Bauernheim ist der kleinste Stadtteil von Friedberg (Hessen) und im hessischen Wetteraukreis.
Name Die Herkunft des Namens Bauernheim ist bis heute umstritten. Es gibt hierzu zwei mögliche Theorien. Die erste besagt, dass ein früherer Grundherr namens Buro große Teile Bauernheims besaß und sich dadurch die Bezeichnung „Hof des Buro“ ergab. Zusammen mit der gängigen Endung -heim ergab sich dann der Name Buroheim und daraus Bauernheim. Die zweite Theorie richtet sich nach der Tatsache, dass Bauernheim schon immer ein Landwirtschaftsort war und, vor allem früher, hauptsächlich aus Bauern bestand. Hierbei bildet sich der Name aus dem Heim der Bauern.
Geographie Geographische Lage Bauernheim liegt am nordöstlichen Rand der Gemarkung Friedberg in der Wetterau.
Sie erreicht eine Höhe von 166,6 Meter NHN und wird westlich des Dorfes von der Wetter durchzogen. Im Nordwesten verläuft die Gemarkungsgrenze entlang des Hechtgrabens und wird dort teilweise durch ihn begrenzt.
Das Dorf liegt an einem Hang, welcher an seiner oberen Baugrenze einen weiten Blick über Ossenheim und den südlichen Ausläufer des Wetteraukreises bis zur Skyline der Stadt Frankfurt am Main ermöglicht.
Nachbargemeinden Die Gemarkung grenzt im Norden und Westen an Dorheim, im Osten an Dorn-Assenheim sowie im Südosten an Nieder-Florstadt und im Süden an Ossenheim sowie im Südwesten an Friedberg-Fauerbach.
Geologie Bauernheim befindet sich in der Ost-Senke der Wetterau und somit im Horloffgraben, dessen Entstehung im Perm begann.
Durch Meeres- und Süßwasserflutungen der hessischen Senke kam es in seiner östlichen Verteilung zu Muschelkalk- sowie tonig-sandige Ablagerungen. Zu dieser Zeit entstand auch die oberhessische Braunkohle. In dem etwa fünf km breiten Horloffgraben, welcher durch tektonische Vorkommnisse einbrach, findet man ca. 50 m mächtige Sedimente des oberen Pliozäns. Unter der Braunkohle liegen teils frühpliozäne Basalte und toniger Basalt-Zersatz. Über der Braunkohle befinden sich Tone des obersten Pliozäns von 15–20 m Mächtigkeit. Im Pleistozän wurde über das gesamte Gebiet Löss abgelagert, im Holozän kamen Schlicke und Auelehm in den Tälern zur Ablagerung, die noch heute das Oberflächenbild der Wetterau bestimmen.
Die Bauernheimer Gemarkung hat eine relativ stark ausgeprägte Reliefenergie: Die Wetter, die durch den Westteil der Gemarkung fließt, hat ein breites, flaches Tal geschaffen, dem im Osten der Gemarkung ein Teil des großen, hoch gelegenen Plateaus entgegensteht, die beide durch eine (im Norden der Gemarkung recht steile, im Süden gemächlicher absteigende) Geländeabdachung verbunden sind.
Bauernheimer Schichten Als Bauernheimer Schichten wird die für die Bauernheimer Gemarkung charakteristische Schichtenfolge im Boden bezeichnet. Früher bezeichnete man die Folge: „Gradn“, Kies, „Letten“ und Ton mit Braunkohle (eingeordnet unter „Södeler Rundschotter“ und „Nauheimer Kantkies“) als Bauernheimer Schichten. Bei der geologischen Neukartierung um 1976 erhielt dieser Fachbegriff eine neue Definition:
Die bei Bauernheim entstehenden Gesteine werden als das Hangende der Basalte angesehen, was durch die ihnen enthaltenen Mikrofloren belegt wird... Es sind Tone, Schluffe und Feinsande von weiß- bis dunkelgrauer oder gelblich-bräunlicher Farbe. Darin eingeschaltet finden sich Kohleflözchen, die örtlich zu größerer Mächtigkeit anschwellen und im Blattbereich an vier Stellen bauwürdig angereichert werden... Neben Braunkohle kommen gröbere Sand- und Fein- bis Mittelkieslagen als Einschaltung in den Bauernheimer Schichten vor, insbesondere abgerundete Quarze. Selten sind zersetzte Basalt- oder Bauxitgerölle eingelagert, die wohl der örtlichen Unterlage entstammen... Sand- und Kieslagen wurden auch in zahlreichen der auf Braunkohle abgeteuften Bohrungen... angetroffen, vor allem SW, S und SE Beienheim und im Gebiet des alten Bauernheimer Bergwerks im Biengrund, und zwar oft in Bohrungen, in denen keine Kohle vorkam. Wenn sie im Zusammenhang mit Kohle angetroffen werden, lagen die grobklastischen Einlagen teils über, teils unter der Kohle oder zwischen mehreren Flözen.
