mini|Zwei Geschwister putzen sich mit Zahnbürsten die Zähne mini|Kopfzahnbürsten Die Zahnbürste ist ein Instrument zur Reinigung und Pflege der Zähne. Zahnbürsten werden mit unterschiedlicher Härte der Borsten und in vielfältigen Größen, Farben und Formen angeboten und meist zusammen mit Zahnpasta verwendet.
Geschichte mini|Kaustöckchen (Miswak) mini|Zahnbürste von Napoleon Bonaparte, 1795. Science Museum London. Archäologische Funde in altägyptischen Gräbern aus der Zeit um 3000 v. Chr. belegen, dass das früheste bekannte Gerät zur Zahnreinigung ein kleiner Stock zum Kauen war. Es war das dünne Stück eines Astes, das an einem Ende zerfasert wurde. Bei einigen Naturvölkern sind solche Kaustöckchen noch heute in Gebrauch (z. B. Miswak). Sie werden aber auch nach Deutschland exportiert.
Im Kaiserreich China wurden um 1500 Zahnbürsten mit Borsten entworfen, die allerdings die Form eines Pinsels hatten. Die Borsten stammten aus dem Nacken von Hausschweinen und wurden an Stielen aus Bambus oder Knochen befestigt. Ebenfalls um das Jahr 1500 gab es in Deutschland Reinigungssets aus Knochen, in denen eine Zahnbürste zusammen mit einem Ohrlöffel und einem Zahnstocher montiert war, wie ein archäologischer Fund aus Lübeck zeigt.
In Europa bevorzugte man wohl das weichere Pferdehaar als Bürstenmaterial, denn der französische Arzt Pierre Fauchard, der als Vater der modernen Zahnheilkunde gilt, äußerte sich in seinem Lehrbuch von 1728 abfällig über die wirkungslosen, weil viel zu weichen, Zahnbürsten aus Rosshaaren. Zu der Zeit wurden die Zähne überwiegend mit Schwämmen oder Läppchen gereinigt. Um 1700 erfand der Stadtphysikus Christoph von Hellwig eine Zahnbürste. Dabei war der Griff aus Holz oder Metall und die Borsten bestanden aus Pferdehaar. Der Engländer William Addis (1734–1808) gründete 1780 die erste Firma, die Zahnbürsten professionell aus Kuhknochen und -borsten herstellte. Die Zahnbürste war ein Luxusgut der Wohlhabenden. mini|hochkant|Zahnbürstendenkmal in Bad Tennstedt, zu Ehren von Christoph von Hellwig Im 19. Jahrhundert bestanden die Griffe von Zahnbürsten aus Tierknochen, Elfenbein, Horn oder Schildpatt. Ende des 19. Jahrhunderts kamen auch erste künstliche Griffe aus Zelluloid auf. Es gab einfache und doppelte Zahnbürsten, bei denen die Borsten an einem bzw. an beiden Enden angebracht waren. Bei der doppelten Ausführung war ein Ende gekrümmt, um die Innenseite des Gebisses leichter reinigen zu können.
1880 wurde eine erste Form der elektrischen Zahnbürste von Dr. Scott entwickelt, dieser beantragte zudem ein Patent für sein Gerät. Da die Produktion zu diesem Zeitpunkt nicht zu bezahlen war, dauerte es noch bis zu den 1940er-Jahren, bis ein erstes Produkt auf den Markt kam.
Mit der Erfindung des Nylons wurde 1938 die billige Massenherstellung von Zahnbürsten ermöglicht. Am 24. Februar 1938 stellte das US-amerikanische Unternehmen DuPont die ersten Exemplare mit Nylonborsten her.Patrick Robertson: The Book of First. google.de/search; abgerufen am 23. Februar 2011. Diese erste Generation von Zahnbürsten war jedoch noch so hart, dass sie das Zahnfleisch verletzen konnten und daher kaum zu empfehlen waren. Erst 1950 war weicheres Nylon verfügbar, das sich besser eignete.
