Rollkunstlauf ist eine dem Eiskunstlaufen ähnliche Sportart, die jedoch auf Rollschuhen ausgeübt wird. Die Sportler präsentieren in Wettbewerben kunstvoll Sprünge, Pirouetten und Schrittfolgen.

Unterteilt wird das Rollkunstlaufen in 8 verschiedene Disziplinen: Kürlauf, Pflichtlauf, Paarlauf, Solotanz, Rolltanz (Paartanz), Show, Formationslauf und Inline Artistic.

Geschichte Zu Zeiten, als Eiskunstlaufen nur im Winter stattfinden konnte, war Rollkunstlauf der Trainingsersatz für Eisläufer während der Sommermonate. Dies ist auch der Grund, warum Rollkunstlaufen in seiner Popularität bisher im Schatten des Eiskunstlaufens stand. Heute ist Rollkunstlaufen eine eigenständige Sportart. Seit 1954 finden alljährliche Weltmeisterschaften im Rollkunstlaufen statt. Durch den Ausfall der Wettbewerbe eines Jahres kam es dadurch im Jahr 2009 zur 54. Weltmeisterschaft im Rollkunstlaufen in Freiburg. In Ländern wie Argentinien, Brasilien und Italien erfreut sich Rollkunstlaufen seit einigen Jahren großer Popularität. Derzeit gehört Rollkunstlauf noch zu den Sportarten, die bei den World Games ausgetragen werden. Jedoch bemüht sich der Internationale Rollkunstlauf- und Inline-Verband (World Skate) seit mehreren Jahren darum, dass Rollkunstlaufen in den Kreis der olympischen Sportarten aufgenommen wird.Rollkunstlaufen und Inlineskating sind nicht olympisch / James A. Pollard will das ändern auf Badische-Zeitung.de

