Lengfeld ist einer der sechs Ortsteile der Gemeinde Otzberg im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg.
Geographie Lengfeld liegt circa 200 Meter über dem Meeresspiegel an den nördlichen Ausläufern des hessischen Odenwaldes. Der Ort war bis zum freiwilligen Zusammenschluss am 31. Dezember 1971 mit fünf weiteren Gemeinden zur neuen Gemeinde Otzberg im Zuge der Gebietsreform in Hessen eine selbstständige GemeindeGerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 238. Heute ist Lengfeld mit über 2400 Einwohnern der Verwaltungsmittelpunkt Otzbergs.
Geographische Lage mini|hochkant|Idyllisches Lengfeld Lengfeld liegt etwa acht Kilometer südlich der ehemaligen Kreisstadt Dieburg im Dieburger Becken, einem fruchtbaren Lössgebiet, am nördlichen Fuß des Otzbergs in doppelseitig geschlossener Tallage auf einer flachen Vorhöhe. Der Otzberg ist ein erloschener Vulkankegel, der weithin sichtbar die Landschaft in den nördlichen Ausläufern des Odenwalds beherrscht.
Dorfgliederung und Nachbargemeinden Das Lengfelder Ortsbild zeigt sich als Haufendorf. Um den alten Ortskern herum wurden immer wieder neue Bebauungsgebiete erschlossen. Bis ins 19. Jahrhundert gab es kaum neue Bauplätze in Lengfeld, das hat sich erst mit der Chaussierung der Straßen nach Reinheim, Nieder-Klingen und Groß-Umstadt geändert. Auch der Bau des Bahnhofs brachte in Lengfeld vermehrt die Nachfrage nach Bauland. In der Nachkriegszeit war Wohnraum knapp, und so entstanden die größten Veränderungen in Lengfeld. Vor einigen Jahren entstand in Lengfeld das erste Otzberger Gewerbegebiet.
Von den insgesamt 13,21 km² entfallen 4,1 % auf bebaute Fläche, 6 % Verkehrsfläche, 60,6 % Wiesen und Äcker, 28,4 % auf Wald und je 0,4 % auf Wasserflächen und sonstige Flächen.Flächenerhebung der Gemeinde Otzberg 2005
Lengfeld bildet den räumlichen Mittelpunkt der Gemeinde Otzberg, ringsherum sind die anderen Ortsteile (Hering, Habitzheim, Nieder-Klingen, Ober-Klingen und Ober-Nauses) gelegen. Die Gemarkung von Lengfeld grenzt an die Städte Groß-Umstadt, Reinheim und die Gemeinde Höchst im Odenwald.
Geschichte
Territoriale Zugehörigkeit von Lengfeld (H. = Hessen)
mini|hochkant|Die Lengfelder Dorfstruktur im Wandel der Zeit
Bis zum 13. Jahrhundert mini|links|170px|Tonscherben mit Mustern der Rössener KulturDie Besiedlung um Lengfeld reicht bis in die Jungsteinzeit (5500 bis 2500 v. Chr.) zurück. Dies beweisen unter anderem Funde, die im Jahr 2008 im Lengfelder Baugebiet Pfarrers Dreispitz () gemacht wurden. Dort wurden jahrtausendalte Abfallgruben entdeckt, in denen sich unter anderem auch verzierte Tonscherben, deren Muster für die Rössener Kultur typisch sind, befanden.Werkzeuge der Steinzeit. Bericht des Darmstädter Echos vom 13. März 2008. In: www.genios.de. Um 500 v. Chr. gehörten die Bewohner rund um Lengfeld zu den Kelten.
Auch die Römer hatten eine Siedlung an der Stelle, an der sich heute der Ort Lengfeld befindet. Man nimmt an, dass sie zusammen mit Resten verschiedener germanischer Stämme lebten. Zunächst waren es einzelne Hofreiten (Gehöfte), daraus entstand das Haufendorf mit ringsherum gelegenen Straßenzügen. Die Römer beherrschten die Gegend bis 260, zu diesem Zeitpunkt wurde der Limes vom Osten her von den Alemannen überwunden.
