Der Porsche 911 ist ein Sportwagen von Porsche und der Nachfolger des Porsche 356. Der kurz „Neunelfer“, oder nur „Elfer“ genannte Porsche 911 ist das bekannteste Fahrzeug des Stuttgarter Unternehmens und gilt als Inbegriff der Marke.
Porsche stellte das später so genannte „Urmodell“ im September 1963 vor. Das „G-Modell“ ab 1973 bildete dann die zweite Generation der inzwischen acht Generationen der 911er-Modellreihe (Stand 2022).
Modellreihe 1964–1973 mini|Porsche 911 S (Urmodell) mini|Porsche 911 T (C-Serie, Juli 1969)
Markteinführung Der 911 war gegenüber dem Modell 356 ein großer Entwicklungsfortschritt. Dies gilt für die gesamte Fahrzeugkonstruktion und im Besonderen für den Motor. Vor Beginn der 911-Serienfertigung im September 1964 wurden 13 Prototypen noch als Porsche 901 gebaut. Porsche stellte das später so genannte „Urmodell“ im September 1963 auf der IAA in Frankfurt am Main unter seiner internen Entwicklungsnummer als Porsche 901 vor. Die Bezeichnung musste jedoch kurz nach dem Verkaufsstart im November 1964 geändert werden, da sich Peugeot als Bezeichnung für seine Pkw-Modelle die Rechte an sämtlichen dreistelligen Zahlen mit der „0“ in der Mitte gesichert hatte. Zusammen mit den 13 901-Prototypen wurden im ersten Modelljahr 1965 (ab September 1964) insgesamt 230 Wagen des Typs 911 produziert. Der Preis betrug anfangs 21.900 Deutsche Mark, was inflationsbereinigt in heutiger Währung etwa Euro entspricht.Der Betrag wurde mit der Vorlage:Inflation ermittelt, sind auf volle 100 Euro gerundet und beziehen sich auf den vergangenen Januar.
Karosserie Der Wagen war insgesamt größer und innen geräumiger als der Vorgänger 356. Die größeren Fensterflächen ergaben eine bessere Rundumsicht, die zur höheren Verkehrssicherheit beitrug. Der rund 11 cm größere Radstand verbesserte den Fahrkomfort. Ebenso wuchs das Volumen des vorn befindlichen Kofferraums.
Es heißt, dass Ferdinand Alexander Porsche für den Entwurf der Karosserie unter anderem die Maßgabe hatte, mindestens ein Set Golfschläger im Kofferraum unterbringen zu können, da die typische Porsche-Kundschaft so etwas beim 356er vermisst habe. Das Hauptkriterium für die Karosserie war jedoch eine hohe Wiedererkennung als Porsche und eine Ähnlichkeit zum Vorgängermodell. Ebenso war der Heckmotor (hinter der Hinterachse) ein festes Kriterium, das im Pflichtenheft der Karosserieentwickler stand. Zusammen mit Erwin Komenda, der bereits die Entwicklung des Porsche 356 maßgeblich beeinflusste, entwarf Ferdinand Alexander Porsche die Form des 911, die bis heute charakteristisch für den Wagen ist.
mini|Porsche 911 E Targa Das 1963 vorgestellte „Urmodell“ wurde bis Mitte 1973 mit unterschiedlichen Motorleistungen (T, L, E und S) und Ausstattungen zunächst nur als Coupé und ab Modelljahr (Mj.) 1967 zusätzlich als offene Version (Targa) gebaut. Der Targa war ein sogenanntes Sicherheitscabriolet mit breitem Überrollbügel, bei dem das Dach und ursprünglich auch ein Restverdeck mit Heckscheibe (Softwindow genannt) abgenommen werden konnte. Vorgestellt wurde der 911 Targa (ital. Schild) 1965 auf der IAA in Frankfurt am Main. Der Name leitet sich von der Targa Florio ab, einem Langstreckenrennen auf Sizilien, das Porsche von 1956 bis 1965 fünfmal gewann.Achim Kubiak: Faszination 911, S. 33/34Nicky Wright: Porsche – Traumauto made in Germany, S. 89 Ein Cabriolet gab es erst ab Mitte 1982 im „G-Modell“.
In den Jahren 1971 und 1972 wurden knapp 10.000 Porsche 911 T, E und S des 2,4 Liter E-Modells als später so genannte „Ölklappenmodelle“ produziert. Bei diesen Fahrzeugen saß der Einfüllstutzen für das Öl statt im Motorraum unter einer Klappe außen an der rechten B-Säule. Mit dem Modelljahr 1973 verschwand die Ölklappe wieder – angeblich auch, weil sowohl Besitzer als auch Tankwarte in Unkenntnis Benzin in den vermeintlichen Kraftstofftank füllen, was Motorschäden zur Folge gehabt haben soll.Porsche 911 – Mysterium Ölklappe In: teil-der-maschine.de.
