robert Laffont, Paris, 1974, Seite 111 gelegentlich mit diesem Ausdruck bedacht.
Die heutige Einengung auf fünf spezifische Radrennen geht auf den ehemaligen UCI-Präsidenten Hein Verbruggen und die Schaffung des Rad-Weltcups zurück, die 1989 erfolgte. Dieser umfasste 10 bis 12 Eintagesrennen und sollte der Internationalisierung des Straßenradsports dienen. Den fünf „Monumenten“ war ein fester Platz im Weltcup zugedacht, während die übrigen Rennen damit rechnen mussten, bei Bedarf durch neue Veranstaltungen in anderen Ländern ersetzt zu werden.Journal du Jura, 15. März 1990, Seite 21, Spalte 1 (Digitalisat)La Presse, 7. Oktober 1991, Seite 5, Spalte 3 (Digitalisat)
In der Praxis entfaltete der Begriff zunächst nur begrenzte Wirkung. Die Internationalisierung des Weltcups blieb hinter den Erwartungen zurück, so dass sein Rennprogramm stabiler als ursprünglich vorgesehen war und die Monumente sich gegenüber anderen Rennen kaum abheben konnten. Als Johan Museeuw 2002 Paris–Roubaix gewann, feierte er mit einer bekannt gewordenen Geste seinen zehnten Weltcupsieg und nicht etwa sein sechstes Monument. Auch in der Berichterstattung wurde der Ausdruck „Monument“ teils synonym für jegliche Weltcuprennen wie Paris–Tours oder das Amstel Gold Race eingesetzt, bzw. wie zuvor schon für die Tour de France.
Als die UCI 2005 den Weltcup durch die UCI ProTour ersetzte, wurden die „fünf Monumente“ nicht mehr gesondert erwähnt, nahmen im Reglement jedoch eine höhere Kategorie ein als die übrigen Eintagesrennen. In der Nachfolge-Serie UCI WorldTour wurde der spezielle Status der Monumente zwischenzeitlich verwässert,, Artikel 2.10.008 2023 aber wieder hergestellt.
Erst seit Anfang der 2010er Jahre ist eine zunehmende Mediatisierung der „fünf Monumente“ seitens der UCI und in der allgemeinen Sportberichterstattung zu konstatieren, und damit einhergehend eine klare Eingrenzung des Begriffs auf eben diese Eintagesrennen. Das Prestige der Monumente führt in den Medien immer wieder zu Spekulationen, welche Fahrer im Laufe ihrer Karriere alle fünf Rennen gewinnen könnten.
Palmarès
Seit Einführung des Begriffs hat es noch kein Fahrer geschafft, alle fünf Monumente zu gewinnen. Historisch gesehen gelang es jedoch drei Radrennfahrern, alle fünf später als „Monument“ bezeichneten Rennen mindestens einmal zu gewinnen. Alle drei stammen aus Belgien: Zunächst gelang dies Rik Van Looy, der zwischen 1958 und 1965 insgesamt acht Siege erreichte. Danach konnten Eddy Merckx (zwischen 1966 und 1976) sowie Roger De Vlaeminck (zwischen 1970 und 1979) alle Eintagesrennen gewinnen. De Vlaeminck gewann insgesamt elfmal bei einem Klassiker, Merckx gewann insgesamt 19 Mal (und bei jedem Rennen mindestens zweimal).
Rennen ersteAustragung aktuelleDistanz Rekordsieger Termin Mailand–Sanremo 1907 291 km März Flandern-Rundfahrt 1913 260 km , , , , , , und April Paris–Roubaix 1896 257 km , April Lüttich–Bastogne–Lüttich 1892 258 km April Lombardei-Rundfahrt 1905 254 km , Oktober
Andere Klassiker, Halbklassiker und moderne Klassiker Allgemein zu den Klassikern wird auch Paris–Tours gezählt, obwohl der Name und die Strecke des Rennens einige Male wechselten.Das Rennen hieß zeitweise Grand Prix d'Automne (dt.: Großer Herbstpreis) bzw. nach den wechselnden Start- und Zielorten. Es wurde abweichend vom heutigen Namen auf folgenden Strecken ausgetragen: Tours–Versailles (1974–75), Blois–Chaville (1976/77 und 1979–1984), Blois–Autodrome de Montlhéry (1978) und Créteil–Chaville (1985–1987).
Eine Besonderheit stellt das in den Jahren 1891 bis 1988 ausgetragene Bordeaux–Paris dar, das über ca. 600 km führte, aber seit den 1960er Jahren an Bedeutung verlor.zur Einordnung als Klassiker, z. B. Gilbert Duclos-Lassalle – Wie ein guter Wein auf radsport-seite.de, abgerufen am 23. November 2014
„Halbklassiker“ Strittig ist der Klassikerstatus u. a. für Omloop Het Nieuwsblad (bis 2008: Omloop Het Volk), Gent–Wevelgem, La Flèche Wallonne, Amstel Gold Race, Clásica San Sebastián, Brussels Cycling Classic, früher: Paris–Brüssel, Piemont–Rundfahrt und Mailand–Turin. Diese und andere Rennen werden oftmals „nur“ als „Halbklassiker“ angesehen,z. B. Halbklassiker Gent-Wevelgem: Tom Boonen siegt im Sprint. sport.freenet.de vom 27. März 2011 da bei diesen Rennen einige der genannten Kriterien für klassischen Rennen ganz oder teilweise nicht vorliegen.
