mini|hochkant|Julia Child, 1988

Julia Child (geb. Julia Carolyn McWilliams; * 15. August 1912 in Pasadena, Kalifornien; † 13. August 2004 in Montecito, Kalifornien) war eine US-amerikanische Köchin und Autorin von Kochbüchern. Sie gilt gemeinsam mit M. F. K. Fisher, Craig Claiborne und James Beard als eine der Persönlichkeiten, die zwischen 1930 und 1970 die US-amerikanische Küche und Esskultur maßgeblich beeinflussten. Von großem Einfluss war dabei ihre Kochsendung The French Chef, die das erste Mal im Jahr 1963 ausgestrahlt wurde und ein Millionenpublikum mit der französischen Küche und deren Kochtechniken vertraut machte.Fussel, S. V–VII Ihr bekanntestes Buch ist Mastering the Art of French Cooking, das sie gemeinsam mit Simone Beck und Louisette Bertholle verfasste. Es wurde ganz wesentlich von La bonne Cuisine de Madame E. Saint-Ange geprägt, erstmals zu Beginn der 1960er Jahre aufgelegt und erscheint bis heute. Childs Kochbuchklassiker hat seinerseits eine Reihe anderer US-amerikanischer Köche wie etwa Ina Garten maßgeblich beeinflusst.

Julia Child, die an der US-amerikanischen Westküste aufwuchs, fand erst verhältnismäßig spät zur Kochkunst. Wegen ihres Mannes, der für das Außenministerium der Vereinigten Staaten tätig war, lebte sie in den 1950er Jahren in Frankreich und wurde maßgeblich von der dortigen Kochkunst geprägt. Sie lernte das professionelle Kochen an der Kochschule Cordon Bleu in Paris. 2000 wurde sie Mitglied der American Academy of Arts and Sciences. 2003 überreichte der damalige Präsident der Vereinigten Staaten, George W. Bush, Child die Freiheitsmedaille („The Presidential Medal of Freedom“), die höchste zivile Auszeichnung in den Vereinigten Staaten.

2009 erschien die Filmkomödie Julie & Julia von Nora Ephron, die die Lebensgeschichte von Julia Child erzählt. Julia Child wurde im Film von Meryl Streep gespielt.

Kindheit und Jugend Julia Child wurde in Pasadena, Kalifornien als Tochter von John und Julia McWilliams geboren. Ihre zwei Geschwister John (1914–2002) und Dorothy (1917–2006) kamen nach ihr auf die Welt. Julia Childs Familie war wohlhabend, und eine Hausangestellte kochte für die Familie. Die Mahlzeiten, die für die Familie serviert wurden, waren neuenglisch geprägt, da Julia Childs Mutter aus Neuengland stammte. Julia Child erinnerte sich zwar später daran, dass ihre Großmutter auf väterlicher Seite ausgezeichnet Huhn und Donuts zubereiten konnte. Sie selber zeigte während ihrer Jugend jedoch kein Interesse am Kochen.S. 113 und S. 114 Die einzige kulinarische Erfahrung ihrer Jugend, die ihr nachhaltig in Erinnerung blieb, war ein Besuch des Restaurants Caesar’s Place im mexikanischen Tijuana, bei dem Cesare Cardini persönlich an ihrem Tisch Caesar Salad zubereitete. Julia Childs Biografin Joan Reardon schließt jedoch nicht aus, dass der Restaurantbesuch Julia Child vor allem deshalb so deutlich in Erinnerung blieb, da sich dieses Restaurant, in dem Mariachibands spielten und Bier und Cocktails serviert wurden, so deutlich von den prohibitionistisch geprägten US-amerikanischen Restaurants unterschied.S. 115

Die schon als Jugendliche mit 1,88 Metern ausgesprochen groß gewachsene Julia Child spielte Tennis, Golf und Basketball und war Mitglied verschiedener Sportmannschaften des Smith College, das sie 1934 als Bachelor of Arts in Geschichte abschloss. Nach Abschluss ihres Studiums arbeitete sie für die Werbeabteilung eines Möbelhauses in New York. 1937 kehrte sie nach Kalifornien zurück, wo sie während der nächsten vier Jahre für verschiedene Verlage schrieb und im Werbegeschäft arbeitete.

