mini|Lage der Schachtanlagen der Zeche König Ludwig in Recklinghausen
Die Zeche König Ludwig war ein Steinkohlebergwerk in Recklinghausen. alternativtext=Kuxschein des Steinkohlen-Bergwerks König Ludwig, ausgestellt am 28. Oktober 1872 auf den Essener Kaufmann und Bergbauunternehmer Julius Waldthausen, original unterschrieben von dem Bankier Wilhelm Hagedorn als Grubenvorstand|mini|Kuxschein No. 2 des Steinkohlen-Bergwerks König Ludwig, ausgestellt am 28. Oktober 1872 auf den Essener Kaufmann und Bergbauunternehmer Julius Waldthausen, original unterschrieben von dem Bankier Wilhelm Hagedorn als Grubenvorstand
Geschichte Gründung der Gewerkschaft König Ludwig 1856 stießen vom Generalinspektor August Bockholtz (Bockholte) und dem Bankier Wilhelm Hagedorn angeregte Probebohrungen im Recklinghäuser Süden auf Steinkohle. Bockholtz und Hagedorn legten Mutung ein, und es wurden die Grubenfelder Henriettenglück I bis III verliehen. Sie wurden 1867 unter Vereinigte Henriettenglück konsolidiert.
Während der Gründerzeit konnte 1871 die bergrechtliche Gewerkschaft Vereinigte Henriettenglück das benötigte Kapital zur Errichtung eines Bergwerks organisieren. Bei einer Generalversammlung am 16. Februar 1872 im Hotel „Berliner Hof“ in Essen wurde daraufhin entschieden, das Bergwerk bald zu errichten. Außerdem wurde beschlossen, die Gewerkschaft nach dem bayerischen König Ludwig II. zu benennen.
Zur Errichtung der Übertagebetriebe sollte das im Besitz der Stadt Recklinghausen befindliche Geitenfeld gekauft werden. Auf Grund eines Streits über die Kaufsumme wurde das Grundstück im März 1872 gepachtet. Nach einem weiteren Streit über die Kostenübernahme für den Wegebau kaufte die Gewerkschaft zehn Morgen Land am Stillbrink vom Bauern Hestermann. Das Land gehörte zur eigenständigen Landgemeinde Suderwich und war abgesehen vom Streit mit der Stadt Recklinghausen wegen der günstigeren Steuern besonders attraktiv. Die Recklinghäuser Stadtverordneten und der Bürgermeister Hagemann versuchten noch, die Gesellschaft umzustimmen, doch selbst ein angestrengter Prozess konnte sie nicht überzeugen, die Zeche auf Recklinghäuser Grund zu errichten.
Teufen Im zweiten Anlauf begannen am 27. April 1872 am Stillbrink die Abteufarbeiten für den ersten Schacht. Der Ingenieur Koepe (Carl Friedrich Koepe?) organisierte dazu eine Fördermaschine von der Zeche Carl. 1873 gerieten die Arbeiten wegen Problemen mit der Wasserhaltung ins Stocken. 1874 musste sogar allen Arbeitern gekündigt werden und die Abteufarbeiten wurden vorerst eingestellt. Im Frühjahr 1875 traten mehrere Vorstandsmitglieder zurück (unter anderem Friedrich Grillo), so dass im April 1875 nur noch die Vorstandsmitglieder Carl Funke und Wilhelm Hagedorn tagten. 1876 konnten die Abteufarbeiten wieder aufgenommen werden, die Wasserhaltung bereitete jedoch weiter Probleme. Mit Kreiselpumpen (ab 1882) und Tübbings (ab 1883) konnte der Schacht dauerhaft trockengelegt werden. Im gleichen Jahr erreichte der Schacht bei einer Teufe von 307 m die kohlenführende Schicht (Flöz). Bei 361 m Teufe wurde die erste Sohle als Wettersohle, 1885 bei 440 m Teufe die Bausohle angesetzt. Die Aufnahme der Förderung erfolgte 1886.Zu den Arbeitsbedingungen vgl. die Arbeitsordnung vom 14. August 1886, abgedruckt in: Quellensammlung zur Geschichte der deutschen Sozialpolitik 1867 bis 1914, III. Abteilung: Ausbau und Differenzierung der Sozialpolitik seit Beginn des Neuen Kurses (1890–1904), 4. Band, Arbeiterrecht, bearbeitet von Wilfried Rudloff, Darmstadt 2011, Nr. 53.
Bereits am 22. Juli 1886 kamen bei einer Schlagwetterexplosion sieben Bergarbeiter zu Tode. Bei drei weiteren Schlagwetter- und Kohlenstaubexplosionen am 12. November 1891, am 18. August 1893 und am 17. Januar 1901 kamen 31 weitere Bergleute ums Leben.
