mini|Ostflügel der Vorburg von Schloss Wickrath Das Schloss Wickrath ist eine Wasserschlossanlage an der Niers in der Region Niederrhein. Sie liegt in unmittelbarer Nähe des Mönchengladbacher Stadtteils Wickrath und besteht aus zwei barocken Vorburg-Flügeln, einem schlossartigen Wohngebäude und einem barocken Park in Form einer fünfeckigen Grafenkrone.

Das Schloss – eine Vorburg und ein Hochschloss (Hauptschloss) – wurde im Auftrag des Reichsgrafen Wilhelm Otto Friedrich von Quadt (1717–1785) zwischen 1746 und 1772 erbaut. Die Vorburg ist erhalten und wird seit ihrem Bau mit kurzen Unterbrechungen bis heute als Pferdestall genutzt. Das Hochschloss wurde 1859 abgerissen, und an seiner Stelle 1875 das heute noch erhaltene schlossartige Landstallmeisterhaus als Wohngebäude für den damaligen Gestütsleiter errichtet.

Das Gebäudeensemble und der öffentlich zugängliche Park wurden am 24. September 1985 unter Denkmalschutz gestellt, ein Teil des Parks steht darüber hinaus unter Naturschutz.

In Vorbereitung zur Landesgartenschau 2002 wurden die Vorburg, die Brücken und der Park umfangreich saniert. Die Vorburg wurde in der ursprünglichen, ochsenblutroten Farbe neu angestrichen. Im selben Jahr entstand auch das Pferdezentrum Schloss Wickrath, als das Rheinische Pferdestammbuch seinen Sitz von Bonn zum Schloss Wickrath verlegte. Seitdem wird der Ostflügel wieder als Pferdestall genutzt. Der Westflügel ist heute bewohnt, und das Landstallmeisterhaus wird von einem Gastronomiebetrieb genutzt.

Östlich der Schlossanlage befinden sich ein Turnierplatz, ein Reitstall und eine neue Veranstaltungshalle. Diese wird für verschiedene pferdesportliche Veranstaltungen und Volksfeste genutzt. Seit 2004 ist Schloss Wickrath Teil der Straße der Gartenkunst zwischen Rhein und Maas.

Geschichte Burg Wickrath Von der ersten Erwähnung 1068 bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806 herrschten die Familien Hochstaden, Broichhausen, Hompesch und Quadt über die Burg beziehungsweise das Schloss Wickrath. Die Wappen dieser Familien befinden sich auf einem Brunnen im Wirtschaftshof der Vorburg. Von der Burg Wickrath sind nicht viele Beschreibungen oder Kenntnisse erhalten. Auf einem Mitte des 17. Jahrhunderts entstandenen Gemälde, das Wilhelm Thomas von Quadt darstellt, ist eine Burg zu sehen, bei der es sich wahrscheinlich um die Burg Wickrath handelt. Sie liegt auf einer Insel mit niedrigem Buschwerk und besteht aus mehreren Gebäuden. Markantester Teil ist ein hoher, abseits stehender Turm mit sehr spitzem Turmhelm. Es handelte sich um eine Wasserburg, die im 12. Jahrhundert eventuell noch in Form einer Motte angelegt und deren Gräben von der Niers versorgt wurden. Oberirdisch gibt es keine Hinweise auf den ehemaligen Standort der Burg. Graf von Quadt ließ beim Neubau des Schlosses alle mittelalterlichen Reste der Burg beseitigen.

Hochstaden mini|Anno II. mit Modellen der von ihm gestifteten Klöster – Abbildung in der Darmstädter Vita Annonis Minor (um 1180) Eine Urkunde des Kölner Erzbischofs Anno II. über die Befreiung des Hofs Witenhusen von der Zehntpflicht erwähnte die Herren von Wickrath erstmals 1068. Ein Gerlacus de Wickerode, auch Gerlach oder Gerlagh genannt, war bei der Unterzeichnung der Urkunde als Zeuge anwesend.Joseph Husmann, Theodor Trippel: Geschichte der ehemaligen Herrlichkeit bezw. Reichsgrafschaft und der Pfarre Wickrath, 1. Theil, bis 1491. Druck von Jakob Pesch, 1909, S. 18. Gerlach scheint eng mit Anno II. befreundet gewesen zu sein und einem bekannten Dynastengeschlecht zu entstammen. Die Berufung zum Vogt der von Anno II. gestifteten Abtei Siegburg weist darauf hin. Möglicherweise handelt es sich um einen jüngeren Bruder von Gerhard Flamenses. Die Burg Wickrath, als „Castrum Wichinrod“ bezeichnet, wird erstmals in der ab 1104 verfassten Biografie von Anno II. erwähnt. Demnach ließ er kurz vor seinem Tod im Dezember 1075 den Grafen Gerlach, Herrn der Burg Wickrath, zu sich kommen.

