Plötzlich im letzten Sommer (Originaltitel: Suddenly, Last Summer) ist ein Drama des US-amerikanischen Regisseurs Joseph L. Mankiewicz aus dem Jahr 1959. Der Film basiert auf dem Bühnenstück Plötzlich letzten Sommer (Originaltitel: Suddenly, Last Summer) von Tennessee Williams. Er wurde von Sam Spiegel für die Columbia Pictures in Zusammenarbeit mit Academy Productions und Horizon Films produziert.

Der Schwarzweißfilm spielt in den amerikanischen Südstaaten und stellt die junge Catherine (dargestellt von Elizabeth Taylor) in den Mittelpunkt, die sich nach dem Tod ihres Cousins während einer Europareise in psychiatrischer Behandlung befindet. Um die Wahrheit über die Homosexualität und den gewaltsamen Tod ihres Sohnes zu unterdrücken, plant Catherines exzentrische Tante (Katharine Hepburn), das Mädchen einer ruhig stellenden Gehirnoperation zu unterziehen. Diese soll mit Hilfe eines jungen, finanziell abhängigen Neurologen (Montgomery Clift) durchgeführt werden.

Die Handlungsfragmente von Williams’ Einakter wurden von Gore Vidal auf Filmlänge erweitert. Auf Bestreben der katholischen Legion of Decency wurden jedoch alle direkten Hinweise auf Homosexualität entfernt. Tennessee Williams distanzierte sich später von der Filmfassung seines Werkes. Er warf Regisseur Mankiewicz speziell in Bezug auf das Kannibalismus-Motiv, das im Stück auftaucht, eine allzu realistische Inszenierung vor. Dennoch war dem Film Erfolg an den Kinokassen beschieden, und er brachte seinen Hauptdarstellerinnen Elizabeth Taylor und Katharine Hepburn Oscar-Nominierungen ein.

Handlung Die USA im Jahr 1937: Der Chicagoer Arzt Dr. Cukrowicz führt in der Nervenheilanstalt Lions View in New Orleans erste Lobotomien an Patienten durch, die unter starker Schizophrenie leiden. Bei der neurochirurgischen Operation werden Nervenbahnen im Gehirn des Patienten durchtrennt, was zu einer Persönlichkeitsänderung führt. Die Bedingungen, die sich Cukrowicz bieten, sind nicht die besten. Bei einer Operation vor Medizinstudenten fällt eine OP-Lampe aus, der Operationssaal, eine ehemalige Bibliothek, wie auch die gesamte Anstalt, ist stark renovierungsbedürftig. Während sich Dr. Cukrowicz beim Leiter des staatlichen Krankenhauses, Dr. Lawrence Hockstader, beschwert und droht, nach Chicago zurückzugehen, drückt dieser ihm unvermittelt ein Schreiben in die Hand. Der Brief ist von Violet Venable, Witwe und reichster Frau in der Stadt. Sie bekundet Interesse an Cukrowicz’ Arbeit und kündigt an, das Krankenhaus in den Genuss ihrer finanziellen Unterstützung kommen zu lassen. Außerdem möchte sie den Chicagoer Experten in einer dringenden Angelegenheit persönlich sprechen.

