Carl (Karl) Friedrich Ludwig Moritz von Isenburg-Birstein (* 29. Juni 1766 in Birstein; † 21. März 1820 ebenda) war seit dem 3. Februar 1803 Fürst zu Isenburg und Büdingen im Heiligen Römischen Reich und ab 12. Juli 1806 souveräner Fürst des Rheinbund-Staates Fürstentum Isenburg.Carl hat sich allerdings nie selbst „von“ genannt, sondern immer nur „zu“; auch seine Nachkommen haben bis 1913 kein „von“ sondern ein „zu“ geführt (so wie es sich aus der Verleihung in der kaiserlichen Urkunde von 1744 ergibt). Im Übrigen war die Namensbezeichnung zu für die Familie durch eine Rechtsvorschrift (kurfürstliches Edikt vom 29. Mai 1833, kurhessGS 1833 S. 113 ff.) festgelegt.
mini|Carl Friedrich Ludwig Moritz von Isenburg-Birstein, zeitgenössische Lithografie
Leben Herkunft Carl war der Sohn von Wolfgang Ernst II., Fürst zu Isenburg und Büdingen, (* 17. November 1735 in Birstein; † 3. Februar 1803 in Offenbach am Main) und Sophie Charlotte von Anhalt-Bernburg-Schaumburg-Hoym (* 3. April 1743; † 5. Dezember 1781), die am 20. September 1760 auf der Schaumburg an der Lahn heirateten.
Kriegsschule und Militärdienst In seiner Jugend besuchte er die Kriegsschule École militaire für protestantische Knaben des blinden Fabeldichters Gottlieb Konrad Pfeffel in Colmar im Elsass (seit 1782 Académie militaire) und trat 1784 in ein Infanterie-Regiment als Leutnant ein, dessen Regimentsinhaber ab 1775 Joseph von Tillier und ab 1786 Wilhelm von Klebek war (100 Jahre später hieß es k.u.k. Oberösterreichisches Infanterie-Regiment "Ernst Ludwig Großherzog von Hessen und bei Rhein" Nr. 14), der Verband gehörte zur kaiserlichen Armee und hatte seinerzeit seinen Standort in Linz und Braunau am Inn. 1785 nahm er am Feldzug in den Niederlanden, 1786 am Feldzug gegen die Türken im Stab des Generalquartiermeisters und 1791/95 am Feldzug gegen die Franzosen in Italien und den Niederlanden teil. 1794 nahm er als Oberstleutnant seinen Abschied aus kaiserlichen Diensten, um zu heiraten.
Der junge Offizier scheint nicht gerade sparsam gewesen zu sein; am 28. Oktober 1791 veröffentlichte sein Vater eine Zeitungsmeldung, in dem er den Erbprinzen für zahlungsunfähig erklärte.Montägige Frankfurter Kaiserliche Reichs-Ober-Post-Zeitung Nr. 50 Die Schulden aus der österreichischen Militärzeit scheinen nicht alle bedient worden zu sein. Noch im Oktober 1801 ist von einer „Flucht“ Carls vor seinen Gläubigern von Offenbach nach Birstein die Rede. Minister Wolfgang von Goldner gelang es aber die Schulden zu ordnen und durch ein neues Gesamtdarlehen abzulösen.
Familie Carl heiratete am 16. September 1795 in Erbach Charlotte Auguste, Tochter des Grafen Franz zu Erbach-Erbach (* 5. Juni 1777 in Erbach; † 21. Mai 1846 in Heidelberg). Mit ihr hatte er sechs Kinder:http://geneall.net/de/name/5328/karl-i-friedrich-ludwig-moritz-fuerst-zu-isenburg Informationen bei geneall.net Viktoria Charlotte Franziska Luise (* 10. Juni 1796 in Offenbach; † 2. Juli 1837 in Birstein) Amalie Auguste (* 20. Juli 1797 in Offenbach; † 30. November 1808 in Offenbach) Wolfgang Ernst (* 25. Juli 1798 in Offenbach; † 29. Oktober 1866 in Birstein) ⚭ Adelheid Gräfin zu Erbach-Fürstenau (* 23. März 1795 in Fürstenau; † 5. Dezember 1858 in Birstein) am 30. Januar 1827 Franz Wilhelm (* 1. November 1799 in Hanau; † 21. Mai 1810 in Offenbach) Friedrich Karl (* 22. Januar 1801 in Offenbach; † 19. Februar 1804 in Offenbach) Viktor Alexander (* 14. September 1802 in Birstein; † 15. Februar 1843 in Heidelberg) ⚭ Maria Prinzessin zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (* 3. August 1813; † 19. März 1878) am 4. Oktober 1836
Die Eheleute Carl, Erbprinz zu Isenburg-Birstein, und Charlotte Auguste sowie Wolfgang Goldner und Amalie Wilhelmine waren ungefähr im gleichen Alter, ihre Kinder kamen im selben Jahrzehnt zur Welt. Die Kinder spielten fast jeden Tag miteinander (Der Chronist der Familie von Goldner, Richard Forsboom, mutmaßte über hundert Jahre später, die Kinder könnten nicht allzu viele weitere Freunde in Offenbach gehabt haben, wenn sie fast ständig zusammen gewesen seien.Richard Forsboom: Erinnerungen an die Familie von Goldner — meinen Nachkommen Helene, Wolfgang und Franz, Mannheim (Typoskript, gebunden) 1906 (der Stadtbibliothek Frankfurt am Main überreicht am 22. Juni 1931 von Wolfgang Forsboom, heute: Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg), Handschriftensammlung).