Klima Durch die geschützte Senkenlage, auch zum westlich liegenden Taunus hin, werden die kalten Winde geschwächt. Die warmen Süd- und Südwestwinde hingegen strömen ungehindert ein und auch die Erhebung vom Meeresspiegel bewirkt dabei ein mildes Klima.
Mit seiner Lage befindet sich die Gemarkung Bauernheim im Klimabezirk Südwest-Deutschland. Dabei ist sie Teil des Übergangsgebiets zwischen dem Norddeutschen-, dem Mittel- und Süddeutschen Raum.
In der 220 bis 235 Tage andauernden Vegetationsperiode herrscht eine Temperatur von 15 bis 16 °C. Die mittlere Jahrestemperatur liegt bei 9 °C. Mit einer Temperatur von 0 °C ist der Januar der kälteste, mit 18 °C der Juli der heißeste Monat im Jahr.
Zur Apfelblüte beginnt der Frühling meist zwischen dem 21. und 28. April. Im Mittel gibt es 170 bis 190 frostfreie Tage im Jahr. Man zählt insgesamt 30 Sommertage und weniger als 80 Frosttage.
Die Niederschlagssumme beträgt durchschnittlich 550 mm Niederschlag (550 l/m²), wovon 160 mm in der Vegetationsperiode (Mai bis Juli) abfallen. Der Niederschlag verteilt sich auf die Monate wie folgt: Januar: 40 mm, Februar: 30 mm, März: 30 mm, April: 30 mm, Mai: 40 mm, Juni: 40 mm, Juli: 60 mm, August: 40 mm, September: 50 mm, Oktober: 50 mm, November: 40 mm, Dezember: 50 mm.
Die Extremwerte im Juli und August kann man auf die zu dieser Zeit häufigen Gewitter zurückführen. Verglichen mit anderen Gebieten ist dieses sehr trocken. Man spricht in der Wetterau deshalb gelegentlich auch von trockenen Sommern. Für die Wetterau wurde ein Trockenheitsindex von 25–30 im Jahr errechnet. An 160 bis 170 Tagen fällt mindestens 0,1 mm Regen, an 20 bis 30 Tagen Schnee mit 0,1 mm Niederschlag.
Geschichte Frühgeschichte Es ist anzunehmen, dass aufgrund der günstigen klimatischen Bedingungen und der großen gegebenen Fruchtbarkeit schon in der Altsteinzeit, zu Zeiten der Neandertaler, Homo in der Wetterau lebten. Bewiesen werden konnte das jedoch noch nicht.
Der Nachweis über frühes Leben in Bauernheim wurde durch den Fund eines Keramikbechers am Eselspfad, in einer im vergangenen Jahrhundert aufgedeckten Jungsteinzeitlichen Wohngruppe, erbracht. Bei dem Fundstück handelt es sich um einen von Schnurkeramikern angefertigten Becher mit einer Verzierung in Form von fischgrätenartig geordneten Hölzchenabdrücken. Die Schnurkeramiker lebten in der Kupferzeit um 2000–1800 v. Chr. Über das Auftreten verschiedener Kulturvölker wie Bandkeramiker kann kein Nachweis erbracht werden.
Vor 1926 wurden auf dem Flurstück Das alte Bergwerk zwei Funde gemacht. Dabei handelt es sich um zwei offene Bronzearmringe, wobei auch ein Stück eines Eisenringes geborgen wurde. Die Fundstücke lassen sich auf die ältere Hallstattzeit um 700–600 v. Chr. zurückführen.
In der Zeit, in der in Friedberg ein römisches Militärlager errichtet war, wurde vermutlich auf dem Gebiet Bauernheims eine Villa rustica betrieben. Das würde zu dem zufällig im August 1975 gefundenen römischen Kellerrest passen. Eine Villa rustica ist ein Landgut, mit dem Landwirtschaft betrieben wurde, um Nahrungsmittel zu erzeugen, die dann womöglich nach Friedberg oder zu anderen Feldlagern gingen. Die Hanglage mit dem Wasserlieferanten Wetter ist eine gute Voraussetzung für eine römische Besiedlung.
Die Alamannen eroberten um 260 das vom Limes eingeschlossene Gebiet und ließen sich dann in alten römischen Anlagen nieder. Das taten sie, bis sie anfingen, im 4. Jahrhundert das Gebiet um den alten Anlagen herum zu besiedeln. Es könnte sein, dass Alamannen in der Bauernheimer Villa rustica sesshaft wurden. Um 500 begann eine fränkische Landnahme und Kolonialisierung der Wetterau, wodurch auch Franken sich damals in Bauernheim hätten ansiedeln können. Außerdem gab es in der Zeit die Anfänge von Christianisierung und einer Kirchenorganisation.