Um 750 gehörte das Gebiet zu Franken. 766 schenkte der Karolinger Pippin III., der Vater Karls des Großen, die villa autmundistat mit Zubehör der Reichsabtei Fulda (autmundistat=Umstadt, heute Groß-Umstadt). Lengfeld gehörte hierbei wohl zum „Zubehör“.
Vermutlich übte bereits Pfalzgraf Konrad die Vogtei über den fuldischen Besitz am Nordrand des Odenwalds aus. Sicher ist, dass 1214 die fuldische Obervogtei über Umstadt und Höchst an die Pfalzgrafen übergegangen ist.
Die Erstnennung Lengfeld datiert später. 1244 wird Lengfeld als fuldischer Pfarrort in einer Urkunde erstmals erwähnt. Die Urkunde bestätigt das Ende eines Streites zwischen der Pfarrgemeinde Lengfeld und dem Konvent des Klosters Höchst durch einen Vergleich. Der Text lautet im Auszug:
14. bis 18. Jahrhundert mini|links|Wappen von Pfalz-Neuburg am Alten Rathaus Anfang des 14. Jahrhunderts gingen dem Kloster Fulda die Mittel aus, und so verpfändete Fürstabt Heinrich VI. von Hohenberg 1332 Lengfeld an Werner von Anevelt und Engelhard von Frankenstein. Fulda löste das Gut 1374 wieder aus und verpfändete es noch im gleichen Jahr an Ulrich IV. von Hanau. Im Jahr 1390 verkaufte Friedrich I., Abt des Klosters Fulda, Otzberg und die Hälfte von Umstadt zusammen mit der Hanauer Pfandschaft an Pfalzgraf Ruprecht II.
Damit war Lengfeld kurpfälzisch und blieb es zunächst bis 1504. In diesem Jahr ging Lengfeld an den Landgrafen Wilhelm II. von Hessen. Im Streit um das Landshuter Erbe wurde von Kaiser Maximilian gegen den Pfalzgrafen Philipp wegen Landfriedensbruch die Reichsacht erklärt. Landgraf Wilhelm II. von Hessen nahm das Oberamt Otzberg militärisch ein. Er zog mit 20.000 Mann Fußvolk und 2.000 Reitern nach Südhessen und machte Hippenheim und Wächtersbach (beide sind heute Wüstungen) dem Erdboden gleich, auch Lengfeld wird dabei nicht verschont worden sein.
Schon 1507 kam Lengfeld wieder in den Besitz der Pfalz zurück.
Nachdem der Landesherr, Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz, im Konflikt mit Kaiser Ferdinand II. um die böhmische Krone der Reichsacht verfiel (1621) und seine pfälzischen Erblande schließlich aufgeben musste, kam Lengfeld unter die Verwaltung von Hessen-Darmstadt und wurde 1626 dem Landgrafen Ludwig V. von Kaiser Ferdinand II. geschenkt.
Bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges blieb Lengfeld hessisch. Der Westfälische Friede sprach dem neuen Pfalzgrafen Karl I. Ludwig die alten Gebiete wieder zu.
1653 gehörte Lengfeld nach dem Aussterben der pfälzischen Linie, zur Herrschaft des Herzogtums Pfalz-Neuburg. Daran erinnert noch der Wappenstein mit dem Wappen von Pfalz-Neuburg am Alten Rathaus aus dem Jahre 1717.
19. und 20. Jahrhundert mini|Im Volksmund wird der Abschlussstein am Alten Rathaus als Breilecker von der Burg Breuberg bezeichnet. Lengfeld blieb kurpfälzisch bis 1803, als der Landgraf von Hessen-Darmstadt durch den ReichsdeputationshauptschlussReichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 – § 7 die rechtsrheinischen Gebiete erhielt.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Lengfeld:
Lengfeld war bis Mitte des 19. Jahrhunderts ein überwiegend landwirtschaftlich geprägter Ort. Als 1871 die Odenwaldbahn in Betrieb genommen wurde, war das ein bedeutendes Ereignis, das Lengfeld zu einem wirtschaftlichen Aufschwung verhalf, wodurch auch die Einwohnerzahl in die Höhe ging.