Wirken Erbprinz im Wartestand Carl war seit 28. August 1801 Ritter des Bayerischen Hubertusordens und – später – Träger des Compturkreuzes des Johanniterordens. Er förderte zwischen 1802 und 1804 erste Ausgrabungen beim Römerkastell „Altenburg“ im Territorium seines Vaters (im heutigen Ortsteil Rückingen von Erlensee).Karl Arnd: Der Pfahlgraben nach den neuesten Forschungen und Entdeckungen. Nebst Beiträgen zur Erforschung der übrigen römischen, wie auch der germanischen Baudenkmale in der unteren Maingegend. Zweite vermehrte Ausgabe, Heinrich Ludwig Brönner, Frankfurt am Main 1861, S. 10Karl Arnd (Landbaumeister): Die Römer und deren Denkmäler im Kinzigthale In: Zeitschrift für die Provinz Hanau – Zur Aufklärung ihrer Geschichte, ihrer natürlichen Beschaffenheit und ihres Kulturstandes, sowie der diesem entgegenstehenden Hindernisse, Band I, Friedrich König, Hanau 1839, S. 197, 216 Ab 1805 war er Träger des Großkreuzes der Ehrenlegion (G. C. LH).Die Münzen und Medaillen des Hauses Isenburg. In: Hermann Grote (Hrsg.) Münzstudien, Siebenter Band (Heft XIX, XX, XXI), Hahn’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1871 S. 234.
Regierender Fürst Nach dem Tod seines Vaters wurde Carl am 3. Februar 1803, er war 36 Jahre alt, regierender Fürst. Die "Chronologische Übersicht der brandenb. preuss. Generalität" verzeichnet unter "XVIII. "Generale... von 1798–1807" unter Nr. 1048. Fürst von Ysenburg-Birstein. 1803 als Titular-General-Major angestellt.Kurd Wolfgang von Schöning: Die Generale der Chur-Brandenburgischen und Königlich Preußischen Armee von 1640 bis 1840 - Eine historische Uebersicht, sammt vielen eingewebten urkundlichen Notizen, als Jubelschrift dem vaterländischen Kriegesheere geweiht (gedruckt bei den Gebr. Unger), S. 194. Aktiven Dienst hat er im preußischen Militär zwar nicht geleistet, den preußischen König (Friedrich Wilhelm III.) hat er aber vor Übernahme seines Dienstes im französischen Militär (1805) informiert. Dieser teilte ihm im Februar 1806 mit, dass militärische Dienstverhältnisse für unterschiedliche Mächte nicht vereinbar seien und er Carls Schreiben als Verzicht auf den preußischen Dienstgrad ansehe.Manfred Mayer: Geschichte der Mediatisierung des Fürstentums Isenburg. M. Rieger’sche Universitäts-Buchhandlung, München 1891, S. 171 f., Beilage I. No. 6a und 6b
Carl als Lobbyist für die „kleinen“ Fürsten – Frankfurter Union mini|hochkant|Wolfgang von Goldner, Paris 1806
Der Reichsdeputationshauptschluss (1803) hatte viele kleine Territorien, reichsunmittelbare Herrschaften, Grafschaften, Fürstentümer, liquidiert und größeren Territorien einverleibt. Auch Isenburg verfolgte diese Entwicklung argwöhnisch. Carls Minister Wolfgang von Goldner unternahm den Versuch, möglichst viele der gefährdeten kleineren Fürsten und Grafen (mindermächtige Reichsstände oder auch kleine Höfe genannt) zu einer Verhandlungseinheit zusammenzuschließen, mit gemeinsamen diplomatischen Vertretungen in Paris, Wien und Berlin, die Frankfurter Union. Ihr traten eine gewisse Anzahl rheinischer, hessischer und südwestdeutscher Herrscher bei.Manfred Mayer: Geschichte der Mediatisierung des Fürstentums Isenburg, M. Rieger’sche Universitäts-Buchhandlung, München 1891, S. 162–164 Die Organisatoren dieses sich bedeckt haltenden Vereins waren Minister Goldner und Graf Friedrich zu Solms-Laubach – und Fürst Carl trat in der Öffentlichkeit für die Vereinigung auf. Carl „vertrat also die Frankfurter Union offiziell den Franzosen gegenüber, ohne Hintergedanken, eine Figur Goldners und des Laubacher Grafen. Vermutlich war er selbst auch kaum intelligent genug, politische Leitlinien zu entwickeln und konsequent durchzuführen“.so sieht es Martin Bethke Das Fürstentum Isenburg im Rheinbund in Zeitschrift für Heereskunde – Wissenschaftliches Organ für die Kulturgeschichte der Streitkräfte, ihre Bekleidung, Bewaffnung und Ausrüstung, für heeresmuseale Nachrichten und Sammler-Mitteilungen, Berlin (West) (Deutsche Gesellschaft für Heereskunde e. V.) 1982, S. 96.