Motor mini|2-Liter-Motor mit 130 PS (1968) mini|Porsche 911 T 2.4 Heckansicht Das Konzept des luftgekühlten Boxermotors als Heckmotor blieb, allerdings wurde der Vierzylinder mit 1,6 Litern Hubraum des Vorgängermodells durch einen neu konstruierten Zweiliter-Sechszylindermotor ersetzt. Grund für die Erhöhung von Zylinderanzahl und Hubraum war zum einen, dass der noch auf dem Motor des VW Käfers basierende 356-Serienmotor mit maximal 95 PS (70 kW) Leistung nicht mehr mit wirtschaftlich vertretbarem Aufwand weiterentwickelt werden konnte und zum anderen die Tatsache, dass ein Sechszylindermotor eine größere Laufruhe und somit höheren Komfort bietet. Die Leistung des neuen Antriebs betrug 96 kW (130 PS) bei einer Drehzahl von 6100/min. Zwei Solex-Dreifachvergaser erzeugten das Kraftstoff-Luftgemisch. Eine Trockensumpfschmierung mit Ölkühler am Motor (später auch ein zusätzlicher Kühler im vorderen rechten Kotflügel) diente zur Schmierung und inneren Kühlung des Motors. Der große Axialventilator für die Kühlluft fiel im Motorraum sofort ins Auge.
Um Kunden zu gewinnen, denen ein 911 zu teuer war, wurde mit der endgültigen Produktionseinstellung des 356 im Jahr 1965 der Porsche 912 eingeführt, ein einfacher ausgestatteter 911 mit dem 90-PS-Vierzylinder-Boxermotor des 356.Achim Kubiak: Faszination 911, S. 30/31
Als Topmodell gab es ab Sommer 1966 (Modelljahr 1967) den 911 S (Super) mit höher verdichtetem 160-PS-Vergasermotor. Der 911 mit 130-PS-Motor bekam im Modelljahr 1968 die Bezeichnung 911 L (Luxus); gleichzeitig war als vergleichsweise günstiges Einstiegsmodell der 911 T (Touring) mit 110-PS-Motor und Vierganggetriebe (sonst fünf Gänge) erhältlich.
1968 (Modelljahr 1969) kam es zu einer ersten umfangreichen Überarbeitung des Porsche 911. Anstatt der bisher verwendeten Vergaser kam (außer beim T-Modell und Typ 912) eine mechanische Saugrohreinspritzung zum Einsatz, die Einspritzpumpe wurde über einen Zahnriemen von der linken Nockenwelle angetrieben. Die Umstellung ergab neben vergrößerter Motorleistung geringere Schadstoffemissionen, verbessertes Teillastverhalten, etwas geringeren Kraftstoffverbrauch und geringere Luftdruckempfindlichkeit bei Höhenunterschieden.Technische Neuheiten bei Porsche. In: Kraftfahrzeugtechnik 11/1968, S. 334–335. Die Modellbezeichnung änderte sich von 911 L in 911 E, der jetzt 103 kW (140 PS) leistete. Beim Typ 911 S erhöhte sich die Leistung entsprechend auf 125 kW (170 PS). Zeitgleich wurde die Motormasse durch Verwendung von Magnesium-Druckgussteilen um 16 kg verringert.
1969 wurde der Hubraum aller Motoren von 2 Liter auf 2,2 Liter erhöht, zwei Jahre später auf 2,4 Liter. Die Leistung der Motoren stieg entsprechend an, sodass der 2,4-Liter-911 S maximal 140 kW (190 PS) leistete.Achim Kubiak: Faszination 911, S. 60/61 Mit der Leistung stieg auch der Kraftstoffverbrauch auf 17,0 Liter auf 100 km. Mit 230 km/h Höchstgeschwindigkeit war der 911 S im Jahr 1972 das schnellste deutsche Serienfahrzeug. Die Produktion des 912 wurde beendet. Der Carrera RS des Modelljahres 1973 hat einen 2,7-Liter-Motor.
Der Motor des 911 T mit 81 kW (110 PS) wurde von 1969 bis 1972 auch im VW-Porsche 914/6 verwendet.
Fahrwerk Die Vorderräder waren an Querlenkern mit Dämpferbeinen, die Hinterräder an Schräglenkern aufgehängt. Zur Federung dienten vorn und hinten Drehstabfedern, die Dämpfung übernahmen Teleskopstoßdämpfer hinten und die Dämpferbeine vorn. Der härter abgestimmte 911 S besaß zusätzlich Stabilisatoren. Für den komfortbetonten 911 E gab es niveauregulierende, hydropneumatische Federbeine.