Zeit des Zweiten Weltkriegs Mit dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg zog Julia Child nach Washington. Da sie zu groß war, um im Women’s Army Corps zu dienen, arbeitete sie für das Office of Strategic Services (OSS) im Büro von General William J. Donovan. Die Arbeit in Washington erwies sich jedoch als weniger aufregend als sie erhofft hatte und sie bewarb sich für den Dienst in Übersee, sobald sich dafür die Möglichkeit ergab.S. 118 Gemeinsam mit einer Gruppe, zu der unter anderem die Anthropologen Gregory Bateson und Cora DuBois gehörten, reiste sie per Schiff zunächst nach Australien und von da aus nach Indien. Sie selber wurde nach Kandy, Sri Lanka versetzt, wo sie für das Archiv des OSS zuständig war. In Kandy lernte sie Paul Child kennen, der für die Einrichtung der Kommandozentralen zuständig war. Paul Child, zehn Jahre älter als Julia Child, war weitgereist, sprach mehrere Sprachen, war begeisterter Fotograf und Maler und schätzte gutes Essen. Gemeinsam mit Gregory Bateson, Cora Du Bois, dem Ornithologen Sidney Dillon Ripley und dem Journalisten Theodore H. White gehörten sie einer Gruppe von freundschaftlich verbundenen Personen an, die das als langweilig empfundene Kantinenessen umgingen, um die verschiedenen regionalen Spezialitäten der asiatischen Küche auszuprobieren.S. 118 und S. 119 Zufällig wurden beide nahezu gleichzeitig zunächst nach Chongqing und dann Kunming versetzt. Paul und Julia Child verstanden sich gut, waren sich aber beide nicht sicher, wieweit ihre gegenseitige Zuneigung durch die ungewöhnliche Situation des Krieges bedingt war. Nach dem Ende des Krieges kehrte Julia Child nach Kalifornien zurück. Mit Paul Child blieb sie zunächst in Briefkontakt, dann trafen sie sich in Washington, um herauszufinden, ob die gegenseitige Anziehung noch Bestand hatte. Am 1. September 1946 heirateten sie schließlich und zogen nach Washington. Julia Child hatte in Kalifornien noch Kochunterricht genommen, um dem anspruchsvollen Geschmack ihres Mannes gerecht zu werden. Paul Child erinnerte sich später jedoch an Abendessen, die erst um 21 oder 22 Uhr von seiner erschöpften Frau serviert wurden.S. 120

Paris Zu Beginn des Jahres 1948 erfuhr Paul Child, dass er zum United States Information Office nach Paris versetzt würde. Paul Child hatte als junger Mann in Paris gelebt und dort unter anderem Ernest Hemingway und Gertrude Stein kennengelernt.S. 121 Für Julia Child war es der erste Aufenthalt in Europa. Am 3. November 1948 traf das Ehepaar im Hafen von Le Havre ein.S. 121 Ihre erste Mahlzeit auf französischem Boden hatte sie in einem Restaurant in Rouen auf dem Weg nach Paris. Diese Mahlzeit, die aus Austern, Seezunge Meunière und ausgezeichnetem Wein bestand, hat sie später mehrfach als eine „Offenbarung“ bezeichnet. Für kurze Zeit lebte das Ehepaar in einem Hotel. Dann fanden sie eine Wohnung in der rue de l’Université. Während ihr Mann seiner Tätigkeit an der US-Botschaft nachging, begann Julia Child im Berlitz-Institut ihr College-Französisch aufzufrischen. Den Rest des Tages verbrachte sie damit, Paris zu erkunden.S. 121S. 122 Regelmäßig war das Ehepaar abends in Restaurants wie dem L’Escargot oder dem La Grille zu Gast, die zu den führenden Restaurants der französischen Hauptstadt gehörten. Julia Child versuchte zunehmend, Mahlzeiten für sich und ihren Ehemann zuzubereiten. Beide waren sich jedoch einig, dass Julia Childs Kochkünste noch zu wünschen übrig ließen. Schließlich schrieb sie sich im Le Cordon Bleu ein. Ihr wurde zuerst eine Kochklasse zugewiesen, die sich an unerfahrene Hausfrauen richtete. Julia Child insistierte jedoch bei der Leitung der Kochschule, dass sie mehr als eine oberflächliche Einführung in die französische Küche wünsche und auf eine fundierte Ausbildung abziele. Schließlich gelang es ihr, in den sechsmonatigen Kochkurs aufgenommen zu werden, in dem zwölf ehemalige Angehörige der US-Armee aufgrund der G. I. Bill of Rights Kenntnisse der französischen Küche erwerben sollten, um später in den Staaten im Restaurantgeschäft zu arbeiten.S. 122 Der Unterricht begann morgens um sieben und dauerte dann zwei oder drei Stunden. Julia Child kehrte danach in die Wohnung zurück, um für sich und ihren Mann zu kochen und dabei das Erlernte unmittelbar umzusetzen. Ihre Schwester Dorothy, die zu der Zeit zu Gast in Paris war, als ihre Schwester ihre Technik bei der Herstellung von Sauce Hollandaise und Sauce Béarnaise perfektionierte, hat später davon berichtet, dass die butterreichen Experimente von Julia Child zu Gallenkoliken bei allen Beteiligten führten.S. 122