Noch am selben Tag sucht Cukrowicz Mrs. Venable in ihrem eleganten Haus auf. Der Gehirnspezialist ist verblüfft, anstatt einer alten Witwe eine mondäne und ganz in Weiß gekleidete ältere Dame nebst ihrer Sekretärin, Miss Foxhill, vorzufinden. Venable, die vor kurzer Zeit ihren Mann und ihren Sohn verloren hat, ist selbst von schwacher Konstitution gekennzeichnet, hält aber das Erbe ihres Sohnes Sebastian aufrecht, das unter anderem aus einem urwaldähnlichen Garten mit Venusfliegenfallen besteht. Der junge und unbekannte Dichter soll nach einem Aufenthalt auf den Galápagos-Inseln auf der Suche nach Gott gewesen sein, wie sich seine ihm sehr zugetane Mutter ausdrückt. Er sei letzten Sommer bei einem Aufenthalt in Europa an einem Herzinfarkt gestorben. Als Cukrowicz Mrs. Venable auf die mögliche finanzielle Unterstützung für Lions View anspricht, berichtet sie ihm von der Nichte ihres verstorbenen Ehemannes, Catherine Holly, die in der Nervenklinik St. Mary’s weilt und an Dementia praecox leiden soll. Catherine hatte Sebastian auf seiner Reise nach Europa im vergangenen Sommer begleitet und ist seit seinem Tod von Wahnvorstellungen, Erinnerungen und Halluzinationen heimgesucht. Sie leidet nach Angaben von Venable unter Wutanfällen und wettert gegen den Charakter und die moralischen Werte ihres verstorbenen Sohnes. Da Catherine nicht mehr in St. Mary’s geduldet wird, weil sie versucht haben soll, einen 60 Jahre alten Gärtner zu verführen, verspricht Cukrowicz, sie aufzunehmen. Trotz der Risiken, die ihr der Arzt unmissverständlich klarmacht, hofft Mrs. Venable auf eine Lobotomie für Catherine in Lions View und will dafür im Gegenzug mit der Sebastian-Venable-Gedenkstiftung Cukrowicz bei seinen Forschungen unterstützen.

Schon bald macht Cukrowicz in der Nervenheilanstalt St. Mary’s die Bekanntschaft mit Catherine Holly. In der Bibliothek versucht die schöne junge Frau im Beisein einer Schwester, in den Genuss einer Zigarette des Gehirnspezialisten zu gelangen. Als sie aufgefordert wird, dies zu unterlassen, verbrennt sie der Schwester mit der Zigarette die Hand. Cukrowicz schickt die Nonne fort, um mit Catherine unter vier Augen sprechen zu können. Diese versucht zuerst mit bitterem Sarkasmus, die Rolle der Nervenkranken aufrechtzuerhalten, gibt diese aber dann nach einer angebotenen Zigarette auf und beginnt zu reden. Sie weiß, dass sie auf Anweisung ihrer Tante in der Nervenheilanstalt weilt, deren Liebe zum Sohn über die einer Mutter hinausging, wie sie zu berichten weiß. Um ihrem Sohn auf einer Reise nahe sein zu können, ließ Mrs. Venable sogar ihren Ehemann im Stich, der im Sterben nach ihr geschickt hatte. Sebastian habe die Menschen außerdem nur ausgebeutet, Catherine habe ihn zu „retten“ versucht. An den Tod ihres Cousins in einem südspanischen Dorf namens Cabeza de Lobo (dt.: „Haupt des Wolfes“) kann sie sich auf Nachfrage aber nur schemenhaft erinnern und erleidet einen Nervenzusammenbruch. Ferner berichtet Catherine ihm, dass sie von einem verheirateten Mann auf einem Fastnachtsball im letzten Frühjahr vergewaltigt wurde und sich seitdem an nichts erinnern könne, was vor diesem einschneidenden Erlebnis geschah. Anscheinend völlig durcheinander, küsst sie Cukrowicz, der Catherine verspricht, bei der Suche nach der Wahrheit behilflich zu sein.

Nach dem Zusammentreffen lässt Cukrowicz sie nach Lions View überführen, wo sie eine Sonderbehandlung erhält. Sie darf ihre eigene Kleidung tragen und wird in den Zimmern der Schwestern untergebracht. Hier erfährt Catherine bei einem Besuch ihrer Mutter Grace Holly und ihres Bruders George, dass Dr. Cukrowicz ein Gehirnchirurg ist und an ihr eine Lobotomie durchführen soll. Violet Venable besteht auf der Operation, da die Familie Holly nur so in den Genuss von Sebastians Erbe in Höhe von 100.000 US-Dollar gelangt. Catherines Mutter hat bereits die Einverständniserklärung unterschrieben. In Panik versucht die junge Frau, aus der Heilanstalt zu fliehen, öffnet aber versehentlich die falsche Tür, wird von geisteskranken männlichen Patienten angefallen und kann gerade noch vor diesen gerettet werden. Das Vertrauen zwischen Cukrowicz und Catherine wurde auf die Probe gestellt, kann aber von dem Arzt wiederhergestellt werden. Ein von diesem arrangiertes Zusammentreffen zwischen Catherine und Violet Venable in der Nervenheilanstalt fördert weitere Erkenntnisse zu Tage. Sebastian zog Catherine seiner Mutter als Reisegefährtin vor, da diese mit dem Alter ihre Anziehungskraft verloren hatte. Sowohl seine Cousine als auch seine Mutter benutzte er, um in den mondänen Urlaubsorten schneller Kontakte mit jungen Männern schließen zu können. Während Mrs. Venable versucht, Dr. Hockstader zu überreden, die Operation an Catherine vorzuverlegen, unternimmt Catherine einen Suizidversuch, kann aber von einem Pfleger vor dem mehrere Meter tiefen Sturz bewahrt werden.

