Der zweite Brief des Petrus gehört zum Neuen Testament der christlichen Bibel.
Der Verfasser, der ziemlich sicher nicht identisch ist mit dem Apostel Simon Petrus, will die Christen im Glauben stärken, warnt sie vor Irrlehrern und verteidigt nachdrücklich die Erwartung der Wiederkunft Christi.
Verfasser In der modernen Bibelforschung wird praktisch einhellig angenommen,Marlis Gielen: Der zweite Petrusbrief. In: Martin Ebner, Stefan Schreiber (Hrsg.): Einleitung in das Neue Testament. 3., überarb. Auflage. Kohlhammer, Stuttgart 2020, ISBN 978-3-17-036108-9, S. 534–541 (hier: S. 537 f.). dass der in Vers 1,1 als Verfasser angegebene „Symeon Petrus, Knecht und Apostel Christi“, nicht der Verfasser ist. Die Hauptgründe dafür sind große stilistische Unterschiede zum ersten Petrusbrief, die bereits einige Kirchenväter, wie z. B. Eusebius von Caesarea, und später Johannes Calvin diskutiert haben, eine angenommene inhaltliche Abhängigkeit vom Judasbrief (siehe auch #Berührungen mit dem Judasbrief) sowie die verzögerte Aufnahme des Briefes in den Kanon.
Empfänger Gemäß und richtet sich der Brief an die gleichen Empfänger wie der erste Petrusbrief, also an Christen in verschiedenen Gegenden Kleinasiens. Nach richtet sich das Schreiben an alle Gläubigen, also an Juden- und Heidenchristen.
Datierung links|mini|Ende des ersten und Beginn des 2. Petrusbriefes in Papyrus 72 (3./4. Jhd. n. Chr.) Wann der Brief geschrieben wurde, lässt sich kaum mit hinreichender Genauigkeit sagen. Die Bestimmung der Abfassungszeit schwankt beim 2. Petrusbrief wie bei keiner anderen Schrift des Neuen Testaments: Frühe Datierungen reichen bis 51 und Spätdatierungen bis 180 n. Chr.
Den ältesten Textzeugen bildet Papyrus 72 (3./4. Jhd. n. Chr.). Die erste sichere Erwähnung findet sich in den Schriften von Origenes von Alexandrien († 253/254) Eusebius von Caesarea († 339/340) behauptet zwar in seiner Historia ecclesiastica (VI 14,1), Clemens von Alexandrien († um 215) habe mit anderen katholischen Briefen auch den 2. Petrusbrief ausgelegt, doch dies lässt sich aus dessen erhaltenen Schriften nicht bestätigen. Damit dient Origenes als sicherer Terminus ad quem.
Maßgeblich für die Datierung ist das Verhältnis von 2. Petrus zur apokryphen Petrusapokalypse, da zwischen den beiden Schriften eine literarische Abhängigkeit vorliegt: Sollte der Brief die Petrusapokalypse als Vorlage genutzt haben, würde man ihn (u. a. auch unter der Annahme, dass dieser bis zum 3. Jhd. nirgends sicher bezeugt wird) auf 140–160 (Jörg Frey) oder auf 160–180 (Wolfgang Grünstäudl) datieren können.
Die meisten Neutestamentler erschließen jedoch ein umgekehrtes Abhängigkeitsverhältnis und datieren den 2. Petrusbrief vor der Petrusapokalypse, aber weit nach dem Tod Petri selbst; und zwar auf ca. 110–120 n. Chr. Argumente für die Datierung sind u. a.:
Literarische Abhängigkeit vom Judasbrief Kenntnis vom 1. Petrusbrief () Thematisierung der Parusieverzögerung () Hinweise auf die Kenntnis einer Paulusbriefsammlung ()
Eine Abfassung des Briefes zu Petri Lebzeiten († ca. 64 n. Chr.) wird nur minderheitlich vertreten und von den meisten Forschern ausgeschlossen. Zu den Vertretern einer Frühdatierung gehören u. a. Danlel B. Wallace, der es für möglich hält, Petrus habe um 65 einen Amanuensis den Brief aufschreiben lassen (Sekretärshypothese) und Klaus Berger, der den Brief als eine Antwort auf durch den 1. Brief des Paulus an die Thessalonicher entstandene Fragen auffasste und ihn deshalb um das Jahr 51 datierte.Klaus Berger: Kommentar zum Neuen Testament. Gütersloh 2011, S. 934–935.
