mini|Satellitenbild der Inselgruppe Kap Verde mini|Der Hafen von Praia auf Santiago
Die Geschichte Kap Verdes umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet der Republik Kap Verde von der europäischen Entdeckung bis zur Gegenwart. Sie beginnt in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts mit der Entdeckung und Besiedlung der Kapverdischen Inseln durch Seefahrer in portugiesischen Diensten. Ob die Existenz der Inselgruppe schon in der Antike bekannt war, ist unklar.
Über Jahrhunderte standen die Kapverdischen Inseln unter portugiesischer Kolonialherrschaft. Es entwickelte sich eine kreolische Kultur und Sprache, die die Einflüsse des portugiesischen Mutterlandes mit dem kulturellen Erbe der vielen afrikanischen Sklaven verband. In diese Zeit fiel die Vermischung der verschiedenen Bevölkerungsteile zur zahlenmäßig beherrschenden Gruppe, die von Aussehen und Kultur her weder vollständig afrikanisch noch europäisch war, was zur Herausbildung einer kapverdischen Identität beitrug. Im 19. Jahrhundert setzte ein wirtschaftlicher Niedergang ein; mit dem Ende der Sklaverei begann eine starke Auswanderungsbewegung insbesondere nach Neuengland.
Nach einem langwierigen Kampf um die Unabhängigkeit von Portugal entstand 1975 der eigenständige Staat Kap Verde, der seit 1990 im afrikanischen Vergleich relativ demokratische Strukturen aufweist.
Vorkoloniale Zeit Mutmaßliche Erwähnungen in der Antike miniatur|Lage von Kap Verde vor der Küste Afrikas Benannt wurden die Ilhas do Cabo Verde (Inseln des grünen Kaps) durch Antonio da Noli nach dem fast auf demselben Breitengrad liegenden Cabo Verde („grünes Kap“), der Westspitze Afrikas, nördlich von Dakar in Senegal gelegen, weil es von alters her als Navigationspunkt für die Ansteuerung der Inselgruppe diente, nicht als Hinweis auf natürliche Gegebenheiten wie Fauna oder Klima der Inseln.
Die Existenz dieses Kaps war antiken Schriftstellern vermutlich bewusst, auch wenn nicht ganz geklärt ist, ob das Kap Hesperu ceras, das Pomponius Mela und Plinius der Ältere erwähnen, mit dem Cabo Verde gleichzusetzen ist.Dafür spricht sich im 16. Jahrhundert Giovanni Matteo Cretico aus, Paesi vovamente retrovati. Et Novo Mondo da Alberico Vesputio Florentino intitulato. Vicenza 1507, kommentierte Ausgabe, Herzog-August-Bibliothek, Anmerkung. Plinius der Ältere überliefert, dass die Seereise vom Hesperu ceras zu den Gorgaden nach Xenophon Lampsacenus zwei Schiffstage benötigt habe. Nach dem Geographen Sebosus betrage zudem die Schiffsreise von den Kanarischen Inseln über die Gorgaden bis zu den Hesperiden im Golf von Guinea 40 Tage.
Bei Mela und Plinius werden auch die Gorgaden erwähnt, die Inseln der Gorgonen, auf denen Perseus ihre Häupter abgeschlagen haben soll, die teilweise mit den Kapverden gleichgesetzt worden sind.
Die Seefahrt des Hanno Auch Arrian gibt für die Rückreise Hannos von den Hesperiden in seinem Werk Indica eine nötige Reisezeit von 35 Tagen an. In der Antike wurde auch angenommen, dass auf dieser Insel der karthagische Seefahrer Hanno gelandet, zwei als gorillai bezeichnete weibliche Wesen getötet und gehäutet sowie deren Fell im Tempel der Tanit in Karthago ausgestellt habe – zusammen mit dem Bericht Hannos über seine Reise. Allerdings legt der überlieferte Bericht Hannos selbst und die Lage des besuchten Vulkans Theon Ochema nahe, dass sich dieses Ereignis im Golf von Guinea abgespielt hat und nicht auf den Kapverden. Keine Erwähnung finden die Kapverden im Werk des Geographen Claudius Ptolemäus. Allerdings dürfte bereits vorher – nämlich spätestens nach der Zerstörung Karthagos im Jahre 146 v. Chr. – der punische Handel im Westatlantik zusammengebrochen sein. So fand bereits Polybios keine Hinweise mehr auf früheren Handel der Karthager, der von Herodot und Pseudo-Scylax sowie aufgrund archäologischer Hinweise in Marokko und Mauretanien eindeutig nachgewiesen werden kann.