Ausrüstung mini|Rollschuh für den Rollkunstlauf Die Rollkunstläufer tragen Rollschuhe, welche aus einem Schuh, einem Gestell, vier Rollen und einem Stopper bestehen. Für die verschiedenen Disziplinen und ihre speziellen Anforderungen sowie für die verschiedenen Bodenarten bietet der Markt eine Vielzahl an Anpassungsmöglichkeiten. Die bekanntesten Marken sind Risport, Edea und Roll-Line. Der Schuh, auch Stiefel genannt, kann aus einer Bandbreite an Modellen ausgewählt werden, welche sich am Leistungsniveau der des Sportlers orientieren. Zudem gibt es speziell auf die Anforderungen jeder Disziplin abgestimmte Stiefel. Die Hersteller unterteilen ihr Stiefel-Sortiment in Freestyle (Kürlaufen), Dance (Solotanz, Paartanz), dem Figure (Pflichtlaufen) und Show (Schaulaufen, Formationslaufen). Um den idealen Schuh zu finden, bieten die Hersteller über das Internet Konfigurationsassistenten zur individuellen Gestaltung an. Preislich liegen die Stiefel zwischen 70 und 600 Euro. Heutzutage werden die Stiefel oft mit einer Thermoanpassung an den Fuß angepasst, um besseren Halt zu ermöglichen. Das Gestell wird an den Stiefel geschraubt und ist ebenfalls in verschiedenen Ausführungen erhältlich. Man unterscheidet hierbei Kürgestelle, Pflichtgestelle und Tanzgestelle. Professionelle Kürgestelle zeichnen sich durch ideale Fuß-Schuh-Gestell-Kraftübertragung aus, die eine optimale Zentrierung von Pirouetten ermöglichen und das Springen erleichtern. Pflicht- und Tanzgestelle ermöglichen eine exaktere Kantenführung und zeichnen sich durch hohe Wendigkeit aus. Ziel eines solchen Gestells ist es, die Genauigkeit des Läufers zu verbessern und gleichzeitig Stabilität und Kontrolle zu vermitteln. Ein weiterer wichtiger Unterschied zu einem Kürgestell ist das Fehlen des Stoppers oder die Verwendung von sehr kleinen Stoppern. Die Rollen werden passend zu den unterschiedlichen Anforderungen der jeweiligen Disziplin, den Empfindungen der Läufer und dem Hallenboden bzw. der Außenbahn ausgewählt. Die Rollen in den unterschiedlichen Härten sind wichtig für die Rutschfestigkeit. Die Angabe des Härtegrades ist nicht genormt, sondern von Hersteller und Modell abhängig. Zur Schaffung der bestmöglichen Bedingungen ist es auch möglich, verschiedene Rollen zu kombinieren. Für das Pflichtlaufen werden größere Rollen verwendet als beim Kürlaufen. Die Stopper gibt es ebenfalls in verschiedenen Ausführungen. Die Kürstopper, welche je nach Leistungsniveau ausgewählt werden und sich in Elastizität, Abrieb und Griffigkeit unterscheiden, eignen sich entweder für einfache, doppelte oder dreifache Sprünge. Dazu gibt es noch kleine Tanzstopper. Neben den Rollschuhen gehört zum grundlegenden Equipment Trainingsbekleidung und Kleidung für den Wettkampf. Trainingskleidung kann vom Läufer selbst ausgewählt werden. Wichtig ist lediglich, dass diese eng anliegend ist um die Figuren ausführen zu können. Die meisten Läuferinnen tragen speziell hergestellte Overboot-Strumpfhosen mit meist 70 den, die über den Rollschuh gezogen werden wie beim Eiskunstlauf. Darüber wird ein Trainingsrock mit frei wählbarer Oberbekleidung oder ein Trainingskleid getragen. Mittlerweile gibt es aber auch einige Läuferinnen, die beim Training lieber enge Sporthosen tragen. Männliche Läufer tragen enganliegende Hosen mit frei wählbarer Oberbekleidung. Einige Sportler tragen zudem während des Trainings Schutzkleidung. Dies ist jedoch umstritten, da in den wichtigen Wettkampfsituationen der Schutz nicht mehr gestattet ist. Kleidung für den Wettkampf: Das Kostüm ist von der Läuferin bzw. vom Läufer relativ frei wählbar. Viele Kleidungsstücke werden eigens entworfen und individuell angefertigt. Kürkleider dürfen nicht länger als Knielänge sein, sind meist jedoch sehr kurz. Ihr Design ist angelehnt an die Musik der Kür. Dazu wird meist ein strenger Dutt getragen, welcher durch französisches oder holländisches Flechten aufgewertet wird. Das gesamte Haar muss jedoch eng zusammen gebunden sein, es darf kein Haar ins Gesicht fallen, um die Läuferin bei Sprüngen oder Pirouetten nicht zu behindern. Die Kleidung beim Solotanz ist meist deutlich kreativer und ausgefallener, da hier der Gesamteindruck des Läufers bzw. der Läuferin im Vordergrund steht. Der Rock ist meist länger oder kreativ gestaltet, die Kleider oft stark verziert wie zum Beispiel mit Swarovski-Steinen. Bei den Pflichttänzen, in denen zu zwei Musikstücken wie Polka oder Tango getanzt wird, werden auch dementsprechende Kleider ausgewählt. Bei Polka-Tänzen werden zum Beispiel oft Kleider gewählt, die aussehen wie Dirndl. Viele Läufer wechseln zudem die Kleider zwischen den beiden Tänzen. In der Tanzkür hat man freie Wahl. Die Haare dürfen auch halboffen getragen werden, lediglich das Gesicht muss frei bleiben. Männer sind durch die Kleiderordnung gezwungen Hosen zu tragen. Meist sind die Kostüme der Männer ziemlich schlicht gestaltet oder im Paarlauf/Paartanz farblich an das Kleid der Tanzpartnerin angelehnt. Im Show- oder Formationslaufen ist die Kleidung, ähnlich wie im Tanzsport, sehr kreativ gestaltet. Verboten sind jedoch extreme Verzierungen, großer Kopfschmuck und Gegenstände, die in der Hand gehalten werden müssen.

Die musikalische Begleitung bei Wettkämpfen und Meisterschaften werden den offiziellen Musiken des Fédération Internationale de Roller Sports (FIRS) bzw. des europäischen Dachverbandes Confédération Européenne de Roller Skating (CERS) entnommen. Die Musikauswahl bei der Kurzkür und Kür obliegt dem Läufer, wobei Vokalmusik ab der Altersklasse Schüler A, bei Inline-Artistic und in den Leistungsklassen Nachwuchsklasse und Cup erlaubt ist. In anderen Kategorien kann durch den Schiedsrichter ein Abzug in der B-Note erfolgen. Die Choreographien unterliegen den Regelungen des Deutschen Rollsport und Inline-Verbands (DRIV).

Disziplinen miniatur|Doppel-Weltmeister Frank Albiez Rollkunstlauf wird in mehrere Disziplinen unterteilt. Bei Wettbewerben wenden die Veranstalter ein Reglement an, das den jeweiligen Disziplinen die vorzutragenden Laufelemente vorschreibt. Die Läufer werden in verschiedene Altersgruppen eingeteilt. Diese sind: Schüler C, Schüler B, Schüler A, Jugend, Junioren, Senioren oder auch Meisterklasse genannt. Diese Einteilung entspricht internationalem Standard.