Nach Gerlachs Tod ging die Burg Wickrath in den Besitz von Graf Gerhard I. aus der Familie Hochstaden, dem älteren Bruder des Kölner Erzbischofs Hermann III. von Hochstaden, über. Einige Quellen sehen in ihm einen Sohn Gerlachs, andere Quellen nennen ihn seinen Schwiegersohn, der die Tochter Gerlachs geheiratet habe. Gerhard I. wird nur in einer Urkunde, dem Totenbuch der Abtei Maria Laach, als Graf geführt, in anderen Urkunden fehlt dieser Titel. Sein Sohn, Gerhard II., erbte die Burg und den Ort und nannte sich ab 1118 Gerardus de Wyckerode. Seine Tochter Aleidis vermählte sich mit Otto I. von Ahr, der nach der Heirat den Namen Ahr-Hochstaden trug. Nach seinem Tod 1166 folgten ihm zunächst sein jüngster Sohn Otto II. (1166 bis 1197), ab 1194 als Otto Graf de Wicrode erwähnt, und danach sein Enkel Otto III. (1197 bis 1247) als Herren der Herrlichkeit Wickrath.Wilhelm Kuhlen: Streifzüge durch die Geschichte der Herrschaft Wickrath. herausgegeben vom Heimat- und Verkehrsverein Wickrath e. V., 1988, S. 11–13.

Von 1227 bis 1264 regierte Lothar von Wickrath, das siebte Kind Ottos III., in Wickrath. Lothars einziger Sohn starb vor ihm, daher übernahm sein Bruder Heinrich von Wickrath die Herrschaft. Im Jahr 1277 nannten Urkunden seinen Sohn Otto IV. von Wickrath als Herr der Burg.Theodor Joseph Lacomblet: Urkundenbuch für die Geschichte des Niederrheins oder des Erzstifts Cöln, der Fürstenthümer Jülich und Berg, Geldern, Meurs, Cleve und Mark, und der Reichsstifte Elten, Essen und Werden. Erster Band. Düsseldorf, 1840, S. 411. Auf ihn folgte Ludolf, Herr zu Wickrath, ein Sohn eines Bruders von Otto III. oder von Lothar von Wickrath. Der letzte aus der Familie Ahr-Hochstaden, Otto V., dessen Ehe kinderlos blieb, trug den Grafen von Geldern 1310 die bis dahin reichsunmittelbare Herrschaft Wickrath zu Lehen auf.Joseph Husmann, Theodor Trippel: Geschichte der ehemaligen Herrlichkeit bezw. Reichsgrafschaft und der Pfarre Wickrath, 1. Theil, bis 1491. Druck von Jakob Pesch, 1909, S. 28. Die Exklave Schwanenberg auf der westlichen Seite von Erkelenz, welche bis 1714 zum Herzogtum Geldern und anschließend zum Herzogtum Jülich gehörte und 1312 erstmals erwähnt wurde, gehörte ebenfalls zur Herrschaft Wickrath.

Die Witwe Ottos V. heiratete nach dem Tod ihres Mannes den Ritter Wilhelm von Millen. Dieser wird ab dem Jahr 1310 als Herr der Burg Wickrath erwähnt. Sie wird als Niederungsburg mit Niersbrücken geschildert. Wilhelm von Millen stellte die Burg dem Grafen von Jülich für militärische Zwecke zur Verfügung. Wilhelm von Millen starb 1334.

Broichhausen Graf Rainald II. von Geldern übertrug 1338 die Burg und die Unterherrschaft Wickrath an Wilhelm von Broichhausen.Joseph Husmann, Theodor Trippel: Geschichte der ehemaligen Herrlichkeit bezw. Reichsgrafschaft und der Pfarre Wickrath, 1. Theil, bis 1491. Druck von Jakob Pesch, 1909, S. 34. Ab 1363 regierte dessen Sohn Johann I. von Broichhausen über die Burg. Bis 1373 war dieser auch Amtmann von Burg Krickenbeck. Auf Johann I. folgte zunächst sein Sohn Johann II. und nach dessen Tod sein zweiter Sohn, Heinrich von Broichhausen, der bis etwa 1394 regierte. Nach dem Erreichen der Volljährigkeit 1406 übernahm Heinrichs Sohn, Johann III. von Broichhausen, die Herrschaft über Wickrath. Ab 1429 bekleidete er auch das Amt des Erbkämmerers des Herzogs von Geldern, Arnold von Egmond.Joseph Husmann, Theodor Trippel: Geschichte der ehemaligen Herrlichkeit bezw. Reichsgrafschaft und der Pfarre Wickrath, 1. Theil, bis 1491. Druck von Jakob Pesch, 1909, S. 41.