Verzögert wurde mit hydraulisch betätigten Scheibenbremsen an allen Rädern. Neu war auch die Zahnstangenlenkung mit zweimal abgewinkelter Sicherheitslenksäule.Auto, Motor und Sport, Heft 8/1964, S. 34, und Porsche-Prospekt W 221 9.63 G
Ein Kritikpunkt war anfangs die deutliche Neigung zum Übersteuern, vor allem bei schneller Kurvenfahrt. Um dem entgegenzuwirken, erhielt der 911 ab 1966 zwei gusseiserne Ballastgewichte, je 11 kg schwer, hinter der vorderen Stoßstange. 1968 verlängerte Porsche den Radstand mit längeren Schwingen um 57 mm, passte die Radausschnitte an und der Ballast entfiel. Um den Massenausgleich zu verbessern, wurde sogar die Batterie in zwei kleine Einheiten aufgeteilt, die in den vorderen Radkästen links und rechts untergebracht wurden.
Der Typ 911 S war an den markanten Leichtmetallrädern von Fuchs, den Fuchsfelgen, zu erkennen.Stuart Gallagher: Faszination Porsche. S. 53
Innenraum mini|Cockpitansicht Targa Das Armaturenbrett wurde gegenüber dem des 356er überarbeitet und dem Geschmack der 1960er Jahre angepasst. Das Zündschloss blieb allerdings links neben der Lenksäule. Die Position des Zündschlüssels kam aus dem Rennsport, als die Rennwagen beim Start neben der Rennstrecke geparkt standen und die Piloten erst zu ihren Fahrzeugen laufen und diese dann starten mussten. Da ein links vom Lenkrad positionierter Schlüssel schneller beim Einsteigen betätigt werden kann, waren, um Zeit zu gewinnen, viele Rennwagen so ausgestattet.
Das S-Modell besaß 1966 eine umfangreichere Ausstattung als das Basismodell.
Die Anordnung der fünf Instrumente wurde bis zum Modell 993 beibehalten: links des mittig eingebauten großen Drehzahlmessers die Kombiinstrumente für Tankinhalt/Ölstand sowie Öltemperatur/Öldruck und auf der rechten Seite Tachometer und Analoguhr.
Der Carrera RS 2.7 Eine Sonderstellung unter den Urmodellen nimmt der im Modelljahr 1973 (F-Serie) gebaute 911 Carrera mit 2,7-Liter-Motor ein.
Der 911 Carrera RS 2.7, im Oktober 1972 auf dem Mondial de l’Automobile in Paris vorgestellt, war wie frühere Rennmodelle nach der Carrera Panamericana benannt und als Kleinserie von ursprünglich 500 Fahrzeugen geplant, um die Homologation für den Rennsport zu erlangen.Achim Kubiak: Faszination 911, S. 69. Der Wagen unterschied sich äußerlich von den anderen 911ern durch seine vorne und hinten ausgestellten Kotflügel, die charakteristisch für alle späteren Carrera-Modelle waren. Der spezielle Frontspoiler hatte für den Ölkühler in der Mitte eine Öffnung. Das Heck zierte erstmals ein Spoiler, der wegen seiner Form Entenbürzel genannt wurde.
Der mit einer mechanischen Doppelreihen-Einspritzpumpe versehene Boxermotor hat 2,7 Liter Hubraum und leistet bei 6300/min 154 kW (210 PS).Jörg Austen, Sigmund Walter: Porsche 911 – Die technische Dokumentation von 1963 bis 2009. S. 57 Der Wagen war serienmäßig mit den sogenannten Fuchsfelgen in 15 Zoll versehen und Porsche verwendete bei dem Modell unterschiedliche Reifendimensionen an Vorder- und Hinterachse: Vorn: 185/70 VR 15; Hinten 215/60 VR 15. Wie beim 911 S war der nun aus Kunststoff gefertigte Tank 85 Liter groß.
Zur Gewichtsverringerung hat der Carrera RS unter anderem eine vordere Haube aus Dünnblech und einen Motordeckel aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Im Modell RS-Sport wurde durch den Verzicht auf Teppichboden (stattdessen nur Gummimatten), Dämmmaterial, Rücksitze, Beifahrer-Sonnenblende, Türarmlehnen, Ablagekästen, Uhr, Ersatzrad und die zweite Batterie ein Leergewicht von 975 kg erreicht. Auch Details wie Tieftonhorn, das Fehlen ausstellbarer hinterer Seitenscheiben, sowie Zierleisten aus PVC statt Gummi und ein Porsche-Wappen als einfacher Aufkleber trugen dazu bei. Für den Fahrer war ein Recaro-Schalensitz eingebaut.
Um potentielle Käufer nicht zu verschrecken, bot Porsche als Extra die Ausstattung des 911 S an,Stuart Gallagher: Faszination Porsche. S. 56 mit der das Leergewicht dann 1075 kg betrug. Der als RS-Touring bezeichnete Wagen hatte zwei 36-Ah-Batterien, Zweiklangfanfare und als erster 911 einen gewichtssparenden Faltreifen mit dazugehörendem Kompressor an Bord. Zudem gibt es auch Unterschiede das Fahrwerk betreffend.