Förderung, Ausbau und Streik + Herkunft der Belegschaftsmitglieder 1893Otto Taeglichsbeck, Königliches Oberbergamt Dortmund (Hrsg.): Die Belegschaft der Bergwerke und Salinen im Oberbergamtsbezirk Dortmund. Band II, Bellmann & Middendorf, Dortmund 1893. Geburtsort in absolut prozentual Westfalen 562 38 Rheinprovinz 96 7 Ost- und Westpreußen 62 4 Posen 514 35 Schlesien 100 7 Sonstige 155 10 Gesamt 1489 100
1886 wurden mit einer Belegschaft von 144 Mann 24.869 t Kohle gefördert. Da die Rohkohle im Verkauf mit 4,80 Mark/t einen relativ geringen Erlös brachte, wurde 1887 mit dem Bau einer Aufbereitungsanlage mit Kohlenseparation und Kohlenwäsche begonnen. Im März 1888 wurde mit dem Bau einer Kokerei begonnen, um mit dem darin produzierten Koks höhere Gewinne zu erzielen. Am 1. Juli 1889 nahmen die ersten 60 Koksöfen ihren Betrieb auf. Der hochwertige Koks konnte mit einem durchschnittlichen Erlös von 12,15 Mark/t verkauft werden. Die in der Kokerei anfallenden Gase wurde zur Beheizung von 20 Cornwall-Kesseln zur Dampferzeugung für die Fördermaschinen genutzt. Zum Ende des Jahres 1890 gingen weitere 40 Koksöfen in Betrieb. Bis 1890 war die Belegschaft auf 740 Mann angewachsen, die Förderung betrug 429.291 t.
An dem Massenstreik von 1889, der sich ab Ende April von der Bochumer Zeche Präsident ausgehend im gesamten Ruhrgebiet verbreitete, beteiligten sich auch 470 Kumpel der Zeche „König Ludwig“. Mehrere Kompanien des Infanterieregiments Nr. 13 unter dem Kommando des Hauptmanns von Seidewitz bewachten die streikenden Bergarbeiter in Recklinghausen. Bei einer Versammlung der Streikenden in Dortmund-Dorstfeld wurde beschlossen, die Bergleute Schröder, Bunte und Siegel als Delegierte zum Kaiser und zum Reichstag zu schicken. Sie trugen Kaiser Wilhelm II. am 14. Mai als Delegierte ihre Forderungen vor. Mit Reichstagsabgeordneten der Nationalliberalen Partei, unter anderem dem Vorsitzenden des Unternehmerverbandes Bergbau-Verein, Friedrich Hammacher, legten sie im „Berliner Protokoll“ die 8-Stunden-Schicht, regelmäßige Lohnerhöhungen und Überstunden nur in von Arbeiterausschüssen genehmigten Ausnahmen fest. Die Unternehmer akzeptierten dieses Protokoll jedoch nicht und gaben stattdessen am 18. Mai die „Essener Erklärung“ aus. Demnach sollte zwar die 8-Stunden-Schicht eingeführt werden, die Arbeiterausschüsse wurden jedoch abgelehnt und die Löhne sollten nur einmalig erhöht werden. Die Bergleute waren geteilter Meinung, ob sie die Erklärung akzeptieren sollten. Unter dem privaten wirtschaftlichen Druck nahmen die Kumpel am 27. Mai nach drei Wochen Streik die Arbeiten wieder auf. Der Streik führte zu den Sozialreformen 1890 und zur Gründung der ersten Bergarbeitergewerkschaft (später „Alter Verband“).
mini|Ehemalige Kaue und Lampenstube bei Schacht 2
Bergpolizeiliche Auflagen erforderten auf Zeche „König Ludwig“ unterdessen die Anlage eines zweiten Schachtes, so dass die Gewerkschaft beschloss, einen Wetterschacht anzulegen. Ab April 1889 wurde 80 m neben Schacht 1 der Schacht 2 abgeteuft. 1891 erreichte er die 442-m-Sohle (nunmehr Wettersohle), bei einer Teufe von 527 m wurde eine zweite Sohle angesetzt. 1894 wurde Schacht 2 als zweiter Förderschacht in Betrieb genommen. Dafür wurde etwa 1 km südlich der Schachtanlage 1/2 ab dem 15. August 1894 der neue Wetterschacht Schacht 3 niedergebracht.