Glückliche Inseln Weitere Ortsangaben in mythischen Erzählungen aus dem antiken Mittelmeerraum sind auf die Kapverden bezogen worden. So gibt es die Zuschreibung, dass Hesiods glückliche Inseln mit den Kapverden identisch seien. Allerdings spricht keine dieser Quellen davon, dass die Inseln betreten oder darauf gar Siedlungen errichtet wurden.
Mutmaßliches Betreten vor Ankunft der Europäer Es gibt keine Aufzeichnungen über ein mögliches frühes Betreten der Inselgruppe vom afrikanischen Kontinent. Wegen der vorherrschenden Winde und Meeresströmungen gilt allerdings die Möglichkeit als plausibel, dass die Inseln bereits zu einem frühen Zeitpunkt undokumentiert durch Fischer von der senegalesischen oder guineischen Küste (aus den Ethnien der Mauren, Wolof, Serer oder Lébou) entdeckt wurden.
Kolonialzeit Europäische Entdeckung mini|Der portugiesische Prinz Heinrich der Seefahrer, Gemälde von Nuno Gonçalves Die Erstentdeckung der Inseln aus europäischer Perspektive wird mangels eindeutiger Belege kontrovers diskutiert und mehreren Seefahrern in Diensten des portugiesischen Prinzen Heinrich des Seefahrers zugeschrieben. 1456 soll entweder Diogo Gomes oder der Venezianer Alvise Cadamosto (dieser in Boa Vista) die Inseln erstmals betreten haben, andere schreiben das 1458 dem Genuesen Antonio da Noli zu, der mit Gomes den Rest des Archipels im Lauf des folgenden Jahrzehnts erforschte und vom König als Entdecker der Insel Santiago bezeichnet wurde.
Besiedlung und Gründung der Kolonie Im Jahre 1462 übertrug König Alfons V. die Inseln an seinen Bruder Prinz Ferdinand, der später die Insel Santiago zweiteilte, die Verwaltung an portugiesische Adlige übertrug und die Insel zur Besiedlung freigab. Die europäische Besiedlung begann in Ribeira Grande („großer Bach“, später Cidade Velha, seit 2005 wieder Ribeira Grande de Santiago) an der Südseite Santiagos. Die ersten Siedler waren portugiesische Exilanten und begnadigte Straftäter, flämische und genuesische Abenteurer sowie sephardische Juden von der Iberischen Halbinsel.
mini|Ansicht der Hauptstadt der Kolonie Kapverde, Ribeira Grande, in einem Plan Leonardo de Ferraris (1655) Zum ersten Gouverneur der Inseln wurde der im Auftrag des portugiesischen Prinzen Heinrich des Seefahrers fahrende Kapitän António da Noli ernannt. Er begann 1461 die Besiedlung der Inselgruppe im Namen der portugiesischen Krone mit einer kleinen portugiesischen Militärstation auf der Hauptinsel Santiago (portugiesisch São Tiago) sowie auf der Insel Fogo. Im Jahre 1462 wurde auf Santiago die Stadt Ribeira Grande gegründet, die erste permanent bewohnte europäische Siedlung in den Tropen. Militärisch und wirtschaftlich spielte Kap Verde bereits ab 1461 eine Rolle als portugiesische Militärstation und Vorposten für weitere Entdeckungsfahrten um Afrika sowie zur Gewinnung von rosella tinctoria, einer Färberflechte mit Vorkommen in Santo Antão.
Wenig später erhielten die hauptsächlich aus der Algarve stammenden Siedler das königliche Recht, schwarze Sklaven von der westafrikanischen Küste auf die Inseln zu bringen und mit ihnen zu handeln. Sie sollten das Leben der Kolonisten erleichtern. Mit ihnen wurden auch der Abbau des Salzes auf Sal sowie der Anbau von Zuckerrohr, Kaffee und tropischen Früchten in der aufkommenden Plantagenwirtschaft bewerkstelligt. Die Bewohner von Kap Verde erhielten ferner das königlich verbriefte Monopol für den Sklaven- und weiteren Handel an der Westküste Afrikas. Die versklavten Schwarzen waren hauptsächlich Balanta, Papel, Bijagó und Mende von der guineischen und ghanaischen Küste. Ausgeschlossen vom Handelsmonopol war der Handel mit Waffen, Eisen, Schiffen und nautischen Geräten, außerdem musste eine 25-prozentige Gewinnsteuer an den portugiesischen Hof abgeführt werden.