Mit der Errichtung des Rheinbundes 1806 verloren alle Mitglieder der Union außer Isenburg ihre Souveränität an die neu gebildeten Staaten (z. B. Leiningen an das Großherzogtum Baden, das Großherzogtum Hessen-Darmstadt und an das Königreich Bayern; Solms-Laubach an das Großherzogtum Hessen). Die Frankfurter Union löste sich spätestens im Herbst 1806 auf. Die ehemaligen Mitglieder hielten aber weiterhin Kontakt; Isenburg dagegen wurde förmlich geächtet.Eva Kell Die Frankfurter Union (1803–1806) – Eine Fürstenassoziation zur „verfassungsmäßigen Selbsterhaltung“ der kleineren weltlichen Adelsherrschaften In: Zeitschrift für Historische Forschung, Vierteljahresschrift zur Erforschung des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit, Berlin: Duncker & Humblot, 1991 (Heft 1) S. 95 Leiningen entzog Minister Goldner die Vollmacht, und Solms-Laubach ging auf Distanz. Carl von Isenburg selbst litt persönlich unter den Folgen seiner politischen Isolation: Meine Existenz als unabhängiger Fürst ist gerettet, schrieb er am 21. Juli 1806 an Goldner, ich bleibe noch auf einem Haufen Trümmern stehen, aber um mich sinkt Freund, Verwandten alles dahin, kaum kann ich mich freuen… O wie unglimpflich werde ich von allen anderen, die weniger glücklich als ich waren, beurteilt werden, und wie wenig verdiene ich dieses Urteil.Carl zu Isenburg aus Montpellier am 21. Juli 1806 an Goldner; Carl befand sich bei dem von ihm aufgestellten Régiment Isenburg in Südfrankreich.
Vom Reichsfürsten zum souveränen Staatsoberhaupt im Rheinbund Fürst Carl führte das Land als eines der Gründungsmitglieder am 12. Juli 1806 in den Rheinbund, wodurch er ein „souveräner Fürst über alle Isenburgische Lande“ wurde; aus dem Reichsfürsten Carl von Isenburg-Birstein wurde der Souverän Carl Fürst zu Isenburg (wie er sich danach selbst oft nannte).
Staatsoberhaupt und französischer Offizier Carl Fürst zu Isenburg war vom Herbst 1805 bis zum Sommer 1809 aktiver französischer Offizier. Er war Werber von zwei Fremdregimentern für Frankreich (1810 gab es insgesamt vier) und hat aktiv an Kampfhandlungen teilgenommen; er hat aber niemals das Isenburger (Rheinbund-)Kontingent noch eines der beiden von ihm angeworbenen französischen Fremdregimenter (Regiment Isenburg oder Regiment Preußen) in Gefechten befehligt.
Carl, den Napoleon bereits 1805 zum Colonel des von ihm angeworbenen Regiments (später als 2. kaiserlich-französisches Fremdregiment bezeichnet) ernannt hatte, warb für den Kaiser ein weiteres Regiment (später als 4. kaiserlich-französisches Fremdregiment bezeichnet), das er teilweise aus den Gefangenen der geschlagenen Preußischen Armee nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt gewann. Carl beteiligte sich kurzzeitig am Feldzug in Spanien, war aber nicht Kommandeur eines der von ihm angeworbenen Regimenter (Carl war ab 12. Dezember 1806 französischer Brigadegeneral). Er nahm 1809 (wegen seiner Gicht) seinen Abschied vom aktiven Dienst, blieb aber bis Dezember 1813 Offizier in französischen Diensten (Generalmajor).
Humanist und Freimaurer