„Moderne Klassiker“ Für bedeutende Rennen neueren Gründungsdatums, wie die Clásica San Sebastián, Eschborn–Frankfurt und die mittlerweile für Profis eingestellte Meisterschaft von Zürich wird auch der Begriff moderne Klassiker verwendet;Philippe Bouvet, Philippe Brunel, Pierre Callewaert, Jean-Luc Gatellier, Serge Laget: Klassiker des Radsports. Die großen Eintagesrennen. Delius Klasing, Bielefeld 2008, ISBN 978-3-7688-5270-8, S. 148 ff. hierzu könnte auch das 1966 erstmals ausgetragene Amstel Gold Race gezählt werden.
Frühjahrs- und Herbstklassiker Die meisten Klassiker finden überwiegend während zweier zeitlicher Schwerpunkte statt:
Im März und April werden vor allem in Italien, Belgien und Nordfrankreich die sogenannten Frühjahrsklassiker ausgetragen, zu denen neben den Monumenten Mailand–Sanremo, Flandernrundfahrt, Paris–Roubaix und Lüttich-Bastogne-Lüttich auch Gent–Wevelgem,radsport-news.com vom 24. März 2013: Frühjahrsklassiker in Eiseskälte Flèche Wallonnevgl. La Flèche de Wallonie: der "Pfeil" fliegt für alle radsport-news.com vom 17. März 2014: und das Amstel Gold Racevgl. auf tour-magazin.de, abgerufen am 23. November 2014 gezählt werden. In jüngerer Zeit hat das erst 2007 entstandene Rennen Strade Bianche so viel Popularität erlangt, dass es von vielen Fahrer als „sechstes Monument“ angesehen wird.
Die genannten Rennen finden zunächst im März in Italien statt, dann Ende März und in der ersten Aprilhälfte in Flandern sowie Nordfrankreich und in der zweiten Aprilhälfte in den belgischen Ardennen sowie in den südlichen Niederlanden. Die flämischen und französischen Rennen dieser Zeit werden auch „Kopfstein-Klassiker“ genannt, da sie durch häufige Kopfsteinpflasterpassagen (Pavés bzw. Kasseien) sowie steile und kurze Anstiege geprägt sind. Die letzte Phase der Frühjahrsrennen werden auch „Ardennen-Klassiker“ genannt, weisen längere Anstiege auf und sind eher für Bergfahrer geeignet. Aufgrund der Jahreszeit sind alle diese Rennen starken Wettereinflüssen ausgesetzt.
In der zweiten Jahreshälfte folgen die Herbstklassikerzur Verwendung des Begriffs Herbstklassiker z. B. Ergebnisse vom Herbst-Klassiker Paris-Tours rad-net.de vom 13. Oktober 2013, zu denen man aufgrund der Austragungszeit Brussels Cycling Classic, Paris–Tours und die Lombardeirundfahrt zählen kann.
Deutsche und Schweizer Klassiker Deutsche Klassiker mini|Rund um den Henninger-Turm 2005: an dritter Stelle der spätere Sieger Erik Zabel In Deutschland werden als „Klassiker“ insbesondere folgende Radrennen bezeichnet: Rund um Berlin (1896 bis 2008), Rund um die Hainleite (1907 bis 2013), Rund um Köln (seit 1908), Eschborn-Frankfurt (von 1962 bis 2008 unter dem Namen „Rund um den Henninger-Turm“) Wegmann gewinnt erneut Frankfurter Radklassiker freiepresse.de vom 1. Mai 2010: und die Harzrundfahrt (1906–2015) Während „Rund um Berlin“, „Rund um die Hainleite“ und „Rund um Köln“ ihr Prestige vor allem aus ihrem Alter beziehen oder bezogen, wird dem Frankfurter Rennen dagegen der Klassikerstatus vor allem aufgrund seiner sportlichen Bedeutung zugeschrieben. Bei der Harzrundfahrt sind es die Schwierigkeiten der Harzer Berge sowie zu Beginn die immense Länge von über 300 bis 600 km mit Start in Hannover und Magdeburg. Ob diese Rennen als Klassiker oder Halbklassiker zu bezeichnen sind, ist ebenso wie bei anderen traditionsreichen deutschen und internationalen Rennen eine Frage der subjektiven Einschätzung.
Die Cyclassics Hamburg sind entgegen ihrem Namen und trotz ihrer Einordnung in die UCI WorldTour und der daraus folgenden exzellenten Besetzung kein Klassiker, da sie erst im Jahr 1996 erstmals ausgetragen wurden.
Schweizer Klassiker Auch zahlreiche traditionsreiche Schweizer Eintagesrennen werden als Klassiker bezeichnet: die Meisterschaft von Zürich, die Berner Rundfahrt (von 1921 bis 1991 unter dem Namen „Nordwestschweizer Rundfahrt“),