Berührungen mit dem Judasbrief Vergleicht man den Brief des Judas und den 2. Brief des Petrus, so ist zu erahnen, dass eine literarische Abhängigkeit besteht, die vor allem im Vergleich von mit 2. Petrus 2,1-3,3 offensichtlich wird. Folgende Übersicht basiert auf derjenigen von FreyJörg Frey: Der Brief des Judas und der zweite Brief des Petrus (ThHK. Bd. 15,2). Leipzig 2015, S. 154f.: Jud 4-18 2Petr 2,1-3,3 4: die „Gottlosen“ 2,1-3: die Falschpropheten 5: die Wüstengeneration - 6: die sündigen Engel (mit dem seltenen Wort ) 2,4: die sündigen Engel (mit dem seltenen Wort ) - 2,5: Flut, Bestrafung der alten Welt, Rettung des Noah 7: Sodom und Gomorrha 2,6: Sodom und Gomorrha - 2,7-8: die Rettung des Lot - 2,9: Folgerung 8: die Gegner 2,10: die Gegner 9: der Erzengel Michael als Beispiel 2,11: die Engel (allgemeiner Vergleich) 10: Vergleich mit Tieren 2,12: Vergleich mit Tieren 11: Kain, Bileam, Korach 2,15-16: Bileam 12a: 2,13: 12b-13: 4 Metaphern aus der Natur 2,17: 2 Metaphern aus der Natur 13: ,deutsch ‚die dunkelste Finsternis ... bestimmt ist‘ 2,17: deutsch ‚die dunkelste Finsternis bestimmt ist‘ 14-15: Zitat aus 1Hen 1,9 - 16: die Gegner 2,18: die Gegner - 2,19-22: weitere Polemik 16: die Gegner 2,18: die Gegner 17: Anrede: „meine Lieben“ 3,1: Neueinsatz: „meine Lieben“ 17: Vorhersage der Apostel 3,2: Vorhersage der Apostel 18: Spötter in der letzten Zeit 3,3: Spötter in den letzten Tagen
Aber auch außerhalb dieses Abschnittes gibt es einige Berührungen. So listet Frey weiter auf: Judas 2. Petrus 3: 1,5: 3: überlieferter Glaube 1,1: empfangener Glaube 5: ,deutsch ‚erinnern ... ihr wisst‘ 1,12: ,deutsch ‚erinnern ... ihr wisst‘ 24: 1,10: deutsch ‚werdet ihr niemals straucheln‘ 24: 3,14: 25: , deutsch ‚Herrlichkeit ... und jetzt und in alle Ewigkeit‘ 3,18: , deutsch ‚die Herrlichkeit, sowohl jetzt als auch bis zum Tag der Ewigkeit‘
Heute geht die Mehrheit der Forscher davon aus, dass der Judasbrief ursprünglich ist und vom Verfasser des 2. Petrus benutzt wurde. Ein starkes Argument dafür ist die geschlossene Struktur des Judasbriefes, die nahelegt, dass dieser Brief frei komponiert wurde und nicht einem anderen Brief folgt. Die Möglichkeit, dass eine gemeinsame Quelle vorlag, die beide benutzten, wurde nie ernsthaft vertreten. Denn in diesem Fall wäre bei Judas – nach Abzug des Gemeinsamen – nur wenig eigener Text hinzugefügt worden.
Inhalt Verfasser, Empfänger, Gruß 1,1–2
Wachstum der Erwählten 1,3–21 Gefahren und Irrlehrer 2,1–22 Die Wiederkunft Christi 3,1–14 Schlussermahnungen 3,15–18
Wichtige Stellen 1,5–7 Stufen des geistlichen Wachstums: Glaube – Tugend – Erkenntnis – Selbstbeherrschung – Ausdauer – Frömmigkeit – Brüderlichkeit – Liebe 1,16–19 Rekurs auf die Erzählung der „Verklärung Jesu auf einem Berg“ (vgl. ). 1,19–21 Biblische Hermeneutik und Inspiration der Weissagungen in der Schrift durch den Heiligen Geist 3,15 Dem Verfasser liegt eine Sammlung von Paulusbriefen vor (wobei nicht gesagt ist, welche Briefe sie enthält), die den übrigen Schriften gleichgesetzt werden.
Siehe auch Liste biblischer Bücher
Literatur Textkritische Ausgabe und Einführungen Barbara Aland u. a. (Hrsg.): Novum Testamentum Graecum: Editio critica maior. Bd. 4: Die Katholischen Briefe; Band 1 und 2 als Gesamtwerk. 2. Auflage, Deutsche Bibelgesellschaft, Stuttgart 2013, ISBN 978-3-438-05605-4, 608 S. (vollständige textkritische Ausgabe).