Bereits im 19. Jahrhundert wurde die Benutzung der Zahnbürste nach jeder Mahlzeit neben der regelmäßigen zahnärztlichen Untersuchung des Gebisses empfohlen:
Formen und Zubehör mini|Der Kopf einer Wechselkopfzahnbürste mini|Kopf einer elektrischen Zahnbürste mini|Audioaufnahme einer elektrischen Zahnbürste
Handzahnbürste Das verbreitetste und auch billigste Modell ist die mit der Hand geführte Kurzkopfzahnbürste. Einige Bereiche im Mund sind durch einen kleinen Bürstenkopf besser erreichbar, weshalb hochwertige Handzahnbürsten oft über einen kurzen Kopf, mittelharte bis weiche Kunststoffborsten mit abgerundeten Borstenenden und einen ergonomischen Handgriff verfügen, der eine sichere Führung erlaubt. Ein planes Borstenfeld hat sich bewährt. Zur besseren Reinigung der Zahnzwischenräume und anderer schwer erreichbarer Stellen wurden Modelle mit angewinkelten und kreuzweise angeordneten Borsten sowie gebündelten separaten Borstenfeldern entwickelt. Heute wird mitunter wieder über den Einsatz von Naturborsten diskutiert, die allerdings aus hygienischen Gründen außerordentlich bedenklich sind (Markkanal, raue Oberfläche). Eine ökologische Variante der Handzahnbürste ist die Wechselkopfzahnbürste, bei der nach ca. 8 Wochen nur der Kopf ausgetauscht werden muss, der Stiel hingegen kann je nach Einsatzhäufigkeit länger verwendet werden. Dadurch fällt weniger Plastikmüll an. Eine weitere Variante der Handzahnbürste zur Vermeidung von Plastikabfällen sind Handzahnbürsten mit einem Griff aus nachwachsenden Rohstoffen wie Bambus oder Buchenholz.
Elektrozahnbürsten 1939 wurde in den USA eine elektrisch angetriebene schwingende Zahnbürste vorgestellt, die – wenn auch erheblich größer – von der grundsätzlichen Form mit heutigen Modellen vergleichbar war und über auswechselbare Bürsten verfügte. Ein Bericht in einer deutschen Zeitung kommentierte: „Bequemer geht es wirklich nicht mehr.“ (Mit Foto der Zahnbürste.)
1954 wurde eine Elektrozahnbürste von der Schweizer Firma Broxo eingeführt. 1962 kostete die Broxodent-Zahnbürste in den USA 19,75 US-Dollar (entspricht heute ungefähr US-DollarDiese Zahl wurde mit der Vorlage:Inflation ermittelt, ist auf volle 10 US-Dollar gerundet und bezieht sich auf Januar .).
Industrie-unabhängige Studien konnten zeigen, dass die Putzleistung elektrischer Zahnbürsten die von Handzahnbürsten übersteigt.C. Deery, M. Heanue, S. Deacon, P. G. Robinson, A. D. Walmsley, H. Worthington, W. Shaw, A. M. Glenny: The effectiveness of manual versus powered toothbrushes for dental health: a systematic review. In: Journal of Dentistry, 32 (3), 2004, S. 197–211, doi:10.1016/j.jdent.2003.11.006. Es wurde insbesondere eine Verminderung von Plaque und Gingivitis festgestellt.
Frühe Elektrozahnbürsten ahmten die Bewegung der Hand nach und schwangen elliptisch. Diese waren jedoch aufwendiger zu führen und weisen konstruktionsbedingt anfälligere mechanische Bauteile auf als andere elektrische Bürstenformen. Zudem verfügen heute nahezu alle Bauformen über einen Akkumulator-Betrieb, der die Bürste vom Kabelanschluss und der direkten Nähe einer Steckdose unabhängig macht. Aus Sicherheitsgründen ist diese Konstruktionsweise in vielen Ländern vorgeschrieben, da der Betrieb mit Netzanschluss bei Defekten oder beispielsweise der Benutzung unter der Dusche ein erhebliches Gefahrenpotential darstellt. Kabellose Bürsten werden deshalb in einem mitgelieferten Ständer gelagert, durch den sie mittels Induktion aufgeladen werden. Auch Bauformen mit Kontakt-Aufladung gelten im Sanitärbereich als zu gefährlich. Der Batteriebetrieb ist ebenfalls veraltet, jedoch vor allem im günstigsten Preissegment noch häufig anzutreffen.
Da Elektrozahnbürsten wesentlich langlebiger sind als ihr Bürstenkopf, haben alle Modelle auswechselbare Köpfe, die vom Verbraucher nachgekauft werden müssen.
Bei den im Handel überwiegend erhältlichen Elektrozahnbürsten besteht zudem das Problem einer erschwerten Reparatur, da die Lithium-Ionen-Akkumulatoren oder Nickel-Metallhydrid-Akkumulatoren fest eingebaut werden und nicht ausgewechselt werden können.
Mehrere Hersteller haben Elektrozahnbürsten auf den Markt gebracht, die – mit dem Smartphone verbunden – Rückmeldung über das Putzverhalten geben.Martin U. Müller: Medizin-Apps: Wie das Handy den Arzt ersetzt. Spiegel Online, 24. Juli 2017; abgerufen am 6. März 2018.
Rotationszahnbürsten mini|hochkant|Elektrische Zahnbürste Die oszillierend-rotierende Zahnbürste zeichnet sich durch einen runden rotierenden bzw. oszillierenden Bürstenkopf aus. Das Funktionsprinzip ist einem Zahnpoliturwerkzeug ähnlich.