mini|Pariser Bäcker in den 1950er Jahren

Am Nachmittag kehrte Julia Child ins Le Cordon Bleu zurück, um den Kochdemonstrationen beizuwohnen, zu denen die führenden Köche von Paris eingeladen wurden. Zu den Lehrern am Cordon Bleu zählte Max Bugnard, ein Schüler von Escoffier und der Pâtissier Claude Thillmont, der viele Jahre lang die Pâtisserie des Café de Paris geleitet hatte. Julia Child sagte später über diese Zeit, dass sie erst mit dem Kochen eine Tätigkeit gefunden habe, die sie richtig interessiere.S. 122 Der Kochbuchklassiker La bonne Cuisine de Madame E. Saint-Ange gehörte zu ihren Inspirationen.

1949 lernte Julia Child auf einer Cocktailparty Simone Beck kennen. Simone Beck teilte Julia Childs Leidenschaft für gute Küche, und Julia Child verstand sich mit der Französin so gut, dass sich die beiden Frauen für den nächsten Tag verabredeten, um ihre Diskussion über Esskultur fortzusetzen. Wenige Tage später stellte Simone Beck Julia Child ihrer Freundin Louisette Bertholle vor und beide Frauen drängten Julia Child, Mitglied im Le cercle des Gourmettes zu werden.S. 123 Die Vereinigung, die nur Frauen als Mitglieder zuließ, veranstaltete für ihre Mitglieder in regelmäßigen Abständen Mittagessen, die von Köchen zubereitet wurden, die speziell für diesen Anlass eingeladen wurden. Die Mitglieder der Vereinigung durften dabei während der Zubereitung des Mahles anwesend sein und den Köchen assistieren. Die drei Frauen waren einige der wenigen Mitglieder, die diese Möglichkeiten wahrnahmen, und zwischen den drei Frauen entwickelte sich eine zunehmend engere Freundschaft.S. 123

Simone Beck und Louisette Bertholle hatten auf Anregung eines US-amerikanischen Freundes von Bertholle hin ein kleines Heftchen mit dem Titel What’s cooking in France geschrieben, das Nordamerikanern die französische Küche näher bringen sollte. Die beiden Frauen planten, dieses Heftchen zu einem umfangreichen Kochbuch weiterzuentwickeln, das ebenso wie ihr kleines Rezeptheftchen von Ives Washburn Publishing Company veröffentlicht werden sollte. Ihrer Ansicht nach war Julia Child die ideale Ergänzung, um die Rezepte ins Englische zu übertragen und den kulturellen Hintergrund eines nordamerikanischen Publikums zu berücksichtigen. Da in Paris eine größere Anzahl von Amerikanern lebte, die großes Interesse daran hatten, mehr über die französische Küche zu erfahren, gründeten die drei zunächst die L’Ecole de Trois Gourmandes. Als Kochstudio diente die Küche in der Wohnung der Childs.

Erste Arbeiten an Mastering the Art of French Cooking Julia Child stand der Idee eines gemeinsamen Kochbuches zunächst skeptisch gegenüber, geriet jedoch zunehmend in die Rolle derjenigen, die das Projekt strukturierte und die Verhandlungen mit den nordamerikanischen Verlagshäusern führte. Bereits im Herbst 1952 hatte Julia Child Zweifel daran, dass Ives Washburns Publishing Company das geeignete Verlagshaus für ihr zunehmend ambitionierteres Projekt sei. Simone Beck und Louisette Bertholle hatten bei der Veröffentlichung ihres ersten Kochbuches nicht einmal Gelegenheit erhalten, die Druckfahnen korrekturzulesen, der Verlag hatte wenig Anstrengungen unternommen, um das Heftchen zu vermarkten, es gab keinen Vorvertrag über das geplante Kochbuch und keiner der Autoren hatte bislang einen marktüblichen Vorschuss erhalten.S. 125 Julia Child fand einen US-amerikanischen Anwalt, der ihre Interessen vertreten sollte und forderte von Ives Washburns alle Manuskripte zurück, um sie erneut zu übersetzen und zu überprüfen. Sie war auch diejenige, die ihre Mitautorinnen zwang, sich über Umfang und Zielsetzung des geplanten Kochbuches klar zu werden.S. 125 Zu diesem Zeitpunkt planten die Autorinnen noch ein fünfbändiges Werk über die französische Küche.