Deutsche Kommentare Johann Tobias Beck: Petrusbriefe: Ein Kommentar. Nachdruck der Aufl. Gütersloh, Bertelsmann, 1896. Mit einem Geleitwort von Gerhard Maier. Brunnen-Verl., Gießen 1995, ISBN 3-7655-9226-9. Jörg Frey: Der Brief des Judas und der zweite Brief des Petrus. (= Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament (ThHK) Bd. 15,2). Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2015, ISBN 978-3-374-02391-2, 380 S. ersetzte Walter Grundmann: Der Brief des Judas und der zweite Brief des Petrus (= ThHK Bd. 15). 3. Auflage, Deichert, Leipzig 1986, 126 S. Theo K. Heckel: Die Briefe des Jakobus, Petrus, Johannes und Judas (= Neues Testament Deutsch (NTD) Bd. 10). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2019, ISBN 978-3-525-57141-5. Uwe Holmer, Werner de Boor: Die Briefe des Petrus und der Brief des Judas (= Wuppertaler Studienbibel NT 18). Brockhaus, Wuppertal 1994 (allgemeinverständlich, anwendungsorientiert). Heiko Krimmer, Martin Holland: Erster und zweiter Petrus-Brief. Edition C, Bibelkommentare 20. Hänssler Verlag, Neuhausen-Stuttgart 1994, ISBN 3-7751-1599-4 (allgemeinverständlich, anwendungsorientiert). Karl-Heinrich Ostmeyer: Die Briefe des Petrus und des Judas (= Die Botschaft des Neuen Testaments), Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2021, ISBN 3-7887-3509-0, 211 S. Henning Paulsen: Der Zweite Petrusbrief und der Judasbrief (= Kritisch-exegetischer Kommentar über das Neue Testament (KEK) Bd. 12,2). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1992, ISBN 3-525-51626-6, 188 S. Karl Hermann Schelkle: Die Petrusbriefe, der Judasbrief (= Herders Theologischer Kommentar zum Neuen Testament (HThK) Bd. 13,2). 4. Auflage, Herder, Freiburg im Breisgau 1976. Anton Vögtle: Der Judasbrief / Der 2. Petrusbrief (= Evangelisch-Katholischer Kommentar zum Neuen Testament (EKK) Bd. 22). Benziger, Solothurn und Düsseldorf / Neukirchener, Neukirchen-Vluyn 1994, ISBN 3-545-23124-0, 281 S. (umfassend und wissenschaftlich höchsten Ansprüchen genügend).
Englischsprachige Kommentare Richard J. Bauckham: Jude, 2 Peter (= Word Biblical Commentary (WBC) Vol. 50). Word Books, Waco, Texas, 1983, ISBN 0-8499-0249-5, 357 S (umfassend). Charles Bigg: The Epistles of St. Peter and St. Jude (= International Critical Commentary (ICC)). 2nd Edition, T. & T. Clark, Edinburgh 1902 (Reprint 1961), 353 S. Gerald Bray (Hrsg.): James, 1-2 Peter, 1-3 John, Jude (= Ancient Christian Commentary on Scripture (ACCS) Vol. 11). InterVarsity Press, Downers Grove, Illinois 2000, S. 129–163 (zu fast jedem Vers die jeweilige Kommentierung der Kirchenväter in engl. Übersetzung). Peter H. Davids: The Letters of 2 Peter and Jude (= Pillar New Testament Commentary (PNTC)). William B. Eerdamans, Grand Rapids, Michigan / Cambridge, U.K. 2006, 348 S. Douglas J. Moo: 2 Peter and Jude (= NIV Application Commentary (NIVAC)). Zondervan, Grand Rapids, Michigan 1996, 320 S (allgemeinverständlich, anwendungsorientiert). Jerome H. Neyrey: 2 Peter, Jude: A New Translation with Introduction and Commentary (= Anchor Bible Vol. 37c). Doubleday, New York 1993, 287 S. Thomas R. Schreiner: 1, 2 Peter, Jude (= New American Commentary (NAC) Vol. 37). B&H Publishing Group, Nashville, Tennessee 2003, ISBN 0-8054-0137-7, 512 S. Rebecca Skaggs: 1 Peter, 2 Peter, Jude (= Pentecostal Commentary). T. & T. Clark International, London 2004, ISBN 0-8264-6569-2, 176 S. (pfingstkirchlich). Duane F. Watson: The Second Letter of Peter: Introduction, Commentary, and Reflections. In: New Interpreter's Bible (NIB) Vol. 12. Abingdon Press, Nashville 1998, S. 321–361.
Einzelstudien Richard J. Bauckham: 2 Peter: An Account of Research. In: ANRW II.25.5, de Gruyter, Berlin/New York 1988, ISBN 3-11-011893-9, S. 3713–3752 (Forschungsbericht) . Klaus Berger: Streit um Gottes Vorsehung. Zur Position der Gegner im 2. Petrusbrief. In: Jan Willem van Henten u. a. (Hrsg.): Tradition and Re-Interpretation in Jewish and Early Christian Literature. FS J. C. H. Lebram. StPB 36. Leiden 1986, S. 121–135. Terrance Callan: Use of the Letter of Jude by the Second Letter of Peter. In: Biblica 85 (2004), S. 42–64. Andrew Chester, Ralph P. Martin: The Theology of the Letters of James, Peter, and Jude. University Press, Cambridge 1994, ISBN 0-521-35631-8. Jörg Frey: Retter, Gott und Morgenstern. Metaphorik und Christologie im Zweiten Petrusbrief. In: Jörg Frey, Jan Rohls, Ruben Zimmermann (Hrsg.): Metaphorik und Christologie. TBT 120. de Gruyter, Berlin u. a. 2003, S. 131–148. Anders Gerdmar: Rethinking the Judaism-Hellenism Dichotomy. A Historiographical Case Study of Second Peter and Jude. Coniectanea biblica, New Testament series 36. Almqvist & Wiksell International, Stockholm 2001, ISBN 91-22-01915-4. Michael J. Gilmour: The Significance of Parallels between 2 Peter and Other Early Christian Literature. Academia Biblica 10. Brill, Leiden u. a. 2002, ISBN 90-04-12714-3.