Die Reinigungsleistung von oszillierend-rotierenden Bürstenköpfen ist nach einer Studie in einem geringen Maße besser als diejenige von Handzahnbürsten.P. G. Robinson, S. A. Deacon, C. Deery, M. Heanue, A. D. Walmsley, H. V. Worthington, A. M. Glenny, W. C. Shaw: Manual versus powered toothbrushing for oral health. In: The Cochrane database of systematic reviews. Nummer 2, 2005, S. CD002281, . doi:10.1002/14651858.CD002281.pub2. PMID 15846633. (Review). Die Studienautoren sind jedoch womöglich nicht unabhängig,Robert J. Weyant: Powered toothbrushes and manual toothbrushes are generally equally effective in plaque removal. In: The journal of evidence-based dental practice, Band 5, Nr. 1, 2005, S. 24–25. doi:10.1016/j.jebdp.2005.01.006 die klinische Signifikanz ist in Frage gestellt und die Qualität vieler Vergleichsstudien reicht für eine robuste Aussage nicht aus.S. A. Deacon, A. M. Glenny, C. Deery, P. G. Robinson, M. Heanue, A. D. Walmsley, W. C. Shaw: Different powered toothbrushes for plaque control and gingival health. In: Cochrane Database of Systematic Reviews. Nr. 12, 2010, Art. No.: CD004971. doi:10.1002/14651858.CD004971.pub2
Schallzahnbürsten Als Weiterentwicklung der elektrischen Zahnbürste gilt die elektronische Schallzahnbürste. Bei dieser wird der Bürstenkopf mit einer höheren Frequenz als bei herkömmlichen elektrischen Zahnbürsten bewegt. Anstelle eines Elektromotors wird der Kopf über einen elektrischen Schallwandler (magnetisch oder über Piezo-Effekt) angetrieben und lässt den Bürstenkopf meist mit einer Frequenz von 250 bis 300 Hertz schwingen. Der Zahn wird nicht durch die Schallwellen gereinigt, sondern durch die sich mit relativ hoher Frequenz bewegenden Borsten. Eine Besonderheit bei Schallzahnbürsten ist die ovale Form ihres Bürstenkopfes, die an den Kopf einer herkömmlichen Handzahnbürste erinnert.
Ultraschallzahnbürsten Bei Schwingungsfrequenzen oberhalb 300 Hertz spricht man von „Ultraschallzahnbürsten“. Sie erreichen bis zu 1,8 Mio. Schwingungen pro Sekunde (1,8 MHz).. Derartige Geräte arbeiten mit einem Tupfer, der die Flüssigkeit im Mund in Schwingungen versetzt und mithilfe einer speziellen Zahnpasta ohne Putzkörper, denn die Putzkörper verhindern die Wirkungsweise. Ihr Vorteil besteht darin, dass die Zähne und das Zahnfleisch nicht mechanisch bearbeitet werden.
Die erste Ultraschallzahnbürste, zunächst unter dem Namen Ultima später als Ultrasonex von der Sonex Corporation veröffentlicht, wurde erstmals im Jahr 1992 in den USA von Robert T. Bock patentiert, in demselben Jahr, in dem die FDA sie für den täglichen Hausgebrauch freigegeben hatte. 1993 hat das American Institute of Ultrasound in Medicine (AIUM) zusammen mit der National Electrical Manufacturers Association (NEMA) den Output Display Standard (ODS) entwickelt, der den thermischen Index sowie den mechanischen Index beinhaltet, die beide in die neuen FDA Regelungen aufgenommen wurden.American Institute of Ultrasound in Medicine (AIUM). Bioeffects and safety of diagnostic ultrasound. Laurel, MD: AIUM Publications; 1993
Preise und Verbrauchskosten Die Verwendung von Handzahnbürsten ist nach wie vor am billigsten. Teurer ist eine mechanische Elektrozahnbürste, noch teurer eine Schallbürste. Am teuersten ist die Ultraschallzahnbürste. Die Stiftung Warentest untersucht regelmäßig die Qualität von elektrischen Zahnbürsten. Aktuell koste der Testsieger 220 Euro. Aber eine Bürste für nur 16 Euro sei kaum schlechter (Stand: Januar 2019).Elektrische Zahnbürsten: Testsieger für Erwachsene und Kinder. Stiftung Warentest, 21. Dezember 2018. Abgerufen am 3. Januar 2019. Teilweise werden einem Grundgerät hohe Verbrauchskosten für Ersatz-Bürstenköpfe und damit ein Lock-in vorgeworfen, ein erschwerter Produktwechsel wegen entstehender Wechselkosten. Elektrische Zahnbürsten werden von vielen Verbrauchern als praktischer bewertet.
Zahnbürsten für besondere Anforderungen Kaubare Zahnbürsten mini|200px|Kaubare Zahnbürsten, Zahnpastakristalle sind sichtbar