Viele Siedler waren ohne Familie oder Partnerin ausgewandert und vermischten sich schon bald mit den versklavten Teilen der Bevölkerung. Der Anteil dieser Mulatten an der Gesamtbevölkerung stieg rasant an. Viele portugiesische Siedler, Lançados genannt, siedelten sich mit ihren schwarzafrikanischen Frauen an der afrikanischen Westküste an, besonders in Guinea. Sie bildeten dort eine besser gestellte Mittelschicht unter den Einheimischen und waren im Wesentlichen für die Expansion des Sklavenhandels ins Hinterland verantwortlich. Die Lançados waren die ersten deutlichen Anzeichen für Kap Verde als Mittelpunkt des frühneuzeitlichen Westafrikahandels.
Ausbau der Kolonie Von 1500 bis etwa 1620 spielte die Insel Santiago eine bedeutende Rolle im transatlantischen Sklavenhandel als Umschlags- und Versorgungsstation. Die Sklaven wurden in Santiago in drei Kategorien gehandelt: boçais („dumm“, sie sprachen nur ihre afrikanische Muttersprache), ladino („Lateiner“, diese konnten bereits Kreol und waren getauft) und naturais („einheimisch“, in Kap Verde geborene Sklaven). 1495 wurde in Ribeira Grande mit der Kirche Unsere Mutter vom heiligen Rosenkranz das erste römisch-katholische Gotteshaus südlich der Sahara errichtet, kurz darauf wurden auch ein Seminar und ein Konvent errichtet sowie später die wahrscheinlich erste Kathedrale in Afrika. Mit der Entsendung eines Generalgouverneurs erhielt die Insel außerdem den offiziellen Status einer portugiesischen Kolonie. 1513 fand der erste Zensus in Kap Verde statt. Gezählt wurden 162 Einwohner, darunter 58 Weiße, 16 freie Schwarze und zwölf Priester, der Rest waren Soldaten und Strafgefangene. Zur selben Zeit lebten auf der Insel ungefähr 13.000 Sklaven.
Aufstieg zur prosperierenden Kolonie Bereits 1532 erhielt die Siedlung Ribeira Grande Stadtrechte, und der portugiesische König errichtete dort ein eigenständiges Bistum für Kap Verde, die klerikale Verwaltung der Inseln lag in den Händen des Christusordens, wie auch für die anderen portugiesischen Kolonien. Nach dem Bau der Kathedrale in Ribeira Grande und der Errichtung eines kapverdischen Bistums begann die Missionierung der afrikanischen Westküste von hier aus; allerdings gab es erst 1975 die erste Investitur eines Kapverdiers als Bischof.
Der durch den Sklavenhandel gestiegene Wohlstand lenkte auch die Augen von Freibeutern auf die Inseln. So wurde Ribeira Grande 1582 und 1585 durch Sir Francis Drake geplündert und gebrandschatzt. Die bei den Überfällen englischer, französischer und niederländischer Freibeuter entflohenen Sklaven bildeten im Inneren Santiagos kleine Gemeinschaften, die das Überleben in Freiheit sichern sollten (bekannt sind diese Gruppen als badius). 1582 waren nur zwölf Prozent der Bewohner auf den Kapverden Freie.
mini|Salzgewinnung in einer Saline auf Sal Trotz immer wiederkehrender Dürren, Hungersnöte und Seuchen sowie Piratenüberfällen entwickelte sich die Inselgruppe aufgrund des Sklavenhandels in den nächsten Jahrhunderten wirtschaftlich gut. 1620 begann der Handel der Engländer mit dem Salz der Inseln Maio und Sal. Durch die häufige Anwesenheit englischer Frachter wurde die Stadt Vila do Maio auch als Porto Inglês („englischer Hafen“) bekannt.
mini|Praya im Jahre 1792
Wirtschaftlicher Niedergang zwischen dem 18. und 20. Jahrhundert mini|Les Isles du Cap-Verd, 1749
In dem Maße, wie die Bedeutung Brasiliens für das portugiesische Königshaus zunahm, ging die der Kolonie Kap Verde immer mehr zurück. Nachdem die Stadt Ribeira Grande 1712 durch die Franzosen fast völlig zerstört worden war, verlor sie immer mehr an Bedeutung gegenüber Praia, das 1770 schließlich neue Hauptstadt der Kapverden wurde, da es besser gegen Übergriffe zu schützen war.