Hompesch Zwischen 1474 und 1482 herrschte der geldrische Vasall Evert, auch Eduard genannt, Vogt zu Bell über Wickrath. Der Vogt zu Bell bescherte aber Maximilian I. viel „Schaden und Ungemach“. Dieser besetzte 1482 Wickrath, um diesem Treiben ein Ende zu setzen. Maximilian I., Herzog von Burgund, verkaufte 1485 Wickrath an seinen Rat Ritter Heinrich II. von Hompesch (* ca. 1448, † 1501) als Dank für seine Unterstützung bei der Niederwerfung von Aufständen in den Burgundischen Niederlanden. Hompesch, ab 1481 als Marschall und Hofmeister von Jülich belegt, löste Wickrath 1488 aus dem geldrischen Lehensherrschaft und ließ es durch Kaiser Friedrich III. zur Reichsherrschaft erklären. Das Erhebungsprivileg des Kaisers verlieh Wickrath Markt- und Stadtrechte. Die Herrschaft Wickrath unterstand damit unmittelbar dem Kaiser, von Hompesch stieg damit in den Rang eines Territorialherren auf, Wickrath erhielt Stadtrecht. Heinrich von Hompesch und seine Frau Sophia stifteten 1490/1491 das Kreuzherrenkloster,Wolfgang Löhr: Zur Geschichte des Kreuzherrenklosters in Wickrath gewidmet dem hl. Antonius dem Großen. Das Kloster bestand bis 1802.

Quadt Die Ehe der Hompeschs blieb kinderlos. Nach Heinrichs Tod erbten 1502 daher seine Stiefsöhne von Quadt, die Begründer der Familie Quadt-Wykradt, die Reichsherrschaft Wickrath.Wilhelm Kuhlen: Streifzüge durch die Geschichte der Herrschaft Wickrath. herausgegeben vom Heimat- und Verkehrsverein Wickrath e. V., 1988, S. 19. Johann Quadt heiratete eine Tochter Rainers von Geldern, die als Mitgift die seit der Reichsunmittelbarkeit eigentlich nicht mehr bestehenden Ansprüche Gelderns auf Wickrath als ehemaliges Lehen des Herzogtums in die Ehe einbrachte. Johann Quadt heiratete zweimal, aus den beiden Ehen stammten je zwölf Nachkommen. Nach seinem Tod kam es zu langwierigen Erbstreitigkeiten um die Burg. Schließlich übernahm Dietrich, ein Sohn aus erster Ehe, die Herrschaft über die Burg.Wilhelm Kuhlen: Streifzüge durch die Geschichte der Herrschaft Wickrath. herausgegeben vom Heimat- und Verkehrsverein Wickrath e. V., 1988, S. 22. Ihm folgte Wilhelm Thomas von Quadt als Reichsfreiherr und Herr zu Wickrath. Außerdem bekleidet er den Posten eines Erbhofmeisters und Erbdrosts des Herzogtums Geldern. Er starb 1670.

Neubau des Schlosses mini|Gemälde von Johann Heinrich Fischer. Das Doppelbildnis stellt den Bauherrn des Schlosses Wilhelm Otto Friedrich Reichsgraf von Quadt und Matthieu Soiron oder dessen Bruder François dar. Im Hintergrund ist Schloss Wickrath mit dem Hochschloss und den Flügeln der Vorburg abgebildet.Die Bildinschrift lautet: „DEN HOOGGEBOORE HEER WILLEM OTTO FREDERICK DES HEYLIGEN ROOMISCHEN RYX GRAVE VAN QUADT DER ONMIDDELBAERE RYX VRYE HEERLYK HEEDEN WYKRADT EN SCHWANENBERG REGEEREND HEER VRY HEER VAN LOENEN WOLFEREN EN DE ERFHOFMEESTERIE HEER VAN DELL WYNEN ERFDROS EN ERF HOFMEESTER DES FÜRSTENDOMS GUELDRE EN DER GRAFFSCHAP ZUTPEHEN.“ – Übersetzung ins Hochdeutsche: „Der hochgeborene Herr Wilhelm Otto Friedrich, des Heiligen Römischen Reiches Graf von Quadt, der unmittelbaren reichsfreien Herrlichkeiten Wickrath und Schwanenberg regierende Herr, Freiherr von Loenen Wolferen und der Erbhofmeisterei Herr von Delwijnen, Erbdrost und Erbhofmeister des Fürstentums Geldern und der Grafschaft Zutphen.“ Wilhelm Otto Friedrich von Quadt zu Wickrath und Schwanenberg wurde 1742 nach Römischem Recht mit der Burg Wickrath belehnt. Ein Brand vernichtete 1745 die spätmittelalterliche Vorgängerburg, der Abriss erfolgte 1746. Bereits Ende des Jahres 1746 legte Wilhelm Otto Friedrich von Quadt den Grundstein für ein neues Schloss. Der Bau erforderte aufgrund des sumpfigen Untergrunds eine Pfahlgründung.Wilhelm Kuhlen: Streifzüge durch die Geschichte der Herrschaft Wickrath. herausgegeben vom Heimat- und Verkehrsverein Wickrath e. V., 1988, S. 88. Im Jahr 1748 berichteten Urkunden von Dachdeckerarbeiten am neuen Schloss, die das Ende des ersten Bauabschnitts markierten. Urkunden belegen ab 1751 die Brüder François und Matthieu Soiron als Architekten. François entwarf 1754 die evangelische Kirche im benachbarten Odenkirchen, sein Bruder in derselben Zeit Haus Schlickum in Glehn.