Dr. Cukrowicz zweifelt inzwischen stark an Catherines Geisteskrankheit und arrangiert am nächsten Tag im Hause von Mrs. Venable erneut ein Zusammentreffen zwischen Tante und Nichte. Er verabreicht seiner Patientin eine Spritze, woraufhin sich Catherine im Beisein Violet Venables, deren Sekretärin Miss Foxhill, Dr. Hockstaders sowie ihrer Mutter und ihres Bruders an die Geschehnisse im letzten Sommer erinnern kann. Nach der Vergewaltigung hatte Catherine begonnen, ein Tagebuch in der dritten Person zu führen, wurde aber von Sebastian aus ihrer Agonie gerissen und als Reisebegleitung nach Europa ausgewählt. Der ruhelose junge Mann verlor während des Aufenthalts jedoch seine Inspiration für die seiner Mutter so wichtige poetische Arbeit und zeigte sich gegenüber weiblichen Avancen unempfänglich. In Cabeza de Lobo, wo Sebastian den Tod fand, ließ er seine Cousine in einem öffentlichen Freibad gegen ihren Willen einen aufreizenden Badeanzug tragen, der im Wasser transparent erschien, damit junge Männer auf Catherine aufmerksam wurden. Durch dieses Manöver gelangte Sebastian in Kontakt mit Männern, denen er mit reichlichen Trinkgeldern imponierte. Bei einem Restaurantbesuch ein paar Tage später wurden Catherine und Sebastian wie schon zuvor von hungrigen Straßenkindern angebettelt. Als beide das Lokal verließen, wurde Mrs. Venables immer kränklicher und verärgerter Sohn vom Mob durch die Straßen bis auf einen Ruinenhügel gejagt und dort unter den Augen Catherines in einem kannibalischen Akt zerrissen. Während Catherine durch das Aussprechen der Wahrheit Befreiung findet, verfällt Violet Venable in geistige Umnachtung.

Entstehungsgeschichte Literarische Vorlage Der Film basiert auf dem Bühnenstück Plötzlich letzten Sommer (Originaltitel: Suddenly, Last Summer) des erfolgreichen US-amerikanischen Dramatikers Tennessee Williams (1911–1983). Der Einakter wurde am 7. Januar 1958 mit Williams’ Stück Something Unspoken unter dem gemeinsamen Titel Garden District Off-Broadway am York Theatre aufgeführt. Die Regie übernahm Herbert Machiz. Zur Premierenbesetzung gehörten Anne Meacham als Catherine, Hortense Alden als Violet Venable und Robert Lansing als Dr. Cukrowicz.

Suddenly, Last Summer, das seinerzeit offen mit den Tabuthemen Homosexualität, Prostitution, Kannibalismus und Wahnsinn umging, wurde von Kritikern einstimmig begrüßt, und Hauptdarstellerin Anne Meacham erhielt für ihr Porträt der Catherine den Off-Broadway-Theaterpreis Obie als beste Darstellerin. Die London-Premiere des Stückes fand im September 1958 am Arts Theatre mit Patricia Neal als Catherine, Beatrix Lehmann als Violet Venable und David Cameron als Dr. Cukrowicz statt. Suddenly, Last Summer wurde aber von der britischen Kritik vergleichsweise kühl aufgenommen.vgl. Philip C. Kolin: Tennessee Williams : a guide to research and performance. Greenwood Press, Westport, Conn. u. a. 1998, ISBN 0-313-30306-1, S. 132–133.