Mittelalter Die erste urkundliche Erwähnung Bauernheims erfolgte in der Beatus-Urkunde, welche zum 21. Juni 778 ausgestellt wurde. Mit diesem Dokument schenkte der Abt Beatus von Honau nebst sieben anderen die Kirche in Bauernheim seinem iroschottischen Kloster Honau. 884 waren bis auf die Kirche in Bauernheim und Mainz alle anderen dem Kloster Honau bereits wieder verloren gegangen.grundlegend: IDieter Wolf: Aus der Geschichte eines Wetterau-Dörfchens. 1200 Jahre Bauernheim 778–1978. Festschrift zur Feier der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes Bauernheim. Friedberg-Bauernheim 1978. S. 46–56, 90–92
Von 836 bis 1036 beherrschten die Konradiner die Wetterau. Der letzte hieß Konrad von Hammerstein und starb zum Ende dieses Zeitraumes. Durch Heinrich III. gelangte die Grafschaft Malstatt, Teil der früheren Wettereiba (einem Gebiet, das über die heutigen Grenzen der Wetterau hinausreichte) an die Familie der Grafen Nürings. Den Namen erhielt die Grafschaft durch die Bauernheimer Gerichtsstätte, die ebenfalls Malstatt heißt.
Im Jahr 1043 übertrug Heinrich III. die Grafschaft an das Kloster Fulda. Obwohl bis 1131 einige Teile der östlichen Grafschaft verloren gingen, ist aufgrund der Ortsbestimmung von Fauerbach bei Friedberg im Grafschaftsgebiet auszugehen, dass auch Bauernheim zu dieser Zeit noch Teil von Malstatt war. Durch verschiedene Schenkungen höchsten Adels kam das Geschlecht von Arnsburg in den Besitz von Land in der Bauernheimer Gemarkung, von dem Mathilde von Arnsburg im Jahr 1093 8 Mansen an das St. Alban Kloster in Mainz verschenkte.
Aufgrund des Expandierens des Herrschaftsgebiets der Hagen-Arnsburg erhielten diese eine Machtposition, welche sie veranlasste, die Burg Münzenberg zu bauen, nach der sie sich auch um 1165 umbenannten. Im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts bauten sie in Assenheim eine Turmburganlage, wodurch später dort auch eine Herrschaft entstand. Diese Herrschaft Assenheim, zu der auch Bauernheim gehörte, ging an die Münzenbergischen Erben der Falkensteiner. Ob von den Münzenbergern oder ihren Nachfolgern die westlich des Ortes gelegene und längst wieder abgegangene kleine Burg Bauernheim erbaut wurde, ist unbekannt, da sie urkundlich nie erwähnt wurde. Da die Hanauer aber auch an der Regierung beteiligt waren, kam es zu Streitigkeiten, die später sogar in den von Hanauern gegen die Falkensteiner geführten Reichskrieg um 1364 bis 1366 (Falkensteiner Fehde) ausuferten, welcher 1366 mit einem Ausgleichsfrieden beendet wurde. Die Streitigkeiten hörten erst gegen Ende des 14. Jahrhunderts auf, als die von Falkenstein das Landgericht gen Assenheim mit dem Hauptort Nieder-Wöllstadt und u. a. den meisten Ortsteilen des heutigen Friedberg (darunter Bauernheim) kauften.
Nach dem Aussterben der Linie Falkenstein wurden die Besitztümer unter den Erben zwar aufgeteilt, aber gemeinsam verwaltet. Die Erben waren Dieter von Isenburg-Büdingen und Gräfin von Sayn, welche u. a. Bauernheim kurzfristig im Jahr 1424 an den Deutschen Orden verpfändete. 1426 bis 1429 wurde Frank von Cronberg der Jüngere vom Deutschordenshaus zu Sachsenhausen als Amtmann für Bauernheim und andere Dörfer eingesetzt.
1433 ging Bauernheim dann zusammen mit Nieder-Wöllstadt, Fauerbach, Ossenheim und Rechten in Büdesheim an das Geschlecht von Sayn. Nach mehreren Verpfändungen ging Bauernheim schließlich zum Oktober 1458 an Frank von Cronberg den Reichen.
Neuzeit Nach dem Tod Franks des Reichen ging die Gemarkung Bauernheim an die Grafen zu Solms und blieb bis 1806 unter Solmser Herrschaft. Im Jahr 1548 führten die Grafen zu Solms in Bauernheim die Reformation ein, so dass bis heute die evangelische Kirchengemeinde besteht. Im Jahr 1548 spaltete sich zudem eine Linie Solms-Laubach von den Solms-Lich ab, woraus 1623 die zu Solms-Rödelheim entstanden. Nachdem diese Linie 12 Jahre später wieder ausstarb, wurde erneut eine neue Linie gegründet, die zu Solms-Rödelheim und Assenheim, welche bis heute existiert.