Mit dem Beitritt zum Rheinisch-Westfälischen Kohlen-Syndikat (RWKS) im Februar 1893 stabilisierten sich die Kohlenpreise und die wirtschaftliche Situation der Gewerkschaft „König Ludwig“ besserte sich. Allerdings beschränkte die Mitgliedschaft im RWKS auch die Fördermengen der Zechen. Um die Förderung trotzdem zu erhöhen, beschloss der Vorstand, den als Wetterschacht geplanten Schacht 3 als weiteren Förderschacht zu nutzen, was die erlaubte Fördermenge erhöhte. Schacht 3 erreichte die 442-m-Sohle am 1. Oktober 1896. Die geförderte Kohle wurde mit einer Feldbahn zur Aufbereitung zu Schachtanlage 1/2 transportiert. Ab 1898 war der betriebseigene 1,7 ha große Hafen am Zweig-Kanal des noch im Bau befindlichen Dortmund-Ems-Kanals (heute Teil des Rhein-Herne-Kanals) fertiggestellt. Über den Hafen konnten einerseits Kohlen und Koks an den Nordsee-Häfen verkauft werden, aber auch Material angeliefert werden.
1896 förderte das Bergwerk mit 1.767 Belegschaftsmitgliedern 592.000 t Kohle. In den 180 Koksöfen wurden 1898 147.030 t Koks produziert. Der Kokerei waren mittlerweile Anlagen zur Gewinnung der Nebenprodukte Teer, Ammoniak, Benzol, verschiedener Kohlenwasserstoffe und später Stadtgas angeschlossen. Der Verkauf von Koks und der Nebenprodukte machte im Jahr 1899 35 % des Gesamtergebnisses der Gewerkschaft aus.
Aufbau der Schachtanlage 4/5 mini|Grubenfeld der Zeche König Ludwig um 1902 Im Mai 1898 hatte die Gewerkschaft „König Ludwig“ die Kuxe der benachbarten Gewerkschaft „Henrichenburg“ mitsamt 13 Grubenfeldern von 27,6 km² Gesamtfläche erworben. Dadurch hatte sich die Berechtsame der Gewerkschaft von 8,7 km² auf 36,3 km² erweitert. Am 3. Juli 1900, begannen 3 km nordöstlich der Anlage 1/2, westlich der Gemeinde Suderwich die Arbeiten einer neuen Schachtanlage „König Ludwig“ 4/5. 1901 wurde eine Bahnstrecke zwischen den Anlagen 1/2 und 4/5 erbaut. Im August 1902 erreichte Schacht 4 bei 453 m und bei 520 m Teufe bereits von der Schachtanlage 1/2 aus aufgefahrene Strecken. Im Oktober 1902 erreichte Schacht 4 die vorläufige Endteufe von 628 m und nahm die Förderung als neuer Hauptförderschacht auf, während die Förderung auf Schacht 1 eingestellt wurde. Der Schacht 5 wurde bei Erreichen der 520-m-Sohle im November als Abwetterschacht in Betrieb genommen. Auf dem Gelände der ersten Schachtanlage wurde 1902 bis 1903 der Schacht 6 als zusätzlicher Wetterschacht abgeteuft. 1903 nahm auch auf der Schachtanlage 4/5 eine Kokerei mit 80 Otto-Hoffmann-Öfen ihren Betrieb auf.
Weil sich die tatsächlichen Verhältnisse auch nach den Sozialreformen 1890 kaum verbessert hatten, traten die Bergleute 1905 erneut in den Streik. Als ein Forderungskatalog der Bergarbeitergewerkschaften von den Unternehmerverbänden abgelehnt wurde, wurde am 16. Januar der Generalstreik ausgerufen. Nach Verhandlungen und der Zusage der Abänderungen einzelner Bestimmungen des Allgemeinen Berggesetzes wurde der Generalstreik am 10. Februar aufgehoben. In der Gesetzesnovelle wurde unter anderem die Schichtdauer einschließlich Ein- und Ausfahrt auf 8½ Stunden begrenzt und das „Wagen-Nullen“, also der vollständige Abzug eines nicht voll und rein beladenen Kohlewagens vom Lohn, abgeschafft; Arbeiterausschüsse sollten die Einhaltung dieser Regelungen bewachen. Auf der Zeche „König Ludwig“ bildeten sich die Arbeiterausschüsse im November 1905. Über die wirtschaftlichen Folgen des Streiks schrieb der Grubenvorstand der Gewerkschaft „König Ludwig“ im Geschäftsbericht des Jahres 1905: „Durch den Streik in den Monaten Januar und Februar ist uns für Betriebsverlust und entgangenen Verdienst ein Schaden von 500.000 Mark entstanden. Einen weiteren nicht zu berechnenden Nachteil haben wir dadurch erlitten, daß unsere in stark aufwärts strebender Entwicklung befindlichen Betriebe in ihrem Fortschritt um viele Monate zurückgedrängt worden sind. Wie leider zu erwarten stand, hat die von der Staatsregierung in Übel angebrachte Nachgiebigkeit gegen die aufgehetzten Massen und die irregeleitete Öffentlichkeit eingebrachte Gesetzesvorlage zur obligatorischen Einführung von Arbeiterausschüssen im preußischen Bergbau geführt.“