Ein dunkler Fleck in der Geschichte von Lengfeld war, wie anderenorts auch, die extreme Judenfeindlichkeit im Dritten Reich. Während der Novemberpogrome 1938 zerstörte ein Kommando von 40 Personen das Inventar der Häuser von zwei noch in Lengfeld lebenden jüdischen Familien. Einen Tag später wurden die Familien ins Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Alle Familienmitglieder wurden dort umgebracht.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die landwirtschaftliche Produktion durch kriegsgefangene Zwangsarbeiter aus Polen, Italien und Frankreich aufrechterhalten.
Am 30. März 1945 trafen die Amerikaner von Reinheim her kommend in Lengfeld ein. Die geplanten Widerstandsaktionen des Volkssturms wurden nicht umgesetzt, da die Anführer geflohen waren.
1971 bis heute Am 31. Dezember 1971 fusionierte im Zuge der Gebietsreform in Hessen die Gemeinde Lengfeld mit fünf weiteren Gemeinden freiwillig zur neuen Gemeinde Otzberg. Für die sechs ehemals eigenständigen Gemeinden wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet. Durch die geografische Lage innerhalb der Gemeinde hat Lengfeld eine besondere Stellung. So befinden sich die Gemeindeverwaltung und auch die Otzbergschule in Lengfeld. In den letzten Jahren wurde ein Gewerbegebiet mit 15 Hektar ausgewiesen, in dem sich verschiedene Firmen erfolgreich angesiedelt haben.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Lengfeld angehört(e):
vor 1390: Heiliges Römisches Reich, Kloster Fulda Zent Umstadt (Kondominat) ab 1390: Heiliges Römisches Reich, Kurpfalz (durch Kauf) Oberamt Otzberg (zweimal kurzzeitig hessisch) ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt,Durch den Reichsdeputationshauptschluss. Amt Otzberg ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Fürstentum Starkenburg, Amt Otzberg ab 1815: Großherzogtum HessenDas Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung., Provinz Starkenburg, Otzberg ab 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk DieburgTrennung zwischen Justiz (Landgericht Umstadt) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Dieburg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis DieburgIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg, Gemeinde OtzbergAm 31. Dezember 1971 als Ortsbezirk zur Gemeinde Otzberg. ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Gemeinde Otzberg
Gerichte Die zuständige Gerichtsbarkeit der ersten Instanz war: Zentgericht: Zunächst Umstadt, im 16. Jahrhundert eigene Zent ab 1821: Landgericht Umstadt ab 1879: Amtsgericht Groß-Umstadt ab 1970: Amtsgericht Dieburg
Geschichte des Weilers Zipfen Seine Entstehung verdankt Zipfen den Lagerstätten von Sandstein und Basalt in seiner Umgebung. Erstmals wurde es als Lengfelder Forsthof genannt, dann 1784 als der Zipf. Wirtschaftliche Interessen spielten bei seiner Gründung als Arbeitersiedlung die ausschlaggebende Rolle. Bis ins 18. Jahrhundert bestand der Weiler Zipfen lediglich aus der Oberförsterei, dem Lengfelder Forsthof. In Krisenzeiten mussten zum Schutz des Forstmeisters Soldaten aus der Garnison Otzberg abgestellt werden.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden bayerische Steinhauer von der kurpfälzisch-bayrischen Regierung nach Zipfen geschickt.
Die ehemalige Ziegelhütte von Zipfen ist ein für die Heimatgeschichte des gesamten Odenwaldes bedeutendes Denkmal. Im Vorderhaus, dem Gasthof Becker, trafen sich 1882 71 Vertreter aus allen Kreisen der Bevölkerung Hessens und gründeten den Odenwaldklub, einen der ersten deutschen Wandervereine.
Vor dem freiwilligen Zusammenschluss zur Gemeinde Otzberg (1972), gehörte der Weiler Zipfen zur Gemeinde Lengfeld.
Schulgeschichte Die Anfänge der Schule in Lengfeld
Nach den evangelischen Kirchenakten von 1595 gab es schon in den siebziger Jahren des 16. Jahrhunderts eine Schule in Lengfeld.