__NOTOC__ mini|Gadatas-Brief im Louvre
Bei dem sogenannten Gadatas-Brief handelt es sich um eine antike Inschrift auf einer Marmorstele. Dieser wurde 1886 in der Gegend von Magnesia am Mäander (heutige Türkei) entdeckt und wird heute im Louvre in Paris (Inventar-Nr. Ma 2934) aufbewahrt. Es handelt sich um die Abschrift eines Briefes des Perserkönigs Dareios I. an Gadatas, den Satrapen der ionischen Provinz.
Beschreibung Der Marmorstein mit der Inschrift wurde im April 1886 von den französischen Archäologen Georges Cousin und Gaston Deschamps im türkischen Dorf Deïrmendjik zwischen Magnesia am Mäander und Tralleis (bei Aydın) gefunden. Drei Jahre darauf publizierten die beiden Forscher ihre Entdeckung im Bulletin de correspondance hellénique.
Die Buchstabenformen der Inschrift weisen auf eine Einmeißelung etwa in der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts, womit es sich um eine Abschrift handeln muss. Der ursprüngliche Text wird in die Regentschaft von Dareios I. (521–486 v. Chr.) datiert.
+ Inhaltaus Wilhelm Dittenberger: Der Brief des Königs Dareios. In: Hermes 31, 1896, S. 643–646. Original (griechisch) Übersetzung (deutsch)Der König der Könige Dareios, Sohn des Hystas- pes, kündet seinem Un- tergebenem Gadatas fol- gendes: Ich vernehme,
dass du meinen Anordnun- gen nicht in jeder Bezie- hung nachkommst. Dass du mein Land kultivierst, indem du Früchte von
jenseits des Euphrat in die Gebiete an der Küste Kleinasiens pflanzst, diesen deinen Entschluss lobe ich, und deswegen
wird dir im Hause des Königs großer Dank be- wahrt werden. Dass du aber meine Verfügung, die Götter betreffend, nicht
beachtest, dafür werde ich dir, wenn du dich nicht än- derst, einen Beweis meines Missfallens geben. Denn du hast den geheiligten
Gärtnern Apollons eine Steuer abverlangt und ihnen aufgetragen, unge- weihtes Land zu bebauen, in Verkennung der Gesin-
nung meiner Vorväter zur Gottheit, die den Persern die volle Rechtsordnung kündete und …
Deutung Der Brief des Dareios I. betrifft das Apollonheiligtum von Aulai. Die Aufstellung der Kopie des originalen Briefes hängt offenbar mit dem Anspruch des Heiligtums auf Steuerbefreiung zusammen. Bei dieser Abschrift wurde der ursprünglich in ionischem Dialekt geschriebene Text in das im 1. Jahrhundert übliche Griechisch übertragen.
Literatur
Georges Cousin, Gaston Deschamps: Une lettre de Darius, fils d’Hystaspes. In: Bulletin de correspondance hellénique 13, 1889, S. 529–542, Volltext. Wilhelm Dittenberger: Der Brief des Königs Dareios. In: Hermes 31, 1896, S. 643–646. Josef Wiesehöfer: Zur Frage der Echtheit des Dareios-Briefes an Gadatas. In: Rheinisches Museum für Philologie 130, 1987, S. 396–398, Volltext (PDF; 605 kB). Rüdiger Schmitt: Bemerkung zum sog. Gadatas-Brief. In: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik 112, 1996, S. 95–101, Volltext (PDF; 69 kB). Dieter Metzler: Bemerkungen zum Brief des Darius an Gadatas. In: Recherches récentes sur l’Empire achéménide. Topoi Supplément 1, Paris 1997, , S. 323–332. Pierre Briant: Histoire et archéologie d’un texte. La Lettre de Darius à Gadatas entre Perses, Grecs et Romains. In: Mauro Giorgieri u. a. (Hrsg.): Licia e Lidia prima dell’ellenizzazione. Rom 2003, ISBN 88-8080-034-5, S. 107–144.
Einzelnachweise
Kategorie:Griechische Inschrift Kategorie:Iranistik Kategorie:Inschrift in der Türkei Kategorie:Archäologischer Fund (Klassische Antike) Kategorie:Museumsbestand (Louvre) Kategorie:Magnesia am Mäander