Pflichtlaufen Beim (im Eiskunstlauf abgeschafften) Pflichtlaufen werden Figuren auf 6 m großen Kreisen bzw. auf 2 m großen Schlingen vorgetragen. Die geometrischen Figuren erlauben diverse Kombinationen aus Bögen. Je nach Schwierigkeitsgrad tragen die Läufer vorwärts oder rückwärts laufend auf verschiedenen Kanten (auswärts bzw. einwärts) eine Figur (zum Beispiel Drehungen wie Dreier, Doppeldreier oder Gegendreier, Wende oder Gegenwende) in stetiger Wiederholung vor. Hierbei werden die Elemente auf den Kreisen/Schlingen gelaufen. Das Pflichtlaufen erfordert nicht nur physische Fitness und eine gute Körperbeherrschung, sondern auch eine starke Konzentration auf die Figur. Es wird demnach auch oft als Bedingung für das Kürlaufen betrachtet, da es grundlegende Fertigkeiten wie Kantenlaufen, aufrechte Haltung und Körperbewusstsein schult.

Bei den Wettbewerben werden im Voraus vier oder drei zufällige Pflichtbögen ausgewählt, die den Läufern erst am Tag des Wettbewerbs mitgeteilt werden. Zuerst laufen alle teilnehmenden Läufer den ersten Bogen nacheinander vor, danach erfolgt das Gleiche mit dem zweiten Bogen. Abhängig von der Teilnehmerzahl bei den Pflichtwettbewerben, können diese von 45 Minuten bis zu 6 Stunden dauern. Diese extrem lange Dauer stellt die Sportler vor ausgeprägte psychische Belastungen.

Kürlaufen Die Rollkunstläufer tragen wie beim Eislaufen Kürelemente vor. Dies sind Sprünge, Pirouetten und Schrittfolgen.

Als Sprünge zeigen die Sportler hauptsächlich Toeloop, Salchow, Flip, Rittberger, Lutz und Axel. Wie beim Eiskunstlaufen findet man auch Pirouetten in Waage-, Sitz- und Standposition. Jedoch kommen auch weitere Pirouetten, artistischer als beim Eislaufen, vor. Zu diesen amerikanischen Pirouetten, benannt nach ihrem Ursprung in den USA, gehören zum Beispiel Inverted (man rotiert zusätzlich noch um 180° horizontal, dreht also mit dem Rücken zum Boden in Waageposition), Hacke (man rotiert auf den Hackenrollen, d. h. den hinteren zwei Rollen) oder Broken Ankle (man rotiert nur auf den zwei Innenrollen). Weiterhin wird ausführliches Schrittmaterial, die Schrittfolgen, als Verbindungselement zwischen den Elementen verlangt.

Bei den Wettbewerben werden zunächst alle Läufer einer Kategorie in fünfköpfige Gruppen aufgeteilt. Diese fünf Läufer haben dann alle gleichzeitig 5 Minuten Einlaufzeit, in denen sie sich ohne Musik auf ihre Choreographie (die so genannten Küren) vorbereiten können. Nach Ablauf der Einlaufzeit werden alle Teilnehmer von der Bahn gebeten und der erste Läufer präsentiert seine Kür. In allen Disziplinen wird von jedem Läufer jeweils eine Kurzkür und eine Lange Kür dargeboten. Diese unterscheiden sich hauptsächlich durch ihre Dauer (die Kurzkür je nach der Altersgruppe zwischen 2 min und 2:45 min, die Lange Kür je nach der Altersgruppe zwischen 2:30 min und 5 min), jedoch ist vor allem in der Kurzkür sehr stark vorgeschrieben, welche Elemente gezeigt werden müssen bzw. gezeigt werden dürfen. Die Ergebnisse von Kurzkür und Langer Kür werden zur endgültigen Kürentscheidung zusammengefasst.

Paarlaufen Im Paarlaufen starten jeweils ein Mann (Junge) und eine Frau (Mädchen) zusammen. Wie beim Kürlaufen werden hierbei eine Kurzkür und eine Lange Kür präsentiert, in denen ebenfalls Kürelemente zu finden sind. Diese werden allerdings nebeneinander und möglichst synchron dargeboten. Dazu kommen die so genannten Paarlaufelemente. Diese sind Wurfsprünge, Paarlaufpirouetten und vor allem Hebungen. Das Besondere am Paarlaufen ist die ausgeprägte Gestaltungsfreiheit des eigenen Laufens. So können zum Beispiel Paare bei Wettbewerben deren eigens kreierte Hebungen darbieten ohne vorherige Anmeldung oder Begutachtung der Elemente. Dies sorgt für eine große Vielfalt in den Paarlaufküren. Eine der neuesten allgemein angewendeten Hebungen ist beispielsweise der Venerucci-Aufgang, den der 11-malige Weltmeister im Paarlaufen, Patrick Venerucci, 2001 erfand.